Sechzehnzylindermotor

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
16-Zylinder-Motor eines Auto Union Typ C

Der Sechzehnzylinder ist eine Bauart von Hubkolbenmotoren, insbesondere von Verbrennungsmotoren.

Beschreibung[Bearbeiten]

Bauarten[Bearbeiten]

Sechzehnzylinder kommen fast ausschließlich als wassergekühlte V-Motoren zum Einsatz, da sie als Reihenmotor sehr lang bauen würden und große Herausforderungen bei der Fertigung von Kurbelwelle oder Motorblock stellen würden. Darüber hinaus wurden U-, W- und H-Konstruktionen verwirklicht, bei denen zwei selbständige Achtzylinder miteinander verbunden wurden.

Die Motoren können sowohl als Otto- wie auch als Dieselmotor ausgelegt sein.

Anwendungen[Bearbeiten]

Cadillac V16 Roadster 1930

Sechzehnzylinder-Motoren werden vorwiegend als Großmotoren in Diesellokomotiven, Muldenkippern, Großbaggern, Motorschiffen und Kraftwerksanlagen verwendet. In geringen Stückzahlen werden sie auch für einige wenige PKW-Modelle der Oberklasse, Supersportwagen und Rennwagen, sowie Flugzeuge eingesetzt. Dabei handelt es sich aber meist um Kleinstserien oder Einzelstücke.

Laufruhe[Bearbeiten]

Sechzehnzylinder-V-Motoren besitzen durch ihre hohe Zylinderzahl eine sehr gute Laufruhe, da in ihnen die freien Massekräfte noch besser als bei V-Motoren mit kleinerer Zylinderzahl ausbalanciert sind.

Nur in einem Ausnahmefall, beim Supersportwagen Cizeta V16T, hat der V16 eine andere Kurbelwellen-Kröpfung bzw. Zündfolge. Daher ist das Laufgeräusch etwas weniger kultiviert, da dieser Motor eher auf das Erreichen sehr hoher Drehzahlen als auf Laufkultur ausgelegt wurde.

Automobile mit Sechzehnzylinder-Motoren[Bearbeiten]

  • Alfa Romeo baute 1935 für den Grand Prix den Rennwagen Bimotore, dessen Antrieb allerdings aus zwei einzelnen Achtzylinder-Reihenmotoren (je einer im Bug und im Heck) bestand. Dieser Wagen erreichte bis zu 325 km/h und leistete bis zu 540 PS. Ein Nachfolgemodell dieses Fahrzeugs aus den Jahren 1938 und 1939, der Grand-Prix-Einsitzer Tipo 316, verfügte dann über einen echten V16-Motor, der 440 PS leistete und den Wagen auf etwa 300 km/h beschleunigte. Den Abschluss der Entwicklung von Sechzehnzylindermotoren bei Alfa Romeo bildeten schließlich der Grand-Prix-Einsitzer Tipo 162 aus den Jahren 1939/40 mit einer Leistung von 490 PS und die mit dem gleichen Motor angetriebene Renn-Limousine Tipo 163 von 1941. Von beiden Fahrzeugen, die jeweils über einen V16-Motor mit vier im Kopf um 90° geneigten Ventilen pro Zylinder verfügten, wurde jeweils nur ein Exemplar gebaut.
  • Bugatti baute 1929 den T-45-Rennwagen mit Sechzehnzylindermotor. Der Motor basierte auf einer Konstruktion, die Ettore Bugatti in den letzten Jahren des Ersten Weltkriegs als Flugzeugmotor entwickelt hatte. Er bestand aus zwei selbständigen, nebeneinander stehenden Reihenachtzylindern, die jeweils über eine eigene Kurbelwelle verfügten. Die Kurbelwellen wurden durch ein in der Mitte liegendes Vorlegegetriebe miteinander verbunden. Diese Konstruktion wurde als U-16-Motor bezeichnet. Der Hubraum belief sich auf 3,8 Liter; jeder Zylinder hatte drei Ventile. Bis 1930 entstanden zwei Exemplare; ein Fahrzeug wurde werksseitig bei Bergrennen eingesetzt. Ein weiteres Sechzehnzylinder-Modell, der T47, war als Grand Sport-Wagen konzipiert, wurde aber nie fertiggestellt.
  • Cadillac baute in den 1930er-Jahren zwei verschiedene Typen eines Sechzehnzylindermotors: Von 1930 bis 1937 wurde ein 7,7-Liter-V16 hergestellt, von 1938 bis 1940 ein Motor mit 7,4 Litern Hubraum. Die Fahrzeuge waren mit unterschiedlichsten Karosserien - Coupés, Roadster, Limousinen - von diversen Herstellern angeboten; pro Jahr wurden meist weniger als 100 Exemplare hergestellt und verkauft.
  • Von 1931 bis 1933 entstand bei Marmon ein 8,0 Liter großer V16-Motor, der als Cadillac-Konkurrent gedacht war, insgesamt aber nur eine sehr geringe Verbreitung erreichte. Zeitgenössische Berichte schrieben Marmons Sechzehnzylinder-Motor eine noch größere Laufruhe zu als der Cadillac-Konstruktion.
  • Bei den Auto-Union-Rennwagen der 750-kg-Klasse kamen in den 1930er-Jahren V16-Motoren zum Einsatz. Anfangs (1934) leistete der V16 295 PS bei 4,4 l Hubraum (Typ A), bereits 1935 wurden aus 5 l Hubraum 373 PS (Typ B) und 1936 aus 6 l Hubraum 520 PS (Typ C) erzielt.
  • In Frankreich wurde 1931 der Bucciali Double-Huit präsentiert, ein Produkt mit noch immer nicht gänzlich geklärter Historie. Insbesondere ist nicht klar, ob das Triebwerk funktionstauglich war und - wenn ja - wie viele Exemplare hergestellt wurden.
  • In Großbritannien entwickelte der Rennstall B.R.M. 1950 und 1966 jeweils einen Sechzehnzylinder-Motor für den Einsatz in der Formel 1. Der V16-Motor für 1950 bis 1952 war mit einem Hubraum von 1,5 Litern extrem klein und zudem noch durch einen zweistufigen Zentrifugalkompressor von Rolls-Royce aufgeladen. Er leistete bei 12000/min rund 440 kW und war damit der Konkurrenz, gemessen an der Leistung, haushoch überlegen aber andererseits sehr anfällig, was häufig zu Ausfällen führte. Das beste durch den BRM P15 (das Auto, in dem der V16 verbaut war) jemals erreichte Formel-1-Resultat war schließlich der fünfte Platz beim Großen Preis von Großbritannien 1951. Das zweite Sechzehnzylindertriebwerk von B.R.M. war als H-16-Motor konzipiert und bestand aus zwei übereinander liegenden V8-Motoren, die jeweils einen Zylinderwinkel von 120 Grad aufwiesen. Der Motor war sehr schwer und nach den Worten des Motorsporthistorikers David Hodges "hoffnungslos unzuverlässig" ("desperately unreliable"). Der Motor wurde in den Rennwagen BRM P83 eingebaut und vom B.R.M.-Werksteam von Ende 1966 bis Anfang 1968 in insgesamt 32 Rennen eingesetzt. Das übergewichtige Auto - die Rede war von 135 Kilogramm Mehrgewicht - kam nur zwölfmal ins Ziel; das beste Ergebnis war ein zweiter Platz von Jackie Stewart.
  • In der Schweiz entwickelte Sbarro 1976 das Modell Royale. Äußerlich war das als viertürige Berline gestaltete Fahrzeug dem Bugatti Typ 41 ("Bugatti Royale") nachempfunden; konkret hatte die 1933 von Park Ward für das Chassis 41-131 gestaltete Karosserie als Vorbild gedient. Das Fahrzeug wurde von einem Sechzehnzylinder-Motor angetrieben, den Sbarro durch die Verbindung zweier Achtzylinder-Motoren von Rover herstellte. Der Sbarro Royale wurde auf Wunsch eines Kunden aus dem arabischen Raum hergestellt und blieb ein Einzelstück.
  • In Italien wurde von 1991 bis 1995 der Cizeta V16T produziert.
  • 2003 stellte Cadillac den Prototyp Cadillac Sixteen vor, der an den V16 aus den 30er-Jahren erinnern sollte. Der Wagen war mit einem 13,6-l-V16-Motor ausgestattet. Er ging nie in Serie.
  • Der seit 2005 hergestellte Bugatti Veyron 16.4 verfügt über einen W-16-Motor.
  • 2006 baute der deutsche Hersteller Isdera als Einzelstück den Isdera Autobahnkurier 116i. Angetrieben wird der 2+2-sitzige Sportwagen im Stil der 30er-Jahre von zwei V8-Motoren, die zusammen 10 l Hubraum haben.

Literatur[Bearbeiten]

  • H.G. Conway u.a.: "Die Bugattis", Ausstellungskatalog des Museums für Kunst und Gewerbe Hamburg, 1983.
  • David Hodges: A-Z of Grand Prix Cars, 2nd Edition 2001, ISBN 1861263392 (engl.)

Weblinks[Bearbeiten]