Seehausen (Altmark)

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Seehausen (Altmark)
Seehausen (Altmark)
Deutschlandkarte, Position der Stadt Seehausen (Altmark) hervorgehoben
52.89027777777811.75305555555623Koordinaten: 52° 53′ N, 11° 45′ O
Basisdaten
Bundesland: Sachsen-Anhalt
Landkreis: Stendal
Verbandsgemeinde: Seehausen (Altmark)
Höhe: 23 m ü. NHN
Fläche: 106,99 km²
Einwohner: 5198 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 49 Einwohner je km²
Postleitzahl: 39615
Vorwahlen: 039386, 039397
Kfz-Kennzeichen: SDL, HV, OBG
Gemeindeschlüssel: 15 0 90 520
Adresse der Verbandsverwaltung: Große Brüderstraße 1
39615 Seehausen (Altmark)
Webpräsenz: www.stadt-seehausen.de
Bürgermeister: Detlef Neumnann (UWG)
Lage der Stadt Seehausen (Altmark) im Landkreis Stendal
Aland Aland Altmärkische Höhe Altmärkische Wische Arneburg Bismark (Altmark) Bismark (Altmark) Eichstedt Goldbeck Hassel Havelberg Hohenberg-Krusemark Hohenberg-Krusemark Iden Kamern Klein Schwechten Klietz Osterburg Rochau Sandau (Elbe) Schollene Schönhausen (Elbe) Stendal Stendal Stendal Stendal Seehausen Seehausen Tangerhütte Tangermünde Werben (Elbe) Wust-Fischbeck Zehrental Sachsen-AnhaltKarte
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Die Hansestadt Seehausen (Altmark)[2] ist eine Stadt im Landkreis Stendal in der Region Altmark in Sachsen-Anhalt. Die Stadt ist Sitz der gleichnamigen Verbandsgemeinde.

Geographie[Bearbeiten]

Die Stadt liegt am Aland, der die Altmärker Höhe von der Wische, einer flachen Landschaft an der Elbe, trennt. Bis Seehausen heißt der Fluss Biese.

Zu Seehausen (Altmark) gehören die Ortsteile Behrend, Beuster, Esack, Geestgottberg, Gehrhof, Losenrade, Nienfelde, Oberkamps, Ostorf, Scharpenlohe, Schönberg, Uhlenkrug, Unterkamps, Waldesfrieden, Wegenitz und Werder.

Klima[Bearbeiten]

Klimadiagramm von Seehausen[3]

Die durchschnittliche Lufttemperatur in Seehausen beträgt 8,5 °C, der jährliche Niederschlag 541 Millimeter.

Der Deutsche Wetterdienst betreibt in Seehausen eine bemannte Wetterwarte, die neben der Wetter- und Klimabeobachtung auch in der Radioaktivitätsüberwachung tätig ist. Die WMO-Kennziffer der Wetterwarte Seehausen ist 10261.

Geschichte[Bearbeiten]

Funde lassen vermuten, dass das Gebiet um Seehausen seit der Jungsteinzeit besiedelt ist. Die Ernennung zur Stadt erfolgte 1151 unter Albrecht dem Bären, der neben der schon ansässigen slawischen Bevölkerung holländische Siedler zur weiteren Eindeichung des Gebiets ansiedelte. Der Name der Stadt leitet sich nicht durch einen See in Stadtnähe ab. Wahrscheinlicher ist, dass der Name auf den Grafen von Sidag zurückgeht, dem das Gebiet als Lehen gegeben war. Bischof Wigbert erwähnt 1009 eine Siedlung mit dem Namen Sidageshusen am heutigen Ort von Seehausen. Seehausen war von 1358 bis 1488 Mitglied der Hanse.

Als mittelalterliche Stadt verfügte Seehausen über eine Stadtbefestigung. Reste der Stadtmauer und eines von fünf Stadttoren, das Beustertor, sind noch heute erhalten. Auch gab es mehrere Kirchen im Stadtgebiet, von denen einige zu Hospitälern gehörten. Im Dreißigjährigen Krieg war auch die Altmark und damit Seehausen von den Auseinandersetzungen betroffen. So wurden für den Bau der Schwedenschanze bei Werben Baumaterialien requiriert und eine Vorstadt dafür abgebrochen.

1849 wurde Seehausen (Altmark) an das Eisenbahnnetz der Bahnstrecke Magdeburg–Wittenberge angeschlossen und erhielt auch einen eigenen Bahnhof (heute Haltepunkt), damals noch etwas außerhalb der Stadt. Im Jahre 1865 wurde das neu erbaute Gymnasium eröffnet.

Seehausen liegt am westlichen Rand der Wische, eines ehemaligen Überflutungsgebietes der Elbe. So war die Stadt auch mehrfach in ihrer Geschichte von Deichbrüchen und Überflutungen betroffen, so auch 1909, als der Deich bei Kannenberg brach.

Im Zusammenhang mit dem Novemberpogrom 1938 wurde der nahegelegene Jüdische Friedhof Am Schillerhain von Nationalsozialisten zerstört.

Seehausen stand ab dem 12. April 1945 unter amerikanischer, vom 1. bis 30. Juni 1945 unter englischer und ab dem 1. Juli 1945 unter sowjetischer Besatzung.[4]

Türme der St. Peter und Paulskirche

Seehausen gehörte bis 1952 zum Landkreis Osterburg, wurde aber im Zuge der Verwaltungsreform in der DDR zu einer Kreisstadt im neu gegründeten Bezirk Magdeburg. Der Kreis Seehausen wurde 1965 aufgelöst und dem Landkreis Osterburg wieder angeschlossen.

Durch einen Gebietsänderungsvertrag beschlossen die Gemeinderäte der Gemeinden Beuster (am 8. Juni 2009), Geestgottberg (am 9. Juni 2009), Losenrade (am 22. Juni 2009) und der Hansestadt Seehausen (Altmark) (am 29. Juni 2009), dass ihre Gemeinden aufgelöst und zu einer neuen Gemeinde mit dem Namen Hansestadt Seehausen (Altmark) vereinigt werden. Dieser Vertrag wurde vom Landkreis als unterer Kommunalaufsichtsbehörde genehmigt und trat am 1. Januar 2010 in Kraft.[5] Am 1. September 2010 wurde auch noch Schönberg eingemeindet.[6]

Gedenkstätten[Bearbeiten]

  • Gedenkstein von 1988 zur Erinnerung an den zerstörten Jüdischen Friedhof
  • Ehrenmal für die Opfer des Faschismus Am Schillerhain
  • Gedenktafel am Kreiskrankenhaus „Albert Steinert“ für den Arzt Dr. Albert Steinert, der 1945 mit der weißen Fahne den Beschuss der Stadt durch US-Truppen verhindern wollte und deswegen von einem Wehrmachtsmajor ermordet wurde

Politik[Bearbeiten]

Geschäft in Seehausen
Stadtmauer von Seehausen
Beustertor
Ratskeller
Fachwerkhaus

Der derzeitige Bürgermeister ist seit dem 17. Februar 2013 Detlef Neumann (UWG).[7]

Wappen[Bearbeiten]

Das Wappen wurde am 28. April 1995 durch das Regierungspräsidium Magdeburg genehmigt.

Blasonierung: „In Silber ein golden bewehrter roter Adler mit ausgeschlagener Zunge, die Fänge begleitet von je einem grünen Seeblatt.“

Das Wappen mit dem märkischen Adler entstand etwa im 13. Jahrhundert. Auf einer Urkunde von 1353 trägt er goldene Brustspangen mit Kleeblattenden. Die Bedeutung der Seeblätter ist nicht klar, da es in Stadtnähe keinen See gab (erst 1975/77 entstand einer im Norden der Stadt, durch Ausbaggerung für den Elbbrückenbau bei Wittenberge). Vielleicht waren die Lage der Stadt am Urstromtal der Elbe und die häufigen Überflutungen durch Hochwasser in den vergangenen Jahrhunderten der Grund für die Aufnahme der Seeblätter.

Flagge[Bearbeiten]

Die Flagge wurde am 8. Februar 2000 durch das Regierungspräsidium Magdeburg genehmigt.

Die Flagge ist Rot - Weiß - Rot (1:4:1) gestreift (Hissflagge: Streifen von oben nach unten; Querflagge: Streifen von rechts nach links verlaufend) mit dem aufgelegten Wappen der Stadt.

Städtepartnerschaft[Bearbeiten]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Kirchen[Bearbeiten]

  • Evangelisch-lutherische Kirche St. Petri. Um 1300 erbaut und benannt nach Simon Petrus. Ihre Türme sind weithin sichtbar, ihre Kirchengemeinde gehört zum Kirchenkreis Stendal.
  • Salzkirche. Im 15. Jahrhundert erbaut, früher Kirche Zum Heiligen Geist eines ehemaligen Hospitals. Später als Speicher oder Elektrizitätswerk genutzt.
  • Katholische Kirche St. Johannes Baptist. 1937/38 erbaut und benannt nach Johannes dem Täufer, gehört sie heute zur Pfarrei St. Anna mit Sitz in Stendal.
  • Adventkapelle. Ihre Gemeinde gehört zur Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten]

Der Haltepunkt Seehausen (Altm) liegt an der Bahnstrecke Magdeburg–Wittenberge. Seit 2008 [8] verkehrt der Landesbus 200 über Arendsee nach Salzwedel.

Bildungseinrichtungen[Bearbeiten]

  • Das ehemalige Winckelmann-Gymnasium gehört seit 2008 wegen der gesunkenen Schülerzahlen zum Osterburger Gymnasium. Es wurde 1864/1865 errichtet und liegt vor dem ehemaligen Vieh- oder Schultor. Von 1743 bis 1748 wirkte Johann Joachim Winckelmann, Altertumsforscher und Lehrer, als Konrektor an der Seehäuser Lateinschule.
  • Sekundarschule
  • Grundschule

Unternehmen[Bearbeiten]

Größter industrieller Arbeitgeber in Seehausen ist die Graepel-STUV GmbH, die Blechprofilroste fertigt. Der Betrieb wurde bereits 1949 als Maschinenausleihstation (MAS) gegründet und 1952 zur Maschinen-Traktoren-Station (MTS) erweitert. 1973 in LIA (Landtechnische Industrieanlagen) umbenannt, begann der Betrieb mit der Fertigung industrieller Stallanlagen. In dieser Zeit wurde die Verzinkerei gebaut. 1990 firmierte der Betrieb abermals um, und zwar in „Stalltechnik und Verzinkung GmbH“ (kurz STUV). 1991 wurde die STUV als 100-prozentige Tochter der Friedrich Graepel AG Löningen übernommen und 1996 in Graepel-STUV GmbH umbenannt.

Das Firmengelände umfasst 150.000 m² mit insgesamt 30.000 m² Produktions- und Lagerhallen. Zum Produktprogramm gehören Blechprofilroste und daraus gefertigte Baugruppen, die als Aufstiege, Laufstege, Treppenstufen, Leitern und Podeste in der Baumaschinenindustrie, im Fahrzeugbau, Maschinen- und Anlagenbau, Stahlbau und im Bereich der erneuerbaren Energien Anwendung finden.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Weitere Persönlichkeiten, die mit der Stadt in Verbindung stehen[Bearbeiten]

  • Johann Joachim Winckelmann (1717–1768), Begründer der modernen Kunstwissenschaften und der Klassischen Archäologie,von 1743 bis 1748 Konrektor der Lateinschule in Seehausen

Literatur[Bearbeiten]

  • Paul Kanut Schäfer: Der Arzt von Seehausen, in: Die Stunde Null. Tatsachenberichte über Erlebnisse aus den letzten Tagen des Zweiten Weltkrieges, Berlin 1966, S. 22

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistisches Landesamt Sachsen-Anhalt, Bevölkerung der Gemeinden – Stand: 31.12.2012 (PDF) (Fortschreibung auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. Den Beinamen Hansestadt führt die Stadt offiziell seit dem 1. November 2008.
  3. Deutscher Wetterdienst, Normalperiode 1961-1990
  4. Seehausen (Altmark) - Stadt-Chronik (tabellarisch). stadt-seehausen.de, abgerufen am 1. Mai 2013.
  5. Amtsblatt des Landkreises Nr. 17/2009 Seite 183-186 (PDF; 7,1 MB)
  6. StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 2010
  7. Landeswahlleiter: Bürgermeisterwahl am 17.02.2013 in der Hansestadt Seehausen (Altmark). Statistisches Landesamt Sachsen-Anhalt, 14. März 2013, abgerufen am 21. Mai 2013.
  8. Landesnetz Bahn/Bus: Start im Altmarkkreis Salzwedel

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Seehausen (Altmark) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien