Schwerte

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Dieser Artikel behandelt die Stadt Schwerte. Zum Literaturwissenschaftler Hans Schwerte siehe Hans Ernst Schneider.
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Schwerte
Schwerte
Deutschlandkarte, Position der Stadt Schwerte hervorgehoben
51.4458333333337.5652777777778120Koordinaten: 51° 27′ N, 7° 34′ O
Basisdaten
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
Regierungsbezirk: Arnsberg
Kreis: Unna
Höhe: 120 m ü. NHN
Fläche: 56,2 km²
Einwohner: 46.198 (31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 822 Einwohner je km²
Postleitzahl: 58239
Vorwahl: 02304
Kfz-Kennzeichen: UN, LÜN
Gemeindeschlüssel: 05 9 78 028
Adresse der
Stadtverwaltung:
Rathausstr. 31
58239 Schwerte
Webpräsenz: www.schwerte.de
Bürgermeister: Heinrich Böckelühr (CDU)
Lage der Stadt Schwerte im Kreis Unna
Dortmund Ennepe-Ruhr-Kreis Hagen Hamm Kreis Coesfeld Kreis Soest Kreis Warendorf Märkischer Kreis Bergkamen Bönen Fröndenberg/Ruhr Holzwickede Kamen Lünen Schwerte Selm Unna WerneKarte
Über dieses Bild

Schwerte ist eine mittlere kreisangehörige Stadt im Ruhrgebiet, Kreis Unna in Nordrhein-Westfalen, Deutschland.

Geographie[Bearbeiten]

Geographische Lage[Bearbeiten]

Schwerte liegt südöstlich von Dortmund an der Ruhr im östlichen Ruhrgebiet. Der weitgehend bewaldete Höhenzug im Norden des Stadtgebietes wird als Ardeygebirge bezeichnet. Die Stadtgrenze zwischen Schwerte und Dortmund verläuft hier im Schwerter Wald mit dem Ausflugslokal Freischütz, einem ehemaligen Forsthaus. Im Osten des Stadtgebiets liegt unweit der seit dem Jahr 2001 unter Denkmalschutz stehenden Siedlung Kreinberg der kleine Gehrenbach-Stausee. Der Kreinberg und der Gehrenbach-Stausee grenzen in Schwerte-Ost an das ehemalige Eisenbahnausbesserungswerk, in dem bis in die späten 1980er-Jahre gearbeitet wurde. Der östlichste Stadtteil Schwertes ist Geisecke. Ganz im Westen liegt Westhofen, von wo aus es nur wenige Kilometer bis zum Ruhrstausee Hengsteysee sind.

Geographisch wird die Stadt Schwerte nach der aktuellen Definition zum Ruhrgebiet gezählt. Die beiden südlich der Ruhr gelegenen Stadtteile Ergste und Villigst grenzen an Iserlohn und Hagen und werden von Geographen dem Sauerland zugeordnet.

Klima[Bearbeiten]

Der Jahresniederschlag liegt bei 871 mm und ist damit eher hoch, da er in das obere Drittel der in Deutschland erfassten Werte fällt. An 74 % der Messstationen des Deutschen Wetterdienstes werden niedrigere Werte registriert. Der trockenste Monat ist der Februar, die meisten Niederschläge fallen im Juli. Im Juli fallen 1,7 mal mehr Niederschläge als im Februar. Die Niederschläge variieren mäßig. An 52 % der Messstationen werden niedrigere jahreszeitliche Schwankungen registriert.

Stadtgliederung[Bearbeiten]

Das heutige Stadtgebiet von Schwerte wurde 1975 durch die kommunale Gebietsreform aus den Städten Schwerte und Westhofen sowie den Gemeinden Ergste, Geisecke, Villigst und Wandhofen gebildet. Auch Teile der Nachbargemeinden Holzen und Lichtendorf kamen zu Schwerte. Außerdem gibt es die Wohnlagen Schwerte-Ost, Gänsewinkel und Schwerter Heide. Diese gehörten bereits zum Gebiet der Stadt Schwerte.

Geschichte[Bearbeiten]

Im Jahr 962 wird Schwerte erstmals von Engelbert, Abt der Abtei Werden als Suerte erwähnt. 1096 wird die Bauernschaft Ergste als Argeste in einer Urkunde genannt. Die ältesten Zeugnisse über den Reichshof Westhofen stammen aus dem Jahr 1248.

1243 fällt Schwerte an die Grafschaft Mark. 120 Jahre später werden erstmals ein Richter und ein Bürgermeister in Schwerte erwähnt. Graf Dietrich I. von der Mark gewährt Schwerte 1391 das Münzrecht, 1397 das volle Stadtrecht. Das Privileg zur Erweiterung der Befestigungsgräben und zur Erhebung von Wegegeld an den Stadttoren folgt 1406.

1419 tritt die Stadt dem Hansebund bei.

1565 wird das Schwerter Schichtwesen erstmals beurkundet, eine Art organisierte Nachbarschaftshilfe für jeweils einen abgegrenzten Bereich innerhalb der Stadt. Den einzelnen Schichten standen Schichtmeister vor, die über ihre Arbeit Rechenschaft ablegten in den Schichtbüchern. Das älteste zu Beginn des 21. Jahrhunderts erhaltene Schichtbuch (Schicht 8) stammt aus dem Jahr 1715.

Nach dem Tod des letzten Grafen von der Mark fällt Schwerte 1609 an das Kurfürstentum Brandenburg, das später im Königreich Preußen aufgeht.

Die Leineweberzunft bildet sich 1652. Ihr gehören zu dieser Zeit 68 Meister an, die dieses Handwerk vor Ort ausüben.

1701 erlässt die Stadt eine eigene Schulordnung.

Der Arzt und Pfarrer Friedrich Bährens führt 1799 die erste Pockenschutzimpfung in Schwerte durch.

Wegen Brandgefahr verbietet Schwerte 1818, Häuser mit Stroh- und Schindeldächern zu errichten.

Der Chemiker Friedrich Theodor Fleitmann errichtet 1869 eine Nickelhütte, in der 1871 die ersten reichsdeutschen Nickelmünzen geprägt werden. 1877 erfindet Fleitmann ein Verfahren, Nickel zu verformen und zu schweißen. Die Schwerter Nickelhütte bleibt bis zum Ersten Weltkrieg die modernste ihrer Art. Sie wird 1902 in VDN umbenannt.

Am 3. und 4. April 1920 wird die Stadt beim Kapp-Putsch von Kommunisten besetzt.

1929 wird der Landkreis Hörde aufgelöst, die Stadt Schwerte und das Amt Westhofen gehen an den Kreis Iserlohn über.

Die nationalsozialistische Machtübernahme 1933 wird in Schwerte mit einem Fackelzug gefeiert. Als Adolf Hitler vier Jahre später auf der Durchreise kurz in Schwerte Station macht, wird er von der Bevölkerung frenetisch gefeiert. In der Reichspogromnacht am 9. November 1938 wird die Synagoge verwüstet.

Schwerte
Kriegerdenkmal in Ergste

Im Juni 1940 fallen die ersten Bomben auf Schwerte; der Bahnhof ist eines der Hauptangriffsziele des britischen Bomber Command im Ruhrgebiet.

Fachwerkhaus in der Schwerter Altstadt mit Markierung des Hochwassers von 1943

Die Bombardierung und Zerstörung der Staumauer der Möhnetalsperre durch britische Bomber im Jahr 1943 fordert mehr als 1600 Todesopfer, als sich eine gewaltige Flutwelle durch das Ruhrtal ergießt und ein bislang nicht wieder erreichtes Hochwasser auslöst. Am 31. Mai 1944 folgt der schwerste Luftangriff auf Schwerte, als US-amerikanische Bomber den Verschiebebahnhof attackieren. Über 217 Menschen finden dabei den Tod.

Im 1922 in Schwerte-Ost eingerichteten Eisenbahnausbesserungswerk wird 1944 eine Außenstelle des Konzentrationslagers Buchenwald eingerichtet. Am 12. April 1945 erobern US-amerikanische Truppen die Stadt Schwerte, Anfang Juni desselben Jahres übernehmen die Briten die Militärregierung.

Im Zuge der kommunalen Neuordnung, die am 1. Januar 1975 in Kraft tritt, werden die alte Stadt Schwerte/Ruhr und die Stadt Westhofen bis auf den Ortsteil Buchholz sowie die Gemeinden Ergste, Geisecke, Villigst und Wandhofen und Teile der Gemeinden Holzen und Lichtendorf zur neuen Stadt Schwerte zusammengeschlossen. Schwerte wird außerdem aus dem Kreis Iserlohn ausgegliedert und dem Kreis Unna zugeschlagen.[2]

Das erste erfolgreiche Bürgerbegehren im Land Nordrhein-Westfalen wendet sich gegen die von der Stadt 1993 beschlossene Schließung des Elsebades. Es ebnet 1994 den Weg zur Wiedereröffnung des Bades als Bürgerbad Elsetal (1998).

1997 feiert Schwerte sein 600-jähriges Stadtjubiläum. Sechs Jahre später ist die Stadt (wieder) Mitglied der Westfälischen Hanse.

Am 11. Juni 2006 stand der erste Bürgerentscheid Schwertes mit der Frage „Erhalt des Freizeit-Allwetterbades mit allen seinen Wasserflächen“ zur Abstimmung. Eine Mehrheit lehnte den Baderhalt ab. Allerdings wurde der Bürgerentscheid wegen zu geringer Wahlbeteiligung abgewiesen.

Wegen finanzieller Schieflage wurde der städtische Haushalt im Mai 2008 nicht vom zuständigen Kreis Unna genehmigt. Die Folge war ein rigoroses Sparprogramm mit einem Nothaushalt.

Im Februar 2009 beschloss der Rat der Stadt Schwerte, das seit Jahren defizitäre Freizeit-Allwetterbad zu schließen. Dieser Entscheidung ging ein jahrelanger Streit quer durch alle Parteien der Stadt voraus. Das Bad wurde am 30. Dezember 2009 geschlossen.[3]

Seit April 2012 darf Schwerte den Namenszusatz „Hansestadt an der Ruhr“ tragen; dieses kann man seit dem 26. Juni 2012 auf allen Ortseingangsschildern lesen.[4]

In Lüneburg wurde Schwerte am 30. Juni 2012 als 100. deutsche Stadt in den Internationalen Hansebund aufgenommen.[5]

Bauliche Entwicklung[Bearbeiten]

  • 1359: Engelbert Sobbe, Burgmann zu Schwerte, stiftet das Hospital zum Heiligen Geist.
  • 1508: Die St.-Viktor-Kirche wird um den gotischen Hochchor erweitert, der Goldene Altar wird 1523 aufgestellt.
  • 1547: Der Grundstein für den Bau des Alten Rathauses wird gelegt, in dem seit 1933 das Ruhrtalmuseum untergebracht ist.
  • 1796: Erstmals wird der jüdische Friedhof am Nordwall erwähnt.
  • 1801: In der Stadt wird ein Kornmarkt eingerichtet.
  • 1811: Alle Verbindungsstraßen zwischen dem Markt und den Stadttoren sind gepflastert.
  • 1853: Die Sparkasse zu Schwerte wird gegründet.
  • 1867: Schwerte erhält einen Bahnanschluss (Strecke: Hagen–Unna).
  • 1872: Schicht 11 wird gegründet (erste Neugründung außerhalb der alten Stadtmauern)
  • 1914: Das neue Rathaus wird fertiggestellt.
  • 1920: Baubeginn der Kreinberg-Siedlung in Schwerte-Ost als Werkssiedlung für die Arbeiter des neu erbauten Eisenbahnausbesserungswerks. Die Fertigstellung erfolgt 1935.
  • 1946: Die neu errichtete Ruhrbrücke wird für den Verkehr freigegeben.
  • 1961: Das Autobahnteilstück der Bundesautobahn 1 zwischen Hagen und Kamen wird fertiggestellt, so dass Schwerte seinen Autobahnanschluss erhält.
  • 1996; Der sechsspurige Ausbau der Bundesautobahn 1 beginnt.
  • 2002: Die neu gestaltete Fußgängerzone wird eingeweiht.
  • 2003: Das Bürger- und Kulturzentrum in der ehemaligen Rohrmeisterei wird fertiggestellt.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

  • 1738: ca. 01.100 Einwohner
  • 1900: ca. 12.000 Einwohner
  • 1925: ca. 17.000 Einwohner
  • 1961: ca. 24.516 Einwohner
  • 1970: ca. 24.054 Einwohner
  • 1974: ca. 24.390 Einwohner
  • 1975: ca. 44.576 Einwohner
  • 1988: ca. 50.000 Einwohner
  • 31. Dezember 2002: 50.606 Einwohner
  • 31. Dezember 2005: 49.730 Einwohner
  • 31. Dezember 2008: 48.797 Einwohner
  • 31. Dezember 2009: 48.523 Einwohner
  • 31. Dezember 2010: 48.259 Einwohner
  • 31. Dezember 2011: 46.518 Einwohner
  • 31. Dezember 2012: 46.376 Einwohner
  • 31. Dezember 2013: 46.198 Einwohner

Politik[Bearbeiten]

Das wichtigste politische Organ der Stadt ist der Stadtrat, der über die Angelegenheiten der Kommune und Grundsätze der Stadtverwaltung, die vom Bürgermeister geleitet wird, entscheidet.

Der 2009 zuletzt gewählte Stadtrat von Schwerte umfasst 38 Mitglieder und besteht aus 15 gewählten Vertretern der CDU, 13 Ratsmitglieder gehören der SPD an, 4 Bündnis 90/Die Grünen, 2 der WfS (Wählervereinigung für Schwerte), 2  Die Linke und 2 der FDP.

Bekannt ist die Stadt im politischen Raum auch für das Elsebad im Ortsteil Ergste, das seit 1998 ehrenamtlich betrieben wird, da seine junge Geschichte als so genanntes Bürgerbad mit engagierter Bürgerbeteiligung verknüpft ist. Zum Jahreswechsel 1994/1995 führte das erste erfolgreiche Bürgerbegehren in NRW zur späteren Wiedereröffnung des zuvor von der Stadt Schwerte geschlossenen Freibades.

Ergebnisse der Kommunalwahlen ab 1975[Bearbeiten]

In der Liste[6][7][8][9][10] werden nur Parteien und Wählergemeinschaften aufgeführt, die mindestens 1,95 Prozent der Stimmen bei der jeweiligen Wahl erhalten haben.

Jahr CDU SPD Grüne1 FDP WfS Linke BSP
1975 40,3 % 51,1 % 6,7 %
219792 39,2 % 52,0 % 6,4 %
1984 36,0 % 48,8 % 11,5 % 3,4 %
1989 33,5 % 47,3 % 12,3 % 5,4 %
1994 39,5 % 40,0 % 12,1 % 3,2 % 5,1 %
1999 48,9 % 32,4 % 8,1 % 2,8 % 7,9 %
2004 42,0 % 35,1 % 10,9 % 4,1 % 7,9 %
2009 38,3 % 35,2 % 10,7 % 6,4 % 5,1 % 4,4 %
2014 36,8 % 36,2 % 12,5 % 3,3 % 6,5 % 4,7 %

Fußnoten

1 Grüne: 1984 und 1989: Grüne, ab 1994: B’90/Grüne
2 1979: zusätzlich: DU: 2,4 %

Bürgermeister[Bearbeiten]

Bürgermeister Heinrich Böckelühr

Bürgermeister ist Heinrich Böckelühr (CDU) als Nachfolger von Ursula Sobelat (SPD, † 2011), die von 1992 bis 1999 die Bürgermeisterin Schwertes war. Bei der Kommunalwahl vom 25. Mai 2014 wurde er mit 51,1 Prozent der Wählerstimmen zum vierten Mal ins Amt gewählt.

Wappen[Bearbeiten]

Blasonierung: „In Rot zwei schräg gekreuzte gestürzte silberne Schwerter“.

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Bauwerke[Bearbeiten]

  • Wuckenhof aus dem 16. Jahrhundert[11]
  • spätgotisches Rathaus mit Laubenhalle (jetzt Ruhrtalmuseum)
  • Rohrmeisterei
  • Rathaus von 1914
  • Saalbau Freischütz

Calvin-Haus[Bearbeiten]

Das Calvin-Haus wurde im 14. Jahrhundert als Stadtweinhaus errichtet. Ab 1656 nutzte es die reformierte Gemeinde als „kleine Kirche“. Das Gebäude fiel 1945 einem Luftangriff zum Opfer. Nach dem Wiederaufbau 1955 dient es heute als evangelisches Gemeindeamt, das umgebaut und renoviert wird.

Pannekaukenfrau[Bearbeiten]

Das Denkmal der Pannekaukenfrau auf dem Cava-dei-Tirreni-Platz erinnert an eine Schwerter Stadtlegende. Bei einer Hungersnot sollen die Schwerter keine andere Wahl gehabt haben, als Kartoffeln auf dem schlechten Boden anzubauen. Die Schwerter Frauen kamen auf die Idee, die Kartoffeln zu reiben und in der Pfanne in Öl zu braten. Erfunden waren die Pannekauken (heute bekannt als Reibekuchen). Von dieser Legende leitet sich auch der plattdeutsche Spitzname der Stadt ab: Pannekauken-Schweierte.

Marienkirche[Bearbeiten]

Schwerter St.-Viktor-Kirche
Marienkirche

Die katholische Kirche St. Marien ist eine dreischiffige Basilika. Erbaut wurde sie 1903/1904 im neoromanischen Stil nach Plänen des Paderborner Dombaumeisters Franz Mündelein, nachdem der Vorgängerbau von 1862 an der heutigen Hüsingstraße infolge des Bevölkerungswachstums in der Industrialisierung zu klein wurde. 1964 wurde sie um einen Anbau an der westlichen Seite erweitert.

St.-Viktor-Kirche[Bearbeiten]

Die St.-Viktor-Kirche ist in ihrem heutigen Erscheinungsbild eine dreischiffige gotische Hallenkirche aus dem 15. Jahrhundert, deren Gründung bis ins 11. Jahrhundert zurückreicht. An der nördlichen Außenwand sind aus dieser Zeit noch romanische Bogenfragmente aus grünlichem Soester Sandstein erhalten. Die Kirche beherbergt ein Antwerpener Retabel von 1523, einen nur teilweise erhaltenen Siebenschmerzenaltar von 1518 sowie ein Kreuzigungsfresko von 1310, das zu den frühesten erhaltenen Wandgemälden Westfalens zählt. Hervorzuheben ist die sehr gute Akustik der Kirche: Instrumente und Gesang werden warm und besonders obertonreich wiedergegeben. An den Markttagen – Mittwochs und Samstags – ist die Kirche vormittags geöffnet, und es finden regelmäßig Marktmusiken statt. Weitere Konzertveranstaltungen an vielen Wochenenden zeugen vom reichen Musikleben in der Stadt. Das eigentliche Markenzeichen der St.-Viktor-Kirche ist jedoch ihr legendärer Turm mit seiner schiefen Turmhaube.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten]

Schwerte kann mit dem Auto über die Bundesautobahnen A 1 (Saarbrücken–Lübeck, Anschlussstelle Schwerte) oder A 45 (Hanau–Dortmund, Anschlussstelle Schwerte-Ergste) erreicht werden. Im Westhofener Kreuz, bekannt durch häufige Staumeldungen, überquert die A 1 die A 45.

Durch Schwerte verlaufen die folgenden Bundes- (B) und Landesstraßen (L):

  • Die B 236 beginnt in Olfen als Abzweigung von der B 235. Sie durchquert Selm, Lünen und Dortmund und führt in Nord-Süd-Richtung durch Schwerte nach Iserlohn-Letmathe. Ihr Zielort im Süden ist Münchhausen in Hessen.
  • Die L 648 beginnt an der L 672 im Dortmunder Stadtteil Sommerberg. Sie führt über Schwerte und Villigst bis nach Iserlohn.
  • Die L 662 beginnt in Dortmund-Sölde an der L 821. Von Norden über Sölderholz und Lichtendorf kommend erreicht sie schon bald ihr Ende an der L 673 östlich des Stadtzentrums.
  • Die L 672 beginnt im Zentrum Dortmunds. Sie führt über die Dortmunder Stadtteile Hörde, Benninghofen und Holzen bis zu ihrem Endpunkt an der L 673 in Westhofen.
  • Die L 673 beginnt unmittelbar vor der Stadtgrenze auf Hagener Gebiet an der L 675. Sie führt nördlich der Ruhr über Westhofen und Schwerte in West-Ost-Richtung durch Fröndenberg. Nach der Durchquerung Wickedes endet sie im Enser Ortsteil Bremen an der B 516.
  • Die L 675 kommt aus Richtung Hagen-Boele. Sie führt zu ihrem Endpunkt an der B 236 im Stadtteil Ergste.
  • Die L 676 beginnt in Villigst als Abzweig von der L 648. Sie führt über den Iserlohner Ortsteil Hennen bis zur B 233 westlich dieses Ortsteils.
  • Die L 677 beginnt an der L 821 gegenüber vom Flughafen Dortmund. Sie durchquert Holzwickede in Nord-Süd-Richtung. Über Geisecke erreicht sie schließlich die L 676 im Iserlohner Ortsteil Rheinen.

Schwerte ist ein Eisenbahnknotenpunkt sowohl des Schienenpersonennahverkehrs als auch des Güterverkehrs mit Rangierbahnhof. Von hier aus führen Strecken nach Hagen, Dortmund, Hamm, Iserlohn und nach Warburg (Obere Ruhrtalbahn) mit Abzweigungen in den Hochsauerlandkreis, wie zum Beispiel nach Winterberg. Züge des Fernverkehrs halten nicht mehr im Bahnhof Schwerte. Historisch gesehen war das im 20. Jahrhundert anders. Aufgrund der damaligen Funktion als Eisenbahnknotenpunkt und Standort eines Eisenbahnausbesserungswerks in Schwerte Ost hatte die Stadt eine wichtige Funktion für die damalige Deutsche Bundesbahn. Daher folgte die Deutsche Bahn AG im Jahr 2011 einem Antrag der Stadtverwaltung und dem Verein der Eisenbahnfreunde in Schwerte und taufte einen ICE auf den Namen Schwerte. In diesem Jahr jährte sich zum 150. Mal die Entscheidung, Schwerte an das Eisenbahnnetz anzuschließen.[12]

Bis 2005 erfolgte der Großteil des Linienbusverkehrs durch die Märkische Verkehrsgesellschaft (MVG). Nach dem Rückzug der MVG zum Fahrplanwechsel am 9. Januar 2005 erfolgt nun der Buslinienverkehr überwiegend durch die Verkehrsgesellschaft Kreis Unna (VKU). Auf den Buslinien von Iserlohn-Letmathe nach Schwerte-Ergste verkehrt die Märkischen Verkehrsgesellschaft (MVG), auf der Linie von Schwerte nach Iserlohn der Busverkehr Ruhr-Sieg (BRS) sowie auf der Linie von Schwerte nach Hagen der Busverkehr Rheinland (BVR).

Öffentliche Einrichtungen[Bearbeiten]

Schwerte ist Sitz des für die Stadt zuständigen Amtsgerichts Schwerte. Im Stadtteil Ergste liegt die Justizvollzugsanstalt Schwerte.

Ansässige Unternehmen[Bearbeiten]

  • Deutsche Nickel (300 Mitarbeiter)
  • F.H. Papenmeier GmbH & Co. KG
  • Gießerei Walter Hundhausen GmbH (641 Mitarbeiter / 28 Auszubildende)
  • Diagramm Halbach GmbH & Co. KG (300 Mitarbeiter)
  • Hoesch Schwerter Profile GmbH (ehem. Hoesch Hohenlimburg GmbH)
  • Blumen Risse, Hauptsitz
  • J.D.Theile GmbH & Co. KG – Produktion von Ketten und Zubehör, Robotic (200 Mitarbeiter)
  • Motip Dupli GmbH – Lacke und Spachtelmassen („prestolith“)
  • Stahlwerk Ergste Westig GmbH: Zapp-Gruppe
  • ültje GmbH
  • Sabo Elektronik GmbH
  • WDI Blankstahl
  • Stahl-Service-Center Hövelmann & Lueg GmbH (ca. 200 Mitarbeiter)
  • RSA cutting systems GmbH[13]

Bildung[Bearbeiten]

Kultur[Bearbeiten]

Der Kunstverein Schwerte e.V. veranstaltet jährlich mehrere umfangreiche Ausstellung von renommierten und unbekannten Künstlern wie Claus Bury, Emil Schumacher, Antoni Tàpies und Rosemarie Trockel.[15]

Jährlich im August findet das internationale Straßentheater und Straßenanimationsfestival „Welttheater der Straße“ statt. Es handelt sich hierbei um einen der größten Schauplätze für internationales Straßentheater in Europa mit bis zu 20.000 Besuchern.[16]

Seit 1990 gibt es in Schwerte den gemeinnützigen kulturfördernden Verein Kunterbunt e.V. Dieser Verein mit rund 200 zahlenden Mitgliedern ist seit seiner Gründung fester Bestandteil im kulturellen Leben der Stadt. Im Keller der Friedrich-Kayser-Schule in der Eintrachtstraße finden in jedem Jahr rund dreißig Konzerte mit diversen musikalischen Stilrichtungen – Schwerpunkt Rock, Punk und Hardcore – statt. Künstler aus der ganzen Welt gastieren in diesem Kulturzentrum, das den Namen „Rattenloch“ trägt. Neben Bands aus den USA, Südamerika und ganz Europa standen auf der Bühne im alten Lehrschwimmbecken der Schule über die Jahre bereits populäre Bands aus dem deutschen Underground. Unter anderen Boxhamsters, …But Alive und Miles (Band).[17]

1999 lebte der Autor Michael Zeller als offizieller „Stadtschreiber“ für ein halbes Jahr in Schwerte; das Resultat dieser Zeit war das Werk Mein schöner Ort, in dem Alltagsbegegnungen geschildert werden. Das Werk ist komplett in Versform gehalten.[18]

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

In alphabetischer Reihenfolge

Weitere Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Michael Zeller: Mein schöner Ort. ars vivendi Verlag, Cadolzburg 2001.
  • Schwerter Lesebuch. Viktor-Verlag, Schwerte 1986.
  • Friedhelm Mann: (Schwerte-)Ergste. Ein Dorf am Rande des Lührwaldes. Iserlohn 1996.
  • Karl Ewald: Rund um St. Viktor. Viktor-Verlag, Schwerte 1985.
  • Lieselotte Nieland: Der Reichshof (Schwerte) Westhofen im Mittelalter. Inaugural-Dissertation. Dortmund 1953.
  • Thomas Spohn: Zur Baugeschichte des Schwerter (Alten) Rathauses. Schwerte 1993.
  • Uwe Fuhrmann: Unser Schwerte 1960–1965. Wartberg Verlag, 2005.
  • Albert Knülle: man nannte ihn den Stadtpoeten von Schwerte. vwi Verlag, Herrsching 1994.
  • Karl Ewald: Schwerte – Markt und Stadt im Mittelalter. Viktor-Verlag, Schwerte 1989.
  • 600 Jahre Stadtrechte Schwerte. Festschrift zum Stadtjubiläum. Schwerte 1997.
  • Wilfried Reininghaus: Die Akten des Schwerter Richters (17./18. Jahrhundert). Stadtarchiv Schwerte Bestand P (Inventare der Nichtstaatlichen Archive Westfalens. N.F. Bd. 12), Münster 1992.
  • Schwerter Sagen. Gesammelt von Ulrike Berkenhoff, hrsg. vom Schwerter Oberschicht. Schwerte 1998.
  • Willi Wachholz: Das Schrifttum über den Reichshof, die Freiheit, die Stadt und das Amt (Schwerte) Westhofen. Unter bes. Berücksichtigung d. Gesch. Hohensyburgs. (Publikation zur Ortsgeschichte, Bd. 1). Stadtarchiv Schwerte, 1993.
  • Gerhard Hallen: Schichte und Nachbarschaften im alten Schwerte. (Publikation zur Ortsgeschichte, Bd. 2). Stadtarchiv Schwerte, 1995.
  • Martin Kahl, Willi Wachholz: Das Schrifttum über (Schwerte) Ergste. (Publikation zur Ortsgeschichte, Bd. 3). Stadtarchiv Schwerte, 1996.
  • Gerhard Hallen: Johann Christoph Friedrich Bährens. Universalgenie, Esoteriker, Schwerter Stadtrat. (Publikation zur Ortsgeschichte, Bd. 4). Stadtarchiv Schwerte, 1997.
  • Norbert Kaufhold: Kriegs-Chronik. Schwerte 1939–45. (Publikation zur Ortsgeschichte, Bd. 5). Stadtarchiv Schwerte, 1998.
  • Schwerte 1397–1997: eine Stadt im mittleren Ruhrtal und ihr Umland. Hrsg. von der Stadt Schwerte. Klartext Verl., Essen 1997, ISBN 3-88474-492-5.
  • Alfred Hintz: Schwerte im Bombenkrieg. Schwerte 2000.
  • Die Möhne-Katastrophe, 17. Mai 1943. Berichte u. Bilder zum 50. Jahrestag unter bes. Berücksichtigung d. Ereignisse i.d. Stadt Schwerte. Hrsg.: Schicht 1. Schwerte 1993.
  • Herbert Kluge: Luftbildvergleich Schwerte. Schwerte 1997.
  • Nachbarschaften in Schwerte. Vom Schwerter Oberschicht. Schwerte 2004.
  • Schwerte in alten Ansichten, 1867–1914. Buchhandlung Schmidt, Schwerte o.J.
  • Hundert Jahre Sozialdemokratie in Schwerte. Schwerte 1989.
  • Baudenkmäler in Schwerte. Hrsg.: Stadt Schwerte.
  • Uwe Fuhrmann: Schwerte, eine Stadt in Bewegung. Wartberg Verlag, 2001, ISBN 3-8313-1093-9.
  • Uwe Fuhrmann: Schwerte/Ruhr, wie es früher war. Wartberg Verlag, 2003, ISBN 3-8313-1089-0.
  • Schwerte im Herzen. Texte, Bilder und Begegnungen. Klartext Verl., Essen 2000, ISBN 3-88474-872-6.
  • Schwerte, Stadt an der Ruhr. Historischer Altstadtspaziergang. Hrsg.: Stadt Schwerte.
  • Gerhard Hallen: Aus dem Ruhrtal einst und jetzt. Schwerte 1983.
  • Johann D. von Steinen: Westphälische Geschichte, das V. Stück: Historie der Stadt und des Gerichts Schwerte. Lemgo 1755.
  • Martina Wirsig: Alte Rathäuser in Rheinland und Westfalen. Duisburg 1992.
  • Gerhard Hallen: Die Revolution 1848/49 in Schwerte. Hg. Stadt Schwerte, 1979.
  • Paul Ohlig: Die Reformation in Schwerte, Gedenkbuch zur 400-Jahrfeier. Hg. Presbyterium der Ev. Gemeinde Schwerte (Ruhr), o.J.
  • Paul Ohlig: Kriegschronik und Heldenbuch der Evangelischen Gemeinde zu Schwerte, 1914–1918. o.J.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Schwerte – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Quellen[Bearbeiten]

  1. Bevölkerungszahlen auf Basis des Zensus vom 9. Mai 2011. Landesbetrieb Information und Technik Nordrhein-Westfalen (IT.NRW), abgerufen am 3. September 2014. (Hilfe dazu)
  2.  Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- u. Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen u. Reg.-Bez. vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. Kohlhammer, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 334.
  3. Mitarbeiter bereiten sich auf den Abschied vor Abgerufen am 4. Januar 2010
  4. Ruhrnachrichten.de: Neue Ortsschilder: Ministerium stimmt zu (abgerufen: 14. Juli 2012)
  5. Ruhrnachrichten.de: Neues Schwerter Ortsschild glänzte beim Festzug zum Hansetag (abgerufen: 14. Juli 2012)
  6. Verzeichnisse der Kommunalwahlergebnisse des Landes Nordrhein-Westfalen (LDS NRW) von 1975 bis 2009
  7. Wahlprofil des Landesamtes für Datenverarbeitung und Statistik NW
  8. Wahlergebnisse 1999 (PDF-Datei; 5,62 MB)
  9. Wahlergebnisse 2004 (PDF-Datei; 6,70 MB)
  10. Wahlergebnisse 2009 (PDF-Datei; 3,34 MB)
  11. Teil VI: Die Freiherren von Syberg zu Schwerte, Hees und Sümmern
  12. PM ICE Schwerte braust bald durch Deutschland (PDF-Datei; 55 kB)
  13. Neues Unternehmen der Extraklasse. Abgerufen am 8. September 2012.
  14. ruhrnachrichten.de: Opernakademie bereitet Talente auf Profi-Karriere vor. Abgerufen am 28. Juli 2012.
  15. Kunstverein Schwerte e.V.
  16. Welttheater der Straße – Sommer der Phantasie. Abgerufen am 23. August 2012.
  17. Website Verein Kunterbunt e.V.
  18. Website schwerte.de – Schwerte zur Jahrtausendwende
  19. Der Tagesspiegel: „Der Terrorist aus dem Salon“