Scud
Scud ist die NATO-Bezeichnung für die sowjetische bzw. russische ballistische Boden-Boden-Rakete R-11 (DIA-Code SS-1b, GRAU-Index 8K11) und später R-17 (DIA-Code SS-1c, GRAU-Index 8K14) [1]. Die Scud-Raketen gehören zur Klasse der Kurzstreckenraketen (SRBM).
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[Bearbeiten] Entwicklung
Das Entwicklungsbüro Makejew OKB entwickelte sie in den 1950er-Jahren über die Schritte der R-1, R-2 und R-5 aus der deutschen A4-Rakete. 1961 und 1965 wurden die verbesserten Varianten B und C eingeführt, die beide entweder einen konventionellen hochexplosiven, einen nuklearen Sprengkopf von fünf bis 80 Kilotonnen oder einen chemischen Gefechtskopf (eingedicktes VX) tragen konnten. Die in den 1980er-Jahren entwickelte D-Version kann entweder einen konventionellen, einen mit Benzin gefüllten (Aerosol-Sprengkopf), 40 für die Zerstörung von Startbahnen ausgelegte Streubomben oder 100 × 5-kg-Splitterbomblets (Submunition) tragen.
[Bearbeiten] Technik
Bis auf die Scud-A (10,25 m) sind alle Modelle 11,25 m lang und haben einen Durchmesser von 0,88 m. Der Flüssigtreibstoff-Raketenmotor verbrennt in der Scud-A entweder Kerosin und Salpetersäure, oder UDMH und RFNA (rauchende Salpetersäure) wie in den anderen Modellen. Da kein flüssiger Sauerstoff als Oxidationsmittel mehr wie bei den historischen Vorgängermodellen verwendet wird, entfällt ein langwieriger aufwendiger Betankungsprozess. Die Flugkörper werden meist mit einem Fahrzeug in Stellung gebracht und von diesem aus abgefeuert. Die Mobilität bedeutet Flexibilität bei der Wahl der Feuerposition und erhöht die Überlebensfähigkeit des Waffensystems.
Das Triebwerk kann die Rakete zwischen 300 km (Scud-B) und 700 km (Scud-D) weit tragen. Die Navigation beschränkt sich auf Kreisel (INS), womit die Rakete relativ unpräzise ist.
[Bearbeiten] Einsatz im Golf-Krieg
Im Irak wurden aus der Scud drei weitere Versionen entwickelt: eine reichweitengesteigerte Scud, die Al Hussein und die Al Abbas. Zielsetzung war dabei vor allem die Steigerung der Reichweite, was allerdings zu Lasten der ohnehin schon geringen Genauigkeit ging. Die Al Abbas sind eher als Fehlschläge einzustufen, da sie nur kleine Gefechtsköpfe tragen konnten und dazu tendierten, im Flug auseinanderzubrechen.
Im Zweiten Golfkrieg wurden irakische Scuds auf Israel (40 Starts) und Saudi-Arabien (46 Starts) abgefeuert. Das vielfach in der NATO eingesetzte Flugabwehrraketensystem MIM-104 Patriot konnte viele Erfolge beim Abfangen der Raketen verbuchen, andere Quellen berichten jedoch, dass die Genauigkeit der Patriot-Raketen übertrieben wurde. Die Scuds führten zum Tod von einem Israeli und 28 US-Soldaten, als eine Rakete eine US-Kaserne in Saudi-Arabien traf.
[Bearbeiten] Länder mit Scud-Systemen
Das Scud-System ist eines der weltweit am häufigsten verbreiteten Boden-Boden-Raketensysteme. Viele ehemalige Verbündete des Warschauer Pakts wurden mit Scud-Systemen beliefert und halten teilweise ältere Versionen des Systems vor.
Bekannt sind die Systeme bei den Streitkräften folgender Länder:
- Libyen (Scud B, die Truppen des ehemaligen Machthabers Gaddafi verfügten über 200 Raketen)
- Japan
- Russland
- Weißrussland (Scud-B)
- Kasachstan (Scud-B)
- Tadschikistan (Scud-B)
- DDR (Scud-B, Scud-C) (nach 1989 Mobile Trägersysteme 9P117M aus Demen und Tautenhain verkauft in den Iran & Irak)
- Ukraine (Scud-B)
- Polen (Scud-B)
- Ungarn (Scud-B)
- Rumänien (Scud-B)
- Afghanistan (Scud-B, Scud-C?)
- Armenien (Scud-B, Scud-C)[2]
- Bulgarien (Scud-B – außer Dienst gestellt)
- Demokratische Republik Kongo (Scud-B)
- Tschechien (Scud-B – außer Dienst gestellt)
- Slowakei (Scud-B)
- Ägypten (Scud-B, Hwasong-6)
- Nordkorea (Scud-B, Scud-C, Hwasong 5, Hwasong-6, Rodong-1)
- Peru (Scud-B, Scud-C?)
- Iran (Scud-B)
- Irak (Scud-B)
- Jemen (Scud-B)
- Syrien (Scud-B, Hwasong-6)
- Oman (Scud-B)
- Jugoslawien (Scud-B – außer Dienst gestellt)
[Bearbeiten] Technische Daten der SS-1 Scud
| System | R-11 Elbrus | R-17 Aerofan | R-17E Elbrus-E | R-17M Elbrus-M |
|---|---|---|---|---|
| Lenkwaffe | 8K11 | 8K14 | unbekannt | 8K72 |
| NATO-Code | SS-1b Scud-A | SS-1c Scud-B | SS-1d Scud-C | SS-1e Scud-D |
| Einführungsjahr | 1955 | 1961 | 1965 | Entwicklung eingestellt |
| Antrieb | 1 Stufe Flüssigtreibstoff | 1 Stufe Flüssigtreibstoff (lagerfähig) | 1 Stufe Flüssigtreibstoff (lagerfähig) | 1 Stufe Flüssigtreibstoff (lagerfähig) |
| Länge | 10,50 m | 11,16 m | 11,25 m | 12,29 m |
| Rumpfdurchmesser | 884 mm | 884 mm | 884 mm | 884 mm |
| Gewicht | 4460 kg | 6370 kg | 6400 kg | 6500 kg |
| Sprengkopf | Nuklear 50 kT, 950 kg konventionell Splitter | Nuklear 5-70 kT, 985 kg konventionell Splitter, Bomblets (Submunition), FAE, Chemisch | Nuklear 80 kT, 600 kg konventionell Splitter, Bomblets (Submunition), FAE, Chemisch | Nuklear 5-70 kT, 985 kg konventionell Splitter, Bomblets (Submunition) |
| Einsatzreichweite | 180 km | 280 km | 450 km | 300 km |
| Lenksystem | Trägheitsnavigation | Trägheitsnavigation | Trägheitsnavigation | Trägheitsnavigation plus digital-optische Endphasenlenkung |
| Treffergenauigkeit (CEP) | 3000 m | 450 m | 700 m | ~50 m |
[Bearbeiten] Trivia
Vier Minarette der Umm-al-Qura-Moschee sind einer Scud-Rakete nachempfunden.[3]
[Bearbeiten] Siehe auch
[Bearbeiten] Quellen
- ↑ Globalsecurity: Scud
- ↑ http://en.wikipedia.org/wiki/Armenian_Air_Defense
- ↑ John F. Burns: THREATS AND RESPONSES: THE IRAQI LEADER; Hussein's Obsession: An Empire of Mosques. The New York Times, 15 December 2002
[Bearbeiten] Weblinks
- http://www.peterhall.de/srbm/missiles/ussr/8k11/scud01.html Scud-A, R-11, 8K11
- http://www.peterhall.de/srbm/missiles/ussr/8k14/scud01.html Scud-B, R-17, 8K14
- http://www.defencejournal.com/may99/scud-missile.htm (englisch)
- http://kapyar.km.ru/ (russisch)
- http://www.nva-forum.de//projekte/_download.htm Video: SCUD – Die Geschichte eines Raketenkomplexes vom Luftfahrtmuseum Finowfurt (ganz unten auf der Seite, deutsch)