Seedienst Ostpreußen

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Präsidentenfrühstück auf der Hertha
Seedienst Ostpreußen 1936

Der Seedienst Ostpreußen war zwischen 1922 und 1939 eine kombinierte Personen- und Frachtschiffverbindung des Deutschen Reiches.

Politischer Hintergrund[Bearbeiten]

Der Seedienst Ostpreußen wurde im Januar 1920 vom Reichsverkehrsministerium der Weimarer Republik eingerichtet, um die nach dem Ersten Weltkrieg zur Exklave gewordene Provinz Ostpreußen über die Ostsee an das Kernland des Deutschen Reiches anzubinden und den Landweg durch den Polnischen Korridor zu umgehen.

Nach dem Ersten Weltkrieg war der Reise-, Post- und Güterverkehr von und nach Ostpreußen durch Polen unsicher und beschwerlich. Bei Sperrungen des Eisenbahnverkehrs durch den Korridor blieben nur die Seereise nach Pillau oder Flüge nach Königsberg. Dort war 1921 der Flughafen Devau als erster Zivilflughafen Deutschlands fertig geworden.

Zur Eröffnung der Deutschen Ostmesse reisten Reichspräsident Friedrich Ebert, Wirtschaftsminister Ernst Scholz (DVP) und andere Prominente aus Wirtschaft und Politik am 24. September 1920 mit der Hertha des Seediensts Ostpreußen nach Königsberg.

Der Seedienst Ostpreußen wurde 1939 nach Beginn des Polenfeldzugs eingestellt.

„Der Seedienst Ostpreußen war eine politische Schiffahrtslinie, die nie Gewinn erzielte und doch florierte.“

Kurt Gerdau

Route und Schiffe[Bearbeiten]

Anfänglich wurde der Seedienst mit gecharterten Schiffen privater Reeder, wie zum Beispiel von Erich Haslinger, betrieben, später wurden reichseigene Schiffe eingesetzt.

Zunächst verpflichteten sich HAPAG und Braeunlich zu wöchentlich vier Fahrten. Später verkehrten die Schiffe im Sommer täglich nach einem festen Fahrplan gegen Garantie für eine Mindestanzahl von Passagieren, im Winter vier- bis fünfmal pro Woche zwischen Pillau bzw. Zoppot und Swinemünde. Im Jahr 1927 wurde die Strecke nach Nord-Osten bis Memel und 1930 bis zum lettischen Libau verlängert. Ab 1933 fuhren die Schiffe im Westen bis Lübeck-Travemünde und ab 1934 bis Kiel.

Die anfangs eingesetzten Schiffe erwiesen sich als ungeeignet für die lange Fahrtzeit von 15 Stunden zwischen Swinemünde und Pillau. Die zu kleinen und wenig komfortablen Schiffe konnten mangels Schlafkabinen nicht für Nachtfahrten eingesetzt werden. Das Reichsverkehrsministerium kaufte daher mehrere Schiffe, die von verschiedenen Reedereien betrieben wurden:

Die Preußen, die Hansestadt Danzig und die Tannenberg wurden im Zweiten Weltkrieg von der Kriegsmarine als Minenschiffe genutzt und sanken alle drei am 9. Juli 1941 in einem schwedischen Minenfeld.[1]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Untergang eines Minenlegerverbands am 9. Juli 1941

Literatur[Bearbeiten]

  • Claus Rothe: Deutsche Seebäderschiffe. 1830 bis 1939. In: Bibliothek der Schiffstypen. transpress Verlag für Verkehrswesen, Berlin 1989, ISBN 3-344-00393-3
  • Kurt Gerdau: Seedienst Ostpreußen. Koehler, Herford 1990

Weblinks[Bearbeiten]