Schweizerisches Inventar der Kulturgüter von nationaler und regionaler Bedeutung

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Das Schweizerische Inventar der Kulturgüter von nationaler und regionaler Bedeutung ist das Verzeichnis der 3‘200 Objekte von nationaler und rund 6‘600 Objekte von regionaler Bedeutung, die zum Kulturerbe der Schweiz gerechnet werden.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Haager Konferenz vom 21. April bis 14. Mai 1954 hatte als Ergebnis die Haager Konvention zum Schutz von Kulturgut bei bewaffneten Konflikten (HAK) der UNESCO, die am 14. Mai 1954[1] von der Schweiz und von 87 anderen Nationen unterzeichnet wurde. Bis heute wurde das HAK von über 160 Signatarstaaten unterzeichnet. 1999 erarbeitete man als Ergänzung das Zweite Protokoll zum HAK, welches alle Signatarstaaten zur Einführung eines nationalen Kulturgüter-Inventars verpflichtet.[2]

Dieses Inventar erschien 1988 zum ersten Mal. In den Jahren 1995 und 2009 gab dann der Fachbereich Kulturgüterschutz (FB KGS)[3] im Bundesamt für Bevölkerungsschutz (BABS),[4] der in der Schweiz Anlaufstelle für alle Fragen zum Kulturgüterschutz ist, die Editionen Nummer zwei und drei heraus.

Inhalt[Bearbeiten]

Nach den Bestimmungen des HAK soll umfasst der Kulturgüter-Begriff die folgenden Objekte:

„Bewegliches oder unbewegliches Gut, das für das kulturelle Erbe der Völker von grosser Bedeutung ist. Bauwerke, Kunst, Denkmäler, archäologische Stätten, Bücher, Manuskripte, wissenschaftliche Sammlungen, Archivalien und Reproduktionen des Kulturgutes. Gebäude wie Museen, Bibliotheken, Archive, Klöster sowie Orte, wo das bewegliche Kulturgut in Sicherheit gebracht werden kann.[5]

Idealerweise soll das Inventar also die Gesamtheit der Schweizer Kulturgüterlandschaft und alle bedeutenden beweglichen und unbeweglichen Objekte abbilden.

Die Einträge sind in zwei Kategorien unterteilt: solche von nationaler Bedeutung (A-Objekte) und solche von regionaler Bedeutung (B-Objekte). Objekte von lokaler Bedeutung (C-Objekte) sind in diesem Inventar nicht enthalten, können aber von den kantonalen Behörden in einem Verzeichnis festgehalten werden. Die Auswahl der in das Inventar aufgenommenen Objekte geschieht im Zusammenspiel zwischen den Kantonen, dem FB KGS und der «Eidgenössische Kommission für Kulturgüterschutz»[6]. Zuerst stellen die Kantone der Kommission eine Liste mit für die Aufnahme ins Inventar vorgeschlagenen Objekten vor, worauf diese Listen von Bewertungsausschüssen (Arbeitsgruppen, welche über Expertenwissen in den Kategorien Archäologie, Archive, Bibliotheken, Einzelbauten und Museen verfügen) analysiert und eben bewertet werden. In der Folge werden die dabei erzielten Ergebnisse wieder mit den Kantonen verhandelt und, nachdem sie im Rahmen von Konsultationen von den betroffenen Verwaltungsstellen begutachtet worden sind, durch den Bundesrat abgesegnet.

Die 3. Edition von 2009[Bearbeiten]

Die dritte Fassung des Inventars vom 27. November 2009 wartet gegenüber der Vorgänger-Version mit verschiedenen Neuerungen auf. Erstmals wurden alle Objekte von nationaler Bedeutung mittels einer Matrix (ein eigens entwickeltes standardisiertes Inventarblatt mit fixen Kategorien) eingestuft und anhand vergleichbarer Kriterien bewertet. Dies gilt nicht nur für die grösste Kategorie der unbeweglichen Kulturgüter, die Einzelbauten, sondern auch – eine weitere Pionierleistung – für die Sammlungen in Archiven, Bibliotheken und Museen sowie für archäologische Fundstellen. Neben der gedruckten Publikation – sie beschränkt sich aus Platzgründen auf die Auflistung der A-Objekte – sind die im Inventar enthaltenen Kulturgüter auch als Kantonslisten (aufgeteilt in A- und B-Objekte)[7] und als Geografisches Informationssystem (GIS)[8] ‒ ebenfalls eine Neuerung ‒ im Internet verfügbar.

Kennzeichnung[Bearbeiten]

Der Bundesrat kann im Falle eines bewaffneten Konflikts die Kennzeichnung der Kulturgüter von nationaler Bedeutung mit dem Kulturgüterschild anordnen.[9], Die derart gekennzeichneten Objekte müssen von militärischen Stellen respektiert werden und dürfen nur im Falle höchster militärischer Notwendigkeit durch die Parteien in Mitleidenschaft gezogen werden. Aus praktischen Gründen lässt sich der Kulturgüterschild nur an Monumenten und abgeschlossenen Objekten anbringen, jedoch nicht an öffentlichen Räumen wie zum Beispiel Ortschaften oder Städten; auch bei Sammlungen stellt sich die Anbringung der Kulturgüterschilder als problematisch dar, verfügen Gedächtnisinstitutionen doch häufig über mehr als einen Depot-Standort.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Cultural properties of national significance in Switzerland – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. der englische Text ist zu finden auf [1] unesco.org, Zugriff am 26. Juli 2012
  2. Zweites Protokoll, Artikel 5. Der englische Text ist findet sich ebenfalls auf der Website der UNESCO [2], Zugriff am 26. Juli 2012
  3. www.kgs.admin.ch, Zugriff am 26. Juli 2012
  4. www.bevoelkerungsschutz.ch, Zugriff am 26. Juli 2012
  5. zitiert von Der Kulturgüterschutz (KGS) in der Schweiz (PDF; 18 kB), Bundesamt für Bevölkerungsschutz, Zugriff am 26. Juli 2012
  6. http://www.admin.ch/ch/d/cf/ko/index_117.html, Zugriff am 26. Juli 2012
  7. http://www.bevoelkerungsschutz.admin.ch/internet/bs/de/home/themen/kgs/kgs_inventar.html, Zugriff am 26. Juli 2012
  8. http://map.kgs.admin.ch/, Zugriff am 26. Juli 2012
  9. [3] (PDF; 128 kB) Verordnung über den Schutz der Kulturgüter bei bewaffneten Konflikten, Artikel 20, Zugriff am 26. Juli 2012