Sektoralkreis

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Sektoralkreise (rot) um Berlin und Bremen; als Pendants die Kragenkreise um München und Kassel (blau), die jeweils nahezu den gesamten Speckgürtel umfassen

Ein Sektoralkreis ist ein Landkreis, der sich vom Speckgürtel einer Metropole bis weit in strukturschwaches Hinterland ausdehnt. Am konsequentesten wurde das Konzept der Sektoralkreise im Land Brandenburg umgesetzt,[1] wo acht Landkreise direkt an die Stadt Berlin grenzen und sich schlauchförmig ins strukturschwache Hinterland erstrecken und dabei annähernd einen geometrischen Sektor bilden, wobei sieben Landkreise bis an die brandenburgische Außengrenze reichen.

Das Gegenstück zu einem Sektoralkreis ist der Kragenkreis, also ein Landkreis, der wie ein „Kragen“ die Metropole umschließt und daher den kompletten oder den unmittelbaren Teil des Speckgürtels einer Metropole enthält, wie zum Beispiel der Landkreis München in Bayern oder der Landkreis Kassel in Hessen. Bis zur Gebietsreform von 1973 gab es solche Kragenkreise auch in Nordrhein-Westfalen, wie unter anderem die Kreise Bielefeld oder Herford sowie der Landkreis Zwickauer Land und der Vogtlandkreis vor der Kreisreform Sachsen 2008.

Die zugrunde liegende Idee für einen Sektoralkreis ist, dass durch das Sektoralkreisprinzip der jeweilige Landkreis sowohl prosperierende Regionen als auch infrastrukturschwache Bereiche auf seinem Gebiet hat und so finanziell dennoch auf eigenen Füßen stehen kann. Durch den Sitz der Kreisverwaltung im äußeren, strukturschwachen Bereich sollen wirtschaftliche Impulse in die benachteiligten Bereiche erwirkt werden. Ziel ist, einen Teil der Wertschöpfung der Metropole in das periphere Hinterland des Flächenlandes zu transferieren.

Sektoralkreise gibt es:

  • In Brandenburg in Bezug auf die Metropole Berlin (acht Kreise)
  • In Niedersachsen um das Oberzentrum Bremen (fünf Kreise)
  • In Schleswig-Holstein um die Metropole Hamburg (vier Kreise)
  • In Bayern ferner betrachtet um die Stadt und den Landkreis München zusammengenommen (neun Kreise).

Mehr als drei Landkreise um eine Großstadt gibt es auch in Hessen um Frankfurt am Main und in Baden-Württemberg um Stuttgart, wobei diese nicht alle so starke Strukturunterschiede haben.

In Niedersachsen wurde in Bezug auf Bremen das Sektoralkreisprinzip angewendet, in Bezug auf die Landeshauptstadt Hannover mit der Schaffung der Region Hannover, die ein Ergebnis der Vereinigung des ehemaligen Kragenkreises Hannover mit der kreisfreien Stadt Hannover darstellt, jedoch in gewisser Weise eher eine modifizierte Form des Kragenkreises.

Neben beschriebenen Vorteilen hat das Sektoralkreisprinzip aber auch entscheidende Schwächen. So wird die Koordinierung zwischen der Metropole und dem Umland, z. B. hinsichtlich der Ausweisung von Industriegebieten, Bau von Straßen, usw., erschwert, da die Metropole solche Abstimmungen nicht nur mit einem Kragen-Landkreis, sondern einer Großzahl von Kreisverwaltungen durchführen muss, die ihrerseits jeweils ihre Partikularinteressen durchzusetzen wünschen.

Das Sektoralkreisprinzip liegt ausschließlich im Interesse des Flächenlandes. Bezeichnenderweise wurden Sektoralkreise in Flächenländern vor allem um Metropolen geschaffen, die nicht zum betreffenden Bundesland gehören, das Flächenland also kein, bzw. kein unmittelbares, Interesse an der wirtschaftlichen Prosperität der Metropole hat. Gehört die Metropole indes selbst zum Flächenland, ist der Vorteil für die Metropole auch ein Vorteil für das Land selbst. Tendenziell gibt es in solchen Fällen daher eher Kragenkreise oder neuerlich die modifizierte Form der Regionen, d. h. Regionalkreise. Sehr augenscheinlich wird dieses am Beispiel von Niedersachsen, wo einerseits um Bremen Sektoralkreise geschaffen wurden, andererseits um Hannover, bzw. mit der Region Hannover das entgegengesetzte Modell favorisiert wurde.

In Österreich existieren im Norden der Hauptstadt Wien als Sektoralkreise die Gebietskörperschaften Bezirk Gänserndorf, Bezirk Korneuburg und Bezirk Mistelbach, während im Süden mit dem Bezirk Wien-Umgebung und Bezirk Mödling Kragenkreise bestehen.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bewertung der Kreisreform in Brandenburg (PDF; 193 kB)