Scott Sisters

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Jamie und Gladys Scott, (»die Schwestern Scott«, engl. „the Scott Sisters“), verbüßen seit 1994 jeweils eine doppelt lebenslange Freiheitsstrafe im Bundesstaat Mississippi (USA). Laut Urteil waren sie beteiligt an einem Raub, bei dem 11 Dollar erbeutet und keine Personen verletzt wurden.

Die Schwestern Scott sollen 1993 zwei Männer an einen Ort im Wald gelockt haben, wo Jugendliche, bewaffnet mit einer Schrotflinte, die Brieftaschen der Männer raubten. Damals war Jamie Scott 23 Jahre, Gladys Scott 19 Jahre alt; keine hatte einen Eintrag im Strafregister.

Die Schwestern bestreiten die Beteiligung an dem Verbrechen — angeblich wurden sie im Rahmen eines Entschuldigungsgeschäfts zwischen den Räubern und der Justiz in den Fall hineingezogen. Der jüngste der Räuber war zur Zeit des Verbrechens 14 Jahre alt. Er bezeugte vor Gericht, dass er bedroht wurde — sollte er einem Entschuldigungsabkommen nicht zustimmen, würde er in ein bestimmtes Gefängnis geschickt, das für seine gewalttätigen Zustände bekannt ist, und in dem er mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit vergewaltigt würde.

Dem Rechtsanwalt, der die Schwestern vor Gericht vertrat, wurde später aus anderem Anlass die Lizenz entzogen. Das Oberste Gericht von Mississippi bescheinigte ihm »fehlenden Fleiß« und »Versagen bei der Kommunikation mit seinen Mandanten«.

Reaktionen[Bearbeiten]

Der Staatsanwalt des Prozesses, Ken Turner, sah im September 2010 die Schwestern weiterhin verwickelt in den Raub, hielt aber eine Aussetzung der Strafe für angemessen („sentences to be commuted“).

Der Kommentator Bob Herbert beschreibt in der ›New York Times‹ die Beweise für die Beteiligung der Schwestern an dem Raub als »bestenfalls widersprüchlich«.

Die Bürgerrechtsorganisation NAACP forderte den Gouverneur von Mississippi zur Begnadigung auf.

Der Pulitzer-Preisträger Leonard Pitts kam zu dem Schluss: »Was immer man als Begründung dieses absurden Urteils annimmt — der tiefere Grund liegt darin: die Schwestern Scott sind schwarze Frauen im ärmsten Bundesstaat der USA.« [1]

Entlassung[Bearbeiten]

Gouverneur Haley Barbour setzte im Dezember 2010 die Strafen aus und ihr Anwalt Chokwe Lumumba rechnet in den nächsten Tagen mit ihrer Freilassung.[2]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Leonard Pitts: In Mississippi, 2 sisters may or may not be guilty, but the state assuredly is. Fort Worth Star-Telegram. 22. November 2010. Abgerufen am 24. Dezember 2010.
  2. http://de.indymedia.org/2010/12/297161.shtml