Seestraße (Berlin-Wedding)

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Seestraße
Wappen
Straße in Berlin
Seestraße
Kreuzung See- /Ecke Müllerstraße mit dem Multiplex-Kino Alhambra
Basisdaten
Ort Berlin
Ortsteil Fennpfuhl,
Moabit,
Charlottenburg-Nord
Angelegt ab 1827 in mehreren Abschnitten
Anschlussstraßen Südliche Seestraßenbrücke (West), Osloer Straße (Ost)
Querstraßen (Auswahl) Dohnagestell/Sylter Straße,
Amrumer Straße
Müllerstraße
Markstraße/ Reinickendorfer Straße
Plätze Eckernförder Platz, Wilhelm-Hasenclever-Platz, Louise-Schroeder-Platz
Bauwerke Gebäude (Auswahl), Abwasserpumpwerk Seestraße, Gedenkstätte Plötzensee
Nutzung
Nutzergruppen Fußverkehr, Radverkehr, Autoverkehr, ÖPNV
Technische Daten
Straßenlänge 3200 Meter

Die Seestraße ist eine 3,2 Kilometer lange Hauptverkehrsachse, die von Südwesten nach Nordosten größtenteils im Ortsteil Wedding des Berliner Bezirks Mitte verläuft und ein Zubringer zur Stadtautobahn A 100 ist.

Straßenverlauf[Bearbeiten]

Die Seestraße ist Teil des offenen Straßenringes um die Berliner Innenstadt, der in Neukölln als A 100 beginnt und bis nach Friedrichshain führt. Die Straße beginnt im Süden als Fortführung der Berliner Stadtautobahn A 100, Abfahrt Seestraße an der Grenze zwischen den Ortsteilen Plötzensee und Moabit. Nach 500 Metern überquert sie den Hohenzollernkanal und erreicht damit den Ortsteil Wedding. Sie führt südlich am Plötzensee, dem sie ihren Namen verdankt, vorbei in Richtung Kreuzung mit der Afrikanischen und der Amrumer Straße.

Auf diesem Abschnitt befinden sich an der nördlichen Seite die St.-Pauls-, Nazareth- und St.-Johannis-Kirchhöfe und gegenüber das Areal des Rudolf-Virchow-Klinikums. Am Kreuzungspunkt mit der Müllerstraße liegen der von Heinrich Jennen geplante und 1923 eröffnete U-Bahnhof Seestraße sowie der Haupteingang zum städtischen Urnenfriedhof Seestraße.

Weiter verläuft die Straße südlich des St.-Philippus- und des städtischen Urnenfriedhofs sowie des Apostelkirchhofs bis zum Louise-Schroeder-Platz und geht dort an der Grenze zu Gesundbrunnen in die Osloer Straße über.

Hausnummernsystem[Bearbeiten]

Von der Anlage der Straße bis zum Ende des 19. Jahrhunderts waren die Parzellen in Hufeisenform nummeriert. Die Zählung begann westlich am Nordufer, führte von Nummer 1 bis Nummer 40 an der Reinickendorfer Straße, auf der anderen Straßenseite zurück bis Nummer 84.[1] Etwa um 1930 vergab die Verwaltung neue Hausnummern, die seitdem ununterbrochen verwendet werden. Sie reichen von Nummer 1 und 2 (gehören zu Charlottenburg-Nord), über 3 bis 126 – weiterhin in Hufeisenform – bis Nummer 131 (gehört zu Moabit).[2]

Geschichte[Bearbeiten]

Entstehung[Bearbeiten]

See- Ecke Müllerstraße, um 1945/1946

Die Straße verläuft durch das Gebiet der früheren Kämmereiheide. Sie entstand bei der Parzellierung dieses Forstgebiets im Jahre 1827. Damit wurde sie ein Teil eines von Peter Joseph Lenné 1841 konzipierten Plans, das gesamte Gebiet des damaligen Berlins durch eine Gürtelstraße zu umschließen. Ihre Bebauung erfolgte zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Die Seestraße begann anfangs noch weiter südwestlich, verlief entlang des nördlichen Ufers des Neuen Verbindungskanals bis zum Habsburger Ufer. Auf dieser Trasse liegt seit den 1960er Jahren die Berliner Stadtautobahn A 100, die an der südlichen Seestraßenbrücke beginnt.

An ihrem östlichen Ende, dem heutigen Louise-Schroeder-Platz – anfangs Oskarplatz – verlief die Seestraße ursprünglich diagonal weiter bis zur Letteallee. Dieses Ende wurde jedoch am 15. November 1957 in Reginhardstraße umbenannt. Die direkte Verbindung zwischen Oskarplatz und heutiger Reginhardstraße wurde zugunsten einer übersichtlicheren Kreuzungsführung aufgelöst.

Entwicklung und Niederlassung verschiedener Einrichtungen[Bearbeiten]

Am südlichen Ende der Seestraße befindet sich das Abwasserpumpwerk Seestraße. Hier wurde bereits 1886 das Abwasser zu den nördlich Berlins gelegenen Rieselfeldern nach Schenkendorf, Müllersfelde, Lindenhof und Schönerlinde gepumpt. Das 1997 modernisierte Werk befördert die Abwässer heute zum Klärwerk Ruhleben.

Auf der anderen Straßenseite befindet sich die frühere Justizvollzugsanstalt Plötzensee (im Berliner Volksmund „Die Plötze" genannt) mit der nahe gelegenen Militärbadeanstalt. Auf dem Gelände der Strafanstalt findet sich auch die Gedenkstätte Plötzensee. Die ehemalige Militärbadeanstalt am Plötzensee ist ein Freibad mit Bootsverleih geworden. Hier agierte der Schuhmacher Wilhelm Voigt, der am 16. Oktober 1906, in der Uniform eines Hauptmanns auftauchend, die in der Seestraße stationierte Mannschaft der Schwimmschulwache vom Plötzensee seinem Kommando unterstellte, mit ihr nach Köpenick fuhr und dort die Ratsschatulle übernahm. Durch Carl Zuckmayers 1931 geschriebenen Roman Der Hauptmann von Köpenick. Ein deutsches Märchen ging der Streich in die Literaturgeschichte ein.

Entlang dieser Straße entstanden gegen Ende des 19. Jahrhunderts in rascher Folge auf den Parzellen Unternehmensgebäude. Im Jahr 1905 weist das Berliner Adressbuch beispielsweise einen Ausschank der Berliner Bock-Brauerei und eine Grabdenkmalfabrik aus (Nummer 3), ein Versuchsfeld der Königlichen Landwirtschaftlichen Hochschule, ein Institut für Gärungsgewerbe und Stärkefabrikation, zahlreiche Versuchs- und Lehranstalten (Brauerei, Landmaschinentechnik, Zuckerfabrikation, Bierherstellungsverfahren, ...) (alle Nummer 4), Bergmann Electricitäts-Werke Aktiengesellschaft (Nummer 32c–e; seit Ende des 20. Jahrhunderts Osram Carree), ein Schwesternwohnheim der Gemeinde Kapernaum (Nummer 66) und Militär-Schießstände (Nummer 72). Auf den Parzellen zwischen 18 und 68m befanden sich überwiegend Mehrfamilien-Wohnhäuser.[1]

Verkehrsentwicklung[Bearbeiten]

Die Seestraße ist von Beginn an recht breit mit einem grünen Mittelstreifen angelegt worden. Von der am Südende der Straße gelegenen Beusselstraße über den damaligen Oskarplatz weiter bis nach Prenzlauer Berg fuhren seit Beginn der 1930er Jahre auf dem Mittelstreifen Straßenbahnen.

Bereits am 15. Januar 1953 endete der gemeinsame Straßenbahnbetrieb zwischen Ost- und West-Berlin. Nach dem Mauerbau wurde der durchgängige Betrieb der Straßenbahnlinie 3 damit eingestellt, die Gleise im Laufe der Jahre abgebaut. Der Mauerfall machte es möglich, die Linie vollständig wieder herzustellen, ihr Betrieb begann am 25. Oktober 1997 als Verlängerung der damaligen Linien 23 und 24 (die in Ost-Berlin ununterbrochen verkehrten) auf der Seestraße bis zum Virchow-Klinikum. Spätere Linienumbenenungen führten dazu, dass nunmehr die Linien M13 und 50 hier entlang fahren.

An der Kreuzung Müllerstraße liegt der U-Bahnhof Seestraße, der zur Linie U8 gehört.

Gebäude (Auswahl)[Bearbeiten]

In der Seestraße befinden sich die folgenden denkmalgeschützten Gebäude.

Institut für Gärungsgewerbe und Biotechnologie[Bearbeiten]

Institut für Gärungsgewerbe
Hausnummer 13 (zuerst Nummer 4)

Das Gebäude wurde zwischen 1901 und 1905 errichtet. Auf dem Gelände befindet sich im 21. Jahrhundert die Versuchs- und Lehranstalt für Brauerei (VLB) des Deutschen Brauer-Bundes.[3]

Kapernaumkirche[Bearbeiten]

Kapernaumkirche
Hausnummer 34/35, zusammen mit dem Pfarr- und Gemeindehaus (zuerst Nummer 14/15)

In den Jahren 1900–1902 wurde das Kirchengebäude auf damals noch unbebautem Gebiet nach den Plänen von Karl Siebold aus Bethel (Bielefeld) errichtet. Das Grundstück sowie das Geld zum Bau der Kirche wurden der Kirche geschenkt, um eine Aufwertung des umliegenden Baulandes zu erreichen, das dem Stifter Graf Eduard Karl von Oppersdorf gehörte. Zwischen 1909 und 1911 wurde an die Kirche das Gemeindehaus angebaut, das nach Westen an einen Häuserblock anschließt.

Hauptartikel: Kapernaumkirche (Berlin)

Osramhöfe[Bearbeiten]

Hausnummer 64/65 (zuerst Nummer 32c–e)
Osramhöfe, Seestraße 64 (früher Nummer 32)/Oudenarder Straße 16–20/Groninger Straße 25–27/Liebenwalder Straße 21 (52° 33′ 10″ N, 13° 21′ 40″ O52.55268590333313.361059427222)

Das Gebäudeensemble der Bergmann Electricitäts-Werke Aktiengesellschaft besteht aus einem Verwaltungsbau und Werkhallen für die Glühlampenproduktion. Ab 1932 war es das Glühlampenwerk B der Osram GmbH, das sich um mehrere Höfe gruppierte. Die Produktion in Berlin wurde zum Ende des 20. Jahrhunderts eingestellt. Nach umfassender Sanierung konnten die Gebäude an mehrere Interessenten vermietet werden. Sie firmieren nunmehr unter dem Namen Carreé Seestraße.[4][5]

Mietshaus[Bearbeiten]

Hausnummer 99 (zuerst Nummer 64)

Das Mehrfamiline-Mitshaus an der Ecke Lüderitzstraße wurde 1899/1900 nach Plänen von Arnold Kuthe errichtet und mit zahlreichem Bauschmuck verziert, der vollständig erhalten geblieben ist. Besonders auffällig sind hier die Berliner Ecke und die in beide Straßen hineinragenden Ladengeschäfte im Erdgeschoss.[6]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Seestraße (Berlin-Wedding) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Seestraße. In: Berliner Adreßbuch, 1905, Teil III, S. 674.
  2. Amtliches Straßenverzeichnis des Bezirks Mitte; pdf (Seestraße ins Suchfenster eingeben)
  3. Institut für Gärungsgewerbe und Biotechnologie, Seestraße 13, Berliner Landesdenkmalliste
  4. Dilek Güngör: Neue Firmen und Geschäfte in den Osramhöfen, Berliner Zeitung, 9. November 1999, abgerufen am 25. Januar 2014
  5. Osramhöfe in der Berliner Landesdenkmalliste
  6. Baudenkmal Seestraße 99, Mietshaus, 1899-1900 von Arnold Kuthe

52.54777777777813.346944444444Koordinaten: 52° 32′ 52″ N, 13° 20′ 49″ O