Schweina

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Dieser Artikel behandelt die Gemeinde Schweina. Zum namensgebenden Fluss siehe unter Schweina (Fluss).
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Schweina
Schweina
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Schweina hervorgehoben
50.82777777777810.338611111111305Koordinaten: 50° 50′ N, 10° 20′ O
Basisdaten
Bundesland: Thüringen
Landkreis: Wartburgkreis
Höhe: 305 m ü. NN
Fläche: 16,4 km²
Einwohner: 2973 (31. Dez. 2007)[1]
Bevölkerungsdichte: 181 Einwohner je km²
Postleitzahl: 36448
Vorwahl: 036961
Kfz-Kennzeichen: WAK
Gemeindeschlüssel: 16 0 63 069
Gemeindegliederung: 3 Ortsteile
Adresse der Gemeindeverwaltung: August-Bebel-Str. 12
36448 Schweina
Webpräsenz:
Bürgermeister: Jürgen Holland-Nell (SPD)
Lage der Gemeinde Schweina im Wartburgkreis
Karte

Schweina ist eine Gemeinde im Wartburgkreis in Thüringen.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Geographie

Die Gemeinde Schweina befindet sich im nordwestlichem Thüringer Wald, welcher durch steile Berge und Mischwälder geprägt ist. Auch der Rennsteig in unmittelbarer Nachbarschaft zu Bad Liebenstein lockt alljährlich viele Besucher.

[Bearbeiten] Nachbargemeinden

Direkt angrenzende Gemeinden sind Bad Liebenstein (Stadt), Barchfeld, Moorgrund, Ruhla (Stadt) und Steinbach im Wartburgkreis.

[Bearbeiten] Gemeindegliederung

[Bearbeiten] Geschichte

Funde und eine Reihe von Bodendenkmalen aus der älteren und jüngeren Steinzeit (10000 v. Chr.4000 v. Chr.) lassen auf eine frühe Besiedlung dieser Gegend schließen.

Am 1. Juni 933 erfolgt die erste urkundliche Erwähnung des Schweinabaches [sueinnaha = Bach der Schweinehirten) im sogenannten „Königsbrief“ durch König Heinrich I. Um 1100 entwickelt sich der Abbau von Eisenstein als weiterer Erwerbszweig im Ort. In einer Papsturkunde aus dem Jahr 1183 von Papst Lucius III. (1097 (?)–1185) - Amtszeit von 1181–1185 wird eine Kapelle zu Ehren des Heiligen Antonius (Antonius der Große), dem Schutzpatron der Schweinehirten, auf dem Antoniusberg erwähnt. Um 1268 beginnt der Kupferbergbau im Ort. 1353 wird Schweina Hauptort des Amtes Altenstein, das aus den Orten Gumpelstadt, Waldfisch, Steinbach und Schweina gebildet wird. 1441 sind 14 Schmelzhütten in nachgewiesen. Ab 1490 wird dem Ort das Braurecht erteilt. 1492 fällt das Amt Altenstein als erbliches Mann-Lehen an das Geschlecht der Hund von Wenkheim. Die erste Kirche im Ort wird 1513 zu Ehren des Heiligen Laurentius geweiht. 1523 bekommt Schweina das Marktrecht zugesprochen. Die Reformation ist bis 1547 im Amt Altenstein vollzogen. 1557 beginnt der ca. dreihundert Jahre dauernde Streit um die Stabsgerechtigkeit. Während des Dreißigjährigen Krieges von 1618 bis 1648 kommt es zu mehrmaligen Plünderungen und Brandschatzungen. Ab 1628 beginnen Hexenprozesse im Amt Altenstein, die bis 1699 fortdauern. Am 17. Dezember 1637 wird die Kirche durch plündernde Kroaten-Truppen ein Raub der Flammen. Bereits ein Jahr später wird die neue Kirche geweiht. Die Kupferförderung wird 1681 wieder aufgenommen.

Schloss Glücksbrunn wird im Auftrag von Hofrat Johannes Trier im Jahre 1703 errichtet. Gleichzeitig beginnen die ersten Arbeiten zur Anlegung des Glücksbrunner Parks. Mit dem Beginn des Abbaus von Kobalt wird 1714 ein Blaufarbenwerk errichtet. 1722 stirbt Eberhard Friedrich Hund von Wenkheim (1647–1722) als Letzter seines Geschlechts. Damit fällt das Amt Altenstein an das seit 1680 bestehende Herzogtum Sachsen-Meiningen. Für 1754 sind 23 Bergbaugruben nachgewiesen. Von 1772 bis 1776 erlebt die Region mehrere schwere Hungerjahre. Ab 1798 beginnen die Arbeiten zur Errichtung der Sommerresidenz auf dem Altenstein durch Georg I. Herzog von Sachsen-Meiningen, wodurch mehr als 300 arbeitslose Bergleute wieder in Lohn und Brot kommen. Bei Sprengarbeiten zum Bau der Straße zum Altenstein hinauf wird am 28. Juni 1799 die Altensteiner Höhle entdeckt. 1824 entsteht im ehemaligen Blaufarbenwerk die erste mechanische Spinnerei durch Johann Christian von Weiß. Dort kommt im August 1827 die erste Dampfmaschine in Thüringen zum Einsatz. 1833 wird das Gut Wenigenschweina (auch Minussschweina genannt) durch Bernhard II. Ehrich Freund Herzog von Sachsen-Meiningen (1800-1882) erworben und zu Ehren seiner Gattin Marie von Hessen-Kassel (1804-1888) in Marienthal umbenannt. Ab 1846 beginnt die Tabakpfeifenproduktion durch die Gründung der Firma August Reich & Söhne. 1850 kommt der Pädagoge Friedrich Wilhelm August Fröbel (1782-1852) nach Schweina. Bernhard II. stellt ihm Schloss Marienthal zur Einrichtung des ersten deutschen Kindergärtnerinnen-Seminars zur Verfügung. Im selben Jahr organisiert Fröbel ein Großes Spielfest auf dem Altenstein. Am 21. Juni 1852 stirbt Friedrich Fröbel im Schloss Marienthal und wird auf dem Friedhof zu Schweina beigesetzt. Von 1870 bis 1890 beherbergt Schloss Marienthal das „Pädagogium“ unter Leitung von Direktor Eduard Fischer.

Am 15. Mai 1887 wird der Schulneubau (Backsteinschule) feierlich eröffnet. Bereits am 9. Oktober 1904 wird der zweite Schulneubau feierlich eingeweiht. 1908 werden der Kupfer- und Kobaltbergbau nach der Erschöpfung der Lagerstätten endgültig eingestellt. Als Folge des Ersten Weltkriegs verlieren 132 Menschen aus Schweina ihr Leben.

Am 1. Oktober 1923 erfolgte die Gründung der Großgemeinde Bad Liebenstein durch den Zusammenschluss von Bad Liebenstein, Bairoda, Steinbach, Marienthal und Schweina, welche bereits im Juli 1924 wieder aufgelöst wird. Marienthal wurde am 1. April 1937 wieder ein Ortsteil von Schweina.

Während des Zweiten Weltkrieges mussten mehr als 420 Kriegsgefangene aus Frankreich und Militärinternierte aus Italien sowie Frauen und Männer vorwiegend als sogenannte "Ostarbeiter" Zwangsarbeit verrichten: in der Kammgarnspinnerei, in der Holzwarenfabrik Schreinert & Co., in der Stuhl- und Holzwarenfabrik Richard Eick, bei der Firma C. & S. Reich, sowie in Marienthal bei den Firmen R. & O. Lux und Gebrüder Heller. Drei Personen wurden Opfer der Zwangsarbeit.[2]

Im Zweiten Weltkrieg (1939–1945) hatte Schweina 179 Opfer zu beklagen; darunter auch 3 Tote durch einen Bombenangriff im Sommer 1944, bei dem 154 schwere Bomben um das Schloss Altenstein fielen. Am 5. April 1945 marschierte die US-Armee kampflos in Schweina ein. Sie wurde am 6. Juli 1945 von der Sowjetarmee abgelöst. Vom 1. Juli 1950 bis zum 31. Mai 1974 unterstand Schweina der Gemeinschaftsverwaltung mit Bad Liebenstein. In dieser Zeit hieß Schweina offiziell Bad Liebenstein II. Seit dem 1. Juni 1974 ist Schweina wieder eine selbstständige Gemeinde, der Ortsteil Altenstein verblieb beim Kurort Bad Liebenstein. Mit der 1989 einsetzenden Wende wurden in den Jahren 1990/1991 alle in Schweina ansässigen Traditionsbetriebe geschlossen. 1990 ging Schweina offiziell Partnerschaften mit den Gemeinden Leopoldshöhe in Nordrhein-Westfalen und Sennfeld in Bayern ein. Am 1. Juli 1994 entstand die Verwaltungsgemeinschaft Schweina / Steinbach, innerhalb derer Schweina die erfüllende Gemeinde ist. 1997 wurde das restaurierte Fröbeldenkmal auf der „Fröbelsruh“ wiedereingeweiht. Im gleichen Jahr am 22. Juli erhielt der Schweinaer Friedrich-Fröbel-Kindergartens die Anerkennung als einer von acht offiziellen Fröbelkindergärten in Thüringen. Ein weiterer Partnerschaftsvertrag mit der polnischen Gemeinde Łambinowice (deutsch Lamsdorf) wurde am 4. Juli 2005 unterzeichnet.

Seit 2000 gab es Planungen zum Zusammenschluss von Bad Liebenstein, Schweina und Steinbach zum „Altensteiner Oberland“. Der Zusammenschluss wurde in einer Volksabstimmung abgelehnt.

[Bearbeiten] Einwohnerentwicklung

Entwicklung der Einwohnerzahl :

  • 1799: 785
  • 1841: 1357
  • 1919: 3327
  • 1937: 3995
  • 1994: 3239
  • 1995: 3228
  • 1996: 3181
  • 1997: 3178
  • 1998: 3221
  • 1999: 3249
  • 2000: 3213
  • 2001: 3154
  • 2002: 3103
  • 2003: 3101
  • 2004: 3076
  • 2005: 3041
  • 2006: 3038
  • 2007: 2973
Datenquelle: ab 1994 Thüringer Landesamt für Statistik - Werte vom 31. Dezember

[Bearbeiten] Politik

Dem Gemeinderat gehören 16 gewählte Ratsmitglieder an.

(Stand: Kommunalwahl am 27. Juni 2004)

[Bearbeiten] Wappen

Blasonierung; „Im von Silber, Rot und Gold im Göpelschnitt geteilten Schild links ein aus Würfel, Walze und Kugel bestehendes rotes Gebilde (Fröbeldenkmal), rechts ein silberner nimbierter Heiliger, in der linken Hand einen silbernen Palmenzweig, in der rechten Hand einen schwarzen Rost haltend (St. Laurentius) und unten ein grüner Eichenzweig, bestehend aus zwei Blättern, dazwischen eine Eichel.“

[Bearbeiten] Einzelnachweise

  1. Thüringer Landesamt für Statistik: Bevölkerung nach Gemeinden
  2. Thüringer Verband der Verfolgten des Naziregimes - Bund der Antifaschisten und Studienkreis deutscher Widerstand 1933-1945 (Hg.): Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933-1945, Reihe: Heimatgeschichtliche Wegweiser Band 8 Thüringen, Erfurt 2003, ISBN 3-88864-343-0

[Bearbeiten] Literatur

[Bearbeiten] Weblinks

Commons Commons: Schweina – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
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