Scripted Reality

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Scripted Reality, Skript-Doku bzw. Pseudo-Doku oder Pseudo-Doku-Soap ist ein Genre des Reality-TV, in dem die Dokumentation realer Ereignisse vorgetäuscht wird. Die Szenen werden dabei von Schauspielern (meist Laiendarstellern) nach Regieanweisung (Skript) gespielt.[1][2]

Die Fernsehsender bezeichnen viele dieser Serien irreführend als „Doku-Soaps“. Auch in der Literatur wird nicht immer eine klare Trennung beider Genres vorgenommen, sondern beide Begriffe werden synonym verwendet.

Seit Ende 2012 gibt es Versuche, Scripted Reality auch in bestimmten Presse-Medien anzuwenden.[3]

Stil und Inhalt[Bearbeiten]

Thema sind zumeist alltägliche, zwischenmenschliche Situationen, die mittels planmäßiger dramaturgischer Inszenierung (Drehbuch/Skript) den Anschein einer Dokumentation bzw. Reportage erwecken sollen. Diese Methodik erlaubt es dem Regisseur, die Sendung relativ real wirken zu lassen.

Wesentliche Merkmale sind:

  • dokumentarischer Stil als dramaturgisches Mittel (Vortäuschung von Authentizität)
  • Alle handelnden Personen agieren nach einem Drehbuch.
  • Handelnde Personen werden meist von gecasteten Laiendarstellern gespielt.
  • eine gewisse Neigung zu Voyeurismus und Vulgarität
  • Die frei erfundenen Geschichten bedienen häufig bestehende Vorurteile.[4]
  • in Deutschland oftmals Hinweis im Abspann: „Alle handelnden Personen sind frei erfunden.“

Deutschland[Bearbeiten]

Wahrnehmung und Kritik[Bearbeiten]

Die Sendung Panorama beschäftigte sich unter dem Titel „Das Lügenfernsehen“[5] mit dem Thema.

Daran schließend wird seit Juli 2011 verstärkt über eine Kennzeichnungspflicht von Scripted Reality diskutiert. Der medienpolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion Wolfgang Börnsen äußerte sich: „Wir können es uns nicht leisten, nur durch ein Schlichtprogramm zu informieren.“ Der ehemalige Bundesminister Christian Schwarz-Schilling forderte eine „klare Kennzeichnung von Fiktion im Informationsprogramm“. Christian Körner, Sprecher des Fernsehsenders RTL, verwies dagegen darauf, dass diese Sendungen am Nachmittag klar als Unterhaltung ausgewiesen würden.[6] Medienexperte und Leiter des Deutschen Digitalinstituts Jo Groebel beklagt: „Man kann an diesen Formaten eine ganze Menge bemängeln, die Art und Weise, wie sie gekennzeichnet werden, zum Beispiel.“[7]

Eine Studie der Gesellschaft zur Förderung des internationalen Jugend- und Bildungsfernsehens ergab im Jahr 2011 nach der Befragung von 861 Schülern, dass nur 22 Prozent der Zuschauer zwischen 6 und 18 Jahren Scripted-Reality-Sendungen als fiktiv erkennen. Knapp die Hälfte meint, es würden echte Fälle nachgespielt, und 30 Prozent glauben, es würden die tatsächlichen Erlebnisse der gezeigten Menschen dokumentiert. Insbesondere häufig Zuschauende und jüngere Zuschauer erkennen die Inhalte nicht als Fiktion.[8][9][10]

In der Folge vom 27. April 2013 interviewt Holger Kreymeier von Fernsehkritik-TV Mitarbeiter der Freiwillige Selbstkontrolle Fernsehen zu den Folgen von Scripted Reality für deren Darsteller. Hier sieht die FSF keinen eigenen Handlungsbedarf, bestätigt jedoch, dass der Druck, der auf die Teilnehmer ausgeübt wird, wenn diese nicht den Anweisungen der Regie Folge leisten, unverhältnismäßig bis rechtswidrig ist. Kreymeier bemerkt, dass die Mitspieler in Scripted Reality Sendungen gegenüber den Produktionsunternehmen wenig Chancen sehen gerichtlich vorzugehen. Fernsehkritik-TV hat in der Vergangenheit bereits des Öfteren über ähnliche Methoden, sowohl vertraglich als auch während des Drehs, berichtet.

Im deutschsprachigen Raum haben sich mehrere Scripted-Reality-Formate etabliert:

  • Gerichtsshows, in denen eine Gerichtsverhandlung simuliert wird
  • Doku-Dramen, in denen fiktive oder wahre Situationen von Schauspielern oder den wirklichen Protagonisten nachgespielt werden

Liste von Scripted-Reality-Formaten in Deutschland[Bearbeiten]

Andere Länder[Bearbeiten]

International erregte die umstrittene De Grote Donorshow eines niederländischen Senders Aufsehen, bei der täuschend echt eine Transplantation als Reality-Spielshow inszeniert wurde, die sich im Nachhinein aber als gespielt entpuppte.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://daserste.ndr.de/panorama/archiv/2011/luegenfernsehen131.html
  2. http://www.spiegel.de/kultur/tv/0,1518,803846,00.html
  3. https://www.taz.de/!106484/
  4. Der produzierte Prolet Zeit Online vom 9. August 2010
  5. Das Lügenfernsehen, Panorama vom 7. Juli 2011
  6. Die falsche Debatte über das "Lügenfernsehen", DWDL.de vom 7. Juli 2011
  7. http://www.focus.de/kultur/kino_tv/medienexperte-jo-groebel-scripted-reality-ist-nicht-genug-gekennzeichnet_aid_644017.html
  8. Maya Götz: Wie Kinder und Jugendliche Familien im Brennpunkt verstehen (PDF; 1,2 MB), in: TelevIZIon 25/2012/1
  9. Stefan Niggemeier: Fake-Dokus im Fernsehen: Wenn der Zottel-Lehrer mit der Messie-Mutter..., Spiegel Online, 15. Dezember 2011
  10. http://www.spiegel.de/kultur/tv/0,1518,803049,00.html