Seegefecht vor der Køge-Bucht

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Seegefecht vor der Køge-Bucht
Teil von: Großer Nordischer Krieg
Datum 24. September - 27. September 1710
Ort Køge-Bucht, Ostsee
Ausgang kein Sieger
Konfliktparteien
Flag of Denmark.svg Dänemark-Norwegen Flag of Sweden.svg Schweden
Befehlshaber
Flag of Denmark.svg Admiral Ulrik Christian Gyldenløve Flag of Sweden.svg Admiral Hans Wachtmeister
Truppenstärke
26 Linienschiffe mit insgesamt 1700 Kanonen
5 Fregatten
13 kleinere Kriegsschiffe
40 Handelsschiffe als Truppentransporter
21 Schiffe
Verluste
ca. 800 Mann
1 Schiff gesunken (Linienschiff Dannebroge)
14 Handelsschiffe verbrannt
ein Handelsschiff von Schweden gekapert
zwei Schiffe gesunken (Linienschiffe Drei Kronen und Prinzessin Ulrika Eleonora)

Das Seegefecht vor der Køge-Bucht fand im Großen Nordischen Krieg am 4. Oktober 1710 vor der Køge-Bucht zwischen der dänisch-norwegischen Flotte unter Generaladmiral Ulrik Christian Gyldenløve und der schwedischen Flotte unter Admiral Hans Wachtmeister statt.

Vorgeschichte[Bearbeiten]

Im Sommer 1710 wurde Generaladmiral Gyldenløve, ein Halbbruder des Königs Friedrich IV. von Dänemark-Norwegen, nach der Hansestadt Danzig gesandt, um 6.000 russische Soldaten in dänische Dienste aufzunehmen. Dieses Armeekorps wurde dem dänischen König vom russischen Zaren Peter I. im Kampf gegen den schwedischen König Karl XII. zur Verfügung gestellt. Der Zar hoffte, dadurch eine neue Front gegen Karl XII. eröffnen zu können. Der dänische König wollte mit Hilfe der russischen Truppen die südschwedische Provinz Skåne län angreifen.

Während der Überfahrt nach Dänemark geriet der Konvoi in ein starkes Unwetter, durch das vier Linienschiffe vollkommen zerstört wurden. Admiral Gyldenløve zog sich mit seiner angeschlagenen Flotte in die Koge-Bucht zurück. Zusätzlich brachen Krankheiten unter den Besatzungen der Schiffe aus, welche die Situation verschlimmerten und dazu führten, dass die Schiffe nur unter Sollstärke bemannt waren. Das führte dazu, dass Gyldenløve vier Schiffe in die Nordsee entsandte und fünf weitere Schiffe als dienstuntauglich außer Dienst stellte (sie wurden nach Kopenhagen geschleppt). Dadurch war seine Flotte auf 26 Linienschiffe mit 1700 Kanonen, fünf Fregatten und 13 kleinere Kriegsschiffe geschrumpft. Außerdem gehörten noch 40 Handelsschiffe, die als Truppentransporter für das russische Kontingent umfunktioniert wurden, zum Konvoi von Gyldenløve. Die Gesamtstärke der Besatzungen zählte ungefähr 10.000 Mann. Das Flaggschiff der Flotte war das Linienschiff Elephant, das mit 90 Kanonen bestückt war.

Obwohl ihn der König immer wieder aufforderte in See zu stechen und das schwedische Festland anzugreifen, blieb Gyldenløve in der Bucht. Am 21. September stach der schwedische Admiral Wachtmeister mit 21 Linienschiffen (insgesamt 1500 Kanonen), mehreren Fregatten und kleineren Schiffen von Karlskrona in See. Sein Flaggschiff war die Gata Loewe, ein Linienschiff mit 96 Kanonen. Die schwedische Flotte steuerte den Øresund an, um die dänische Invasionsflotte in eine Seeschlacht zu verwickeln.

Die Seeschlacht[Bearbeiten]

Als der schwedische Generaladmiral am 24. September die Køge-Bucht erreichte, fand er die alarmierte dänische Flotte in Schlachtformation vor. Wachtmeister wusste nichts von der geringen Einsatzbereitschaft der dänischen Schiffe, so dass er eine offene Seeschlacht vermied und mit seinen Schiffen nur die Avantgarde der Dänen beschoss.[1]

Im Zuge des Feuergefechtes fing das dänische Linienschiff Dannebroge Feuer. Die Kanonen waren vom Dauerfeuer so stark überhitzt, dass die umliegenden Planken Feuer fingen. Der Kommandant des Schiffes wusste um die Explosionsgefahr des Schiffes und die daraus resultierende Gefahr, andere Schiffe der Flotte in Brand zu legen. Er entschied sich, das Schiff und seine Mannschaft zum Wohle der Flotte zu opfern und es nicht durch die Flotte hindurch an den Strand zu steuern. Der Anker der Dannebroge wurde nicht gelichtet und die umliegenden Schiffe wurden angewiesen, sich vom brennenden Schiff zu entfernen. Kapitän Huitfeld starb mit fast allen seiner 800 Matrosen. Nur drei Mann konnten nach der Explosion lebend aus dem Wasser gezogen werden.[2] Die Leichen der anderen Besatzungsmitglieder wurden von den übrigen Schiffen aufgenommen und in der Bucht begraben.

Ein aufkommender Sturm stoppte eine Fortführung des Kampfes zwischen den Flotten. Zwei schwedische Schiffe, die Drei Kronen unter dem Kommando von Admiral Ruuth und die Prinzessin Ulrika Eleonora unter dem Kommando von Konteradmiral von Löwen, wurden während des Sturmes beschädigt, liefen auf Grund und wurden von ihren Besatzungen aufgegeben und verbrannt. Beides waren Linienschiffe mit 90 Kanonen.[1]

Bewertung[Bearbeiten]

Das Gefecht war zwar nicht von entscheidender Bedeutung aber der russisch-dänische Plan einer Invasion in Südschweden wurde vereitelt.

Nachdem sich der Sturm am 27. September wieder gelegt hatte, zog sich die schwedische Flotte nach Ystad zurück. Eine Verfolgung der Dänen im Flachen Gewässer war für Admiral Wachtmeister zu gefährlich. Die dänische Flotte zog sich nach Kopenhagen zur Überwinterung zurück.

Denkmal[Bearbeiten]

Denkmalsäule für den Kommandanten Ivar Huitfeldt (Mindesøjle for søhelten Ivar Huitfeldt)

An den Kapitän der Dannebroge Ivar Huitfeldt (1665–1710) und seine rund 800 Besatzungsmitglieder, die bei dem Gefecht ihr Leben ließen, erinnert heute eine Denkmalsäule an der Kopenhagener Langelinie. Die Säule ist mit Kanonenteilen geschmückt, die wie der Anker 1872–1875 aus dem noch in der Køge Bugt befindlichen Wrack geborgen wurden.[3]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Lundblad, S. 215
  2. Fyrell, S. 89
  3. Københavns Kommune: Mindesøjle for søhelten Ivar Huitfeldt (1665-1710), abgerufen am 19. September 2012 (dänisch)

Literatur[Bearbeiten]

  • Anders Fryxell: Lebensgeschichte Karl des Zwölften, Königs von Schweden Band 3, Braunschweig (1861)
  • Knut Lundblad, Georg Friedrich Jenssen-Tusch: Geschichte Karl des Zwölften, Königs von Schweden, Band 2, Hamburg (1835)