Seda (Lettland)

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Seda (Lettland) (dt.: Sedde)
Wappen von Seda (Lettland)
Seda (Lettland) (Lettland)
Red pog.svg
Basisdaten
Staat: Lettland
Landschaft: Livland (lettisch: Vidzeme)
Verwaltungsbezirk: Strenču novads
Koordinaten: 57° 39′ N, 25° 45′ O57.65027777777825.751111111111Koordinaten: 57° 39′ 1″ N, 25° 45′ 4″ O
Einwohner: 1.601
Fläche: 2,03 km²
Bevölkerungsdichte: 788,67 Einwohner je km²
Höhe:
Stadtrecht: seit 1991
Webseite:
Postleitzahl:
ISO-Code:
Sedas kultūras nams.jpg
Kultur-Haus in Seda

Seda ist eine Stadt im Norden Lettlands, die in den 1950er Jahren als Arbeitersiedlung in einem Torf-Abbau-Gebiet errichtet wurde.

Geschichte[Bearbeiten]

Das Sumpfgebiet "Seda" gehörte zum Gut Wolfarths Linde (heute lett. Jērcēni). 1938 wurde eine staatliche Aktiengesellschaft "Kūdra" (= Torf) zur Ausbeutung der Torf-Vorkommen gegründet. Bis 1954 befand sich in dem Wald- und Sumpfgebiet jedoch lediglich ein einzelnes Gehöft.

Am 5. August 1954 wurde der Plan zum Bau einer Torf-Fabrik mit Arbeitersiedlung genehmigt. So wurde ein Gebiet hart nördlich der Eisenbahnlinie Valga - Riga gerodet und mit den Bauarbeiten begonnen. Das Projekt wurde als Allunions-Komsomol-Stoss-Bauobjekt[1] beworben, so dass sich junge Arbeiter aus allen Teilen der Sowjetunion meldeten. Die Arbeitersiedlung ist ein Beispiel für Klassizistische Architektur der Stalin-Zeit. Durch die Zusammensetzung der 4000 Einwohner zählenden Bevölkerung war Seda eine russische Sprachinsel in Nordlettland. 1991 wurden die Stadtrechte verliehen, obwohl die Bevölkerung infolge von lettischer Unabhängigkeit und wirtschaftlicher Umstrukturierung Lettlands bereits im Schwinden war. 2006 waren 64 % der Einwohner Russen und 17 % Letten. Die restlichen 19 % verteilen sich auf 16 andere Nationalitäten. Etwa die Hälfte aller Einwohner besaß die lettische Staatsbürgerschaft. Ein Drittel von allen waren Pensionäre.

Die privatisierte Betreibergesellschaft ist der größte Torfproduzent Lettlands.

Architektur[Bearbeiten]

Der Stadtaufbau ist sehr kompakt. Um einen großen zentralen Platz laufen die von Birken und Linden gesäumten breiten Straßen sternförmig auseinander. Die Architektur der öffentlichen Gebäude und Wohnhäuser im Stalinistisch-Klassizistischen Stil findet sich nirgends sonst auf lettischem Gebiet. Lediglich am Ortsrand sind einige der sonst im Kommunismus üblichen Mehrfamilienhäuser zu finden. In neuerer Zeit wurde ein Ladengeschäft zu einer orthodoxen Kirche umgebaut. Die eilig gebauten, sämtlich gelblichen Gebäude zeigen Spuren der Zeit und stehen zur Hälfte leer.

Der Seda-Sumpf[Bearbeiten]

Das 7582 Hektar große Sumpfgebiet ist von einem Schienensystem für Schmalspur-Eisenbahn durchzogen. Die Lokomotiven werden für den Torf-Transport benützt - Touristen werden nicht mitgenommen. Nach einem halben Jahrhundert sind die Torfbestände zum Großteil ausgebeutet. Die entstandenen Feuchtflächen beherbergen eine artenreiche Fauna an teilweise geschützten Tieren und sind wichtig für Zugvögel. Im Frühling sammeln sich hier mehrere hunderte nördliche Schwäne und im Herbst über tausend Wildgänse. Ein großes Gebiet im Herzen des Sumpfes ist noch im Naturzustand, da alle Versuche einer Trockenlegung scheiterten. Hier wurden Baumwurzeln aus dem Sumpf gefördert, die teilweise 3000 Jahre lang erhalten geblieben sind. Im Herbst ist das Gebiet bei Sammlern von Heidelbeeren und Moosbeeren beliebt. In den trockeneren Wäldern wachsen auch Pilze.

Weblinks[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Hans Feldmann, Heinz von zur Mühlen (Hrsg.): Baltisches historisches Ortslexikon, Teil 2: Lettland (Südlivland und Kurland). Böhlau, Köln 1990, ISBN 3-412-06889-6, S. #.
  • Astrīda Iltnere (Red.): Latvijas Pagasti, Enciklopēdija. Preses Nams, Riga 2002, ISBN 9984-00-436-8.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. lettisch: "Vissavienības komjaunatnes triecienceltni" aus www.strencunovads.lv