Seine

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Siehe auch: Département Seine bzw. Seine River.
Seine
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Verlauf und Einzugsgebiet der Seine

Verlauf und Einzugsgebiet der Seine

Daten
Gewässerkennzahl FR----0010
Lage Frankreich
Flusssystem Seine
Quelle auf dem Plateau von Langres im Gemeindegebiet von Source-Seine
47° 29′ 11″ N, 4° 43′ 0″ O47.4863888888894.7166666666667470
Quellhöhe ca. 470 m[1]
Mündung Bei Le Havre in den Ärmelkanal49.4266666666670.102222222222220Koordinaten: 49° 25′ 36″ N, 0° 6′ 8″ O
49° 25′ 36″ N, 0° 6′ 8″ O49.4266666666670.102222222222220
Mündungshöhe m[1]
Höhenunterschied ca. 470 m
Länge 777 km[2]
Einzugsgebiet 79.000 km²[3]
Abfluss am Pegel Le Havre[3] MQ
560 m³/s
Großstädte Paris, Rouen, Le Havre
Mittelstädte Troyes, Melun, Mantes-la-Jolie, Vernon
Schiffbar von der Mündung bis Nogent-sur-Seine

Die Seine [sɛn] (lateinisch/keltisch Sequana) ist ein Fluss in Nord-Frankreich. Sie entspringt in Burgund, fließt von Osten nach Westen und mündet bei Le Havre in den Ärmelkanal. Mit 777 Kilometern[2] Länge ist sie neben der Loire (1004 Kilometer) und den ineinander übergehenden Flussverläufen von Doubs, Saône und Rhône (insgesamt 1025 Kilometer) einer der längsten Flüsse Frankreichs. Das Einzugsgebiet der Seine umfasst etwa 78.650 km².

Wichtige Städte an der Seine sind Paris, Troyes und Rouen. In Paris und Rouen befinden sich die wichtigsten Binnenhäfen Frankreichs. Über Kanäle ist die Seine mit Schelde, Maas, Rhein, Saône und Loire verbunden. Am Unterlauf des Flusses im Gebiet der Normandie haben sich für einen Fluss dieser Wasserführung außergewöhnlich große Talschleifen gebildet. Die schiffbare Länge (bis Nogent-sur-Seine) beträgt 560 km. Seeschiffe können den Fluss bis Rouen (120 km im Landesinneren) befahren.

Die Uferpromenade der Seine in Paris steht in der Liste des Weltkulturerbes der UNESCO.

Nebenflüsse[Bearbeiten]

Linke Nebenflüsse:

Rechte Nebenflüsse:

Quellen der Seine[Bearbeiten]

Künstliche Quellgrotte der Seine

Die Quelle der Seine liegt auf dem Plateau von Langres, 30 km nordwestlich von Dijon im Département Côte-d’Or im Burgund, 470 m über dem Meeresspiegel. Eine Besonderheit ist, dass die Quellen der Seine seit 1864 Eigentum der Stadt Paris sind. Eine künstliche Grotte wurde ein Jahr später errichtet, um die Hauptquelle zu schützen, und die Statue einer Nymphe aufgestellt, die den Fluss symbolisieren soll. Die Hauptstadt hat mittlerweile das Interesse an der Parzelle verloren und sie an die Region Burgund zurückgegeben. Nahe der Quelle befinden sich Überreste eines gallo-römischen Tempels, in dem eine Dea Sequana (lateinisch Göttin der Seine) verehrt wurde und dessen archäologischen Funde sich heute im Archäologischen Museum von Dijon befinden.

Sisley: L’automne: Bords de la Seine près de Bougival (Herbst: die Ufer der Seine nahe Bougival), 1873
Île de la Cité mit der Hauptkirche Notre Dame
Die Seine nahe La Défense
Seine in Paris. Blick von der Brücke Pont Neuf

Das Tal der Seine[Bearbeiten]

Das Seinetal mit seinem geringen Gefälle und den vielen Mäandern ist bekannt für seine zahlreichen Schlösser („Seineschlösser“), aber auch die dort vorhandene Automobilindustrie, Petrochemie und mehrere Kraftwerke.

Blick von der Seine auf die Île des Impressionnistes
Die Seine in Paris (Blick vom Eiffelturm)

Inseln in der Seine[Bearbeiten]

Inseln im Flusslauf sind innerhalb von Paris Île Saint-Louis, Île de la Cité (und deren Kristallisationskern) und Île aux Cygnes, weiter flussabwärts Île Saint-Germain, Île Seguin (mit dem Renault-Werk von 1919 bis 1992), Île de la Jatte bei Neuilly-sur-Seine, Île Saint-Denis (mit der Gemeinde L'Île-Saint-Denis), Île des Impressionnistes (oder Île de Chatou), Île aux Dames, Île l’Aumône.

Wasserwirtschaft und Ökologie[Bearbeiten]

Oberflächenwasser der Seine wird für die Pariser Wasserversorgung verwendet. Die Abwässer des Großraums Paris werden nach ihrer Reinigung der Seine zugeführt und fließen über Rouen und Le Havre in den Ärmelkanal. Die Seine ist im Winter braun, da sie 400 km lang an landwirtschaftlichen Nutzflächen vorbeiführt. Im Sommer wird sie durch Algen grün gefärbt. Bis Mitte des 19. Jahrhunderts wurden die Pariser Abwässer noch ungeklärt in den Fluss geleitet. Ab etwa 1850 wurden sie in Abwässerkanälen aus der Stadt herausgeführt und seineabwärts in den Fluss geleitet. Danach ging man dazu über, die Abwässer nicht direkt in die Seine zu leiten, sondern zur Düngung von Äckern zu verwenden. Kläranlagen baute man ab Mitte des 20. Jahrhunderts. Im Vergleich zu 1850, als die Seine eine stinkende Kloake war, hat sich die Wasserqualität deutlich verbessert. Heute leben in der Seine wieder 33 Fischarten, darunter Lachse und Forellen.[4]

Mündungsgebiet[Bearbeiten]

Die Pont de Normandie an der Seinemündung
Karte der Seinemündung um 1875

Drei große Brücken überspannen das breite Flusstal im Mündungsbereich: Die Brotonne-Brücke, die Brücke von Tancarville und der Pont de Normandie. Letztere war zeitweilig die längste Brücke Europas. Die Seine mündet zwischen Le Havre und Honfleur und bildet ab Tancarville ein langgezogenenes Ästuar. Dieses wird von der Pont de Normandie überspannt. 1997 wurde ein 8.528 ha großes Gebiet unter Naturschutz gestellt. Schilfgebiete, Dünen, Sandbänke und Feuchtwiesen bieten Lebensraum für über 250 verschiedenen Vogelarten. Ein Informationszentrum am nördlichen Brückenkopf bietet Naturkundliches zum Naturschutzgebiet und eine Beobachtungsstation.

Geschichte[Bearbeiten]

Nach ihrer Hinrichtung 1431 auf dem Scheiterhaufen in Rouen wurde die Asche von Jeanne d’Arc in die Seine gestreut, um einem Reliquienkult vorzubeugen. 1790 ertränkte sich der tschechische Komponist Jean-Baptiste Krumpholz in der Seine, da er zuvor von seiner Frau Anne-Marie (1755–1824) für den böhmischen Komponisten Jan Ladislav Dusík verlassen wurde.

Seine war auch der Name eines französischen Départements, das 1968 in vier Départements aufgeteilt wurde: Paris (75), Hauts-de-Seine (92), Seine-Saint-Denis (93) und Val-de-Marne (94). Die Ordnungszahl 75, die zum Département Seine gehörte, blieb dabei Paris erhalten, wodurch die bisherige alphabetische Reihenfolge der Départements allerdings verletzt wurde.

Nach strengen Wintern in den Jahren 1197, 1325/26, 1708/09 kam es zu Hochwasser in Paris, bei dem Brücken weggerissen wurden und Pestepidemien ausbrachen. Die letzten schweren Überschwemmungen ereigneten sich im Januar 1910, damals standen in Paris zwölf der 20 Arrondissements sechs Wochen lang unter Hochwasser.[5]

Die Seine in der Kunst[Bearbeiten]

Gegenstand von Gemälden
zum Beispiel von Frédéric Bazille, Maurice Boitel, Richard Parkes Bonington, Eugène Boudin, Gustave Caillebotte, Camille Corot, Charles-François Daubigny, Raoul Dufy, Émile Othon Friesz, Eugène Isabey, Johan Barthold Jongkind, Joseph Mallord, Albert Marquet, Claude Monet, Robert Antoine Pinchon, Nicolas Raguenet, Emilio Grau Sala, Gaston Sébire, Alfred Sisley, Georges Seurat, Constant Troyon, William Turner, Édouard Vuillard oder Vallotton.
Statue
der Seine auf der Pont du Carrousel
Chanson
von Jacques Charpentrau: Le Front de Seine. „La Seine a mal au front/ Ah! Ce n'est pas de veine/ Il lui vient des bétons/ De Javel à Grenelle/ C'est comme une éruption/ Une fièvre malsaine …“[6]
Filme
Reisewege Frankreich: Das Lied der Seine. Dokumentation, zwei Teile, 90 Min. Ein Film von Georg Bense, Produktion: SR, Erstsendungen: 29. November 2006 und 6. Dezember 2006 (Inhaltsangabe des SR)

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Jean Aubert: La vie des bords de Seine. Éditions Horvath: Le Coteau (Loire) 1986 ISBN 978-2-7171-0414-1 (französisch)
  • François Beaudouin: Paris-sur-Seine, ville fluviale. Éditions de la Martinière, 1993 ISBN 978-2-7324-2035-6 (französisch)
François Beaudouin war der Gründer des Musée de la batellerie in Conflans-Sainte-Honorine und bis 1994 dortiger Konservator.
  • Conseil général des Ponts et Chaussées (Hrsg.): L'estuaire de la Seine. Oktober 2004, 63 S. (französisch)
  • Martine Delahaye: Les enfants du fleuve, la Seine au 20e siècle – Récits, Nanterre. Martine Delahaye, 2001, 233 S. (französisch)
  • Christian Dupavillon: Paris côté Seine. Le Seuil: Paris 2001, 383 S. ISBN 978-2-02-051688-4 (französisch)
  • Antoine Hoareau: Au pays des sources de la Seine. Cléa Micro-édition, 2010, 80 S. ISBN 978-2-913835-99-3 (französisch)
  • Bernard Jacomin: Les Sources de la Seine. Yvelinédition, 2006 ISBN 978-2-84668-049-3 (französisch)
  • Simon Lacordaire: Les inconnus de la Seine, Paris et les métiers de l'eau du XIIe au XIXe siècle. Hachette: Paris 1985, 306 S. ISBN 978-2-01-009763-8 (französisch)
  • Charlotte Lacour-Veyranne: Les colères de la Seine. Éditions Paris-Musées, 1994 ISBN 978-2-87900-191-3 (französisch)
  • François Lespinasse: La Seine vue par les peintres. Édita SA: Lausanne 1993, 139 S. ISBN 978-2-88001-286-1 (französisch)
Seurat: Un dimanche après-midi à l’île de la Grande Jatte (Sonntagnachmittag auf der …)

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Seine – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b geoportail.fr (1:16.000)
  2. a b Die Angaben zur Flusslänge beruhen auf den Informationen über die Seine auf sandre.eaufrance.fr (französisch), abgerufen am 30. Juli 2009, gerundet auf volle Kilometer.
  3. a b hydro.eaufrance.fr (Station: H9950010, Option: Synthèse).
  4. FAQ der SIAAP.
  5. Willms, Johannes: Als Paris Venedig glich, Die Hauptstadt der Moderne im Bann der „grande crue“: Erinnerungen an ein Jahrhunderthochwasser in Süddeutsche Zeitung vom 26. Januar 2010.
  6. Stoppel, Karl (Hrsg.): La France. Regards sur un pays voisin, Reclams Universal-Bibliothek, Nr. 9068, S. 68.