Seborrhoisches Ekzem

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Klassifikation nach ICD-10
L21 Seborrhoisches Ekzem
L21.0 Seborrhoea capitis
- Seborrhoischer Milchschorf
ICD-10 online (WHO-Version 2013)
Seborrhoisches Ekzem im Gesicht
Akutes Seborrhoisches Ekzem auf der Kopfhaut

Als Seborrhoisches Ekzem oder Seborrhoische Dermatitis oder Morbus Unna wird ein Hautausschlag (Ekzem) bezeichnet, der besonders auf der Kopfhaut und im Gesicht auftritt und meist mit Schuppungen verbunden ist. Die spezielle Form des Ausschlags bei Neugeborenen ist unter dem volkstümlichen Namen Grind oder Kopfgneis bekannt und wird häufig mit Milchschorf verwechselt oder mit diesem gleichgesetzt.

Epidemiologie[Bearbeiten]

Die Erkrankung kommt oft bei Säuglingen im Alter von weniger als drei Monaten vor. Daneben tritt das Seborrhoische Ekzem hauptsächlich zwischen dem 20. und dem 40. Lebensjahr auf. Betroffen sind ca. 1-5 % der Gesamtbevölkerung, Männer häufiger als Frauen. Frauen erkranken bevorzugt in der Menopause.

Symptome und Beschwerden[Bearbeiten]

Es entsteht ein Hautausschlag (häufig mit gelblichen Schuppen), der die behaarte Kopfhaut (Gneis) und angrenzende Bereiche, die Haut um die Nase, das Kinn, die Augenbrauen, die Augenlider und die Haut um die Ohren betreffen kann. In schweren Fällen kann auch das Brustbein und der Rücken entlang der Wirbelsäule betroffen sein. Ein starker Juckreiz kann auftreten, aber auch völlig fehlen.

Folgen und Komplikationen[Bearbeiten]

Durch Kratzen kann die geschwächte Haut verletzt werden und sich zusätzlich entzünden und bluten. Die betroffenen Stellen können kosmetisch sehr beeinträchtigen, verheilen aber in aller Regel ohne Narbenbildung.

Ursachen[Bearbeiten]

Die Pathogenese des Seborrhoischen Ekzems ist nicht vollständig geklärt.

Nach Schätzungen verfügen etwa die Hälfte aller Menschen über eine genetische Prädisposition für die Erkrankung. Das bedeutet aber keineswegs, dass sie auch tatsächlich erkranken.

Der Zustand des zentralen Nerven- und des Immunsystems scheint von Bedeutung zu sein. Das Seborrhoische Ekzem tritt vermehrt beim Morbus Parkinson und bei AIDS-Patienten auf; bei letzteren sind bis zu 80 % betroffen.

Stressfaktoren scheinen eine Rolle zu spielen.[1]

Schwitzen, atmungsinaktive Kleidung oder Okklusion durch ungeeignete, d. h. zu fettige Hautpflegeprodukte begünstigen die Symptome.

Man geht davon aus, dass die Hautausschläge eine Reaktion auf Stoffwechselprodukte des Hefepilzes Malassezia furfur (vormals Pityrosporum ovale genannt) sind. Dieser eigentlich harmlose Besiedler der menschlichen Haut vermehrt sich bei den Betroffenen übermäßig und erreicht so Krankheitswert.

Ausschlussdiagnose[Bearbeiten]

Es gilt zunächst die typischen Auslöser verschiedener Pilzinfektionen auszuschließen. Dazu kommen Antimykotika in der Therapie des Seborrhoischen Ekzems anfänglich lokal zum Einsatz.

  • Hautpilze

Bifonazol, Clotrimazol, Econazol, Isoconazol und Sertaconazol[2] wirken antimykotisch.

  • Hefepilze

Es kommen Pilzerkrankungen vor, die auch tiefere Hautschichten betreffen. Das sind auch Erkrankungen durch Hefen, bei denen es sich um opportunistische Erreger handelt. Octopirox = Pirocton-Olamin wirkt antimykotisch, antibakteriell und zusätzlich antiinflammatorisch.

  • Schimmelpilze

Schimmelpilze sind ebenfalls opportunistische Erreger. Sie werden ebenfalls mit Pirocton-Olamin behandelt.

Treten die Symptome weiterhin auf, ist eine systematische Behandlung erforderlich.

Spezifische Behandlung[Bearbeiten]

Bei stark ausgeprägten Befunden und häufigen Rezidiven wird auf systemische Antimykotika zurückgegriffen[3].

Eine Heilung im eigentlichen Sinne ist nicht möglich, da eine starke genetische Komponente vorliegt. Es können jedoch lange symptomfreie Zeiträume erreicht werden. Die Therapie des Seborrhoischen Ekzems erfolgt in erster Linie lokal.[3]

Pimecrolimus[Bearbeiten]

Der äußerlich angewendete Immunmodulator Pimecrolimus wirkt gegen die Entzündungsreaktion und zeigte in Studien eine Besserung des seborrhoischen Ekzems[3]. Er wird in Verbindung mit Lithiumsuccinat und Zinksulfat als Therapiemaßnahme empfohlen.

Tacrolimus[Bearbeiten]

Der äußerlich angewendete Immunmodulator Tacrolimus zeigte in Studien eine Besserung des seborrhoischen Ekzems, wobei neben einer antiinflammatorischen auch eine fungizide Wirkung gegenüber Malassezia furfur nachgewiesen werden konnte[3].

Kortikoide[Bearbeiten]

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Glucocorticoidhaltige Cremes sind eine Therapieoption, die bezüglich der Symptome des seborrhoischen Ekzems schnell Linderung verschafft. Falls sie nur kurzzeitig angewendet werden, halten sich die Nebenwirkungen in Grenzen. Längerfristiges (z. B. Monate, bzw. mehr als 14 Tage am Stück) oder unkontrolliertes Verwenden solcher Präparate kann unerwünschte Folgen, insbesondere auch für die behandelte Haut, haben.

Stiefmütterchenkraut (Viola tricolor)[Bearbeiten]

Stiefmütterchenkraut wirkt antiphlogistisch, antioxidativ und cortisonähnlich. Die Wirksamkeit bei Ekzemen konnte im Tierversuch bestätigt werden, es wird zur Behandlung leichter seborrhoischer Hauterkrankungen positiv bewertet. Während der Blütezeit zwischen Mai und August werden die oberirdisch wachsenden Pflanzenteile gesammelt und zur Droge weiterverarbeitet. Die Anwendung kann als Teeaufguss innerlich und äußerlich erfolgen, zudem existieren Shampoo und Hautöl als Fertigarzneimittel. Unerwünschte Wirkungen, Kontraindikationen sowie Sensibilisierungen sind nicht bekannt.[4][5]

Hautpflege[Bearbeiten]

Sämtliche Optionen einer Kontaktdermatose müssen ausgeschlossen werden. Dazu muss die Wäsche täglich gewechselt werden. Hitze des Bügeleisens zerstört die meisten Erreger der opportunistischen Mykosen.

Haarshampoos[Bearbeiten]

Haarshampoos mit den Wirkstoffen Ciclopirox-Olamin, Selendisulfid und Pirocton-Olamin als Kontaktgift gegen Hefepilze sind sofort hilfreich.

In leichteren Fällen helfen Anti-Schuppen-Haarshampoos, beispielsweise mit Zink-Pyrithion.

Shampoos mit dem Wirkstoff Salicylsäure werden empfohlen. Dadurch werden die Hornschichten aufgeweicht und ein Peeling (Abrubbeln toter Hautschichten) erleichtert. Dieselbe Wirkung hat auch das Hausmittel Apfelessig.

Kritik[Bearbeiten]

Die bei Friseuren und in Drogerien angebotenen Shampoos benötigen keinen Wirksamkeitsnachweis. Das gilt auch für Kosmetikprodukte aus Apotheken. Die Wirkmechanismen sind in der Regel nicht beschrieben. Die als Medizinprodukte in Apotheken erhältlichen Präparate sind in klinischen Studien geprüft.

Waschungen[Bearbeiten]

Nachwaschen der Haut mit einer Essiglösung oder Essigreiniger sowie mit Salicylsäurelösung senken den pH-Wert der Haut und mindern die Reproduktion von Myzelien. Der insbesondere für Hefepilze erforderliche pH-Wert wird damit unter pH=5 absenkt, sodass die Pilz-Mycele geschädigt werden.

Regelmäßige Reinigung der betroffenen Stellen mit Wasser und sanftes Peeling mit einem Waschlappen können sichtbare Schuppungen reduzieren.

Durch regelmäßiges Waschen mit Kochsalzlösung oder einem sanften Peeling mit basischen Salzen wird der pH-Wert wieder über pH=5 angehoben, dies kann nur nach erfolgreicher Ausschlussdiagnose sinnvoll sein. Bei Erfolg können nach kurzer Erstverschlimmerung die Symptome vollständig abklingen.

Kosmetische Cremes und Lotionen[Bearbeiten]

Kosmetische Produkte (z. B. Cremes) mit dem Wirkstoff Urea (Harnstoff, nicht zu verwechseln mit Harnsäure) zeigen je nach Schwere ebenfalls Erfolge. Sie helfen, akute Zustände zu mildern oder ohne weitere Medikation abklingen zu lassen.

Die anschließende Verwendung von gepufferten Cremes oder Lotionen (Zitronensäurepuffer) können die Beschwerden eindämmen und mildern.

Vorbeugung[Bearbeiten]

Regelmäßige Aufenthalte an der Sonne sind dem Abheilen der Symptome sehr förderlich, auch UV-Strahlung (besonders im Winter) wird von vielen Ärzten empfohlen. Der Grund dafür ist, dass die UV-Strahlung das Wachstum des Hefepilzes Malassezia furfur hemmt, der als Auslöser des Ausschlages vermutet wird.[6]

Durch einen sehr kurzen Haarschnitt (dadurch kommt mehr Luft und Sonne an die betroffenen Stellen) und durch häufiges Haarewaschen, spätestens alle zwei Tage, können die Symptome gemildert werden.

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. S2-Leitlinie Psychosomatische Dermatologie (Psychodermatologie) der Deutsche Dermatologische Gesellschaft (DDG). In: AWMF online (Stand 2006)
  2. Goldust et al.: Sertaconazole 2% cream versus hydrocortisone 1% cream in the treatment of seborrheic dermatitis. In: Journal Dermatolog. Treat; 2013 Feb 24. Webseite
  3. a b c d W. Hort, M. Nilles, P. Mayser: Malassezia-Hefen und ihre Bedeutung in der Dermatologie In: Der Hautarzt 07/2006, S. 641; Springer Medizin Verlag. Zusammenfassung und Volltext
  4. Matthias Augustin: 6.46 Stiefmütterchen In: Phytotherapie bei Hauterkrankungen, S.226-227; Elsevier, Urban & Fischer 2004. ISBN 9783437561207 Volltext
  5. S. Meyer, T. Vogt, M. Landthaler, S. Karrer: Einsatz von Phytopharmaka in der Dermatologie - Indikationen, Therapiehinweise und Nebenwirkungen In: Der Hautarzt 05/2005, S. 494, Springer Medizin Verlag. Zusammenfassung und Volltext
  6. Wikler JR, Janssen N, Bruynzeel DP, Nieboer C.: The effect of UV-light on pityrosporum yeasts: ultrastructural changes and inhibition of growth. In: Acta Derm Venereol. 1990;70(1):69-71. PMID 1967880

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

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