Seborrhoisches Ekzem

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

Wechseln zu: Navigation, Suche
Klassifikation nach ICD-10
L21 Seborrhoisches Ekzem
L21.0 Seborrhoea capitis
- Seborrhoischer Milchschorf
ICD-10 online (WHO-Version 2006)

Als Seborrhoisches Ekzem oder Seborrhoische Dermatitis oder Morbus Unna wird ein Hautausschlag (Ekzem) bezeichnet, der besonders auf der Kopfhaut und im Gesicht auftritt und meist mit Schuppungen verbunden ist. Die spezielle Form des Ausschlags bei Neugeborenen ist unter dem volkstümlichen Namen Grind oder Kopfgneis bekannt und wird häufig mit Milchschorf verwechselt oder mit diesem gleichgesetzt.

Seborrhoisches Ekzem im Gesicht
Akutes Seborrhoisches Ekzem auf der Kopfhaut

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Epidemiologie

Die Erkrankung kommt oft bei Säuglingen im Alter von weniger als drei Monaten vor. Daneben tritt das Seborrhoische Ekzem hauptsächlich zwischen dem 20. und dem 40. Lebensjahr auf. Betroffen sind ca. 1-5% der Gesamtbevölkerung, Männer häufiger als Frauen. Frauen erkranken bevorzugt in der Menopause.

[Bearbeiten] Symptome und Beschwerden

Es entsteht ein Hautausschlag (häufig mit gelblichen Schuppen), der die behaarte Kopfhaut (Gneis) und angrenzende Bereiche, die Haut um die Nase, das Kinn, die Augenbrauen, die Augenlider und die Haut um die Ohren betreffen kann. In schweren Fällen kann auch das Brustbein und der Rücken entlang der Wirbelsäule betroffen sein. Ein starker Juckreiz kann auftreten, aber auch völlig fehlen.

[Bearbeiten] Folgen und Komplikationen

Durch Kratzen kann die geschwächte Haut verletzt werden und sich zusätzlich entzünden und bluten. Die betroffenen Stellen können kosmetisch sehr beeinträchtigen, verheilen aber in aller Regel ohne Narbenbildung.

[Bearbeiten] Ursachen

Die Pathogenese des Seborrhoischen Ekzems ist nicht vollständig geklärt.

Nach Schätzungen verfügen etwa die Hälfte aller Menschen über eine genetische Prädisposition für die Erkrankung. Das bedeutet aber keineswegs, dass sie auch tatsächlich erkranken.

Der Zustand des zentralen Nerven- und des Immunsystems scheint von Bedeutung zu sein. Das seborrhoische Ekzem tritt vermehrt beim Morbus Parkinson und bei AIDS-Patienten auf; bei letzteren sind bis zu 80% betroffen.

Stressfaktoren scheinen eine Rolle zu spielen. [1]

Androgene stimulieren die Talgproduktion. Abweichungen in der Talgzusammensetzung wurden bei den Betroffenen festgestellt.

Schwitzen, atmungsinaktive Kleidung oder Okklusion durch ungeeignete, d. h. zu fette Hautpflegeprodukte begünstigen die Symptome.

Man geht davon aus, dass die Hautausschläge eine Reaktion auf Stoffwechselprodukte des Hefepilzes Malassezia furfur (vormals Pityrosporum ovale genannt) sind. Dieser eigentlich harmlose Besiedler der menschlichen Haut vermehrt sich unter den genannten Bedingungen übermäßig und erreicht so Krankheitswert.

[Bearbeiten] Behandlung

Eine Heilung im eigentlichen Sinne ist nicht möglich, da eine starke genetische Komponente vorliegt und in der Umwelt stets neue Infektionen eintreten, die Vorschädigungen auslösen. Es können lange symptomfreie Zeiträume erreicht werden.

[Bearbeiten] Kortikoide

Glucocorticoidhaltige Salben sind eine Therapieoption, die vor allem bei akuten Problemen schnell Linderung verschafft. Wenn sie nur kurzzeitig angewendet werden, halten sich die Nebenwirkungen in Grenzen. Längerfristiges (z.B. Monate, bzw. mehr als 14 Tage am Stück) oder unkontrolliertes Verwenden solcher Präparate kann unerwünschte Folgen, insbesondere auch für die behandelte Haut, haben.

[Bearbeiten] Antimykotika

Mit Erfolg werden Mittel gegen Pilzbefall eingesetzt, die bei ausgeprägten Symptomen wie Rötungen, Abschuppung und Nässen symptommindernd wirken. Eingesetzte Wirkstoffe sind Ketoconazol, Ciclopirox und Octopirox. Pilzmittel sollten möglichst nicht mehrmals täglich eingesetzt werden, da sie die Talgproduktion fördern können. Üblich ist eine Anwendung 2-3 mal in der Woche, im akuten Stadium auch täglich. Sind die Symptome verschwunden, kann mit einer wöchentlichen Anwendung ein Wiederauftreten verzögert werden.

[Bearbeiten] Neue Therapieansätze

Um die Nebenwirkungen der cortisonhaltigen Salben zu umgehen und längere symptomfreie Intervalle zu erreichen, wurden neue Salben entwickelt. Der Wirkstoff Pimecrolimus in Verbindung mit Lithiumsuccinat und Zinksulfat wird als Therapiemaßnahme empfohlen. Auch hier zeigen sich jedoch Nebenwirkungen, zudem ist auch Pimecrolimus ein Immunsuppressivum.

[Bearbeiten] Hautpflege

[Bearbeiten] Haarshampoos

Haarshampoos mit dem Wirkstoff Selendisulfid als Kontaktgift gegen Hefepilze sind sofort hilfreich, aber recht teuer.

In leichteren Fällen helfen Anti-Schuppen Haarshampoos, beispielsweise mit Pyrithion.

Shampoos mit dem Wirkstoff Salicylsäure werden empfohlen, da sie den für Hefepilze erforderlichen pH-Wert so anhebt, dass die Pilz-Mycele geschädigt werden. Außerdem werden die Hornschichten aufgeweicht und ein Peeling (Abrubbeln toter Hautschichten) erleichtert.

[Bearbeiten] Kritik

Die angegebenen Wirkstoffe in Anti-Schuppen- Haarshampoos wirken antimykotisch. Die bei Friseuren, in Drogerien und in Apotheken angebotenen Shampoos benötigen keinen Wirksamkeitsnachweis. Die Wirkmechanismen sind in der Regel nicht beschrieben.

[Bearbeiten] Waschungen

Regelmäßige Reinigung der betroffenen Stellen mit Wasser und sanftes Peeling mit einem Waschlappen (insbesondere nach Anwendung von Salizylsäure) können sichtbare Schuppungen reduzieren.

Beim Waschen mit Kochsalzlösung kann sich ein positiver Effekt einstellen.

[Bearbeiten] Kosmetische Cremes und Lotionen

Kosmetische Produkte (z.B. Cremes) mit dem Wirkstoff Urea (Harnstoff, nicht zu verwechseln mit Harnsäure) zeigen je nach Schwere ebenfalls Erfolge. Sie helfen, akute Zustände zu mildern oder ohne weitere Medikation abklingen zu lassen.

Die anschließende Verwendung von gepufferten Cremes oder Lotionen (Zitronensäurepuffer) können die Beschwerden eindämmen und mildern.

[Bearbeiten] Vorbeugung

Regelmäßige Aufenthalte an der Sonne sind dem Abheilen der Symptome sehr förderlich, auch UV-Strahlung (besonders im Winter) wird von vielen Ärzten empfohlen. Der Grund dafür ist, dass die UV-Strahlung das Wachstum des Hefepilzes Malassezia furfur hemmt, der als Auslöser des Ausschlages vermutet wird. [2]

Durch einen sehr kurzen Haarschnitt (dadurch kommt mehr Luft und Sonne an die betroffenen Stellen) und durch häufiges Haarewaschen, spätestens alle zwei Tage, können die Symptome gemildert werden.

[Bearbeiten] Siehe auch

[Bearbeiten] Weblinks

Gesundheitshinweis

Bitte den Hinweis zu Gesundheitsthemen beachten!
Persönliche Werkzeuge
Buch erstellen