Scottsboro Boys

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Unter dem Namen Scottsboro Boys wurden neun männliche Jugendliche afroamerikanischer Herkunft im Alter von zwölf bis zwanzig Jahren bekannt, die 1931 beschuldigt wurden, zwei weiße Mädchen auf einem durch Alabama fahrenden Güterzug vergewaltigt zu haben. Die über dieses Fall geführten Prozesse thematisierten das Problem des Rassismus in der Justiz der Vereinigten Staaten und trugen längerfristig zum Ende der „rein weißen“ Jurys bei.

Am 25. März 1931 kam es auf einem Güterzug der Southern Railway zwischen Chattanooga and Memphis (Tennessee) zu einem Konflikt zwischen mehreren weißen und neun schwarzen Hobos. Die Weißen wurden vom Zug gedrängt und beschwerten sich bei der Polizei. Die Schwarzen wurden in Paint Rock (Alabama) wegen tätlichen Angriffs verhaftet. Zwei am Zug verbliebene weiße Mädchen sagten in der Folge aus, sie seien von den Schwarzen vergewaltigt worden.

In Scottsboro (Alabama), wo die Festgenommenen auf ihren Prozess warteten, kam es zunächst zur Bildung eines Lynchmobs, die Lage konnte jedoch beruhigt werden. Zwei Wochen nach der angeblichen Tat wurden acht der neun Angeklagten von einem Gericht in Scottsboro in summarischen, eintägigen Prozessen schuldig gesprochen und zur Todesstrafe verurteilt – zu jener Zeit die übliche Strafe in Vergewaltigungsprozessen betreffend schwarze Täter und weiße Opfer.

Die Jugendlichkeit der Täter, die Härte der Strafen und schwerwiegende Verfahrensmängel führten allerdings dazu, dass sich Organisationen wie die American Communist Party und die National Association for the Advancement of Colored People (NAACP) mit Vorwürfen betreffend die Ungerechtigkeit und den rassistischen Charakter der betreffenden Verfahren zu Wort meldeten. International Labor Defense, eine Vorfeldorganisation der Kommunistischen Partei übernahm die Verteidigung der Angeklagten. Es kam zu einer Serie von Folgeprozessen mit zum Teil grundsätzlichem Charakter. So hob der Oberste Gerichtshof der Vereinigten Staaten 1932 die Urteile der Ersten Instanz mit dem Hinweis auf, die Verurteilten hätten seien in ihrem Recht auf ein faires Verfahren verkürzt worden (Powell v. Alabama, 287 U.S. 45).

Im Jahr 1933 fand eine zweite Serie an Prozessen in Decatur (Alabama) statt. Die Urteile der nur aus Weißen zusammengesetzten Jurys entsprachen jenen von 1931 und sie wurden vom Supreme Court 1935 erneut aufgehoben (Norris v. Alabama, 294 U.S. 587). In einer dritten Serie an Prozessen erhielt der Angeklagte Clarence Norris erneut die Todesstrafe, drei der anderen Beschuldigten wurden mit Gefängnisstrafen von 75 bis 99 Jahren bestraft. Der Gouverneur de l’Alabama David Bibb Graves wandelte 1938 die Todesstrafe von Norris in lebenslänglichen Kerker um. Er wurde 1976 von Gouverneur George Wallace begnadigt. Die anderen Beschuldigten waren schon in den 1940er und 1950er Jahren entlassen worden. 2013 wurden noch einmal drei von ihnen posthum begnadigt[1].

Literatur[Bearbeiten]

  • James R. Acker: Scottsboro and its Legacy: The Cases That Challenged American Legal and Social Justice. Praeger, New York, 2007.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. "Scottsboro Boys": Gnade nach 80 Jahren