Schweyk im Zweiten Weltkrieg

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Daten des Dramas
Titel: Schweyk im Zweiten Weltkrieg
Gattung: Episches Theater
Originalsprache: Deutsch
Autor: Bertolt Brecht
Musik: Hanns Eisler
Erscheinungsjahr: 1947
Uraufführung: 17. Januar 1957
Ort der Uraufführung: Warschau
Ort und Zeit der Handlung: Prag im Zweiten Weltkrieg
Personen
  • Schweyk, Hundehändler in Prag
  • Baloun, ein Photograph und ein Freund
  • Anna Kopecka, Wirtin des Wirtshauses "Zum Kelch"
  • Der Junge Prochazka, ein Schlachtersohn und Verehrer Anna Kopeckas
  • Brettschneider, Gestapoagent
  • Bullinger, Scharführer der SS
  • SS-Mann Müller 2
  • Anna, ein Dienstmädchen
  • Kati, ihre Freundin
  • Der Feldkurat
  • Hitler
  • Himmler
  • Göring
  • Goebbels
  • von Bock

Schweyk im Zweiten Weltkrieg ist ein Drama des Dramatikers Bertolt Brecht. Es entstand 1943 im Exil in den USA. Uraufgeführt wurde es im Januar 1957 in Warschau; die westliche Erstaufführung war am 22. Mai 1959 im Schauspielhaus Frankfurt/Main mit der Bühnenmusik von Hanns Eisler[1] in der Inszenierung von Harry Buckwitz. Bertolt Brecht schrieb das Stück Schweyk im Zweiten Weltkrieg in Anlehnung an den Roman Der brave Soldat Schwejk des tschechischen Schriftstellers Jaroslav Hašek. Dabei bleiben die Fremdherrschaft und der Widerstand des tschechischen Volkes gegen ihre Herren als historischer Kontext erhalten. An die Stelle der Herrschaft der Habsburger tritt die der Nationalsozialisten und an die Stelle des Ersten der Zweite Weltkrieg.

Das Stück wurde 1961 für den Süddeutschen Rundfunk mit Hanns Ernst Jäger in der Titelrolle verfilmt.[2]

Der Stoff hatte Brecht beschäftigt, seit er Anfang 1928 an der Berliner Piscator-Bühne an einer Bühnenfassung der Abenteuer des braven Soldaten Schwejk mitgewirkt hatte.

Inhalt[Bearbeiten]

Der Prager Hundehändler Schweyk ist der Protagonist im Drama. Er kommt durch seinen Freund Baloun in Schwierigkeiten mit der deutschen Besatzungsmacht und muss nach kurzer Anstellung bei der Gestapo in die Wehrmacht, als Strafe für sein Vergehen. Das Vergehen bestand darin, den Lieblingshund seines Gestapo-Chefs geschlachtet und seinem Freund serviert zu haben.

In einer Rahmenhandlung wird gezeigt, wie Hitler den Angriff auf die Sowjetunion plant und durchführt. Diese Rahmenhandlung findet ihre Fusion mit der Geschichte des Schweyks im letzten Bild, in welchem Schweyk als einer der letzten deutschen Soldaten nach Stalingrad kommt und dort auf Hitler trifft. Schweyk ist jedoch nicht beeindruckt von ihm und er entgegnet Hitler:

Und ich sags dir ganz offen, daß ich nur noch nicht weiß
Ob ich auf dich jetzt schieß oder fort auf dich scheiß

Hitler gerät daraufhin außer Kontrolle und fängt an wild herumzutanzen.

Das Nachspiel bildet einen grotesken Kontrast zu dem „Vorspiel in den höheren Regionen“. In dem Vorspiel parodiert Brecht den „Prolog im Himmel“ in Goethes Tragödie Faust. Hitler tritt bei Brecht wie Gott, der Herr, auf, der sich von den drei „EngelnGöring, Goebbels und Himmler huldigen lässt; zugleich übernimmt Hitler allerdings auch Züge Mephistos, des Teufels. Durch Brechts Arrangement erhält die Rahmenhandlung eine extreme Fallhöhe.

Dramentechnik[Bearbeiten]

Das Stück ist von Bertolt Brecht im Stile des epischen Theaters geschrieben. Erkennbar ist das an einer Vielzahl von Verfremdungseffekten, die jegliche Form von Katharsis verhindern. Vielmehr entsteht, insbesondere durch Parodien, die ihr Original verfremden, Komik. So wird nicht nur Goethes Faust parodiert, sondern auch das Horst-Wessel-Lied. Die Spielhandlung unterbrechende Songs reflektieren und kommentieren (wie in vielen Stücken von Bertolt Brecht) die Handlung mehrmals.

Songs[Bearbeiten]

Für eine Verwendung auch außerhalb seines Stücks Schweyk im Zweiten Weltkrieg sah Brecht mehrere in das Stück eingebettete Songs vor. Anzunehmen ist, dass der Kälbermarsch auch für antifaschistische Radiosendungen vorgesehen war.[3] Der Kälbermarsch ist eine Parodie des Horst-Wessel-Liedes. Außerhalb des Kontextes des Schweyk-Stücks wird oft das Lied von der Moldau gesungen, dessen Melodie an Bedřich Smetanas sinfonische Dichtung Die Moldau erinnert.

Interpretationen und Kritiken[Bearbeiten]

Fortsetzung oder zeitliche Verschiebung der Romanhandlung?[Bearbeiten]

Nach der Uraufführung des Schweyk in Warschau äußerten sich Kritiker einhellig negativ über die „Verpflanzung“ der Romanhandlung in die Ära des Nationalsozialismus. Dabei gehen die Autoren davon aus, dass nicht etwa Hašeks Schwejk 25 Jahre älter geworden sei, sondern dass Brecht die Handlung in Hašeks Roman verfremdet habe, indem er die Fremdbestimmung seitens österreichisch-ungarischer Staatsorgane durch die seitens des nationalsozialistischen Deutschlands ersetzt habe. Jan Kott nennt dieses Verfahren einen „künstlerischen Irrtum", Andre Wirth formuliert: „Schweyk als handelnde Person“ sei nur in der alten österreichischen Armee möglich gewesen, „unter den Bedingungen einer relativen persönlichen Freiheit, die eine notwendige Bedingung jeder Handlungsweise ist. Diese relative persönliche Freiheit wurde vom Faschismus zunichte gemacht.“ Zu einem ähnlichen Urteil kam die Zeitung „Zycie Warszawy“ („Warschauer Leben“): „Hitler-Deutschland war kein Operettenstaat.“[4]

Das Berliner Ensemble hingegen fasste anlässlich seiner Schweyk-Inszenierung, die von April 2010 bis September 2013 aufgeführt wurde, die Handlung mit den Worten zusammen: Der brave Soldat Schweyk, der bereits den ersten Weltkrieg überlebt hat, ist noch am Leben und unsere Geschichte zeigt seine erfolgreichen Bemühungen, auch den zweiten Weltkrieg zu überleben […] [5]. Demnach erleben Schweyk, die Wirtin und die Stammgäste des Prager Lokals „Zum Kelch“, die alle seit dem Ausbruch des Ersten Weltkrieg 25 Jahre älter geworden sind, vieles zum zweiten Mal. Nach dieser Interpretation hat Brecht eine Fortsetzung des Hašek-Romans verfasst.

Literatur[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Jürgen Schebera: Eisler. eine Biografie in Texten und Bildern. Verlag Schott, Mainz u.a. 1998, ISBN 3-7957-2383-3, S. 270.
  2. Schweyk im zweiten Weltkrieg (TV 1961). in der deutschen IMDB
  3. Volker Mall: [Wer hat denn eigentlich wen erschossen? Stundenentwurf zum Thema „Horst-Wessel-Lied und Kälbermarsch“]. In: Neue Musikzeitung. Ausgabe 11/1998
  4. Braver Schweyk In: Der Spiegel, Ausgabe 13/1957, S. 50
  5. livekritik: Schweyk im Zweiten Weltkrieg