Schweizerischer Zofingerverein

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Schweizerischer Zofingerverein
(Zofingia)
Zirkel Zofingia.svg
Zweck: Studentenverbindung
Vorsitz: Elias Raymann (Centralpräsident)
Gründungsdatum: 1819
Sitz: Zofingen
Website: www.zofingia.ch

Der Schweizerische Zofingerverein (Zofingia) ist eine 1819 gegründete schweizerische Studentenverbindung. Ihr Name geht auf den Gründungsort Zofingen im Kanton Aargau zurück.

Inhaltsverzeichnis

Allgemeines [Bearbeiten]

Die nichtschlagende und farbentragende Verbindung ist in 14 Sektionen unterteilt und an acht Universitäten, einer Fachhochschule und fünf Mittelschulen vertreten. Geführt wird die Zofingia vom Centralausschuss (CAus), bestehend aus Centralpräsident (CP), Cetralaktuar (CA), Centralquästor (CQ) und vier Centralmorpionen (Beisitzer). Der Centralausschuss wird von der Festversammlung anlässlich des jährlich stattfindenden Centralfestes in Zofingen für jeweils ein Amtsjahr aus den Mitgliedern einer Sektion gewählt. Dabei wechselt die Sektion, die den Centralausschuss "stellen" kann, von Jahr zu Jahr gemäss einem bestimmten Turnus (sog. Vorortsprinzip). Die Zofingia ist eine Lebensverbindung. Nach absolviertem Studium kann ein Mitglied dem Schweizerischen Altzofingerverein beitreten.

Ihre Devisen sind Patriae, Amicitiae, Litteris (für Vaterland, für Freundschaft, für Wissenschaft). Neben der Pflege der Freundschaft hat sie sich zum Ziel gesetzt, Persönlichkeiten hervorzubringen, welche Verantwortung in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft übernehmen können. Sie setzt sich mit aktuellen Problemen aus Politik und Wirtschaft auseinander und beschäftigt sich mit Fragen des universitären, kulturellen und sozialen Lebens. Sie orientiert sich an der Idee eines föderalistisch aufgebauten, demokratischen Rechtsstaats und setzt sich für die Wahrung der persönlichen Freiheit ein. Sie enthält sich jeglicher Parteipolitik, kann aber zu Fragen von schweizerischem öffentlichen Interesse Stellung nehmen.

Die Verbundenheit mit der «Bundesstadt» Zofingen ist gross. Die Verbindungsfarben (rot-weiss-rot) entsprechen denen des Stadtwappens. Jedes Jahr im Mai oder Juni treffen sich die aktiven Mitglieder hier zum Centralfest, alle drei Jahre zudem die Altzofinger. Die Stadtbehörden zeigen sich der Verbindung gegenüber stets wohlwollend. Als Dank dafür erhielt die Stadt mehrmals wertvolle Geschenke, so z. B. einen Brunnen zu Ehren des Stadthelden Niklaus Thut (1894), bemalte Glasscheiben für das Rathaus (1969) oder eine Justitia-Statue (1994).

Geschichte [Bearbeiten]

Gründung [Bearbeiten]

C. Jeanneret, Wappen der Zofinigia (um 1919).

In der Alten Eidgenossenschaft gab es verschiedene akademische Gesellschaften (u. a. die «Wachsende» in Zürich, die «Vergnügte» in Bern und die «Freie» in Basel). Diese verschwanden Ende des 18. Jahrhunderts. 1761 wurde in Schinznach-Bad die patriotische Helvetische Gesellschaft gegründet. Die Mitbegründer waren Salomon und Kaspar Hirzel von der wachsenden Gesellschaft, Vincenz Bernhard Tscharner von der Vergnügten Gesellschaft und Isaak Iselin sowie Jean-Rudolphe Frey aus der Freien Gesellschaft. Da diese Herren schon älteren Semesters waren, wurde mit Erfolg versucht, die Jugend mit einzubeziehen. Hauptziel war es, die in der Schweiz vorherrschenden konfessionellen Gegensätze zu überbrücken.

Nach dem Zusammenbruch der Eidgenossenschaft 1798 gab es eine Spaltung zwischen den fortschrittlichen Unitariern und den konservativen Föderalisten. Diese Spaltung blieb auch, nachdem Napoleon verloren hatte, und die Eidgenossenschaft von den Siegermächten als souverän anerkannt wurde.

Berner Studenten aus dem Umfeld des Professors Johann Rudolf Wyss, Albert Bitzius, dessen Vetter Karl Bitzius und Gottlieb Studer[1], organisierten im Juni 1818 eine Feier im Angedenken an die Schlacht bei Laupen. Dieselben Initianten gehörten zu den ersten Berner Studenten, die ein Jahr später nach Zofingen fuhren. Zürcher Studenten luden ihre Berner Kommilitonen ein, um am 23. Oktober 1818 das 300. Jubiläum des Tages zu feiern, an dem Ulrich Zwingli das erste Mal das Evangelium verkündet hatte. Man pilgerte an die Todesstätte Zwinglis, in den Sihlwald. Später luden die Berner ihre Zürcher Kommilitonen nach Bern ein. Es kam die Idee auf, im aargauischen Städtchen Zofingen – ungefähr in der Mitte zwischen beiden Städten – einen eigenen Studentenverein zu gründen. Vom 21. bis 24. Juli 1819 trafen sich 26 Zürcher und 34 Berner deshalb in Zofingen und gründeten den «Schweizerischen Verein Studierender»[2], der sich wenig später Zofingerverein oder «Zofingia» nannte. Im Ausland Studierende brachten die Gepflogenheiten der deutschen Burschenschaften mit nach Hause in die Schweiz.

Bereits 1820 zählte der Zofingerverein 120 Studenten aus den Kantonen Bern, Zürich, Luzern und der Waadt. Die Zofingia adaptierte nach und nach deutsches akademisches Brauchtum. Ab etwa 1830 trugen die Zofinger als äusseres Erkennungsmerkmal das Couleur, bestehend aus weisser Mütze und rot-weiss-rotem Band. 1822 entschied man sich, im Ausland eine Sektion aufzubauen, und gründete in Freiburg im Breisgau eine weitere Zofingersektion. Nachdem die Zofingia in Freiburg verschiedene Probleme mit den dortigen Burschenschaften hatte entschloss man sich, diese Sektion wieder zu schliessen und vorerst keine weiteren Ableger im Ausland mehr zu stiften.

Abspaltungen und Neugründungen [Bearbeiten]

Die Zofinger bildeten oft den Kern von studentischen Freikompanien und unterstützten oft nicht-eidgenössische Mächte (so z. B. 1838 und 1856, als die Neuenburger Zofinger dem preussischen Fürsten halfen). Es kam dann auch vor, dass sich Zofinger gegenseitig bekämpften (so z. B. Lausanne und Neuenburg), was u. a. dazu führte, dass eine Sektion aus dem Schweizerischen Zofingerverein austrat.

Auf Grund dieser Zerrissenheit gab es verschiedene Abspaltungen. So wurde 1832 der Grundstein für die Helvetia gelegt, als die Luzerner und eine Minorität der Zürcher Zofinger sich neu zusammenschlossen und ein erstes Mal die Helvetia gründeten. Damit war das Einheitsideal der Zofingia ein erstes Mal zerbrochen. Die Helvetia vermochte sich ausser in Luzern und Zürich nur noch in Bern in teilweise in St. Gallen zu festigen.

1837 gab es die Helvetia nur noch in Bern.

Nach einem 1847 durch eine Kleinigkeit entstandenen Zwist in der Sektion Bern zwischen dem konservativen und liberalen Lager kam es zur Abspaltung der Liberalen und zur Gründung des Neu-Zofingervereins.

Ende 1847 hatte die radikale Neu-Zofingia 7 Sektionen mit etwa 100 Mitgliedern, die alte Zofingia bestand aus 6 Sektionen mit über 120 Mitgliedern.

Die Neu-Zofingia wurde im Herbst 1849, nach dem Sonderbundskrieg und dem damit entstandenen Streit zwischen den beiden Zofingias, in Helvetia umbenannt.

Der 1855 aus der Fusion von Zürcher Zofingern mit der Helvetia entstandene neue Verein nannte sich wieder Neu-Zofingerverein. Seine Mitglieder trugen rot-weiss-rote Bänder und blaue Mützen mit Goldrändern. Schon bald wurden die Mützen mit der unbeliebten Farbe durch weisse ersetzt, und 1857 gründete eine Gruppe ausgetretener Neu-Zofinger erneut die Helvetia.

1865 wurde die Zofingia wiederum gespalten, als das Zürcher Strafgesetzbuch das Duellieren strafbar machte. 1867 wurde dann die Helvetia wiederum auf Zofingia zurückbenannt.

Von Anfang an war die Zofingia mehrheitlich gegen die Mensur eingestellt. Dennoch wurde oft gefochten, da man sich den Forderungen anderer Studentenverbindungen nicht entziehen konnte. Die Mensurfrage erregte die Gemüter aber erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. So beschloss man 1863 an der Festversammlung des Centralfestes, den Gebrauch des Schlägers zu verbieten. Das Verbot konnte sich nicht durchsetzen, vor allem in Zürich und Bern nicht. Deshalb erhielt die Sektion Zürich 1883 eine Ausnahmestellung. Diese wurde erst 1903 durch eine Urabstimmung aufgehoben, was die Konstituierung der Neuzofingia (weisse Mützen, rot-weiss-blaue Bänder) bedeutete. Als 1903 die Mensurfrage die Sektion Zürich spaltete und der Gesamtverein dann die Ausnahmestellung von Zürich aufhob, spaltete sich eine loyale Minorität ab, die bisherige Sektion wurde geschlossen und die verbleibenden wurden als legitime Zofingersektion anerkannt.

Personen [Bearbeiten]

siehe auch: Kategorie:Korporierter im Schweizerischen Zofingerverein

Archiv [Bearbeiten]

  • Centralarchiv des Schweizerischen Zofingervereins (Staatsarchiv Basel-Stadt), PA 412a (1819-2009)
  • Centralarchiv des Schweizerischen Altzofingervereins (Staatsarchiv Basel-Stadt), PA 515a (1861-2011)

Literatur [Bearbeiten]

Weblinks [Bearbeiten]

 Commons: Zofingia – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise [Bearbeiten]

  1. Nachlass Gottlieb Studer (1801–1889): Briefwechsel mit Studienfreunden und Reden im Zofingerverein Online-Archivkatalog der Bibliothek der Burgergemeinde Bern
  2. Staatsarchiv Bern, V Zofingia 1 online.