Schwimmschnee

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Schwimmschnee ist ein Typus Schnee, der durch seine besondere Kristallform gekennzeichnet wird und im Zuge der sogenannten aufbauenden Umwandlung entsteht. Schwimmschnee ist ein wesentlicher und besonders tückischer Faktor bei der Bildung von Schneebrettern.

Schwimmschnee

Frisch gefallener Neuschnee weist die klassischen Schneekristalle in ihrer hexagonalen Struktur auf. Abhängig von verschiedenen Faktoren, u.a. Temperatur und Sonnenexposition, wandeln diese sich mehr oder minder schnell in grobkörnige Altschneekristalle um, die sich durch einen guten Verbund und eine entsprechende Festigkeit auszeichnen (dieser Vorgang wird als abbauende Umwandlung bezeichnet). Unter anderem aus diesem Grund nimmt die Lawinengefahr in der Regel einige Tage nach dem letzten Schneefall in den meisten Expositionen deutlich ab.

Unter bestimmten Bedingungen, nämlich wenn der Temperaturgradient in der Schneedecke ca. 0,25 °C / cm übersteigt, wandeln sich die grobkörnigen Altschneekristalle erneut um und bilden die charakteristischen Kelchformen des Schwimmschnees aus. Dieser Prozess wird insbesondere durch einen inhomogenen Schichtaufbau gefördert, da harte Schneeschichten mit ihrer größeren Anzahl Eiskristalle wärmeleitfähiger sind, so dass es beispielsweise unter Harschschichten zu besonders starken Temperatursprüngen kommt. In diesem Bereich wird der darunter liegende Schnee zu Schwimmschnee aufgebaut. Schwimmschnee hat aufgrund seiner Kristallstruktur nur einen sehr schlechten oder gar keinen Verbund. Schwimmschnee rieselt deshalb auch, wenn er aus der Hand gestreut wird, ähnlich wie Zucker.

Schwimmschnee ergibt deshalb die Gleitschicht für ein mögliches Schneebrett. Die darüber liegenden Schichten gleiten dann auf der instabilen Schwimmschneeschicht ab. Gerade bei der typischen Kombination aus Schwimmschnee unter Harsch kann insbesondere die Harschschicht extreme Kräfte übertragen, so dass in dieser Kombination Schneebretter von gigantischem Ausmaß entstehen können.

Die besondere Gefahr von Schwimmschnee gegenüber anderen potentiellen Gleitschichten wie eingeschneitem Raureif besteht darin, dass er nachträglich entsteht. Dadurch kann ein bereits sicherer Hang später erneut lawinengefährdet sein. Auch ist das Vorliegen von Bedingungen, unter denen Schwimmschnee entsteht, viel weniger offensichtlich als beispielsweise die Entstehung von Reif oder Triebschnee. Schwimmschnee gehört damit zu den tückischsten Phänomenen der Lawinenkunde.

Literatur[Bearbeiten]