Seikilos-Stele

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Die Seikilos-Stele im Dänischen Nationalmuseum
Details der Stele
Seikilos-Inschrift mit altgriechischer „Notation“

Die Seikilos-Stele ist ein altgriechischer Grabstein in Tralles (Kleinasien), auf dem die Vorform einer musikalischen Notation gefunden wurde. Das in einer antiken Notation eingemeißelte Lied phrygischer Tonart mit griechischem Text datiert zwischen 200 v. Chr. und 100 n. Chr und ist somit eines der ältesten vollständig erhaltenen Musikstücke.

Die Stele wurde 1883 von Sir William Mitchell Ramsay in der Nähe von Aydın entdeckt. Ramsay veröffentlichte seinen Fundbericht, eine Beschreibung der Stele und eine Deutung der Inschrift noch im selben Jahr. Die Stele befindet sich heute im Dänischen Nationalmuseum (Inventarnummer 14897).

Griechischer Originaltext:

ΕΙΚΩΝΗ ΛΙΘΟΣ
ΕΙΜΙ· ΤΙΘΗΣΙ ΜΕ
ΣΕΙΚΙΛΟΣ ΕΝΘΑ
ΜΝΗΜΗΣ ΑΘΑΝΑΤΟΥ
ΣΗΜΑ ΠΟΛΥ ΧΡΟΝΙΟΝ

Ὅσον ζῇς φαίνου
μηδὲν ὅλως σὺ λυποῦ·
πρὸς ὀλίγον ἐστὶ τὸ ζῆν.
τὸ τέλος ὁ χρόνος ἀπαιτεῖ.

Melodie des Seikilos-Epitaphs in heutige Notation umgeformt

In Umschrift:

Eikonē lithos
eimi; tithēsi me
Seikilos entha
mnēmēs athanatou
sēma poly chronion

Hoson zēs, phainou
mēden holōs sy lypou
pros oligon esti to zēn
to telos ho chronos apaitei

Hörbeispiel (Aussprache des Koine-Griechisch)?/i

Deutsche Übersetzung[Bearbeiten]

Eine mögliche Übersetzung der Grabinschrift lautet:

Ich bin ein Bild in Stein;
Seikilos stellte mich hier auf,
wo ich auf ewig bleibe,
als Symbol zeitloser Erinnerung.

Solange du lebst, tritt auch in Erscheinung.
Traure über nichts zu viel.
Eine kurze Frist bleibt zum Leben.
Das Ende bringt die Zeit von selbst.

Literatur[Bearbeiten]

  • William Mitchell Ramsay: Bulletin de correspondance hellenique. Band 7 (1883), S. 277ff.
  • Martin Litchfield West: Ancient Greek Music. Oxford 1992.
  • Egert Pöhlmann: Denkmäler altgriechischer Musik, Nürnberg 1970, S. 54ff.

Weblink[Bearbeiten]