Sebastianismus

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
König Sebastian von Portugal (†1578)
Sebastian schläft von Engeln behütet auf der magischen Insel Incoberta

Als Sebastianismus wurde eine mythische bzw. messianische Richtung der portugiesischen Kultur bezeichnet. Ähnlich dem deutschen Mythos vom im Kyffhäuser schlafenden Kaiser Barbarossa basierte auch der Sebastianismus auf der idealisierten Verklärung eines „schlafenden“ Herrschers. So soll Portugals König Sebastian nicht 1578 in der Schlacht von Alcácer-Quibir gefallen sein, sondern soll auf die sagenhafte Insel Incobertaentrückt“ worden sein, wo er in Gesellschaft zweier Löwen auf seine Wiederkunft wartet.[1] Einige Traditionen romantisieren nur den tragischen „Heldentod“ des ritterlichen Königs. Da sein Leichnam auf dem Schlachtfeld nicht gefunden werden konnte, glaubten zahlreiche Portugiesen, er werde zur rechten Zeit zurückkehren, um sein Land vom zunehmenden Niedergang unter spanischer Herrschaft (1580–1640) zu erlösen. Thronanwärter und Hochstapler nutzten dies für anti-spanische Aufstände aus.[2]

Später entwickelte sich auch in Brasilien eine religiös-überhöhte Richtung des Sebastianismus, die von einer Restauration der von Republikanern 1889 gestürzten Monarchie träumte. In Portugal wurde im 20. Jahrhundert die Tradition des Sebastianismus besonders unter António de Oliveira Salazar gepflegt und für ideologische Ziele gegen Demokratie bzw. Liberalismus funktionalisiert.

Literatur[Bearbeiten]

  • Ruth Tobias: Der Sebastianismo in der portugiesischen Literatur des 20. Jahrhunderts. Zur literarischen Konstruktion und Dekonstruktion nationaler Identität am Beispiel eines Erlösermythos. TFM, Frankfurt am Main 2002, ISBN 3-925203-88-5 (Zugleich: Gießen, Universität, Dissertation, 2001).

Einzelnachweis[Bearbeiten]

  1. Richard Andree: Robinsonader frȧn alla verldsdelar. Stockholm 1871, S. 30ff.
  2. Auch Brockhaus Conversations-Lexikon gab noch 1851 im Artikel Alcazar-Quivir nur an, "Sebastian... verschwand seitdem" (Conversations-Lexikon, Erster Band, Seite 267. Leipzig 1851)