Schwefeldichlorid

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Strukturformel
Strukturformel von Schwefeldichlorid
Allgemeines
Name Schwefeldichlorid
Andere Namen
  • Schwefel(II)-chlorid
  • Dichlormonosulfan
Summenformel SCl2
CAS-Nummer 10545-99-0
PubChem 25353
Kurzbeschreibung

rot-braune Flüssigkeit mit stechendem Geruch [1]

Eigenschaften
Molare Masse 102,97 g·mol−1
Aggregatzustand

flüssig

Dichte

1,62 g·cm−3 (bei 15 °C)[1]

Schmelzpunkt

−122 °C[1]

Siedepunkt

59,5 °C[1]

Dampfdruck

218 hPa (20 °C)[1]

Löslichkeit

reagiert mit Wasser[1]

Brechungsindex

1,557 (14 °C)[2]

Sicherheitshinweise
GHS-Gefahrstoffkennzeichnung aus EU-Verordnung (EG) 1272/2008 (CLP) [3]
05 – Ätzend 07 – Achtung 09 – Umweltgefährlich

Gefahr

H- und P-Sätze H: 314​‐​335​‐​400
EUH: 014
P: ?
EU-Gefahrstoffkennzeichnung [4] aus EU-Verordnung (EG) 1272/2008 (CLP) [3]
Ätzend Umweltgefährlich
Ätzend Umwelt-
gefährlich
(C) (N)
R- und S-Sätze R: 14​‐​34​‐​37​‐​50
S: (1/2)​‐​26​‐​45​‐​61
Soweit möglich und gebräuchlich, werden SI-Einheiten verwendet. Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen. Brechungsindex: Na-D-Linie, 20 °C
Vorlage:Infobox Chemikalie/Summenformelsuche vorhanden

Schwefeldichlorid ist eine dunkelrote, toxische, hydrolyseempfindliche Flüssigkeit mit charakteristischem, an Chlor erinnernden Geruch.

Geschichte[Bearbeiten]

Eine der ersten Anwendungen von Schwefeldichlorid erfolgte 1846. Damals nutzte Alexander Parkes in Schwefelkohlenstoff (CS2) gelöstes Schwefeldichlorid zur Kaltvulkanisation von Kautschuk. Während des ersten Weltkrieges wurde Schwefeldichlorid zur Herstellung des Kampfstoffes S-Lost verwendet.

Gewinnung und Darstellung[Bearbeiten]

Im Labor wird Schwefeldichlorid durch Umsetzung von Dischwefeldichlorid mit Chlorgas hergestellt. Ebenfalls möglich ist die direkte Umsetzung von Schwefel mit Chlor, wobei ein Gemisch aus Dischwefeldichlorid und Schwefeldichlorid erhalten wird. Eine Trennung der beiden Flüssigkeiten kann durch Destillation unter Schutzgasatmosphäre erfolgen.[5]

 \mathrm{    S_8 + 4 \ Cl_2 \longrightarrow 4 \ S_2Cl_2}
 \mathrm{S_2Cl_2 + \ Cl_2 \longrightarrow 2 \ SCl_2}

Eigenschaften[Bearbeiten]

Physikalische Eigenschaften[Bearbeiten]

Schwefeldichlord ist mit einer Bildungsenthalpie von −49 kJ/mol eine mäßig exotherme Verbindung. Sie ist bei Raumtemperatur nicht stabil und zerfällt in einer Gleichgewichtsreaktion zu Schwefelmonochlorid und Chlor. Eine Stabilisierung ist durch Zugabe von Phosphortrichlorid oder Phosphorpentachlorid möglich.

Strukturformel von Schwefeldichlorid mit Bindungswinkel und -länge

Schwefeldichlorid besitzt C2v-Symmetrie. Das Schwefelatom ist tetraedrisch von den beiden Chloratomen und von den beiden freien Elektronenpaaren umgeben. Der Bindungswinkel zwischen Cl-S-Cl beträgt etwa 103 Grad, die Bindungslänge d(Cl–S) = 2,01 Å.

Verwendung[Bearbeiten]

Schwefeldichlorid kann als Sulfidierungs- und Chlorierungsmittel in der Synthese verwendet werden. Es reagiert mit ungesättigten Verbindungen wie Allylphenylethern oder Allylphenolen zu den entsprechenden Thiaheterocyclen bzw. Sulfonen.

Sicherheitshinweise[Bearbeiten]

Da mit Schwefeldichlorid auf relativ einfache Weise die Darstellung von Senfgas möglich ist, werden Produktion, Verwendung und vor allem Ausfuhr gesetzlich geregelt und überwacht.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d e f Eintrag zu Schwefeldichlorid in der GESTIS-Stoffdatenbank des IFA, abgerufen am 5. Januar 2008 (JavaScript erforderlich)
  2. David R. Lide (Hrsg.): CRC Handbook of Chemistry and Physics. 90. Auflage. (Internet Version: 2010), CRC Press/Taylor and Francis, Boca Raton, FL, Index of Refraction of Inorganic Liquids, S. 4-140.
  3. a b Eintrag aus der CLP-Verordnung zu CAS-Nr. 10545-99-0 in der GESTIS-Stoffdatenbank des IFA (JavaScript erforderlich).
  4. Seit dem 1. Dezember 2012 ist für Stoffe ausschließlich die GHS-Gefahrstoffkennzeichnung zulässig. Bis zum 1. Juni 2015 dürfen noch die R-Sätze dieses Stoffes für die Einstufung von Gemischen herangezogen werden, anschließend ist die EU-Gefahrstoffkennzeichnung von rein historischem Interesse.
  5. G. Brauer (Hrsg.): Handbook of Preparative Inorganic Chemistry. 2. Auflage. Band. 1, Academic Press 1963, S. 370–371.