Schwerer Kreuzer

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Die Prinz Eugen der Kriegsmarine
Japanische Schwere Kreuzer - hier die Mikuma - gehörten mit bis zu 10 20,3-cm-Geschützen zu den am stärksten bewaffneten, überschritten die 10.000-Tonnen-Grenze jedoch z.T. erheblich.

Der Schwere Kreuzer ist ein Kriegsschifftyp, der sich nach dem Ersten Weltkrieg entwickelte und nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges bald wieder verschwand. Zu einem eigenständigen Kreuzertyp entwickelte sich der Schwere Kreuzer vor allem durch die technischen Vorgaben des Washingtoner Flottenabkommens. Schwere Kreuzer sind Kreuzer, deren Hauptbewaffnung im Gegensatz zu den Leichten Kreuzern aus Geschützen mit einem Kaliber von mehr als 15,5 cm besteht; üblich war ein Kaliber von 20,3 cm (8 Zoll).

Vorläufer und Entwicklungsbeginn[Bearbeiten]

Unmittelbare Vorläufer dieses Schiffstyps waren die Kreuzer der Hawkins-Klasse, die im Ersten Weltkrieg von der Royal Navy in Bau gegeben worden waren, um ein wirksames Mittel gegen die deutschen kleinen Kreuzer und Hilfskreuzer zu erhalten, die den Seehandel empfindlich gestört hatten. Sie hatten eine Einsatzverdrängung von rund 9.000 Tonnen, eine Hauptbewaffnung von sieben 19-cm-Geschützen und eine Geschwindigkeit von über 30 kn. Dies erklärt die qualitativen Höchstgrenzen, die die Washingtoner Flottenkonferenz von 1922 den Schweren Kreuzern zubilligte: Demnach durfte die Standardverdrängung dieses Typ nicht über 10.000 tons (entspricht 10.160 Tonnen) liegen, und das Geschützkaliber durfte 20,3 cm (8 Zoll) nicht überschreiten. Da die Flottenkonferenz außerdem eine 10-jährige Baupause für Großkampfschiffe festlegte, gingen die großen Marinen zu einem Wettrüsten in dieser Schiffsklasse über. Der durchschnittliche „Schwere Kreuzer“, konsequenterweise auch als „Washington-Kreuzer“ bezeichnet, hatte acht oder neun Geschütze in Doppel- oder Drillingstürmen, lief über 30 Knoten, war aber nur leicht gepanzert.

Kreuzerwettrüsten[Bearbeiten]

Das Kreuzerwettrüsten der 1920er-Jahre führte zu dem Versuch, ihren Bau vertraglich einzuschränken. Eine hierfür geplante Konferenz in Genf kam aber nicht zustande, so dass erst bei der nächsten internationalen Flottenkonferenz (London 1930) eine zahlenmäßige Obergrenze für den Kreuzerbestand der Flotten Großbritanniens, der USA und Japans vereinbart wurde. Ebenfalls wurde die wesentliche Unterscheidung zwischen Schweren und Leichten Kreuzern festgelegt, nach der Letztere kein höheres Kaliber als 15,2 cm (6 Zoll) haben durften.

Der Typ war, obgleich er für alle maßgeblichen Marinen gebaut wurde, in den Oberkommandos nicht besonders beliebt. In dem Bestreben, die Kaliberbegrenzung so weit wie möglich auszunutzen, entstanden nun Schiffe, die - gemessen an der Größe von 10.000 Tonnen - in puncto Geschwindigkeit und Bewaffnung hochgezüchtet, aber in Bezug auf Panzerung und Reichweite sowie der Seetüchtigkeit eher schwach ausgeprägt waren. Sowohl an seinen Einsatzmöglichkeiten als auch an seiner Standfestigkeit bestanden daher einige Zweifel daran, dass der Bau dieses Typs besonders sinnvoll sei. Erst nach und nach setzte sich die Einsicht durch, dass die Schiffe eine stärkere Panzerung benötigten, was sich sehr gut bei der französischen Marine beobachten lässt, die ihre Schweren Kreuzer schrittweise von völlig ungeschützten Einheiten zur gut geschützten Algerie fortentwickelte.

Die deutsche Reichsmarine konnte auf Grund der Bestimmungen des Versailler Vertrag keine Schweren Kreuzer bauen. Die Kriegsmarine beschaffte infolge des deutsch-britischen Flottenabkommens die Schweren Kreuzer der Admiral-Hipper-Klasse, von der drei fertiggestellt wurden. Die 1940 vorgenommene Umklassifizierung der verbliebenen Einheiten der Deutschland-Klasse zu Schweren Kreuzern erfolgte im Wesentlichen zu Tarnzwecken; sie entspricht nicht den technisch-taktischen Eigenschaften dieser Schiffe.

Japan baute - so bezeichnete - Kreuzer, die bis zu zehn 20,3-cm-Geschütze und umfangreiche Bordflugeinrichtungen besaßen und damit ihren ausländischen Gegenstücken überlegen waren - diese Schiffe überschritten die 10.000 Tonnen-Grenze allerdings erheblich.

Der Typ des Schweren Kreuzers war zu Beginn des Zweiten Weltkrieges in allen Marinen mehr oder weniger zahlreich vorhanden. Selbst Argentinien und Spanien, die durch keinen Vertrag gebunden waren, ließen solche Kreuzer bauen. 1939 verfügte die Royal Navy über 13, die US Navy und die Kaiserlich Japanische Marine über je 18 Schwere Kreuzer. Während des Krieges erhielten diese Schiffe den Spitznamen „10-Minuten-Kreuzer“, um ihre geringe Überlebensdauer in Gefechten zu beschreiben. Insbesondere im Pazifik trugen sie einen großen Teil der Kampfhandlungen während der Schlacht um Guadalcanal. Fast alle Marinen gingen im weiteren Kriegsverlauf dazu über, Leichte Kreuzer zu bauen; nur die USA stellten noch ein gutes Dutzend Einheiten fertig, zuletzt die Des-Moines-Klasse, die mit 20.000 Tonnen, schwerer Panzerung und vollautomatischer Artillerie das Maximum darstellte, was je aus diesem Schiffstyp herausgeholt wurde.

Literatur[Bearbeiten]

  • Siegfried Breyer: Die „Washington-Kreuzer“ als Schlachtschiff-Ersatz - Entstehung und Entwicklung der Schweren Kreuzer 1922-1939. Podzun-Pallas, Friedberg, ISBN 3-7909-0442-2 (Band 1) und ISBN 3-7909-0475-9 (Band 2).
  • Gino Galuppini: Guida agli incrociatori. Dalle origini ad oggi. A. Mondadori, Mailand 1982, (Guide pratiche e manuali).
  • Gerhard Koop, Klaus-Peter Schmolke: Die Schweren Kreuzer der Admiral Hipper-Klasse. Admiral Hipper - Blücher - Prinz Eugen Seydlitz - Lützow. Bernard und Graefe, Bonn 1992, ISBN 3-76375-896-8, (Schiffsklassen und Schiffstypen der deutschen Marine 3).
  • M. J. Whitley: Cruisers of world war two. An international encyclopedia. Naval Institute Press, Annapolis MD 1995, ISBN 1-55750-141-6.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Schwere Kreuzer – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien