Seilspringen

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Seilspringen ist eine Sportart, bei der ein Seil verwendet wird, durch das der Seilspringer kunstvoll oder möglichst schnell hindurch springt. Einst als Kinderspiel bekannt, hat sich das Seilspringen mittlerweile zu einer Wettkampfsportart entwickelt. Dazu ist in Deutschland vor allem die englische Bezeichnung Rope Skipping geläufig. Auch für Disziplinen, Sprünge, Seiltypen und Kommandos sind englische Bezeichnungen üblich. Seilspringen ist nicht nur als einzelne Sportart bekannt, sondern ist gleichzeitig auch Element verschiedener Fitnesssportarten, wie zum Beispiel CrossFit.

Geschichte[Bearbeiten]

Seilspringen um 1800

Die Geschichte des Seilspringens ist nicht vollständig bekannt. Vermutlich wurde es im 17. Jahrhundert durch holländische Auswanderer nach Amerika exportiert. Dort überlebte es, wie in Europa, als Kinderspiel auf Schulhöfen und Straßen.

Eine Initiative der American Heart Association brachte dem Seilspringen später in den USA neuen Aufschwung.

Der deutsche Choreograph und Pädagoge Rainer Pawelke stellte 1980 das Seilspringen innerhalb eines Sporttheaterprojektes als Bühnenshow an der Universität Regensburg vor, an der er als Dozent in der Sportlehrerausbildung tätig war. In der Folgezeit machte er das Seilspringen als Gruppenchoreographie in mehreren Deutschlandtourneen und in Fernsehsendungen bekannt. Pawelke veröffentlichte 1993 in Zusammenarbeit mit der AOK die erste bekannte offizielle Seilsprung-Broschüre.

Unabhängig davon brachte Anfang der 1980er Jahre der deutsche Sportlehrer Wolfgang Westrich mit seinem Team, den "Rusty Jumpers", die bis heute noch bestehen, die Sportart im Rahmen eines Schüleraustausches von Amerika nach Deutschland.

1994 brachte der Deutsche Turner-Bund (DTB) mit Unterstützung der Deutschen Herzstiftung erstmals eine Broschüre zum Thema Seilspringen heraus. Seitdem wird Seilspringen in vielen Turn- und Sportvereinen als Wettkampf- oder Freizeitsport angeboten. Außerdem bieten auch Fitnessstudios Seilsprungkurse an, und in vielen Kampfsportarten, wie zum Beispiel Boxen, wird zum Aufwärmen und als Ausdauertraining seilgesprungen.

Mittlerweile haben sich die Vorzüge des Seilspringens als Training für Kondition, Koordination und Schnellkraft in fast allen Sportarten durchgesetzt. 2012 brachte Thomas Käbisch, der Erfinder von PROspeedrope, das Springseil-Kursformat speedrobic und Seilspring-Workshops verschiedener Level heraus. Seit 2013 ist Seilspringen auch Disziplin für ein Deutsches Sportabzeichen.

Disziplinen[Bearbeiten]

Die Disziplinen im Seilspringen lassen sich grob in die folgenden drei Kategorien einteilen.

Einzelspringen[Bearbeiten]

Beim Einzelspringen (englisch single rope) hat jeder einzelne Springer ein einzelnes Speedseil, Gliederseil oder ein Kunststoffseil. Diese Seile sind unterschiedlich lang. Außer dem normalen beidbeinigem Springen (easy jump) und dem Laufschritt sind Mehrfachdurchschläge und eine große Zahl verschiedener Tricksprünge möglich. Besonders diese Mehrfachsprünge sind bekannt durch diverse Fitnesssportarten, und werden oft als "Double-Unders" bezeichnet.

Wheel[Bearbeiten]

Beim Wheel (Rad) bilden mehrere Springer eine Kette, indem sie je einen Griff ihres Gliederseils an den linken und rechten Nachbarn weitergeben. Im Springen lassen sich Tricks wie Drehungen oder Platzwechsel realisieren.

Double Dutch[Bearbeiten]

Beim Double Dutch (Kauderwelsch) schlagen zwei gegenüberstehende Schwinger zwei Seile in Gegenrichtung. In der Mitte können ein oder mehrere Springer verschiedene Tricks und Stunts ausführen und auch Schwingertricks sind möglich.

Seiltypen[Bearbeiten]

Im Seilspringen gibt es hauptsächlich drei Seiltypen, die jeweils für bestimmte Disziplinen vorgesehen sind.

Schnellseil aus Edelstahldraht
Schnellseil aus Kunststoff

Speed Rope[Bearbeiten]

Der Seiltyp Speed Rope (Einzelseil) besteht im Gegensatz zu den traditionellen Hanfseilen aus Kunststoffvollmaterial. An beiden Enden ist das Kunststoffseil durch einen Hohlgriff geführt. Dadurch kann sich das Seil leichter drehen und das Seil kann schneller und mit weniger Kraftaufwand rotieren. Dieses Seil wird hauptsächlich für einfache Übungen, beispielsweise zur Erwärmung, und teilweise für die Schnelldisziplinen verwendet.

Für die Disziplin Speed benutzen die meisten erfahrenen Springer ein Drahtseil, mit dem sie noch schneller springen können, da das Seil schwerer ist, seine Form behält und die Griffe so konstruiert sind, dass sie das Seil leichter rotieren lassen.

Schnellseil mit Kugellager

Es gibt noch schnellere Varianten dieses Seils, die beispielsweise Griffe mit Kugellagern besitzen.

Long Handle[Bearbeiten]

Das Long Handle (Langgriffseil) hat längere Griffe, die das Springen der meisten Sprünge, vor allem von Arm- und Beinkombinationen erleichtern, weshalb es von den meisten Springern beim Freestyle genutzt wird. Long handles verwenden die fortgeschrittene Springer nach dem Speed Rope.

Gliederseil

Beaded Rope[Bearbeiten]

Beim Beaded Rope (Gliederseil) sind Kunststoffröllchen auf einer Nylonschnur, ähnlich wie Perlen einer Perlenkette, aufgefädelt. Dadurch hat das Seil, im Vergleich zu einfachen Kunststoffseilen, eine stabilere Flugbahn und ist daher besonders gut geeignet für akrobatische Sprünge und das Wheelspringen. Die Gliederketten sind schwerer als die der normalen Seile und deshalb langsamer. Auch wird es oft für Showauftritte wegen der speziellen Optik verwendet.

Schwungseil

Long Rope[Bearbeiten]

Der Ausdruck Long Rope bezeichnet Seile, die wie Bergsteigerseile gewoben sind, von etwa einem Zentimeter Durchmesser. Meist werden sie paarweise von drei bis fünf Metern Länge für das Double Dutch verwendet.

Wettkämpfe[Bearbeiten]

Im Seilspringen gibt es sowohl Einzel- als auch Mannschaftswettkämpfe. Sie werden in die Schwierigkeitsstufen C (Einsteiger), B (Fortgeschrittene) und A (Profis) aufgeteilt. Die Einzelwettkämpfe bestehen in Deutschland aus drei Speed-Disziplinen und einem Freestyle.

An Mannschaftswettkämpfen müssen mindestens vier bis sechs Springer teilnehmen. Diese Wettkämpfe beinhalten jeweils zwei Speed-Disziplinen und vier Freestyle-Disziplinen, wobei die Sprungformen Einzelspringen und Doppelschlag zu gleichen Teilen vertreten sind.

Freestyle[Bearbeiten]

Als Freestyle (deutsch: „Freistil“) wird eine Kür bezeichnet, die mit Musik gesprungen wird. Jeder Springer oder jede Mannschaft stellt dabei eine individuelle Folge von Sprüngen zusammen. Üblicherweise darf die Vorführung maximal 1:15 Minuten dauern. Ein Kampfgericht bewertet sowohl die Schwierigkeit der einzelnen Sprünge (Level-Wertung), als auch die Kreativität der Zusammenstellung und die technische Ausführung. Bei der Level-Wertung werden zwischen 0 und 4 Level unterschieden. Level 0 sind Sprünge, die nur im Fußbereich gesprungen werden (z. B. Side Straddle; dabei werden die Beine abwechselnd gegrätscht). Level 1 sind Sprünge, bei denen sich die Armhaltung verändert (z. B. Criss Cross, Kreuzen der Arme). Ein Sprung der Level-2-Bewertung ist beispielsweise der Double Under Cross, bei dem der Springer einmal hoch springt und das Seil zweimal unter sich hindurch schwingt. Beim zweiten Schwung kreuzt er die Arme wie beim Überkreuz. Die Level-3-Sprünge umfassen Arm- und Beinkombinationen, wie zum Beispiel den Toadsprung oder Brezel. Auf Level 4 gibt es beispielsweise den Quadruple Under (Vierfachdurchschlag), höhere Mehrfachdurchschläge (fünffach, sechsfach) oder andere kompliziertere Triples.

Speeddisziplinen[Bearbeiten]

In den Speeddisziplinen (Schnelligkeitsdisziplinen) geht es darum, in einer vorgegebenen Zeit eine möglichst große Zahl einer vorgegebenen Art zu springen. Die Anzahl der Sprünge wird von einem Kampfgericht gezählt. Friederike Müller sprang 2006, Daniel Stannard 2010 in 30 Sekunden Speed 94 Sprünge.[1] Hierbei ist zu erwähnen, dass nur jedes Aufkommen des rechten Fußes gezählt wird, also es sich insgesamt um 188 Seildurchschläge handelt. Auch im Double Dutch gibt es Speeddisziplinen. Hier ist das Prinzip ähnlich, wobei hier meist auch noch Springer-Schwinger-Wechsel durchgeführt werden.

Show[Bearbeiten]

Ähnlich wie Akrobatik oder verschiedene Tanzstile wird Rope Skipping aufgrund seiner Vielseitigkeit und Neuartigkeit oft auch als Showsportart genutzt. Hierbei kreieren Teams zu Musik Abläufe verschiedener Sprungvarianten, mit denen sie das Publikum begeistern wollen. Im Wettkampfbereich gibt es neben den üblichen oben beschriebenen Wettkämpfen auch Show-Wettkämpfe, bei denen es nicht nur um Schwierigkeit und Anspruch, sondern auch um die beste Show geht. Eine weitere Variante ist ziemlich neu. Der Springer sitzt auf dem Boden, ohne dass die Füße den Boden berühren. Es wird dann der Körper angehoben und das Seil unter dem Körper durchgezogen. Am Samstag, den 2. November 2013 schaffte die 20-jährige Anika Stuhr in der Sendung »Deutsche Meister 2013«, in 60 Sekunden das Seil 132-mal unter ihrem Körper durchzuziehen. Damit erreichte sie einen europäischen Rekord.

Organisationen[Bearbeiten]

In Deutschland gehört Seilspringen organisatorisch zum Turnen und damit zum Deutschen Turner-Bund (DTB). Dort wurde 2004 ein technisches Komitee für Seilspringen eingerichtet. Die Vorsitzende dieses Komitees heißt Signe Richter, die Rope Skipping in Deutschland etablierte. Das Gremium ist unter anderem für die Durchführung der Deutschen Meisterschaften, die Erarbeitung von Wettkampfvorschriften sowie die Aus- und Fortbildung von Kampfrichtern und Trainern verantwortlich.

In der Schweiz ist der SATUS Schweiz der offizielle Fachverband für Seilspringen. In Österreich ist der Österreichische Fachverband für Turnen (ÖFT) zuständig. Der europäische Verband für Seilspringen ist die European Rope Skipping Organisation (ERSO). Der Weltverband ist die International Rope Skipping Federation - Fédération internationale de saut à la corde (IRSF-FISAC).

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Übersicht deutsche Einzelrekorde auf crazyskippies abgerufen am 31. Dezember 2012

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Jump ropes – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien