Selbstfahrlafette

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Britischer Gun Carrier Mark I (60 pdr) von 1917
Deutsche Panzerhaubitze 2000

Eine Selbstfahrlafette ist eine Lafette, die mit integriertem Motor auf einem Rad- oder Kettenfahrgestell autonom beweglich ist. Meist ist zumindest der Motor- und Fahrerbereich gepanzert. Waffensysteme auf Selbstfahrlafette sind somit gegenüber herkömmlich lafettierten unabhängig von Zugfahrzeugen wie Lastkraftwagen und Zugmaschinen oder Zugtieren wie Pferden und Maultieren.

Eine Selbstfahrlafette auf Kettenfahrgestell mit einem guten Splitterschutz oder gar Panzerung und einer in einem Turm gelagerten Artilleriewaffe wird als Panzerhaubitze der Panzerartillerie bezeichnet.[1]

Feldartillerie benötigte früher wie bei der FH155-1 für den Landmarsch ein Zugfahrzeug, auch wenn sie für den selbständigen Stellungswechsel mit einem Hilfsmotor ausgestattet war. Die zur Feldartillerie zählende Gebirgsartillerie war wie die Gebirgshaubitze Modell 56 in Einzellasten auf Tragtiere verladbar. Heute ist Feldartillerie häufig mit geschützten wie das Artilleriesystem ARCHER oder ungeschützten wie die französische Camion Equipé d’un Système d’Artillerie Selbstfahrlafetten auf Radfahrgestellen ausgestattet. Diese sind kostengünstiger, auf Grund des geringeren Gewichts lufttransportfähig und belasten im Einsatzraum nicht die Verkehrsinfrastruktur durch Fahrschäden wie Panzerfahrgestelle.

Geschichte[Bearbeiten]

Diese Waffenart wurde bereits im Ersten Weltkrieg entwickelt (vor allem von der französischen Armee) und kam im Zweiten Weltkrieg in größerem Umfang zum Einsatz. Die Rote Armee setzte die Marine-Selbstfahrlafette SU-100Y im Winterkrieg 1939/1940 ein. Es gab sowohl Lafetten mit fest montiertem Geschütz als auch solche, bei denen die Waffe auf den Boden abgesetzt wurde wie bei der deutschen Heuschrecke der Wehrmacht oder wie bei der Bundeswehr als Geräteträger wie beim Geräteträger gl (4×4) Faun GT 8/15 mit der leichten Feldhaubitze 105 mm.

Für die bewegliche Panzerabwehr wurden seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges vermehrt Jagdpanzer eingesetzt. Die unmittelbare Feuerunterstützung der Infanterie, die beginnend ab dem Zweiten Weltkrieg mechanisiert wurde, ging von Sturmgeschützen, die meist nur im direkten Schuss Feindkräfte bekämpften, besonders in der Zeit danach auf Panzerhaubitzen über, die die gleiche Wirkung im indirekten Schuss auf größere Entfernung erzielten, sich aber außerhalb der Reichweite feindlicher Panzer und Infanterie befanden.

Bei der Bundeswehr wurde in den ersten Jahrzehnten noch bei der Divisions- und Korpsartillerie die US-amerikanische M107, M110 eingesetzt. Als Erstausstattung mit Panzerhaubitzen diente die M7 Priest. Die Panzerhaubitze M109 folgte in den 1960er Jahren. Sie wurde durch die Panzerhaubitze 2000 ersetzt.

Beispiele für auf Selbstfahrlafetten beweglich gemachte schwere Raketenartillerie war während des Kalten Krieges die SS-20 oder die MGM-31 Pershing.[2]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Waffentechnisches Taschenbuch, Rheinmetall, 5.Auflage, 1980, Seite 366
  2. Soll Abschreckung wirken... in der ZEIT Nr. 33, vom 7. August 1981