Segestria florentina

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Segestria florentina
(Segestria florentina [w])

(Segestria florentina [w])

Systematik
Unterordnung: Echte Webspinnen (Araneomorphae)
Teilordnung: Haplogynae
Überfamilie: Dysderoidea
Familie: Fischernetzspinnen (Segestriidae)
Gattung: Segestria
Art: Segestria florentina
Wissenschaftlicher Name
Segestria florentina
(Rossi, 1790)

Segestria florentina ist eine Echte Webspinne aus der Familie der Fischernetzspinnen. In Europa ist sie die größte Art der Familie. Wie bei allen Fischernetzspinnen sind die sechs Augen bei Segestria florentina in zwei zueinanderschauenden spitzen Dreiecken an der Stirn angeordnet.[1]

Aussehen[Bearbeiten]

Die Weibchen erreichen eine Körperlänge von bis zu 22 mm, die Männchen bis zu 15 mm.[2] Diese Art ist die dunkelste Art dieser Familie. Während junge Tiere einen gräulichen Hinterleib (Opisthosoma) besitzen, der ein ähnliches Muster wie Segestria senoculata aufweist, sind erwachsene Tiere fast einheitlich schwarz. Ein auffälliges und typisches Merkmal von Segestria florentina ist der metallisch grünliche Schimmer der großen Cheliceren.[1] Diese Farbe ist eine Strukturfarbe, die durch ein Gitter von Chitinlamellen erzeugt wird[3].

Verbreitung und Lebensraum[Bearbeiten]

Ursprüngliche Heimat der Art ist der Mittelmeerraum, sie kommt nach Osten durch die Türkei bis zur Krim und zum Kaukasus vor. In ihrer Ursprungsheimat besiedelt sie Felsspalten und Baumstämme, z. B. von Platanen, wo sie unter loser Baumrinde lebt[4], besonders häufig aber grob verfugtes Mauerwerk von Gebäuden[2]. Weiter nördlich lebt sie ausschließlich synanthrop an Mauern und Gebäuden. Aufgrund ihrer Körpergröße benötigt sie große und tiefe Mauerspalten, wie sie vor allem im Mauerwerk von Burgen, Kirchen und unverfugten Bruchsteinmauern auftreten. Die Art ist, vor allem im Norden ihres Verbreitungsgebiets, an Gebiete mit Seeklima gebunden. Sie besiedelt die Iberische Halbinsel und den Westen Frankreichs von der Normandie an südwärts. Nach Osten hin ist sie zunehmend an meeresnahe Gebiete gebunden. Die Ostgrenze der Verbreitung verläuft durch die Provinz Zeeland (Niederlande) und scheint vor allem durch die Wintertemperatur verursacht[5]. In England war sie bis in die 1980er Jahre an einige Hafenstädte an der Südküste gebunden[6], zeigt aber seit einigen Jahren eine deutliche Ausbreitungstendenz nach Norden hin. Funde liegen inzwischen nördlich bis Gloucestershire[7] und Essex[8] vor. Aus Deutschland wurde die Spinne erst zweimal gemeldet.[9]. Die Art erreicht die Schweiz im Süden (Tessin) und fehlt in Österreich[10].

Lebensweise[Bearbeiten]

Die Spinne baut in Mauerspalten und Ritzen ein röhrenförmiges Netz, das sich nach außen trichterförmig öffnet. Von dieser Trichteröffnung gehen nach außen lange Signalfäden aus. Nachts warten die Spinnen in der Nähe der Trichteröffnung. Berührt ein Beutetier die Signalfäden, so kann es durch die Spinne schnell lokalisiert und gebissen werden. Anschließend wird die Beute in das Röhrennetz gezogen.[11]

Bisse[Bearbeiten]

Bisse von Segestria florentina sind schmerzhaft.[1] Es wird über einen Fall berichtet, bei dem neben starken Schmerzen und einer Schwellung der Bissstelle auch Fieber, Schwindel und Kopfschmerzen die Folge waren.[12] Häufig klingen die Schmerzen nach wenigen Stunden ab.[13] Das Gift enthält ein Neurotoxin, das spezifisch einen Typ von Calciumkanälen (den vor allem in Neuronen verbreiteten Typ N) der Zellmembran hemmt.[14]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Segestria florentina – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c Heiko Bellmann: Der Kosmos Spinnenführer: Über 400 Arten Europas, 1. Aufl., Kosmos (Franckh-Kosmos), 2010, ISBN 3440101142.
  2. a b Nentwig W., T. Blick, D. Gloor, A. Hänggi & C. Kropf (2010): Araneae, Spinnen Europas (Bestimmungsschlüssel). Universität Bern.
  3. A. L. Ingram, A. D. Ball, A. R. Parker, O. Deparis, J. Boulenguez, S. Berthier (2009): Characterization of the green iridescence on the chelicerae of the tube web spider, Segestria florentina (Rossi 1790) (Araneae, Segestriidae). Journal of Arachnology 37(1):68 - 71. doi:10.1636/SH07-87.1
  4. Csaba Szinetár & Roland Horváth A review of spiders on tree trunks in Europe (Araneae). Acta zoologica bulgarica, Suppl. No. 1: 221 - 257.
  5. P.J. van Helsdingen: The presence of Segestria florentina (Rossi) in The Netherlands. Bulletin de la Société européenne d'Arachnologie No. hors serie 1, Paris: 353 - 357. download
  6. Michael J. Roberts (1985): The spiders of Great Britain and Ireland. Volume 1, Atypidae to Theriodosmatidae. Harley Books (Colchester). p.62.
  7. David Haigh: Segestria florentina (Rossi, 1790) - A spider new to North Gloucestershire. Newsletter of the British Arachnological Society 114: 15.
  8. Peter Harvey An Essex Population of Segestria florentina (Rossi, 1790). Newsletter of the British Arachnological Society 99: 11 - 12.
  9. Nachweiskarte von Segestria florentina in Deutschland
  10. K. Thaler & B. Knoflach (2008): Zur Faunistik der Spinnen (Araneae) von Österreich: Atypidae, Haplogynae, Eresidae, Zodariidae, Mimetidae. Linzer biologische Beiträge 34(1): 413 - 444.
  11. Science & Nature – Wildfacts – Tube web spider. BBC. Abgerufen am 26. September 2009.
  12. A case of arachnidism by Segestria florentina (Rossi, 1790)(Araneae, Segestriidae) in Salento.
  13. Tube web spider, Segestria florentina | Natural History Museum. Nhm.ac.uk. Abgerufen am 26. September 2009.
  14. Lachlan D. Rash, Wayne C. Hodgson (2002): Pharmacology and biochemistry of spider venoms. Toxicon Volume 40, Issue 3: 225 – 254. doi:10.1636/SH07-87.1