Schwimmabzeichen

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Ein Schwimmabzeichen, in der Schweiz Schwimmtest, ist eine Auszeichnung im Schwimmen. Nach bestandener Prüfung erhält der Schwimmer ein buntes Stoffabzeichen zum Aufnähen auf die Badebekleidung. Dazu gibt es einen Schwimmpass oder Schwimmausweis.

Deutschland[Bearbeiten]

Die Ausführungen beziehen sich auf Deutschland bis zur Nachkriegszeit und auf die Bundesrepublik. Für die DDR (1949 bis 1990) siehe Schwimmabzeichen (DDR)

Allgemeine Schwimmabzeichen[Bearbeiten]

Die Prüfungsleistungen für Schwimmanfänger, des Deutschen Jugendschwimmpasses, des Deutschen Schwimmpasses, des Deutschen Leistungsschwimmpasses sowie der Rettungsschwimmprüfungen werden in der „Deutschen Prüfungsordnung Schwimmen - Retten - Tauchen“ festgelegt.[1][2] Herausgegeben wird diese seit 1977/78 von den im Bundesverband zur Förderung der Schwimmausbildung (BFS) zusammengeschlossenen Schwimmsport treibenden Verbänden und der Kultusministerkonferenz.

Prüfungen für Schwimmanfänger
Deutscher Jugendschwimmpass (unter 18 Jahren)
Deutscher Schwimmpass (ab 18 Jahren)

Schwimmabzeichen des DSV[Bearbeiten]

Der Deutsche Schwimm-Verband" (DSV) hat weitere Qualifikationen und Abzeichen entwickelt. Prüfungsberechtigt sind aber auch die Übungsleiter der anderen Verbände im BFS.

Schwimmabzeichen "Seeräuber"[Bearbeiten]

100 m technikgerechtes Schwimmen, 5 m Streckentauchen mit anschließendem Herausholen eines Gegenstandes aus mindestens 1 Meter Wassertiefe

Vielseitigkeitsabzeichen „Seehund Trixi“[Bearbeiten]

25 m Brustschwimmen, 25 m Rücken- oder Kraulschwimmen, 15 m Dribbeln mit Wasserball im Wasser, Kopfsprung vorwärts, 7 m Streckentauchen, 1 Rolle vorwärts oder rückwärts um die Quer- oder Längsachse im Wasser.

Deutscher Leistungsschwimmpass[Bearbeiten]

Rettungsschwimmabzeichen[Bearbeiten]

Der Junior-Retter bzw. Juniorwasserretter dient der allgemeinen Grundausbildung in Selbst- und einfacher Fremdrettung.

Das Deutsche Rettungsschwimmabzeichen (DRSA) zeichnet die Befähigung zum Retten von verunglückten Schwimmern aus.

Ältere und seltene Schwimmabzeichen[Bearbeiten]

Frei-, Fahrtenschwimmer und Jugendschwimmschein[3][Bearbeiten]

In den 1950er-Jahren bis zur Einführung der obigen Regelung Anfang der 1980er Jahre waren in Deutschland folgende Schwimmabzeichen gebräuchlich:

  • Freischwimmer (15 Minuten Schwimmen in tiefem Wasser + Sprung aus 1 m Höhe)
  • Fahrtenschwimmer (30 Minuten Schwimmen in tiefem Wasser + Sprung aus 3 m Höhe in 3,5 m tiefes Wasser, falls Voraussetzungen nicht gegeben 3 beliebige Sprünge)
  • Leistungsschwimmer
  • Jugendschwimmschein (innerhalb von 2 Monaten zu erfüllende Bedingungen):
    • Streckenschwimmen: 200 m in beliebiger Stilart
    • Schnellschwimmen: 50 m in beliebiger Stilart in stehendem Wasser, max. 70 Sekunden
    • Rückenschwimmen: 25 m, davon 15 m ohne Armtätigkeit (Arme sind über der Brust zu kreuzen)
    • Streckentauchen: 10 m (vom Absprung aus gemessen)
    • Teller- oder Ringtauchen: 3 von 6 Tellern (Ringen) auf 5 x 5 m Grundfläche in 1 bis 3 Tauchgängen heraufholen, 3 min. Zeit
    • Mutsprung: beliebiger Sprung aus 3 m Höhe in 3,5 m tiefes Wasser, falls Voraussetzungen nicht gegeben 3 beliebige Sprünge
    • Transportieren: 30 m Ziehen oder Schieben eines etwa gleich schweren Menschen
    • Nachweis folgender Kenntnisse: allgemeine Baderegeln, Selbsthilfe bei Gefahren am und im Wasser (Bade-, Boots- und Eisunfälle)
  • Delphin (in der Reihung Seepferdchen - Delphin - Hai)

Totenkopfschwimmer[Bearbeiten]

Bekannt sind auch die

  • Totenkopfschwimmer in Schwarz (eine Stunde Schwimmen)
  • Totenkopfschwimmer in Silber (eineinhalb Stunden Schwimmen)
  • Totenkopfschwimmer in Gold (zwei Stunden Schwimmen).

Die Totenkopfabzeichen waren sehr begehrt, werden aber seit Beginn der 1970er Jahre nur noch selten abgenommen, da es öfters zu Unterkühlungsvorfällen gekommen ist. Vereinzelte Schwimmbäder nehmen die Prüfung noch ab, sofern die Wassertemperatur entsprechend ist. DLRG - Gliederungen ist die Abnahme dagegen mittlerweile ausnahmslos untersagt, da die Abzeichen nicht den für verbindlich erklärten Inhalten der Deutschen Prüfungsordnung Schwimmen / Rettungsschwimmen entsprechen. Einige Bäderbetriebe haben mittlerweile strenge Vorschriften erlassen, dass die Prüfung nur noch mit Personen durchgeführt werden darf, von denen die Prüfer – meist aus vorangegangenen Schwimmkursen – wissen, dass sie die nötige körperliche Konstitution besitzen[4]. Bei der Bundeswehr wird die Prüfung ebenfalls noch abgenommen; aus Image-Gründen verzichtet man hier jedoch auf die Nutzung des Totenkopf-Abzeichens. Die Totenkopfschwimmer gehören nicht zu den offiziellen Schwimmabzeichen der Deutschen Prüfungsordnung Schwimmen / Rettungsschwimmen.

Österreich[Bearbeiten]

Die Österreichischen Schwimmerabzeichen werden durch die Arbeitsgemeinschaft Österreichisches Wasserrettungswesen (ARGE ÖWRW) herausgegeben. Zu dieser haben sich der Arbeiter-Samariter-Bund Österreichs (Wasserrettung), das Österreichische Jugendrotkreuz und die Österreichische Wasserrettung zusammengeschlossen. Ebenso gehören ihr das Bundesministerium des Inneren und das der Landesverteidigung an, sie bilden jedoch nur im Dienstbereich aus. Beratendes Mitglied ist das Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur.

Die Österreichischen Schwimmerabzeichen sind in folgenden Stufen erhältlich:

Schweiz[Bearbeiten]

Grundlagentest Krebs
Test Schwimmen 1 bis 8
Kombitest 1 bis 4

Die Schweizerischen Schwimmtests sind ein umfassendes methodisch-didaktisches Konzept zum Schwimmen-Lernen. Sie werden von der Vereinigung der am Schwimmsport interessierten Verbände „swimsports.ch“, dem Schweizerischen Schwimmverband, der Schweizerischen Lebensrettungs-Gesellschaft (SLRG) und der Organisation Jugend+Sport des Bundesamtes für Sport BASPO herausgegeben.

methodisch didaktische Hilfe im Schwimmunterricht[Bearbeiten]

Die 65 Schwimmtests sind eine didaktische Hilfe für alle Lehrkräfte im Schwimmsport. Sie helfen, den Unterricht methodisch zu gliedern, Ziele zu setzen und die Leistung zu überprüfen, und sie bieten gleichzeitig methodische Anleitung für aufeinander aufgebaute Übungen. Die Tests und die Ausführung der einzelnen Übungen sind auf Bildtafeln ausführlich erläutert. Die unteren Stufen können von Jedermann abgenommen werden (jeder der die Bestimmungen und Instruktionen verstanden hat und der bereit ist, sich genau daran zu halten). Dies dient insbesondere der methodischen Unterstützung für Eltern, die ihren Kinder das Schwimmen selbst beibringen wollen. Besonderer Wert gelegt wird auf spielerische Vermittlung und Vielfalt. Technisch sind die Anfängertests auf Wasserlage, Atmung und Koordination ausgerichtet. Die Tests für Fortgeschrittene verlangen hohe technische und körperliche Leistungen und bereiten so auf den Spitzensport vor.

Das umfangreiche Lehr-Material wird gratis abgegeben. Die Kosten werden von namhaften Sponsoren getragen. Die gestickten Stoff-Abzeichen werden zum Selbstkostenpreis verkauft.

Kategorien und Schwimmtests[Bearbeiten]

Motivationsabzeichen

Im Bereich der Wassergewöhnung werden sechs Tests angeboten: Ente, Schwan, Seehund, Nilpferd, Schildkröte und Biber.

Grundlagentests

Für Schwimm-Anfänger werden sieben Tests angeboten: Krebs, Seepferd, Frosch, Pinguin, Tintenfisch, Krokodil und Eisbär.

Schwimmen

Für Schwimmer und Fortgeschrittene werden acht Tests angeboten: Wal, Hecht, Hai und Delfin, sowie Test 5 bis Test 8.

Kombi-Tests

Die Kombi-Tests kombinieren Schwimmen, Tauchen, Springen und Retten. Dazu gibt es Tests in vier Stufen. Sie bieten mit den enthaltenen technischen Erläuterungen Lehrkräften eine geeignete Arbeitsgrundlage für den Schwimmunterricht in der Mittel- und Oberstufe. Die damit verbundene vielseitige Grundausbildung kann eine spätere Spezialisierung vorbereiten. Diese Tests gibt es bereits seit 1956.

Spezial-Tests

In den Kategorien Wasserspringen, Synchronschwimmen, Wasserball, Rettungsschwimmen und Flossenschwimmen gibt es spezielle Tests in je acht Stufen. Die Tests 5 bis 8 dürfen nur von dafür ausgebildeten Personen durchgeführt werden, die Tests 7 und 8 zum Teil nur von brevetierten Wettkampfrichtern.[5][6]

Wasser-Sicherheits-Check[Bearbeiten]

Der Wasser-Sicherheits-Check (WSC) prüft, ob sich eine Person bei einem Sturz ins Wasser selber an den Rand oder ans Ufer retten kann. Im Gegensatz zum Schwimmunterricht, bei dem es um angstfreien Aufenthalt im Wasser geht und in dem Wassergewöhnung, Wasserbewältigung und saubere Bewegungsausführung der Kernbewegungen und Schwimmtechniken die wesentlichen Inhalte sind, geht es im WSC ausschließlich um Selbstrettung.

Der WSC-Ausweis bestätigt dem Kind, seinen Eltern, und weiteren Aufsichtspersonen, dass das Kind den WSC erfolgreich absolviert hat und genügend wasserkompetent ist um ins – beaufsichtigte – tiefe Wasser zu dürfen. Kinder mit WSC-Ausweis haben in vielen Bädern der Schweiz auch ohne Begleitung eines Erwachsenen Zutritt.

Der Ablauf:

Rolle / purzeln in tiefes Wasser
1 Minute an Ort über Wasser halten
50 m schwimmen

Der Wasser-Sicherheits-Check wurde in Kanada unter dem Namen «Swim to Survive®» von der kanadischen Lifesaving Society entwickelt. Träger sind swimsports.ch, Schweizerische Lebensrettungs-Gesellschaft SLRG, Schweizerischer Schwimmverband SSCHV, Jugend und Sport J+S und die bfu - Beratungsstelle für Unfallverhütung.

Berufliche Qualifikationen[Bearbeiten]

Schwimminstruktor

Die SLRG bietet Ausbildungen in Rettungsschwimmen an (Voraussetzung für Badmeister, Lehrer, Jugendleiter), swimsports.ch bildet Schwimminstruktoren aus und Jugend und Sport bildet Jugendleiter für Schwimmen, Tauchen, Wasserspringen, Wasserball, Rettungsschwimmen und Kunstschwimmen aus. Die Absolventen werden ebenfalls mit einem Schwimmabzeichen ausgezeichnet.

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. DSV Prüfungsordnung
  2. Schulsport-NRW: Prüfungsordnung Schwimmen
  3. Angaben zu Freischwimmer, Fahrtenschwimmer und Jugendschwimmschein: Jugendschwimmpass DLRG, Stand 24. Juni 1966
  4. z.B. KölnBäder GmbH, Berliner Bäder-Betriebe
  5. Kurzinhalte der Schweizer Schwimmtests
  6. Schweizer Schwimmtests bei swimsports.ch

Weblinks[Bearbeiten]