Seeschlacht bei Lagos (1693)

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Seeschlacht bei Lagos
Schlacht bei Lagos (nicht zeitgenössisches Gemälde von Théodore Gudin)
Schlacht bei Lagos (nicht zeitgenössisches Gemälde von Théodore Gudin)
Datum 28. Juni 1693
Ort bei Lagos
Ausgang französischer Sieg
Konfliktparteien
Frankreich Konigreich 1792Frankreich Frankreich EnglandEngland England
Befehlshaber
Frankreich Konigreich 1792Frankreich Anne de Tourville EnglandEngland George Rooke
Truppenstärke
71 Linienschiffe 21 Linienschiffe, 1 Fregatte, 5 kleinere Fahrzeuge, (ohne die bewaffneten Kauffahrer)
Verluste
ca. 500 Mann tot oder verwundet 2500 Mann tot oder verwundet, 2000 Mann gefangen. Verluste an Linienschiffen 3, Verluste an Handelsschiffen 70–100
Die Angaben über Truppenstärke und Verluste können in der Literatur deutlich auseinander gehen[1]

In der Seeschlacht bei Lagos (auch Seetreffen beim Kap Sankt Vinzent, Überfall auf den Smyrna Konvoi) am 28. Juni 1693 wurde ein großer englisch-niederländischer Konvoi durch die französische Flotte vernichtet. Das Kap (auch Cabo de São Vicente oder frz. 'Cap Saint Vincent' genannt) bildet gemeinsam mit der benachbarten Ponta de Sagres die Südwestspitze Portugals bzw. Europas.

Vorgeschichte[Bearbeiten]

Sowohl während des Pfälzischen Erbfolgekrieges wie auch später während des spanischen Erbfolgekrieges segelten alliierte Konvois aus der Nordsee beziehungsweise dem Ärmelkanal nach Smyrna und andere Häfen im Mittelmeer.

Nachdem jedoch der niederländische Generalstatthalter Wilhelm von Oranien König von England geworden war (1689), stand Frankreich einem Bündnis der beiden Seemächte gegenüber. Die Seemacht Spanien, das Deutsche Reich und sogar Schweden (Frankreichs bisheriger Verbündeter) schlossen sich dieser Allianz an. Zwar gelang es Tourville und d’Estrées nach dem Seetreffen vor der Bantry Bay (Mai 1689), Wilhelms Gegner Jakob II. in Irland anzulanden (1689), doch zu Land wurden die mit Frankreich verbündeten Jakobiten geschlagen, und auch zur See nutzte Tourville seinen über eine vereinte englisch-niederländische Flotte errungenen Sieg in der Seeschlacht von Beachy Head (Juni 1690) nicht aus, sodass Engländer und Niederländer die französischen Geschwader in den Seeschlachten von Barfleur und La Hougue (Mai 1692) einzeln vernichten und die geplante französische Landung in England unmöglich machen konnten.

Frankreich konzentrierte sich nun auf einen Kaperkrieg. Die Seeschlacht bei Lagos war dabei die erste große Aktion. Ebenfalls 1693 erbeutete Tourville bei einem Angriff auf Málaga 24 Kriegsschiffe und steckte die übrigen in Brand. Der Freibeuter Jean Bart befreite kurz darauf einen für Frankreich bestimmten skandinavischen Getreidekonvoi aus niederländischer Gewalt (1694) und dann einen weiteren vor der Doggerbank (1696).

Im Hafen von Cartagena (Kolumbien) zerstörten 1697 französische Freibeuter spanische Schiffe. Im Frieden von Rijswijk (Herbst 1697) beendeten die Beteiligten den Pfälzischen Erbfolgekrieg.

1693[Bearbeiten]

Vor der Isle of Wight hatten sich etwa 400 englische und niederländische Handelsschiffe gesammelt. In Frankreich war man durch Parteigänger des abgesetzten Königs James gut über die Vorgänge in England informiert. Bereits am 27. Mai war eine französische Flotte aus 71 Linienschiffen unter Admiral Tourville aus Brest in Richtung der Bucht von Lagos ausgelaufen. Ihr Ziel war es, den jährlichen Smyrnakonvoi abzufangen. Vor Lagos angekommen, ließ Tourville zwei Geschwader aus 16 beziehungsweise 18 Schiffen beim Kap St. Vincent kreuzen. Die Hauptflotte lag in der Bucht und tarnte sich mit englischen und niederländischen Flaggen.

Der englisch-niederländische Konvoi verließ am 9. Juni die Reede und wurden durch die vereinigte niederländisch-englische Kriegsflotte (76 Linienschiffe) bis etwa 36 Seemeilen vor Kap Ouessant geleitet. Dort trennten sich die in die Karibik und nach Amerika bestimmten Schiffe von den in die Levante und nach Spanien und Portugal bestimmten Kauffahrern. Der Hauptteil der Kriegsschiffe kehrte in die Heimatgewässer zurück, weil man wegen Fehlern in der englischen Seebehörde noch nichts von der großen französischen Flotte wusste. Dort befürchtete man auch einen Landungsversuch auf den britischen Inseln. Die Kommandeure vor Ort hatten es versäumt, zu prüfen, ob sich die französische Hauptflotte noch im Hafen von Brest befanden. Außerdem hatte die englische Flotte zu wenig Vorräte an Bord und wollte diese in Torbay auffrischen.

Die übrigen nach Spanien, Portugal und ins Mittelmeer bestimmten Handelsschiffe segelten weiter. Vor der portugiesischen Küste trennten sich die nach Lissabon bestimmten Handelsschiffe mit einer kleinen Bedeckung aus Kriegsschiffen vom Hauptkonvoi. Dieser etwa 130 bis 140 Handelsschiffe stark wurden von einer Kriegsflotte unter Admiral Rooke und dem niederländischen Admiral van der Goes geschützt. Diese bestand aus 15 Linienschiffen, 10 kleineren Schiffen, 4 Brandern und 2 Mörserbooten.

Verlauf[Bearbeiten]

Am 26. Juni sichtete die verbündete Flotte einige französische Schiffe. Diese zogen sich aber zurück. Am Morgen des 27. sichteten die Verbündeten etwa 10 gegnerische Linienschiffe und gingen daraufhin zum Angriff über. Ein kleines Schiff wurde erobert und dessen Kommandant behauptete, dass Tourville mit relativ schwachen Kräften einen Konvoi nach Toulon eskortieren würde. Der englisch-niederländische Konvoi setzt daher die Fahrt weiter fort. Um 10 Uhr kam dann aber die gesamte französische Flotte in Sicht. Weiter voraus befanden sich 18 Schiffe, in Luv standen 16 Schiffe unter Admiral Gabaret und in Lee 40 Schiffe unter Tourville selbst. Nachdem sich der französische Admiral vergewissert hatte, dass es sich nicht um einen Konvoi mit einer relativ geringen Bedeckung handelte, gab er den Angriffsbefehl.

Admiral Rooke erkannte die Aussichtslosigkeit seiner Position. Er befahl den Handelsschiffen sich wenn möglich in Sicherheit zu bringen. Den nahe unter Land befindlichen Schiffen wurde geraten in spanischen Häfen Schutz zu suchen, was aber nur wenigen gelang. Die übrigen wollte er mit den Linienschiffen decken, um ihnen die Flucht zu ermöglichen. Er ließ eine Gefechtslinie bilden und um 18 Uhr war das französische Geschwader unter Gabaret heran. Zwei niederländische Schiffe wandten sich Richtung Land und zogen so einen Teil der französischen Schiffe auf sich. Nach schwerem Kampf wurden beide Schiffe von den Franzosen genommen.

Dadurch hatte Rooke die Gelegenheit mit den restlichen seiner Schiffe während der Nacht zu entkommen. Zusammen mit 50 Handelsschiffen erreichte er Madeira. Die Franzosen kaperten oder versenkten während der Nacht und am nächsten Tag zahlreiche Schiffe. Andere wurden von ihrer Besatzung auf den Strand gesetzt.

Folgen[Bearbeiten]

Die englisch-niederländische Hauptflotte blieb auch nach Bekanntwerden der Vernichtung des Smyrnakonvois weitgehend untätig. Die Oberbefehlshaber wurden durch das House of Commons angeklagt, aber freigesprochen, weil die Versäumnisse hauptsächlich in der Seekriegsleitung in London lagen.

Insgesamt gingen 70 bis 100 Handelsschiffe mit Waren im Wert von einer Million Pfund Sterling verloren. Die meisten verlorenen Schiffe waren niederländischer Herkunft. Aber auch die englischen Verluste waren hoch. Nur das Feuer von 1666 hat das Handelszentrum London so getroffen, wie der Verlust der Handelsschiffe. Die Franzosen verkauften die eroberten Prisen für 30 Millionen Livres. Dies entsprach dem gesamten Flottenbudget für das Jahr 1692. Die Niederlage bedrohte sogar die Allianz und die Stabilität der englischen Herrschaft von Wilhelm von Oranien. Er sah sich gezwungen den bisherigen Oberkommandierenden der Flotte zu entlassen und diesen durch Edward Russell, 1. Earl of Orford, zu ersetzen. Im House of Commons gewannen die Whigs die Mehrheit.[2]

Literatur[Bearbeiten]

  • Rudolph Rittmeyer: Seekriege und Seekriegswesen in ihrer weltgeschichtlichen Bedeutung. Band 1: Von den Anfängen bis 1740. LTR-Verlag, Neufahrn 1984, ISBN 3-88706-232-9, S. 457–460 (unveränderter Nachdr. d. Ausg. Berlin 1907).
  • Georg von Alten (Hrsg.): Handbuch für Heer und Flotte. Enzyklopädie der Kriegswissenschaften und verwandten Gebieten. Band 5: Idstein - Leipzig. Bong, Berlin 1913, S. 784f.
  • Cathal J. Nolan: Wars of the age of Louis XIV, 1650–1715. An encyclopedia of global warfare and civilization. Greenwood Press, Westport 2008, ISBN 978-0-313-33046-9, S. 439.
  • Arnout L. van Schelven: Philips van Almonde. Admiraal in de gecombineerde vloot 1644–1711. Dissertation. Universität Amsterdam 1947.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. hier wurde teilweise verwandt: Gaston Bodart (Hrsg.): Militär-historisches Kriegs-Lexikon, (1618–1905). Stern-Verlag, Wien 1908, S. 117.
  2. Nicholas Rodger: A naval history of Britain. Band 2: The command of the ocean. 1649–1815. Norton, New York 2005, ISBN 0-393-06050-0, S. 153f.

Weblinks[Bearbeiten]