SeaFrance

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SeaFrance Rodin im Hafen von Calais (2008)
Einlaufen der SeaFrance Cézanne in Calais

SeaFrance hieß eine französische Reederei, die von 1996 bis 2011 eine Fährverbindung CalaisDover zur Querung des Ärmelkanals betrieben hatte.

Die Reederei war eine 100 %-Tochter der französischen Eisenbahngesellschaft SNCF. Mit 1700 Mitarbeitern war sie der größte Arbeitgeber der Stadt Calais. Nach eigenen Angaben führte sie mit sechs Schiffen bis zu 46 Überfahrten täglich durch.

Am 9. Januar 2012 hat das Handelsgericht in Paris die Liquidation des Unternehmens sowie die Beendigung von dessen Geschäftstätigkeit verfügt.[1]

Geschichte[Bearbeiten]

SeaFrance begann seine Geschäftsaktivitäten zwischen Dover und Calais im Jahr 1996 nach der Beendigung einer Pooling-Vereinbarung mit Stena Sealink im Jahr 1995. Der Dienst begann zunächst mit zwei ehemaligen Sealink Schiffen, die SeaFrance umfassend sanierte. Die ehemaligen Sealink-Eisenbahnfähren wurden als Frachtfähre weiterbetrieben. Später kam ein weiteres Schiff von Stena zur Flotte.

SeaFrance wurde nach P&O Ferries und vor ihren ehemaligen Partner Stena schnell der zweitgrößte Betreiber auf der Strecke Dover – Calais. SeaFrance übernahm 2001 das erste neue Schiff und die schnellste Fähre Dover – Calais. Dieser Fähre wurde 2005 ein Schwesterschiff beigestellt.

Restrukturierung[Bearbeiten]

Ein Streik gegen den Personalmangel hat zu Ostern 2010 drei Schiffe in Calais blockiert. Für die in harter Konkurrenz mit P&O und Eurotunnel stehende, finanziell angeschlagene Gesellschaft ein schwerer Schlag.[2] Bereits 2009 platzte eine Fusion mit Brittany Ferries.[3] Im September 2010 lehnten die Gewerkschaften eine Restrukturierung ab, da dabei 400 Arbeitsplätze verloren gegangen wären.[4] Im Oktober 2010 wurde ein Sanierungsverfahren zur Abwendung des Konkurses eingeleitet, rund 700 Mitarbeiter entlassen. Zwei Fährschiffe von Seafrance waren seit längerem in Dunkerque (Dünkirchen) aufgelegt, ein drittes im Sommer 2010 an Stena verkauft. Am 4. Oktober 2010 bot SNCF SeaFrance in einer Anzeige in der Zeitung L’Echo zum Verkauf an.

Am 16. November 2011 stellte SeaFrance ihren Betrieb ein, um die Sicherheit von Passagieren und Besatzung gewährleisten zu können (einige Mitarbeiter waren so erbittert, dass sie mit Versenkung einer Fähre drohten). Das Pariser Handelsgericht hatte zuvor das Konkursverfahren eröffnet.[5] Das Gericht erachtete zwei Übernahmeangebote, eines der Belegschaft, ein zweites unter Beteiligung der dänischen Reederei DFDS, für nicht ausreichend. SeaFrance solle bis zum 28. Januar 2012 aufgelöst werden.[6]

Zu Beginn des Jahres 2012 hatte die französische Regierung ihren Widerstand gegen den Vorschlag der Gewerkschaften aufgegeben, dass die Belegschaft das Unternehmen durch eine Genossenschaft übernehmen soll, die mit deren Abfindungen finanziert werden soll.[7] Das Unternehmen wurde dennoch liquidiert.[8]

Im Sommer 2012 wurden die Schiffe Rodin, Berlioz und Nord pas de Calais zusammen mit einigen Assets und Infrastruktureinrichtungen versteigert. Den Zuschlag erhielt Eurotunnel. Eurotunnel verchartert die Schiffe an eine Genossenschaft ehemaliger SeaFrance-Mitarbeiter, die unter dem Namen MyFerryLink eine neue Fährverbindung zwischen Dover und Calais betreiben. Der Verkehr wurde am 20. August 2012 zunächst mit Rodin und Berlioz eröffnet, die Nord pas de Calais sollte im Winter nach einer Werftüberholung für den Frachtverkehr dazustoßen.[9]

Flotte[Bearbeiten]

Passagier- und Frachtfähren[Bearbeiten]

  • SeaFrance Renoir, Baujahr 1981 (seit 2009 in Dünkirchen aufgelegt)
  • SeaFrance Cézanne, Bj. 1980, Umbau 1990 (seit 2009 in Dünkirchen aufgelegt)
  • SeaFrance Rodin, Bj. 2001
  • SeaFrance Molière, Bj. 2002
  • SeaFrance Berlioz, Bj. 2005

Frachtfähren[Bearbeiten]

  • SeaFrance Nord Pas-de-Calais, Bj. 1987

lag nach Konkurseröffnung bis zum 11. Dezember 2011 in Dover

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: SeaFrance – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. SeaFrance liquidé, deux projets se font face L'Humanité, 9. Januar 2012.
  2. Bussereau sonne l'alerte sur la mort des ferries SeaFrance. Le Monde, 6. April 2010.
  3. Andrew Spurrier: Brittany Ferries makes offer for SeaFrance, Lloyd’s List, 16. März 2009.
  4. Union rejects SeaFrance plan, Fairplay, 30. September 2010.
  5. Fährschiff-Reederei droht der Untergang, Nürnberger Nachrichten, 30. November 2011.
  6. Französisches Fährunternehmen SeaFrance vor dem Aus, Nürnberger Nachrichten, 16. November 2011.
  7. SeaFrance: le gouvernement change de cap et donne leur chance aux salariés (afp), L’Essentiel, abgerufen am 7. Januar 2012.
  8. SeaFrance: «On n’a jamais cru qu’on pourrait finir comme ça», Le Monde, 20. Januar 2012.
  9. http://www.myferrylink.com