Seeschlacht von Myongnyang

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Seeschlacht von Myongnyang
Teil von: Imjin-Krieg
Datum 26. Oktober 1597
Ort Meerenge von Myongnyang, zwischen der Insel Jindo und der Koreanischen Halbinsel
Ausgang Sieg von Korea
Folgen Abschneiden des Nachschubs der Armee Japans
Konfliktparteien
Japan unter Toyotomi Hideyoshi
Korea unter Seonjo
Befehlshaber
Japanese crest Tuta.svg Tōdō Takatora
SagariFuji.png Katō Yoshiaki
Wachigai.svg Wakisaka Yasuharu
No image.svg Kurushima Michifusa
I Sun-sin
Truppenstärke
133 Kampfschiffe und 200 Versorgungs- und Truppentransporter 13 Panokseon
Verluste
31 Schiffe durch direkte Versenkung, 92 Schiffe irreparabel beschädigt;
etwa 8000 Soldaten
mindestens zwei Tote und drei Verwundete

Die Seeschlacht von Myongnyang war eine Seeschlacht im Rahmen des Imjin-Kriegs. Sie fand am 26. Oktober 1597 (16. Tag im 9. Monat nach dem chinesischen Lunisolarkalender) zwischen einer japanischen Seeflotte und der koreanischen Seeflotte in der Meerenge von Myongnyang statt. Diese Schlacht zählt aufgrund der zahlenmäßigen Disparation der beteiligten Streitkräfte zu einem der bedeutendsten Seesiege in der koreanischen Militärgeschichte.

Vorgeschichte[Bearbeiten]

Während des ersten Invasionsversuchs in Korea durch Toyotomi Hideyoshis Armee im Jahre 1592 hatte die japanische Streitmacht wegen des maroden Zustands der koreanischen Armee und Militärbürokratie ursprünglich große Erfolge erzielen können. Doch der koreanische Marinekommandeur I Sun-sin hatte Weitsicht gezeigt und sich auf eine Invasion durch japanische Truppen gut vorbereitet. Mithilfe seiner strategischen Expertise, dem intensiven Gebrauch von Kanonen und einer neuen Sorte von Schlachtschiffen gelang es I, die Versorgung der Invasionsarmee, welche über das Meer erfolgen musste, dort auch bei zahlenmäßig größeren Flottenverbänden ernsthaft zu gefährden. In Japan begann man daher berechtigterweise, I als einzige ernsthafte Bedrohung für die Annexion von China und Korea anzusehen, wodurch er ins Fadenkreuz der japanischen Entscheidungsträger geriet.

Um ihn unschädlich zu machen, wurde 1597 ein Doppelagent zum koreanischen Königshof entsandt, der König Seonjo weismachen sollte, dass die japanische Flotte zu einem gewissen Zeitpunkt einen Großangriff starten wolle. Wie erwartet, befahl Seonjo Admiral I, die japanische Flotte abzufangen und zu vernichten. I weigerte sich jedoch, dem Befehl nachzukommen, da er der Nachricht nicht traute und das Gebiet, in dem die Landung angeblich stattfinden solle, zu tückisch war, um es zu befahren. Seonjo wollte ihn daraufhin wegen Hochverrats zum Tode verurteilen. Jedoch hatte I beim Volk und einigen hohen Beamten, darunter seinem alten Kindheitsfreund und damaligen Premierminister Ryu Seong-ryong, große Sympathien errungen, und um keinen Aufstand zu riskieren, befahl Seonjo ihn stattdessen zu einer Folterstrafe und einer anschließenden Degradierung zum einfachen Soldaten. An seiner Stelle wurde General Won Gyun, ein Kollege und Rivale Is, zum Admiral der koreanischen Flotte ernannt.

Obwohl Gyun der Nachricht ebenfalls misstraute, folgte er dennoch den Befehlen Seonjos und griff die japanische Flotte in der Seeschlacht von Chilchonryang am 27. August 1597 an. Dabei geriet er jedoch in eine Falle, in der fast die gesamte koreanische Flotte aufgerieben wurde. Insgesamt entkamen auf koreanischer Seite nur zwölf der vormals 169 Schiffe und 200 Mann der Seeschlacht, da deren Befehlshaber Bae Seol die Aussichtslosigkeit der Lage schon vor der Schlacht erkannt hatte und daher bei deren Beginn mit seinen Schiffen vom Schlachtfeld desertierte. Gyun starb kurz nach der Schlacht, nachdem er mit seinem Schiff noch vor Schlachtende zu einer nahegelegenen Insel flüchtete, dort aber dann von den dortigen japanischen Garnisonssoldaten getötet wurde.

Als die Nachricht von Gyuns katastrophaler Niederlage den Königshof erreichte, wurde I mit sofortiger Wirkung rehabilitiert und sein Rang als Flottenadmiral wiederhergestellt. I sammelte die zwölf verbliebenen Schiffe um sich, und es gelang ihm sogar, noch ein weiteres Panokseon zu bekommen, das örtliche Handwerker gerade noch hatten fertigstellen können. Durch eine Rekrutierungsmission durch die Provinz Jeolla-do konnte er noch weitere Seesoldaten und Freiwillige um sich sammeln, bis er eine Mannstärke von 1500 Kämpfern erreicht hatte. Als König Seonjo vom erbärmlichen Zustand der Flotte erfuhr, befahl er I, die Flotte aufzugeben und sich stattdessen den Landstreitkräften anzuschließen. Doch I weigerte sich und teilte dem Königshof mit:[1][2]

Während der vergangenen fünf oder sechs Jahre ... ist es den Japanern nicht gelungen, die Provinzen Chung Chun und Cholla [Jeolla] unmittelbar einzunehmen, weil unsere Marine deren Seewege unterbrochen hat. Ihr bescheidener Diener kommandiert immerhin nicht weniger als zwölf Schiffe. Wenn ich den Gegner mit äußerster Anstrengung angreife, bin ich fest davon überzeugt, dass dieser auch in dieser Situation zurückgeschlagen werden kann. Die vollständige Auflösung unserer Marine würde nicht nur dem Feind gefallen, sondern würde ihm auch ermöglichen, den Seeweg entlang der Chung Chu Provinz zu benutzen und sogar den Hanfluss hinaufzusegeln, was meine größte Befürchtung ist. Auch wenn unsere Marine klein an derZahl ist, verspreche ich Euch, dass solange ich lebe, der Feind uns niemals verachten wird. (Zitiert aus den Gesammelten Werken von Yi Sun-Shin, Band 9)“

Aufgrund dieser entschlossenen Erklärung revidierte Seonjo seine Entscheidung und erlaubte I, seinen Kampf zur See fortzuführen. Am Abend vor der Schlacht hielt I seinen Flottenkommandeuren eine zugleich anspornende und ermahnende Rede, die zu einer seiner meistzitierten Ansprachen gehört:[3][4]

Zu den Prinzipien der Strategie gehört: 'Derjenige, der zum Sterben bereit ist, wird leben, und derjenige, der leben will, wird sterben.' Die Strategie sagt auch: 'Wenn ein Verteidiger einen wichtigen Zugang mit aller Kraft bewacht, kann er selbst 1000 Feinden das Fürchten lehren.' Für Männer in Eurer Position sind diese Worte mehr wert als Gold. Ich erwarte von Euch, meine Befehle unbedingt zu befolgen. Wenn Ihr den Befehl verweigert, werdet ihr streng nach dem Kriegsrecht verurteilt, selbst wenn es sich um einen kleinen Fehler handeln sollte.

Als die Nachricht von Is Wiedereinstellung die Japaner erreichte, sahen die Kommandeure der japanischen Flotte – Tōdō Takatora, Katō Yoshiaki, Wakisaka Yasuharu und Kurushima Michifusa – sich versucht, I und der koreanischen Flotte den Todesstoß zu versetzen, und brachen mit über 330 Schiffen, die ursprünglich zur Versorgung des japanischen Eroberungskorps für Hansong vorgesehen waren, von ihrem Stützpunkt in Busan auf. Um diese gewaltige Übermacht auszugleichen, lockte I seine Gegner zur Seestraße von Myongnyang zwischen der Insel Jindo und der koreanischen Halbinsel.

Schlachtverlauf[Bearbeiten]

Durch genaue Nachforschungen und die Informationen der Ortsansässigen hatte I die Meerenge gezielt als den Ort für die bevorstehende Schlacht ausgewählt. Die Strömung in dieser Enge war stark, tückisch und wechselte mehrmals am Tag die Richtung. Zudem war der Kanal sehr schmal, was die numerische Überlegenheit der Japaner beeinträchtigen würde. Einigen moderneren Ansichten nach erlaubte die Enge des Kanals I auch, über dessen volle Breite hinweg mehrere Stahlseile unter der Wasseroberfläche spannen zu lassen, welche zusammen mit der Strömung die Japaner am Manövrieren hindern sollten. In I's Kriegstagebuch Nanjung Ilgi wird eine solche Taktik jedoch nicht erörtert.

Die Japaner, immer noch siegesgewiss nach ihrem Erfolg bei Chilchonryang und angesichts der augenscheinlichen Unterlegenheit Is, drangen gruppenweise in die Straße ein, als die Strömung günstig für ihren Vorstoß lief. I erwartete sie am anderen Ende mit seinen Schiffen vor Anker. Als die Schiffe der japanischen Flottenspitze schließlich in den Engpass gerieten, begannen sie sich, bedingt durch die Strömung, ineinander zu verkeilen; daraufhin gab I seiner Flotte den Befehl, das Feuer zu eröffnen. Das Kanonenfeuer erzielte eine verheerende Wirkung auf die in der Meerenge zusammengeballte Flotte, und I setzte zum Angriff an. Seine Admiräle jedoch, von der Übermacht des Feindes eingeschüchtert, zögerten zunächst, den Angriff mitzumachen, so dass Is Schiff schnell eingekreist wurde.

In diesem Dilemma kam I der Umstand zuhilfe, dass ein im Wasser treibender Leichnam als Kurushima Michifusa identifiziert wurde, der bereits in der ersten Phase der Schlacht ums Leben gekommen war. I ließ den Leichnam aus dem Meer fischen und den Kopf an der Spitze des Schiffsmastes aufhängen, was die Moral der japanischen Soldaten erheblich sinken ließ. Als sich die Strömung im Kanal schließlich wieder drehte, liefen die havarierten japanischen Schiffe konsequenterweise auf ihre nachfolgenden Einheiten auf, was ein heilloses Chaos unter den Japanern auslöste. Gleichzeitig nutzte I die wechselnde Strömung für einen Frontalangriff, der der Feindflotte sehr effektiv zusetzte und sie schließlich zum Rückzug zwang.

Von den 133 japanischen Kampfschiffen, die direkt an der Schlacht teilnahmen, wurden 31 noch vor Ort versenkt und weitere 92 so schwer beschädigt, dass sie nach der Schlacht aufgegeben werden mussten. Auf japanischer Seite kamen zudem neben Kurushima noch mehrere tausend Soldaten ums Leben; viele von ihnen ertranken, da sie in der tückischen Strömung der Meerenge nicht schwimmen konnten, nachdem sie über Bord gefallen waren. Die Koreaner hingegen verloren nur eine Handvoll Männer und kein einziges ihrer Schiffe, obgleich Bae Seol, der eines dieser Schiffe befehligte, einigen Berichten zufolge wiederum voller Panik die Flucht ergriffen hatte und somit nicht am Ausgang der Schlacht beteiligt war.

Auswirkungen[Bearbeiten]

Die verheerende japanische Niederlage bei Myongnyang beeinflusste nicht nur die militärischen und logistischen Auswirkungen auf beiden Seiten des Krieges nachhaltig, sondern wirkte sich auch sehr auf deren Moral aus. Zudem bewies diese Schlacht einmal mehr das Geschick von Admiral I und wird aufgrund des eingangs so ungleichen Verhältnisses der beiden Streitkräfte als eine Meisterleistung der Kriegsführung angesehen.

Für die japanische Landstreitmacht bedeutete dieser koreanische Seesieg eine erhebliche Behinderung der Versorgung ihrer Militäroperationen. Die bereits angesetzte Eroberung der Hauptstadt Hanseong wurde durch die Niederlage indefinitiv ausgesetzt, und die japanischen Landtruppen mussten sich schließlich zurückziehen. Des Weiteren verlor die japanische Seestreitmacht die Seeherrschaft über die Gewässer nahe Korea, was China dazu ermunterte, größere Truppenverbände zur Unterstützung Koreas zu entsenden, und den Koreanern erlaubte, ihre Flotte wieder auszubauen. Die japanische Armee verloren im Verlauf der nächsten Monate mehr und mehr an Boden in Korea, bis sie nur noch ein paar vereinzelte Stützpunkte an der Südküste des Landes hielten und im Folgejahr schließlich den vollständigen Rückzug antraten.

Als unmittelbare Konsequenz auf die Niederlage Japans wurde von den japanischen Befehlshabern entschieden, eine Strafexpedition nach Is Wohnort Asan durchzuführen, wo sie das Dorf niederbrannten und Is jüngsten Sohn Myon ermordeten.

Heutige Ansichten[Bearbeiten]

An der Stelle der Seeschlacht wurde zur Erinnerung das Monument Myeongnyangdaecheopbi errichtet und 1969 zum 503. Nationalen Kulturschatz erklärt.[5] Noch heute wird dieser Sieg an dieser Stelle mit einem alljährlichen Festival gefeiert.[6]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Holm, S. 27.
  2. Koreanhero.net: The Battle of Myongnyang, A Maritime Miracle.
  3. I Sun-sin: Nanjung Ilgi, S. 311; Holm, S. 28.
  4. prkorea.com: Quotes and Poems by Admiral Yi Sun-sin. Abgerufen 20. Januar 2013.
  5. Yisunsin.Prkorea.com: Historical Sites following the traces of Yi Sun-sin: Myeongnyangdaecheopbi Monument & Jindo Bridge (abgerufen 1. November 2011)
  6. Festivals in Jeollanam-do: The Great Festival of Myeongnyang (Version vom 7. August 2011 im Internet Archive)

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Imjin-Krieg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien