Seder

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Dieser Artikel beschreibt den hebräischen Ausdruck Seder. Für die österreichische Schauspielerin und Autorin siehe Erne Seder, für den Kunstprofessor und Direktor der Kunsthandwerkerschule in Straßburg siehe Anton Seder.
Sedertisch mit Haggada-Ausgaben

Als Seder (hebr.סדר‎, „Ordnung“) werden die sechs Hauptabteilungen von Talmud und Mischna bezeichnet. In der Regel wird das Wort jedoch als Kurzbezeichnung für den Sederabend des jüdischen Pessach-Festes verwendet.

Beschreibung[Bearbeiten]

Der Sederabend ist der Vorabend und Auftakt von Pessach. An ihm wird im Kreis der Familie (oder der Gemeinde) des Auszugs aus Ägypten gedacht. Dies geschieht nach einer äußeren und inneren (spirituellen) Ordnung – daher die Bezeichnung „Seder“. Es werden Texte über die Gefangenschaft der Israeliten in Ägypten und deren Flucht sowohl vorgelesen als auch gesungen. Die Texte sind biblischen und rabbinischen Ursprungs. Jeder Teilnehmer hat eine Haggada vor sich, ein Buch, in dem diese Texte und die übrigen Anweisungen für den Ablauf des Seder stehen. Es werden gemeinsam Lieder mit aramäischem Text gesungen. Die Teilnehmer essen während des Abends von der Matze, dem Bitterkraut (Meerrettich, Kopfsalat oder beides)[1] und den anderen Speisen. Zu vier feststehenden Zeitpunkten wird vom Wein getrunken, nach den vier Schritten der Erlösung aus dem 2. Buch Mose.[2] Ein gemeinsames Abendessen ist Teil des Ablaufs; lustig für jüngere Kinder ist das Verstecken eines Matzenstückes, des Afikomans, am Sederabend. Der jüngste Teilnehmer fragt traditionell den Leiter des Seders nach der Bedeutung verschiedener Aspekte des Rituals, die dann erklärt werden. Zum Abschluss jedes Seders wird Chad gadja gesungen.

Die symbolischen Speisen[Bearbeiten]

Der Sederteller im Uhrzeigersinn oben beginnend: Maror, Seroa, Charosset, Chaseret, Karpas, Beitzah
Traditioneller Sederteller, Deutschland, 19. Jhd.

Am Sederabend wird der Tisch mit Speisen von symbolischer Bedeutung gedeckt.

  • Ungesäuertes Brot (Matze) als Symbol der Eile, in der die Juden aus Ägypten geflohen sind, so dass sie nicht einmal den Brotteig säuern konnten und dieser konnte so nicht aufgehen.
  • Salzwasser als Symbol des Weinens über die Zerstörung des Jerusalemer Tempels, wo das Pessachlamm geopfert wurde (die Sephardim verwenden stattdessen Essig, die jemenitischen Juden lassen es ganz aus).
  • Ein Sederteller (Ka'ara), auf dem sich die folgenden Speisen befinden. In der Anordnung der Speisen gibt es Varianten, hier eine gängige Anordnung:[3]
    • Maror – ein Bitterkraut, meist Meerrettich, auch Römersalat, als Zeichen der Bitterkeit der Knechtschaft in Ägypten.
    • Seroa – eine angebratene Lammkeule mit wenig Fleisch, die an die biblische Vorschrift der Opferung eines Pessach-Lamms im Jerusalemer Tempel erinnert. Da der Tempel nicht mehr steht, wird heutzutage kein Lammbraten mehr zum Pessach gegessen; der Seroa bleibt während des Seder auf dem Teller liegen. So sagt es die Tradition der Aschkenasim. Manche Sephardim hingegen pflegen weiterhin die Tradition des Pessach-Lammes, indem sie eine Lammkeule zubereiten.
    • Charosset – eine Mischung aus Apfel- bzw. auch Feigenstückchen und Datteln, Nüssen oder Mandeln, mit etwas Rotwein zusammengeknetet, mit Zimt oder Ingwer bestreut, als Symbol für den Lehm, aus dem die Israeliten in den Zeiten der Knechtschaft Ziegel herstellen mussten.
    • Chaseret – ein zweites Bitterkraut, kann aus derselben wie oder aus einer anderen Gemüseart als Maror sein, es wird zusammen mit dem Charosset gegessen.
    • Karpas – Sellerie (Eppich), Radieschen, Petersilie oder Kartoffeln als Frucht der Erde, symbolisiert die „zermürbende Arbeit“ in Ägypten. Diese Erdfrucht wird während des Mahls in das Salzwasser getaucht und gegessen.
    • Beitzah – ein gesottenes Ei, zum Zeichen der Gebrechlichkeit menschlicher Geschicke, aber auch der menschlichen Fruchtbarkeit und schließlich zum Zeichen der Trauer um den zerstörten Tempel in Jerusalem.
  • ein Becher Wein, der für den Propheten Elija bestimmt ist.

Ablauf eines Sederabends[Bearbeiten]

Der Ablauf des Sederabends ist nicht einheitlich geregelt und wird in Einzelheiten variiert. Hier ein möglicher Ablauf in 14 Schritten:[4]

  1. Kadesch קדש (Rezitation von Kiddusch und der erste Becher Wein)
  2. Urchatz ורחץ (Waschen der Hände)
  3. Karpas כרפס (Vorspeise, das Karpas wird in Salzwasser getaucht und gegessen)
  4. Jachatz יחץ (Brechen der Matze) und Verstecken des Afikomans
  5. Magid מגיד (Nacherzählung; die Kinder fragen: „Weshalb ist dieser Abend anders als alle anderen?“, die vier Fragen: „Weshalb das Eintauchen? Warum nur Matze? Wozu die bitteren Kräuter? Warum entspannen wir uns und essen auf der linken Seite wie die Könige?“ und der zweite Becher Wein)
  6. Rochtzo רחצה (Waschen der Hände) und sprechen der Bracha
  7. Mozie" מוציא, "Mazza מצה (Verzehr der Matze)
  8. Maror מרור (bittere Kräuter werden mit Charosset gegessen)
  9. Korech כורך (die Matze werden mit Maror und Charosset gegessen)
  10. Schulchan Orech שולחן עורך (festliches Mahl)
  11. Zafun צפון (der Afikoman wird von den Kindern aus dem Versteck zurückgebracht und gegessen)
  12. Bairach ברך (Der dritte Becher Wein als Dank nach dem Mahl, öffnen der Haustür und rezitieren der Passage, die Elias einlädt in Vorwegnahme der bevorstehenden Erlösung zu erscheinen und der Becher Elias)
  13. Hallel הלל (Preisung und der vierte Becher Wein)
  14. Nirza נירצה (Annahme)

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. [1]
  2. 12 EU
  3. Die Sederschüssel auf Chabad.org
  4. Die Sederfeier auf Chabad.org