Schwierigkeitsskala (Klettern)

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Als Schwierigkeitsskala (auch Schwierigkeitsgrad) bezeichnet man beim Klettern und Bergsteigen eine Skala aus Zahlen oder Buchstaben, die die Schwierigkeit einer Kletterroute beschreibt. Durch die Verwendung einer Bewertungsskala lässt sich die Schwierigkeit verschiedener Kletterrouten vergleichen.

Für die verschiedenen Spielformen des Kletterns und Bergsteigens existieren jeweils unterschiedliche Bewertungsskalen, die die für diese Sportart spezifischen Beanspruchungen berücksichtigen. So spielen beim Freiklettern andere Faktoren eine Rolle als beim technischen oder Eisklettern. Während bei Skalen, die für den alpinen Bereich konzipiert sind, häufig versucht wird, der Vielfalt verschiedener Anforderungen wie Ernsthaftigkeit (z. B. Ausgesetztheit, Absicherungsqualität, Brüchigkeit) oder konditioneller Belastung (z. B. Länge der Tour) Rechnung zu tragen, konzentrieren sich Skalen im Sportklettern meist auf die klettertechnische Schwierigkeit. Maßgeblich für die Bewertung ist hierbei die Schwierigkeit der Schlüsselstelle.

Die Bewertung der Schwierigkeit einer Route beruht auf normalen Bedingungen. Es darf also nicht außer acht gelassen werden, dass etwa nasser oder vereister Fels viel größere Anforderungen an den Begeher stellt.

Üblicherweise kommt dem Erstbegeher einer Route das Recht eines ersten Bewertungsvorschlages zu, häufig besprechen sich jedoch mehrere Kletterer bei der Bewertung und urteilen gemeinsam, um die Kriterien möglichst einheitlich zu halten. Bewertungsvorschläge können auch verändert werden, wenn eine große Zahl an Kletterern die vorgeschlagene Bewertung für unangemessen hält. Auch Veränderungen an der Route (z. B. durch Griffausbruch) können eine Neubewertung zur Folge haben. Schwierigkeitsbewertungen sind natürlich immer sehr subjektiv und Gegenstand von Diskussionen. Menschen sind physisch und psychisch unterschiedlich, daher sind derartige Angaben nur als Richtwert zu sehen.

Weiter unterliegen Bewertungsskalen einem starken historischen Wandel, aber auch lokalen Traditionen. Neuentwicklungen wie z. B. die Entstehung neuer Kletterstile oder Verbesserungen im Ausrüstungsbereich machen laufende Erweiterungen bzw. Adaptionen der verschiedenen Skalen notwendig.

Geschichte[Bearbeiten]

Grafische Darstellung der Welzenbach-Skala (1926)

Fritz Benesch, Autor des Raxführers von 1894, hat bereits in der ersten Auflage seines Führerwerkes den Versuch unternommen, mit einer „Vergleichsweisen Rangeinteilung der Steige nach ihrer Schwierigkeit“ die erste alpine Schwierigkeitsbewertung zu definieren. Diese Benesch-Skala hatte sieben Schwierigkeitsstufen. Mit der Stufe VII bewertete Benesch die leichtesten Routen, mit der Stufe I die damals schwierigsten. Bald wurden noch schwierigere Anstiege begangen, die dann mit Stufe 0 und später mit 00 bewertet wurden (etwa IV–V nach UIAA).[1] Weitere Skalen wie die 1923 von Willo Welzenbach vorgeschlagene Welzenbach-Skala kehrten die Richtung der Bewertung um, sodass den schwierigsten Anstiegen nunmehr die höchsten Zahlen zugeordnet wurden. Daraus entstand die 1947 in Chamonix entworfene sechsstufige Alpenskala, die sich international durchsetzte und 1968 in UIAA-Skala umbenannt wurde. In den Jahren 1977 bis 1979 wurde sie nach oben geöffnet.[2]

Bewertungsskalen im Freiklettern[Bearbeiten]

Während es bei den meisten Spielformen des Kletterns nur eine Bewertungsskala gibt, hat sich beim Freiklettern eine Vielzahl an Bewertungssystemen entwickelt, die teilweise auch unterschiedliche Schwerpunkte bei den Einflussfaktoren setzen. Die meisten dieser Skalen sind nur regional von Bedeutung, nur drei bzw. vier sind überregional gebräuchlich und dienen damit auch als Referenz zur „Umrechnung“ der anderen Skalen. Die überregional gebräuchlichen Bewertungsskalen sind die französische Skala, die UIAA-Skala, teilweise auch die amerikanische Skala sowie beim Bouldern die Fontainebleau- oder kurz Fb-Skala.

Im westdeutschen Raum wird im Allgemeinen die UIAA-Skala verwendet, wobei in Klettergebieten, die häufig von Kletterern aus anderen Nationen besucht werden, die französischen Bewertungen teilweise parallel verwendet werden. Ebenso ist die Grenze, wo die französische Skala Anwendung findet, nach Süden und Westen fließend.

Eine Ausnahmestellung in Deutschland hat die in der Sächsischen Schweiz bereits vor dem Zweiten Weltkrieg gebräuchliche sächsische Skala, die sich durch die Teilung Deutschlands zuerst unbeeinflusst von den anderen Skalen weiterentwickelt hat. Ab Ende der 1970er Jahre sind die oberen Schwierigkeitsgrade stark an die UIAA-Skala angelehnt worden. Sie wird auch in anderen ostdeutschen Klettergebieten verwendet, so etwa im Zittauer Gebirge. Aus historischen Gründen wird sie auch an den Sandsteinfelsen im Norden Tschechiens verwendet (Böhmische Schweiz, Lausitzer Gebirge, Český ráj). Dort wird sie heute als JPK-Skala (Jednotná pískovcová klasifikace) bezeichnet.

Die Umrechnung der verschiedenen Bewertungsskalen ist nicht linear, daher geschieht dies meist mit Hilfe von Tabellen.

Die gebräuchlichsten Bewertungsskalen[Bearbeiten]

Die UIAA-Skala wird in römischen oder arabischen Ziffern angegeben. Möglich sind ganze Zahlen, Auf- bzw. Abwertungen durch Nachstellen eines „+“ oder „−“ sowie Feinabstufungen wie beispielsweise „7+/8−“ (zwischen einer 7+ und einer 8−).

Die Französische Skala wird in arabischen Ziffern sowie jeweils einem Buchstaben (a, b oder c) angegeben. Wie in der UIAA-Skala sind Zwischenwerte und Aufwertung mit „+“ möglich, jedoch keine Abwertung mit „−“.

Die anerkannt schwierigsten Routen befinden sich derzeit im Bereich XII− (UIAA) bzw. 9b+ (franz.). Die erste Route in diesem Grad, deren Schwierigkeit bestätigt wurde, ist die von Adam Ondra Februar 2013 erstbegangene und von Chris Sharma im März 2013 wiederholte Route „La Dura Dura“ in Oliana.[3] Zuvor wurden die Schwierigkeit 9b+ (franz.) bereits mehrmals von verschiedenen Kletterern vorgeschlagen.

Vergleichstafel[Bearbeiten]

Vergleich verschiedener Routenbewertungssysteme
Sierra
(USA)
British
(UK)
Tech/Adj
Franzö-
sisch
UIAA
(Mittel-
europa)
Austra-
lien
Sächsisch
(Sachsen/
Nordböhmen*)
Finn-
land
Brasi-
lien
Fb-
Skala
5.2     1 I   I   Isup
5.3     2 II 11 II   II
5.4     3 III 12 III   IIsup 2
5.5 4a VD 4 IV   IV   III 3
5.6   S 5a V− 13 V 5− IIIsup
5.7 4b HS   V 14 VI 5 IV 4a
  4c 5b  V+ 15      
5.8   VS   VI− 16 VIIa 5+ IVsup
5.9 5a HVS 5c VI 17 VIIb   V 4b
5.10a   E1 6a VI+ 18 VIIc 6− Vsup
5.10b 5b   6a+ VII− 19 VIIIa   VI
5.10c   E2 6b VII 20 VIIIb 6  
5.10d 5c   6b+ VII+ 21 VIIIc   VIsup 4c
5.11a   E3 6c VII+/VIII− 22   6+ VIIa 5a
5.11b     6c+ VIII− 23 IXa    
5.11c 6a E4 7a VIII 24 IXb 7− VIIb 5b
5.11d     7a+ VIII+ 25 IXc 7 VIIc 5c
5.12a   E5 7b VIII+/IX− 26   7+ VIIIa 6a
5.12b 6b   7b+ IX−   Xa 8− VIIIb 6b
5.12c   E6 7c IX 27 Xb 8 VIIIc 6c
5.12d 6c   7c+ IX+ 28 Xc 8+ IXa 7a
5.13a   E7 8a IX+/X− 29   9− IXb 7a+
5.13b           9 IXc 7b
5.13c 7a   8a+ X− 30 XIa 9+ Xa 7b+
                  7c
5.13d   E8 8b X 31 XIb 10− Xb 7c+
5.14a     8b+ X+ 32 XIc ** 10 Xc 8a
5.14b 7b   8c X+/XI−     10+ XIa 8a+
5.14c   E9 8c+ XI− 33   11−   8b
5.14d 7c   9a XI     11   8b+
                  8c
5.15a     9a+ XI+     11+   8c+
5.15b     9b XI+/XII−          
5.15c     9b+ XII−          
Sierra
(USA)
British
(UK)
Tech/Adj
Franzö-
sisch
UIAA
(Mittel-
europa)
Austra-
lien
Sächsisch
(Sachsen/
Nordböhmen*)
Finn-
land
Brasi-
lien
Fb-
Skala

* Die sächsische Skala gilt nur eingeschränkt in Tschechien, da diese bis in die 1990er Jahre an der ursprünglich siebenstufigen Skala festhielten.
** Die sächsische Skala geht derzeit bis XIIc, was etwa XI+ (UIAA) entsprechen würde. Die Schwierigkeiten XIIa bis XIIc konnten bisher aber nicht bestätigt werden.

Weitere Bewertungsskalen[Bearbeiten]

Die sächsische Skala wird in römischen Ziffern angegeben. Sie beginnt mit I und ist nach oben offen. Ab VII sind die Schwierigkeitsgrade mit Zusatz der Buchstaben a, b und c weiter unterteilt. Die schwierigsten Kletterwege der Sächsischen Schweiz erreichen derzeit die bestätigte Schwierigkeit XIc. Zusätzlich gibt es in Sachsen noch eine Skala für Sprünge. Sie wird in arabischen Ziffern angegeben und umfasst die Schwierigkeitsgrade 1 bis 7. Eine davon abgeleitete Skala ist die tschechische Schwierigkeitsskala JPK (Jednotná pískovcová klasifikace). Diese endet beim siebten Grad und ist nur teilweise (vor allem in den unteren Bereichen) mit der Sächsischen Skala identisch.

Erklärung der UIAA-Skala [Bearbeiten]

Die folgende verbale Beschreibung der UIAA-Skala stammt noch aus der Zeit vor der Entstehung des modernen Sportkletterns. Sie ist daher nur sehr bedingt auf diese Form des Kletterns mit ihren verbesserten sicherungs- und ausrüstungstechnischen Möglichkeiten übertragbar. Mittlerweile wird von Seiten der UIAA von solchen Definitionsversuchen aufgrund ihrer fehlenden Objektivierbarkeit und der Schwierigkeit adäquater Beschreibungen abgeraten.[4] Daher hat sich besonders im höheren Schwierigkeitsbereich die numerische Bewertung durchgesetzt. Im untersten Schwierigkeitsbereich sind verbale Kurzbeschreibungen jedoch durchaus noch verbreitet: Alpines, auch wegloses, Gelände, das noch keinen oder nur wenig Einsatz der Hände erfordert, wird meist als „unschwierig“, „wenig schwierig“ oder seltener auch als „leicht“ bezeichnet,[5] diese Bezeichnungen werden hierbei jedoch uneinheitlich gehandhabt und teilweise auch bis zum I. UIAA-Schwierigkeitsgrad verwendet.[6]

Bewertung Erklärung
I Geringe Schwierigkeiten. Einfachste Form der Felskletterei (jedoch kein leichtes Gehgelände). Die Hände sind zur Unterstützung des Gleichgewichtes erforderlich. Anfänger müssen am Seil gesichert werden. Schwindelfreiheit ist bereits erforderlich.
II Mäßige Schwierigkeiten. Hier beginnt die Kletterei, welche die Drei-Punkt-Haltung erforderlich macht.
III Mittlere Schwierigkeiten. Geübte und erfahrene Kletterer können Passagen dieser Schwierigkeit noch ohne Seilsicherung erklettern. Senkrechte Stellen verlangen bereits Kraftaufwand.
IV Große Schwierigkeiten. Hier beginnt die Kletterei schärferer Richtung. Erhebliche Klettererfahrung notwendig. Längere Kletterstellen bedürfen meist mehrerer Zwischensicherungen. Auch geübte und erfahrene Kletterer bewältigen Passagen dieser Schwierigkeit gewöhnlich nicht mehr ohne Seilsicherung.
V Sehr große Schwierigkeiten. Zunehmende Anzahl an Zwischensicherungen ist die Regel. Erhöhte Anforderungen an körperliche Voraussetzungen, Klettertechnik und Erfahrung. Lange hochalpine Routen im Schwierigkeitsgrad V zählen bereits zu den ganz großen Unternehmungen in den Alpen und außeralpinen Regionen.
VI Überaus große Schwierigkeiten. Die Kletterei erfordert weit überdurchschnittliches Können und hervorragenden Trainingsstand. Große Ausgesetztheit, oft verbunden mit kleinen Standplätzen. Passagen dieser Schwierigkeit können in der Regel nur bei guten Bedingungen bezwungen werden.
VII Außergewöhnliche Schwierigkeiten. Ein durch gesteigertes Training und verbesserte Ausrüstung erreichter Schwierigkeitsgrad. Auch die besten Kletterer benötigen ein an die Gesteinsart angepasstes Training, um Passagen dieser Schwierigkeit nahe der Sturzgrenze zu meistern. Neben akrobatischem Klettervermögen ist das Beherrschen ausgefeilter Sicherungstechnik unerlässlich.
VIII und darüber keine wörtliche Entsprechung

Bewertungsskalen für andere Bereiche des Kletterns und Bergsteigens[Bearbeiten]

Bouldern[Bearbeiten]

Bouldern ist das Klettern an Felsblöcken, Felswänden oder an künstlichen Kletterwänden in Absprunghöhe. Für die Bewertung der Schwierigkeit dieser Klettereien existieren unterschiedliche Bewertungssysteme.  

John Gill führte erstmals ein Bewertungssystem für die Schwierigkeit einzelner Boulderprobleme ein. Diese „John Gill B-Scale“ nahm in ihrer ursprünglichen Form eine Einteilung von B1 bis B3 vor. Die Bewertung B1 steht dabei für einen Schwierigkeitsgrad, bei dem das Boulderproblem schwerer als eine äußerst schwere Kletterroute im Toprope-Stil ist. B2 soll deutlich schwerer sein als B1. B3 wird vergeben, wenn ein Boulder ein einziges Mal von einem Kletterer bewältigt wurde. Dieses geschlossene Bewertungssystem konnte nicht lange aufrechterhalten werden, was zu einer Öffnung der Skala und der Einführung neuer Schwierigkeitsgrade führte. Dieser Prozess wurde auch durch die von John Sherman („Vermin“) in den USA entwickelte, offene, V-Skala beschleunigt. Diese ist vom Schwierigkeitsgrad an die B-Skala angelehnt.  

Die weiteste Verbreitung hat beim Bouldern die Fb.-Skala (Fontainebleau-Skala). Diese wurde im französischen Traditionsbouldergebiet Fontainebleau entwickelt und differenziert ein Boulderproblem danach, ob es sich um ein reines Boulderproblem (Fb.-Bloc) oder um ein Traversenproblem (Fb.-Trav) handelt.  

Bewertungsskalen beim Bouldern
B-Scale V-Scale Fb-Bloc Fb-Trav
      2a
    2a 2b
    2b 2c
    2c 3a
    3a 3b
    3b 3c
    3c 4a
    4a 4b
    4b 4c
    4c 5a
    5a 5b
    5b 5c
B 1 V 0 5c 5c+
B 2   5c+ 6a
B 3 V 1 6a 6a+
    6a+ 6b
B 4 V 2 6b 6b+
B 5 V 3 6b+ 6c
B 6 V 5 6c+ 7a
B 7 V 6 7a 7b
B 8 V 7 7b 7b+
B 9 V 8 7b+ 7c
  V 9 7c 7c+
B 10 V 10 7c+ 8a
B 11 V 11 8a 8a+
B 12 V 12 8a+ 8b
  V 13 8b 8b+
  V 14 8b+
  V 15 8c
  V 16 8c+
B-Scale V-Scale Fb-Bloc Fb-Trav

SAC-Berg- und Hochtourenskala[Bearbeiten]

Die SAC-Berg- und Hochtourenskala ist eine weitere, vom SAC (Schweizer Alpen-Club) speziell für hochalpine Fels- und Eistouren entwickelte Schwierigkeitsskala für das Klettern. Sie dient der Graduierung der einzelnen Alpinrouten als Referenz bei normalen und trockenen Wetterbedingungen und orientiert sich jeweils an der Schlüsselstelle. Daneben wurden noch vom SAC eine Wanderskala, Absicherungsskala, Skitourenskala und Schneeschuhtourenskala entwickelt.

Technisches Klettern[Bearbeiten]

Die Bewertungsskala im technischen Klettern reicht von A0 bis A5. Dabei entspricht A0 im Prinzip dem Freiklettern, wobei einzelne Sicherungspunkte zum Festhalten oder Treten benutzt werden. Bei einer Schwierigkeit von A5 findet die Fortbewegung nur noch an künstlichen Haltepunkten statt, die – mit Ausnahme der Standplatzsicherungen – gerade noch das Körpergewicht des Kletterers tragen. Ein Ausbrechen eines der Haltepunkte in einer A5-Route führt in der Folge zum Ausbrechen der gesamten Haltepunktkette, zu weiten Stürzen meist bis in die Standplatzsicherung hinein und endet mit hoher Wahrscheinlichkeit mit ernsthaften Verletzungen.

Skala Beschreibung
A0 ein Sicherungspunkt wird zur Fortbewegung (als Tritt oder Griff) verwendet
A1 eine Trittschlinge wird eingehängt und verwendet
A2 zwei Trittschlingen oder Trittleitern werden zur Fortbewegung verwendet
A3 zwei Trittleitern – die Haken sind aber von schlechter Qualität
A4 wie A3 unter schwierigeren Bedingungen (Sicherungspunkte sind schlecht anzubringen) und die Überwindung der Kletterpassage verlangt Kraft und Ausdauer
A5 Die Fortbewegung erfolgt ausschließlich oder fast ausschließlich an künstlichen Haltepunkten, deren Qualität überdies meist so schlecht ist, dass ein Sturz erst von der Standplatzsicherung gehalten wird.

Eisklettern und Mixed-Klettern[Bearbeiten]

Für das Eis- und Mixed-Klettern gibt es ebenfalls eigene Skalen. Die tatsächliche Schwierigkeit bei Eisfällen und Mixedtouren ist von Faktoren wie Eisbildung, Temperatur, Sonneneinstrahlung und ähnlichem abhängig und kann um bis zu eineinhalb Grade von der angegebenen Schwierigkeit abweichen.

Mixed-Routen werden mit der zwölfstufigen M-Skala bewertet. Bei den Graden wird mit + oder − eine feinere Einstufung erreicht. Die schottische Mixed-Skala besteht aus einer römischen Ziffer, gefolgt von einer arabischen Ziffer, wobei die römische für die Gesamtbewertung steht und die arabische für den schwierigsten technischen Abschnitt. Die Skala reicht von I bis IX bzw. von 4 bis 9.

Die Schwierigkeit beim Eisklettern wird mit der siebenstufigen WI-Skala bewertet, WI steht für Water Ice.

Im Jahre 2010 wurde von Will Gadd und Tim Emmett für die Route „Spray On“ an den Helmcken Falls, British Columbia der Schwierigkeitsgrad WI10 vorgeschlagen. Dieser Grad hat jedoch noch nicht Eingang in die allgemein anerkannte Skala gefunden.[7]

Skala Steilheit [°] Eiszustand Sicherungsmöglichkeiten Sonstiges
WI1 40–60 Sicherungen sind leicht anzubringen
WI2 60–70 kompaktes Eis gute Sicherungsmöglichkeiten
WI3 70–80 s. o. s. o. abwechselnd steilere und flachere Passagen
WI4 80 kurze Passagen mit Röhreneis möglich s. o. kurze Abschnitte senkrechtes Eis möglich
WI5 85–90 s. o. s. o. längere senkrechte Passagen
WI6 90 Röhreneis und freistehende Eissäulen teilweise schlechte Sicherungsmöglichkeiten
WI7 überhängend dünne freistehende Eissäulen, freihängendes Eis sehr schlechte Sicherungsmöglichkeiten

Ernsthaftigkeit einer Route[Bearbeiten]

Als Ergänzung der UIAA, der Mixed- (M) und der Wassereisfall- (WI) Skala ist eine Ernsthaftigkeits-Bewertung sinnvoll.

Hauptartikel: Ernsthaftigkeit

Klettersteige[Bearbeiten]

Für Klettersteige gibt es keine allgemein anerkannte Skala.[8] Es werden verschiedene vier- bis sechsstufige Skalen verwendet. Eine der bekanntesten ist die verbale „Hüsler-Skala“ („wenig schwierig” bis „extrem schwierig”). Nach Eugen Hüsler werden diese Stufen mit K1 bis K6, ansonsten oft auch einfach mit den Buchstaben A bis E bezeichnet. Diese vom Klettersteigführerautor Kurt Schall eingeführte Variante hat sich im deutschen Sprachraum weitgehend durchgesetzt.[8] Neuerdings gibt es auch einen Klettersteig mit der Kategorisierung F und einen mit der Kategorisierung G [9].

A (wenig schwierig)

K1

Schwierigkeit: einfach

Gelände: flach bis steil, meist felsig oder von Felsen durchsetzt, ausgesetzte Passagen möglich
Sicherung: Drahtseile, Ketten, Eisenklammern („Klampfen”) und vereinzelt kurze Leitern; Begehung größtenteils ohne Verwendung der Sicherungseinrichtungen möglich
Voraussetzungen: Trittsicherheit und Schwindelfreiheit empfohlen, Bürokondition (hängt allerdings von der Länge der Tour ab)
Ausrüstung: Klettersteigausrüstung empfohlen. Geübte Geher werden hier auch ohne Selbstsicherungen anzutreffen sein. Gesichert gehen ist aber keine Schande!

B (mäßig schwierig)

K2

Schwierigkeit: einfach bis mäßig schwierig, teilweise etwas anstrengender oder kräfteraubend

Gelände: steileres Felsgelände, teilweise kleine Tritte, mit ausgesetzten Stellen ist auf jeden Fall zu rechnen
Sicherung: Drahtseile, Ketten, Eisenklammern, Trittstifte, längere Leitern (u. U. auch senkrecht); Begehung ohne Sicherungseinrichtungen möglich, aber Schwierigkeiten bis zum 3. Schwierigkeitsgrad (UIAA) sind zu erwarten
Voraussetzungen: wie bei A, allerdings bessere Kondition und etwas Kraft und Ausdauer in Armen und Beinen deutlich von Vorteil
Ausrüstung: Klettersteigausrüstung empfohlen; Begehung auch im Seilschaftsverband möglich

C (schwierig)

K3

Schwierigkeit: größtenteils schwierig, anstrengend und kräfteraubend

Gelände: steiles bis sehr steiles Felsgelände, meist kleine Tritte, längere bzw. sehr häufig ausgesetzte Passagen
Sicherung: Drahtseile, Eisenklampfen, Trittstifte, oft längere und sogar überhängende Leitern, Klammern und Stifte können auch weiter auseinander liegen; in senkrechten Abschnitten manchmal auch nur ein Drahtseil; Begehung ohne Benutzung der fixen Sicherungseinrichtungen möglich, Schwierigkeiten liegen aber oft schon im 4. Schwierigkeitsgrad (UIAA)
Voraussetzungen: gute Kondition, da längere Anstiege in diesem Schwierigkeitsgrad bereits zu den großen Klettersteig-Unternehmen zählen
Ausrüstung: Klettersteigausrüstung wie B ist dringend zu empfehlen, Ungeübte bzw. Kinder sind ev. sogar ans Seil zu nehmen.

D (sehr schwierig)

K4

Schwierigkeit: sehr schwierig, sehr anstrengend und sehr kräfteraubend

Gelände: senkrechtes, oft auch überhängendes Gelände; meist sehr ausgesetzt
Sicherung: Drahtseil, Eisenklammern und Trittstifte (liegen vielfach weit auseinander); an ausgesetzten und steilen Stellen oftmals nur ein Drahtseil
Voraussetzungen: wie bei C, allerdings guter körperlicher Zustand, genug Kraft in Armen und Händen, da längere senkrechte bis überhängende Stellen auftreten können; auch kleinere Kletterstellen (bis zum 2. Schwierigkeitsgrad) ohne Sicherungseinrichtungen sind möglich
Ausrüstung: Klettersteigausrüstung obligatorisch, selbst erfahrene Klettersteiggeher sind im Seilschaftsverband anzutreffen; für Anfänger und Kinder nicht empfehlenswert

E (extrem schwierig)

K5

Schwierigkeit: extrem schwierig, da sehr anstrengend und äußerst kräfteraubend

Gelände: senkrecht bis überhängend; durchwegs ausgesetzt; sehr kleine Tritte oder Reibungskletterei
Sicherung: wie D, allerdings öfter mit Kletterei kombiniert
Voraussetzungen: viel Kraft in Händen (Fingern), Armen und Beinen, erhöhtes Maß an Kondition, Beweglichkeit, über längere Strecken kann die Hauptlast auf den Armen liegen
Ausrüstung: Klettersteigausrüstung obligatorisch, Seilschaftsverband gerade bei Touren mit Stellen ohne Sicherungseinrichtungen überlegenswert; Anfängern und Kindern ist davon abzuraten

F (mehr als extrem schwierig)

K6

Schwierigkeit: mehr als extrem schwierig, da sehr anstrengend und äußerst kräfteraubend und gute Klettertechnik unabdingbar ist

Gelände: primär überhängend; ausgesetzt; sehr kleine Tritte oder Reibungskletterei
Sicherung: wie E, kombiniert mit Kletterei
Voraussetzungen: wie E, jedoch gutes Kletterkönnen obligatorisch
Ausrüstung: Klettersteigausrüstung obligatorisch, Top-Rope Sicherung empfehlenswert; nicht empfehlenswert für Personen, die den Schwierigkeitsgrad E nicht einfach beherrschen.
Bemerkung: Derzeit gibt es im Alpenraum nur zwei Klettersteige der Kategorie F – die Bürgeralm (Klettersteig mit Arenavariante)[10] und den Postalm-Klettersteig (mit F-Variante)[11] in Österreich.

Weblinks[Bearbeiten]

 Wikibooks: Übersicht Bewertungsskalen – Lern- und Lehrmaterialien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Benesch, Pruscha, Holl: Führer auf die Raxalpe, Naturfreunde Österreich, Wien 1973.
  2.  Tom Dauer: Der Reiz der Maßstäbe. In: DAV (Hrsg.): Panorama. Nr. 4, 2006 (PDF-Datei, abgerufen am 27. April 2014).
  3. Der Kampf ist beendet: Chris Sharma wiederholt La Dura Dura 9b+. In: klettern.de. 25. März 2013, abgerufen am 11. April 2013.
  4.  Pit Schubert, ÖAV (Hrsg.): Alpine Felstechnik. 5 Auflage. Bergverlag Rother, München 1989, ISBN 978-3-7633-6073-4, S. 207.
  5.  Heinrich und Walter Klier: Alpenvereinsführer Zillertaler Alpen. Rother Bergverlag, 1990.
  6.  Heinrich und Walter Klier: Alpenvereinsführer Stubaier Alpen. Rother Bergverlag, München 1980, ISBN 3-7633-1212-9.
  7. Gadd Speaks Out on Spray On, alpinist.com, abgerufen am 18. Oktober 2012
  8. a b Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatWalter Würtl, Peter Plattner: Skalendschungel. Schwierigkeitsbewertung bei Klettersteigen. In: Bergauf. Österreichischer Alpenverein, Juni–August 2009, S. 10–13, abgerufen am 4. Juli 2009.
  9. Gran Canaria – das neue “Klettersteig-Archipel”. In: www.tourendatenbank.com. 5. Juni 2012, abgerufen am 18. September 2012.
  10. Beschreibung der Arenavariante auf bergsteigen.com; Abgerufen am 20. Juni 2010.
  11. Beschreibung des Postalm-Klettersteiges auf bergsteigen.com; Abgerufen am 26. Oktober 2011.