Scuol

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Scuol
Wappen von Scuol
Basisdaten
Staat: Schweiz
Kanton: Graubünden (GR)
Bezirk: Innw
Kreis: Suot Tasna
BFS-Nr.: 3762i1f3f4
Postleitzahl: 7550
UN/LOCODE: CH SCU
Koordinaten: 818622 / 18706246.798810.3031250Koordinaten: 46° 47′ 56″ N, 10° 18′ 11″ O; CH1903: 818622 / 187062
Höhe: 1'250 m ü. M.
Fläche: 144.14 km²
Einwohner: 2333 (31. Dezember 2012)[1]
Einwohnerdichte: 16 Einw. pro km²
Website: www.scuol.net
Scuol

Scuol

Karte
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Scuol im Unterengadiner Fenster

Scuol ( [ʃku̯ɔl]?/i; deutsch Schuls) ist eine politische Gemeinde im Kreis Suot Tasna, Bezirk Inn des Kantons Graubünden in der Schweiz. Der Ort hiess bis 1943 offiziell Schuls, 1943–1970 Scuol/Schuls, seither Scuol.[2] Der Name Scuol soll vom lateinischen scopulus «Klippe» stammen.[3]. Auf den 1. Januar 2015 wird Scuol mit fünf anderen Gemeinden (Ftan, Ardez, Sent, Guarda und Tarasp) zusammen fusionieren und die grösste Gemeinde der Schweiz bilden. Mit etwa 4'700 Einwohnern wird sie zugleich die grösste bündnerromanische Gemeinde überhaupt sein[4].

Wappen[Bearbeiten]

Blasonierung: In Gold eine schwarze Brunnenschale mit vier blau-silbernen Wasserstrahlen.

Das Wappen symbolisiert Scuol als bedeutenden Badeort und wurde durch Vereinfachung des Gemeindesiegels entworfen. Die Vierzahl der Wasserstrahlen steht für die verschiedenen Mineralquellen auf Gemeindegebiet.

Geographie[Bearbeiten]

Scuol ist Hauptort des Unterengadins und liegt am Inn. Die Hauptsprache ist, wie im ganzen Unterengadin, Vallader (rätoromanisch), man spricht aber auch Bündnerdeutsch. Der Ort Scuol teilt sich in ein Oberdorf (Scuol Sura) und ein Unterdorf (Scuol Sot) auf. Neu ist der oberhalb der Umfahrungsstrasse seit einigen Jahren kontinuierlich wachsende, wegen seiner Lage am Sonnenhang beliebte Bereich Schinnas und Crastuoglia.

Scuol liegt inmitten des Unterengadiner Fensters, einer geologisch bedeutenden Erosionslücke in der sonst gasundurchlässigen Gneis- und Granitschicht. Im Bereich des „Fensters“ können Gase aus dem Erdinneren durch Risse und weichen Schiefer nach oben dringen, sich mit dem Grundwasser vermengen und so über 25 Mineralquellen bilden, die im Umkreis von Scuol-Vulpera-Tarasp als Heilquellen genutzt werden. Aus vielen Scuoler Brunnen sprudelt Mineralwasser, alkalische Glauber- bzw. Bittersalzquellen und Eisensäuerlinge, deren verdauungsfördernde Wirkung schon die alten Römer gekannt hatten. Unter diesen Quellen ist auch die mineralreichste Glaubersalzquelle Europas mit dem Namen „Luzius“ und einer Gesamtmineralisation von 17 g/l.

Viele dieser Mineralwasserquellen enthalten natürliche Kohlensäure. Die öffentlichen Brunnen sind meist mit zwei Wasserhahnen ausgerüstet: Aus dem einen fliesst normales Trinkwasser, aus dem anderen kohlensäurehaltiges Mineralwasser.

Klima[Bearbeiten]

Das Unterengadin ist für sein sonniges Klima bekannt und zählt zu den trockensten Regionen der Schweiz, gar der gesamten Alpen. Es gehört zum westlichen Ausläufer der inneralpinen Trockenzone der Ostalpen, jedoch muss als Begründung für das besonders sonnige und trockene Klima ferner die spezielle orographische Gegebenheit in Scuol berücksichtigt werden.

Das Unterengadin wird sowohl gegen Norden von der Silvrettagruppe, als auch gegen Süden durch die Engadiner Dolomiten von mächtigen Bergketten abgeschirmt. Dadurch scheint im Unterengadin oft auch dann die Sonne, während es am Alpennord-oder Südhang in den Staulagen regnet. Anders als das Oberengadin, kann das Unterengadin klimatisch nicht zur Alpensüdseite gezählt werden, denn es dominiert im Gegensatz zum höher gelegenen Oberengadin der Wettereinfluss aus Nordwesten, nicht aus Süden. Das Unterengadin bildet eine eigene, kleine Klimaprovinz, in der das Wetter sich nicht selten schwer von Prognosen voraussagen lässt.

Die kontinentale Prägung der Region um Scuol sorgt im Winter folglich für dominierend trocken-kaltes Wetter; der Niederschlagsschwerpunkt liegt im Sommer. Der Monat mit der geringsten Niederschlagssumme ist der Februar. Nebelbildung ist extrem selten (1,4 Nebeltage im Jahr), der Wind weht in der Regel im Talboden nur sehr schwach, jedoch sorgt das Tal-Berg-Windsystem besonders Nachts für eine sehr kräftige Abkühlung. Die Temperaturen im Winter erreichen bei Strahlungslagen −20 °C oder weniger, der Dezember und Januar weisen eine für die Höhenlage überdurchschnittliche Zahl an 15 Eistagen auf.

Trotz der relativen Trockenheit liegt fast immer genug Schnee im Winter, da es sowohl von Norden als auch Süden her ausreichend schneit. Scuol hat den Vorteil, dass es zumeist bei ausgeprägten „Süd-” oder Nordjahren nie unter ernsthaftem Schneemangel leidet. Weder der feucht-milde Westwind, welcher die Schneefallgrenzen am Alpennordhang leicht über 1500-2000m steigen lässt, noch der als Schneefresser bekannte Föhn kommen in Scuol aufgrund der inneralpin geschützten Lage in der klassischen Form vor, was die Schneesicherheit fördert und starke Tauwetterlagen deutlich reduziert.

Bevölkerung[Bearbeiten]

Sprachen[Bearbeiten]

Die Sprache von Scuol ist das Vallader, eine bündnerromanische Mundart. Bereits in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts hatte die Gemeinde eine deutschsprachige Minderheit bekommen. Dennoch konnte sich das Romanische bis zum Zweiten Weltkrieg gut behaupten. 1880 gaben 82 %, 1910 64 % und 1941 wieder 71 % als Muttersprache Romanisch an. Bis 1970 fiel der romanischsprachige Anteil auf 62 %, erholte sich kurz – und ist seither stark gefallen. Im Jahr 2000 waren die Romanischsprachigen nur noch eine relative Mehrheit. Gemeinde und Schule unterstützen das Romanische, welches 1990 von 78 % und 2000 von 70 % der Einwohnerschaft verstanden wurde. Die Entwicklung in den letzten Jahrzehnten zeigt folgende Tabelle:

Historisches Foto von (damals) Schuls
Sprachen in Scuol GR
Sprachen Volkszählung 1980 Volkszählung 1990 Volkszählung 2000
Anzahl Anteil Anzahl Anteil Anzahl Anteil
Deutsch 484 27.75 % 651 34.46 % 831 39.16 %
Rätoromanisch 1130 64.79 % 1087 57.54 % 1049 49.43 %
Italienisch 76 4.36 % 77 4.08 % 82 3.86 %
Einwohner 1744 100 % 1889 100 % 2122 100 %

Religionen und Konfessionen[Bearbeiten]

1533 wurde im Ort die Reformation eingeführt.

Nationalität[Bearbeiten]

Von den Ende 2005 gezählten 2196 Bewohnern waren 1764 (80 %) Schweizer Staatsangehörige.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Typisches Engadinerhaus in Scuol
Die Hauptstrasse in Scuol, der Stradun

Bauwerke[Bearbeiten]

Sehenswert sind die spätgotische St. Georgskirche von 1516 und die guterhaltenen Bürgerhäuser. Im Unterdorf „Scuol Sot” stehen schöne alte Engadinerhäuser und ein malerischer Dorfplatz mit einem grossen Brunnen und Sehenswürdigkeiten wie dem Unterengadiner Museum oder der Chasa Baer-Gaudenz.

Im Oberdorf, darunter das denkmalgeschützte Scuoler Pfarrhaus, reihen sich historische Engadinerhäuser aneinander: Wohnhaus à Porta[5], Wohnhaus Wieland[6]. Im Scuol Sot:

  • Wohnhaus Hohenbalken[7],
  • Wohnhaus mit spätgotische Fassadenmalerei[8].
  • Gedeckte Holzbrücke[9].
  • Brückenturm[10].

Im Stradun:

  • Villa Engiadina[11].
  • Center Augustin[12]

Im Bad Tarasp:

  • Kurhaus Bad Tarasp[13];
  • Ehemaliges Bäderhaus (Center da cultura NAIRS)[14]
  • Ehemalige anglikanische Kirche[15]

Kindergarten Trü[16]

Ein verkehrstechnisches Monument ist die Gurlainabrücke.

Brauchtum[Bearbeiten]

Am ersten Samstag im Februar findet die traditionelle Verbrennung des Hom Strom statt. Am 31. Dezember feiern die Kinder das Fest der Barchinas.

Der Übername der Scuoler Bevölkerung lautet in der Engadiner Tradition ils porchs (dt.: die Schweine).

Verkehr[Bearbeiten]

Der in Scuol gelegene Bahnhof Scuol-Tarasp ist der östliche Endpunkt der Bahnstrecke Bever–Scuol-Tarasp der Rhätischen Bahn (RhB) sowie Ausgangspunkt diverser Buslinien.

Tourismus[Bearbeiten]

Sommer[Bearbeiten]

Scuols Hausberg Motta Naluns ist Ausgangspunkt für Wanderer, Radfahrer und Gleitschirmflieger. Auf der rechten Talseite befindet sich das Wander- und Tourengebiet des Val S-charl mit dem angrenzenden Nationalpark und der Lischanahütte des SAC. Oberhalb von Scuol liegt San Jon, Reitstall mit Wanderreit-Akademie sowie Flöna, eine der ältesten Berghütten des Unterengadins.

Scuol ist der jährliche Austragungsort des Nationalpark-Bike-Marathon, dessen Start und Ziel in Scuol liegt.

Wintersport[Bearbeiten]

Hauptartikel: Skigebiet Motta Naluns

Das Scuoler Skigebiet Motta Naluns (1250–2785 m) zählt mit 80 km präparierten Pisten und 12 Liftanlagen zu den mittelgroßen Skigebieten der Schweiz. Ein Vorteil ist die Kompaktheit von Skigebiet und Erschliessungsanlagen, die kurze Anfahrten ermöglichen.

Der überwiegende Teil der Pisten ist leicht bis mittelschwer, schwierigere Abfahrten finden sich vor allem am Mot da Ri und Salaniva. Der Bereich Salaniva–Champatsch–Salez ist ein großes Freeridegelände. Neben der ersten Liftanlage befindet sich ein „Fun-Park” für Snowboarder und Skifahrer, der aus sämtlichen Kickern und Boxen besteht.

Highlight der Region ist die 10 km lange und im unteren Teil auf 3 km künstlich beschneite „Traumpiste” nach Sent (1430 m), die vor wenigen Jahren auch noch 2 km länger bis Scuol (1250 m) führte. Weitere Pisten sind die vollbeschneite, mittelschwere Talabfahrt „Derby” nach Scuol (5,5 km) sowie die 3 km Talabfahrt nach Ftan (1684 m).

Langlauf[Bearbeiten]

Das Unterengadin bietet insgesamt 72 km Langlaufloipen für klassisch und Skating an, darunter die 28 km lange Loipe Scuol-Martina entlang des Flusses Inn, die auf den ersten fünf Kilometern sogar mit Kunstschnee präpariert werden kann. Die Loipe ist in der Regel jedoch sehr schneesicher aufgrund der Lage im Talboden. Weitere Loipen gibt es in Ftan, Tarasp und in anderen Orten des Unterengadins. Schneesicher bis April ist die Sechs-Kilometer-Höhenloipe auf Motta Naluns (2146 m) im Skigebiet von Scuol.

Mineralwasserquellen[Bearbeiten]

Scuol ist dank Heil- und Mineralwasserquellen auch als Kurort bekannt. Scuol besitzt mit dem Bogn Engiadina Scuol ein Mineralwasserbad.[17]

Galerie[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Scuol – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistik Schweiz – STAT-TAB: Ständige und Nichtständige Wohnbevölkerung nach Region, Geschlecht, Nationalität und Alter (Ständige Wohnbevölkerung)
  2. Toponymische Richtlinien der Schweiz. 7 Zweisprachige Gemeindenamen. In: Empfehlungen und Hinweise für die Schreibweise von geografischen Namen zur internationalen Verwendung. Bundesamt für Landestopografie swisstopo, 2010, abgerufen am 6. Oktober 2011 (pdf; 1,1 MB).
  3. Robert von Planta (Begr.): Rätisches Namenbuch. Bearbeitet und herausgegeben von Konrad Huber. Band 2: Andrea Schorta: Etymologien (= Romanica Helvetica. Bd. 63). Francke, Bern 1964, S. 841.
  4. http://www.suedostschweiz.ch/politik/sechsmal-ja-zur-fusion-scuol
  5. Wohnhaus à Porta
  6. Wohnhaus Wieland
  7. Wohnhaus Hohenbalken
  8. Wohnhaus mit spätgotische Fassadenmalerei
  9. Gedeckte Holzbrücke
  10. Brückenturm
  11. Villa Engiadina
  12. Center Augustin
  13. Kurhaus Bad Tarasp
  14. Ehemaliges Bäderhaus
  15. Ehemalige anglikanische Kirche
  16. Kindergarten Trü
  17. Bogn Engiadina Scuol