Seasteading

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Fürstentum Sealand

Seasteading, ein Kofferwort aus engl. sea (Meer) und homesteading (Besiedlung, Inbesitznahme), ist das Konzept der Schaffung von Stätten dauerhaften Wohn- und Lebensraums auf dem Meer, genannt Seasteads, außerhalb der von den Regierungen jedweder Nation beanspruchten Gebiete. Mindestens zwei Menschen haben unabhängig voneinander den Begriff geprägt, Ken Neumeyer in seinem Buch „Sailing the Farm“ (1981) und Wayne Gramlich in seinem Artikel „Seasteading – Homesteading auf hoher See“ (1998). Auf Deutsch taucht gelegentlich der synonyme Begriff Seenahme auf, der in Anlehnung an Landnahme geschaffen wurde.

Bei den meisten der vorgeschlagenen Seasteads handelt es sich um modifizierte Kreuzfahrtschiffe. Bei anderen vorgeschlagenen Strukturen handelt es sich um umgerüstete Bohrinseln, stillgelegte Flak-Plattformen und maßgeschneiderte künstliche Inseln. Niemandem ist bisher die Gründung eines Staates auf hoher See gelungen, der als souveräne Nation anerkannt wurde. Am ehesten kommt diesem Ziel das Fürstentum Sealand nahe, eine umstrittene Mikronation auf einer ausrangierten Flak-Plattform vor der Themsemündung in der Nähe von Suffolk, England.

Rechtliches[Bearbeiten]

Außerhalb der ausschließlichen Wirtschaftszone von 200 Seemeilen (370 km), welche die Länder nach Seerechtsübereinkommen der Vereinten Nationen beanspruchen können, unterliegt die hohe See keinen Gesetzen außer denen des Staates, unter dessen Flagge ein Schiff fährt. Beispiele von Organisationen, die von dieser Möglichkeit Gebrauch machen, sind Women on Waves, die Frauen eine Abtreibung ermöglichen, in deren Ländern Abtreibungen strengeren Regeln als in den Niederlanden unterworfen sind, sowie Radio Veronica, ein Piratensender in der Nordsee, der in den Sechziger Jahren auf die Niederlande gerichtet war. Wie diese Organisationen könnte ein Seastead Vorteile aus den losen Rechts- und Verwaltungsvorschriften schöpfen, die außerhalb der Souveränität der Nationen bestehen, und unter weitgehender Selbstverwaltung stehen.

Das Seasteading-Institut[Bearbeiten]

András Gyõrfis „schwimmende Stadt“

Das Seasteading-Institut wurde am 15. April 2008 von Wayne Gramlich und Patri Friedman in Sunnyvale (Kalifornien) mit dem Ziel gegründet, die Errichtung autonomer, mobiler Gemeinschaften auf schwimmenden Plattformen in internationalen Gewässern zu erleichtern.[1] Gramlichs Artikel „SeaSteading – Homesteading auf hoher See“ aus dem Jahre 1998 erläutert den Begriff der erschwinglichen Besiedlung und zog mit seinem Vorschlag für ein kleines Projekt die Aufmerksamkeit von Friedman auf sich. Die beiden begannen zusammenzuarbeiten und veröffentlichten im Jahre 2001 ihr erstes gemeinsames „Buch“ [2] im Internet. Dieses behandelt alle erdenklichen Aspekte des Seasteadings, von der Abfallbeseitigung bis zur Ausflaggung.

Das Projekt wurde im Jahr 2008 der breiten Öffentlichkeit bekannt, nachdem PayPal-Gründer Peter Thiel darauf aufmerksam geworden war, der 500.000 US-Dollar in das Projekt investierte und sich seitdem für dessen Realisierung ausgesprochen hat, dies zuletzt in seinem Aufsatz The Education of a Libertarian, online veröffentlicht von Cato Unbound. Dem Seasteading-Institut ist daher weitgefächerte und mannigfaltige Aufmerksamkeit der Medien zuteilgeworden, von Quellen wie CNN und Wired Magazine.

„Wenn Seasteading eine realisierbare Alternative wird, braucht man für den Wechsel von einer Regierung zur anderen nur zur anderen hinzusegeln und muss dafür nicht einmal das Haus verlassen.“ – so Friedman auf der ersten Seasteading-Jahreskonferenz.

Designs[Bearbeiten]

Das Design „ClubStead“ des Seasteading-Instituts

Das Seasteading-Institut arbeitet an einem neuen Ansatz, der Gemeinschaften vorsieht, die über dem Meer auf Spar Bojen schwimmen, ähnlich wie bei Ölplattformen. Das Projekt würde zunächst klein anfangen, mit bewährter Technologie so weit wie möglich, und dann versuchen, tragfähige und nachhaltige Wege zu finden, eine Seastead zu führen. Innovationen, die ermöglichen, ständig auf See zu leben, müssten entwickelt werden. Die Entwicklungen der Kreuzfahrtschiff-Industrie deutet an, dass dies möglich ist.

Ein vorgeschlagener Entwurf für eine maßgeschneiderte Seastead ist eine schwimmende Hantel, in denen der Wohnbereich hoch über dem Meeresspiegel liegt, was den Einfluss der Wellen minimiert. In den letzten paar Jahren wurde die Forschung in einem Online-Buch über das Leben auf den Ozeanen dokumentiert.

Das Seasteading-Institut konzentriert sich auf drei Bereiche: erstens Aufbau einer Gemeinschaft, zweitens Forschung und drittens Unterstützung für den Bau der ersten Seasteads. Das Seasteading-Institut selbst plant nicht den Bau eines eigenen Seasteads, da es sich selbst als Non-Profit-Organisation sieht, die für einen geschäftlichen Bau und Betrieb von Seasteads ungeeignet ist. Diese Aufgabe soll Unternehmern und Firmen zufallen.

Im Januar 2009 ließ sich das Seasteading-Institut einen Entwurf für ein Seastead patentieren, ClubStead genannt. Dieses hätte die Größe eines Wohnviertels und böte Wohnraum für 200 Personen. Der Entwurf wurde vom Beratungsunternehmen Marine Innovation & Technologie hergestellt. ClubStead ist die erste größere Entwicklung der Seasteading-Bewegung in der Konstruktion, von umfangreicher Analyse bis zur Simulation.

Botschafter[Bearbeiten]

Seit 2011 hat das Seasteading-Institut ein Botschafterprogramm,[3] mit dem durch lokale Botschafter die Idee weltweit weiter verbreitet werden soll. Botschafter werden nach Prüfung durch das Seasteading-Institut ernannt und müssen sich verpflichten, regelmäßig an der Verbreitung der Idee mitzuarbeiten.

Konferenzen[Bearbeiten]

Das Seasteading-Institut hielt am 10. Oktober 2008 seine erste Jahreskonferenz in Burlingame, Kalifornien ab. 45 Personen aus 9 Ländern nahmen daran teil.

Die zweite jährliche Seasteading-Konferenz fand in San Francisco, Kalifornien, vom 28.–30. September 2009 statt.[4]

Eine weitere Konferenz, in der hauptsächlich die geschäftlichen Möglichkeiten des Seasteading erörtert wurden, fand vom 31. Mai bis zum 2. Juli 2012 in San Francisco statt.[5]

Ephemerisle[Bearbeiten]

Ephemerisle [6] ist ein Kunst- und Kultur-Festival auf dem Wasser, das im Oktober 2009 im Sacramento River stattfand und etwa 150 Besucher zählte. Mitorganisator war unter anderem einer der Gründer des Burning Man-Festivals. Ziel des Ephemerisle-Festivals ist es, eine Gemeinschaft temporär auf dem Wasser lebender Individuen zu schaffen, die sich Jahr für Jahr für zunehmend längere Zeiträume treffen und einen Kondensationskern für eine Seasteading-Kultur und -Gemeinschaft bilden.

2010 und 2011 gab es kein offizielles Epehemerisle-Festival, da es aus rechtlichen Gründen keinen offiziellen Organisator geben durfte. Daher fand es unter dem Namen Non-Ephemerisle statt.

2012 wird das Ephemerisle-Festival vom 06. - 10. Juni im Sacramento-River stattfinden.

Der Poseidon Award[Bearbeiten]

Der Poseidon Award[7] ist ein Preis für die Etablierung des ersten unabhängigen Seasteads und der Samen für die weltweit erste Ozean-Stadt. Es ist ein Meilenstein für die Seasteading-Bewegung.

Teil des Poseidon Awards ist die Verleihung des Poseidon Monumentes, einer Statue, als Ehrung für die ersten Seasteading-Pioniere. Diese wird die Namen der Seasteading-Argonauten eingemeißelt habe, großen Spendern, die mit ihrer Spende dabei mitgeholfen haben, Seasteading Realität werden zu lassen.

Der Poseidon Award wird an das erste Seastead verliehen, das:

  • Mindestens 50 dauerhafte Bewohner hat.
  • Finanziell selbstständig ist.
  • Auf dem freien Markt Grundbesitz anbietet.
  • De facto politische Unabhängigkeit genießt.

Ziel ist, den Poseidon Award bis zum Jahre 2015 zu vergeben.

Sink or Swim Business Plan Contest[Bearbeiten]

Der Sink or Swim Contest,[8] war ein im Jahr 2011 ausgelobter Wettbewerb, für das beste Seasteading-basierte Geschäftskonzept.

  • 1. Preis: Delishus Fishes[9] Ein Konzept für Hochseefischfarmen.
  • 2. Preis: Boundless Talent Consulting Services - Ein Konzept für ein Visa-freies Büro- und Wohnseastead für nicht-amerikanische Fachkräfte, die Kontakt zum amerikanischen Markt suchen.

Projekte[Bearbeiten]

Das bisher am weitesten fortgeschrittene Projekt ist das Blueseed-Venture.[10] Die Gründer wollten ursprünglich noch im Laufe des Jahres 2012 ein umgebautes Schiff als Seastead vor der Küste Kaliforniens betreiben, das als Wohn-, Büro- und Geschäftszentrum für Nicht-Amerikanische Unternehmer bzw. Fachkräfte konzipiert ist, die noch auf die Visa-Freigaben der amerikanischen Behörden warten und sich solange außerhalb amerikanischer Gewässer aufhalten müssen. Das Projekt wartet allerdings noch auf vollständige Finanzierung. Als Starttermin haben die Blueseed-Manager Herbst bis Winter 2014[11] ins Auge gefasst.

Literatur[Bearbeiten]

Tomasz M. Froelich: Festland adé! In: Henning Lindhoff (Hrsg.): Freiheitskeime 2013. Ein libertäres Lesebuch. Norderstedt, 2012, Seite 45-56. ISBN 978-3-8482-5247-3.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Seasteading-Institut About Us. Aufgerufen am 1. Oktober 2011
  2. [1] - Seasteading Book
  3. Ambassador Programm
  4. Seasteading Conference 2009
  5. Seasteading Newsletter October 2011
  6. Ephemerisle
  7. Our Strategy
  8. Sink or Swim Business Plan Contest
  9. Delishus Fishes
  10. Blueseed - Home
  11. Seenahme