Selbstverbrennung

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Dieser Artikel behandelt eine Form des Selbstmordes; zum Mythos der Entflammung von Menschen ohne erkennbare Ursache siehe Spontane menschliche Selbstentzündung.
Ryszard Siwiec während der Selbstverbrennung

Selbstverbrennung ist eine Form des Suizids bzw. Suizidversuchs, bei der ein Mensch seinen eigenen Körper mit einem Brandbeschleuniger, beispielsweise Benzin, begießt und sich anzündet. Bei zahlreichen Selbstverbrennungen spielt eine psychische Krankheit eine Rolle, oftmals finden diese nicht in der Öffentlichkeit statt. Eine öffentliche Selbstverbrennung hingegen hat häufig zum Ziel, gegen einen Sachverhalt zu protestieren, zum Beispiel gegen die Besetzung eines Staates oder gegen Unterdrückung. Die Qual der Selbstverbrennung wird dabei der Qual des empfundenen Unrechts, sei es materiell, politisch oder emotional, entgegengestellt. Außerdem ist die qualvolle Selbsttötung geeignet, starke Emotionen zu wecken und dadurch die Eindringlichkeit der beabsichtigten Botschaft zu erhöhen.

Selbstverbrennung als Suizid[Bearbeiten]

Die Selbstverbrennung ist eine extrem schmerzhafte und nicht unbedingt erfolgversprechende Suizidmethode, da diese durch Umstehende häufig vereitelt wird. Verbrennungspatienten bleiben während des Brandes sehr lange bei Bewusstsein und erleben dadurch die Schmerzen sehr intensiv. Die Furcht vor diesen Schmerzen ist es auch, die dazu führt, dass manche Opfer von Hochhausbränden einen Sprung in den sicheren Tod dem Verbrennen bei lebendigem Leib vorziehen. Die moderne Medizin kann vielen Schwerstverbrannten das Leben erhalten; oft ist eine spätere Entlassung aus dem Krankenhaus möglich, allerdings meist mit schweren Behinderungen und Entstellungen.

Selbstverbrennung als Protest[Bearbeiten]

Die Geschichte der Selbstverbrennung als Protest beginnt mit dem berühmten Fall von Thích Quảng Đức, der sich 1963 selbst tötete, um gegen die Diskriminierung von Buddhisten unter dem Präsidenten Ngô Đình Diệm in Südvietnam zu protestieren. Die intensive Berichterstattung über Đứcs Flammentod und die weltweite Aufmerksamkeit, die ihm zukam, sorgten dafür, dass sich diese Praxis als Form des politischen Protests etablieren konnte. Nach Đứcs Tod kam es schon bald zu weiteren Selbstanzündungen in Vietnam, den USA und anderen Ländern. Anfänglich waren die meisten Fälle gegen die Außenpolitik der Vereinigten Staaten gerichtet. Durch die Selbstverbrennung des tschechoslowakischen Studenten Jan Palach im Jahre 1969 breitete sich diese Praxis auch auf die Staaten des Warschauer Paktes aus. Bis heute haben Selbstverbrennungen in dutzenden Ländern stattgefunden, wobei die verschiedensten politischen Anliegen damit verbunden werden. Eine soziologische Studie zählte 533 Fälle zwischen 1963 und 2002, wobei hier auch Protestsuizide mit eingeschlossen wurden, die durch andere Methoden, wie z.B. Erhängen oder Erschießen, vollzogen wurden.[1] Auf der Basis derselben Definition zählte eine weitere Erhebung 298 Fälle von 2003 bis 2010, mit Rekordzahlen von 102 und 104 in den Jahren 2009 und 2010.[2] Dabei können Selbstverbrennungen in drei verschiedenen Formen auftreten: als isolierte Einzelfälle, als Serien mit Unterbrechungen von mehreren Jahren oder Monaten (so z.B. bei der Kurdistan-Bewegung), oder als Wellen, bei denen sich eine Vielzahl von Menschen für dasselbe politische Ziel tötet und zwischen den Fällen nicht mehr als ein Monat vergeht (so z.B. bei den Konflikten um Tibet oder Telangana).[3]

Selbstverbrennungen sind häufig öffentlich, dramatisch und eine Reaktion auf soziale und politische Konflikte. Daher werden sie für die Medien zu einem berichtenswerten Ereignis. Sie können als eine Form des altruistischen Suizids für einen kollektiven Zweck betrachtet werden. Im Gegensatz zu Selbstmordattentaten zielen sie im Normalfall nicht darauf ab, eine andere Person zu verletzen oder zu töten. Selbstanzündungen bekommen Aufmerksamkeit und werden aufgrund des besonders schmerzhaften Feuertods häufig als Martyrium betrachtet. Das Anliegen einer Selbstverbrennung wird häufig in einer Abschiedsnachricht ausgedrückt, die meist schriftlich verfasst wird. Durch ihre politischen Forderungen und Appelle sowie die Sichtweise auf den eigenen Tod unterscheiden sich diese Nachrichten stark von den Abschiedsbriefen nicht-politischer Suizide. Oft verfolgen sie eine komplexe politische Strategie, wie etwa in den Briefen von Jan Palach oder Artin Penik ersichtlich wird.[4]

Öffentliche Selbstverbrennungen in der Geschichte[Bearbeiten]

Fälle in Asien[Bearbeiten]

  • Bekannt ist die traditionelle, religiös erlaubte Witwenselbstverbrennung (Sati) vor allem in Indien.
  • Während des Großen Schismas der Russischen Kirche verbrannten sich Altgläubige in einer als „Feuertaufe“ bekannt gewordenen Aktion.
  • Am 11. Juni 1963 verbrannte sich der vietnamesische Mönch Thích Quảng Đức in Saigon selbst, um so gegen die Unterdrückung der Buddhisten in Südvietnam durch Präsident Ngô Đình Diệm zu protestieren.
  • Aus Protest gegen die Einführung von Hindi als indische Amtssprache entzündete sich der 27-jährige Chinnasamy am 27. Januar 1964 im Bundesstaat Tamil Nadu.[5]
  • Seit April 1998 zündeten sich 116 Tibeter und 22 Tibeterinnen aus Protest gegen die chinesische Politik und Unterdrückung Tibets an. 116 von ihnen starben.[6][7]
  • Am 29. Januar 2009 verbrannte sich der Journalist Muthukumar in der indischen Stadt Chennai, um auf das Leiden der Tamilen durch den Bürgerkrieg in Sri Lanka aufmerksam zu machen.
  • Aus ähnlichen Beweggründen setzte sich Murukathasan am 12. Februar 2009 vor dem Büro der Vereinten Nationen in Genf in Flammen. Bis April 2009 kam es zu insgesamt 22 (versuchten) Selbstverbrennungen aus diesem Motiv in Indien, der Schweiz, Großbritannien und Malaysia.[8]
  • Am 29. November 2009 verbrannte sich der Student Srikanth im indischen Hyderabad, um für die Teilung von Andhra Pradesh und die Neugründung des Bundesstaates Telangana zu protestieren. Bis August 2010 folgten mindest hundert Fälle von Protestsuiziden,[9] die bis Dezember 2012 andauerten.
  • Am 30. Juli 2012 zündete sich die 64-jährige Đặng Thị Kim Liêng, die Mutter der 46-jährigen vietnamesischen Bloggerin Tạ Phong Tần, vor den örtlichen Behörden ihrer Heimatprovinz Bạc Liêu aus Protest gegen die Inhaftierung ihrer regierungskritischen Tochter und das kommunistische vietnamesische Regime selbst an. Auf dem Weg zum Krankenhaus erlag sie ihren schweren Verletzungen, berichtete ein befreundeter katholischer Priester.[10]

Fälle in Deutschland[Bearbeiten]

  • Am 18. August 1976 verbrannte sich in Zeitz Pfarrer Oskar Brüsewitz aus Protest gegen die politischen Verhältnisse in der damaligen DDR.
  • Am 16. November 1977 verbrannte sich der Tübinger Lehrer Hartmut Gründler in Hamburg während des SPD-Parteitages aus Protest gegen die „fortgesetzte regierungsamtliche Falschinformation“ in der Energiepolitik bzw. Atompolitik, besonders bezüglich der Endlagerung.
  • Am 8. Februar 1978 verbrannten sich an der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche in Berlin eine Nonne und ein Mönch von Ananda Marga, Didi Uma und Dada Lokesh, mit bürgerlichen Namen Erika Ruppert und Helmut Kleinknecht; sie wollten mit ihrer Tat gegen die Verfolgung von Ananda Marga in Indien sowie die im Westen diesbezüglich herrschende Gleichgültigkeit protestieren. [11] [12]
  • Am 17. September 1978 verbrannte sich in Falkenstein im Vogtland (Sachsen, damals DDR) der evangelische Pfarrer Rolf Günther in der Kirche; möglicherweise diente ihm die Tat des Pfarrers Brüsewitz als Vorbild. Jedoch galten in diesem Fall innerkirchliche Konflikte als Ursache für die Selbstverbrennung.[13]
  • Am 26. Mai 1982 verbrannte sich die Türkin Semra Ertan fünf Tage vor ihrem 26. Geburtstag auf einem Hamburger Marktplatz aus Protest gegen die zunehmende Ausländerfeindlichkeit in Deutschland.[14]
  • Am 10. Juni 1982 setzte sich Dietrich Stumpf auf einer Friedensdemonstration in Bonn selbst in Flammen, um ein Zeichen gegen den „Rüstungswahnsinn, der direkt auf den nächsten Weltkrieg zusteuert“ zu setzen. Zuvor hatte er eine Abschiedsnachricht an die „Kieler Rundschau“ geschickt.[15]
  • Bei von der Arbeiterpartei Kurdistans unterstützten Kurdenprotesten in Deutschland zündeten sich am 19. März 1994 in Mannheim die beiden Frauen Nilgün Yildirim („Berîvan“) und Bedriye Tas („Ronahî“) selbst an. Beide starben an ihren Verbrennungen.[16]
  • Am 25. April 1995 verbrannte sich der 75-jährige Sudetendeutsche Reinhold Elstner vor der Feldherrnhalle in München.
  • In einer Solidaritätsaktion für politische Gefangene in der Türkei setzte sich Kazim Gülbag am 23. April 2001 vor dem Gefängnis in Regensburg in Brand. Vor dem Gebäude hatte er ein Transparent mit der Aufschrift „Ich protestiere gegen den faschistischen türkischen Staat und das Massaker in den Gefängnissen“ aufgehängt.[17]
  • Am 31. Oktober 2006 verbrannte sich im Erfurter Augustinerkloster mit Roland Weißelberg ein weiterer evangelischer Pfarrer. Als Grund für seine Tat nannte der Pfarrer in einem Abschiedsbrief „Sorge vor der Ausbreitung des Islam“.[18]
  • Am 13. Oktober 2012 zündete sich ein 32-jähriger Mann vor dem deutschen Reichstag in Berlin selbst an. „Nach Angaben der Polizei trug der 32-Jährige einen Abschiedsbrief bei sich. Man geht davon aus, dass die Hintergründe der Tat im privaten Bereich des Todesopfers liegen und nicht politisch motiviert sind.“ Vor der Tat stach er sich mit einem Messer in den Oberkörper, bevor er sich mit einer brennbaren Flüssigkeit übergoss und sich selbst anzündete. [19]
  • Am 30. November 2012 zündete sich ein 35-jähriger Gambier in einem Supermarkt in Köln an, um sich selbst umzubringen. Die Tat hatte er vorher angekündigt, nachdem er mit seiner Frau gestritten hatte. Nach acht Tagen starb er an den erlittenen Verbrennungen.
  • Am 1. Mai 2013 zündete sich ein 46-jähriger Mann mit türkisch-bulgarischen Wurzeln vor der Wohnung seiner Ex-Freundin in München an, weil er vor ihrer Wohnung randalierte, woraufhin die Polizei ihm einen Platzverweis erteilte. Er überlebte mit Verbrennungen zweiten und dritten Grades.
  • Am 18. Februar 2014 zündete sich der 49-jährige Exil-Iraner Kahve Pouryazdani aus Protest gegen die deutsche Flüchtlingspolitik in der Tübinger Altstadt an. Er erlag bald darauf seinen Verletzungen. [20]

Fälle im übrigen Europa[Bearbeiten]

  • Im 17. Jh. wurden in Frankreich Fälle von Selbstverbrennungen jesuitischer Priester bekannt, die sich kasteiten und in einem rigorosen Verständnis der Nachfolge Christi bestimmte Gliedmaßen (Arme, Beine) verbrannten.[21]
  • 1786 verbrannte sich ein Bauer in der Obersteiermark auf einem selbst errichteten Scheiterhaufen, um so gegen die Abschaffung von mehreren Feiertagen durch Kaiser Joseph II. zu protestieren.[22]
  • Am 8. September 1968 verbrannte sich der ehemalige polnische Widerstandskämpfer Ryszard Siwiec während einer politischen Veranstaltung im Warschauer Zehn-Jahre-Stadion aus Protest gegen den Einmarsch des Warschauer Paktes in die Tschechoslowakei im August 1968 und das sozialistische Regime in Polen.
  • Fünf Monate später, am 16. Januar 1969, verbrannte sich Jan Palach aus demselben Grund; einen Monat später tat dies Jan Zajíc am selben Platz (Wenzelsplatz in Prag).
  • Am 2. Oktober 1978 setzte sich Lynette Phillips vor dem U.N. Hauptquartier in Genf in Brand.[23] Sie gehörte der Bewegung Ananda Marga an und hinterließ einen Abschiedsbrief, in dem sie die "Inhumanität (...) unserer Gesellschaft" anprangerte.
  • Am 10. August 1982 verbrannte sich Artin Penik, ein 61-jähriger christlicher Türke armenischer Herkunft, in Istanbul auf dem belebten Taksim-Platz aus Protest gegen den Terror der Asala.
  • Im Zuge der Staatsschuldenkrise in Italien zündeten sich seit 2012 sechs Menschen an:[24][25][26][27][28]
    • ein 58-jähriger Handwerker vor dem Finanzamt in Bologna, gegen den ein Verfahren wegen Steuerhinterziehung läuft (in einem Abschiedsbrief schrieb er: »Ich habe immer meine Steuern gezahlt.«),
    • wenige Tage später vor dem Rathaus von Verona ein 27-jähriger Marokkaner. Er erhalte seit vier Monaten kein Gehalt, habe seine Wohnung verloren und esse in der Armenmensa,
    • ein 54-jähriger Arbeiter vor dem Parlament in Rom. Der Witwer, der vor zwei Monaten seine Arbeit verloren hatte, hatte mit seinen Brüdern um eine Erbschaft gestritten und 160 Euro für seinen Sohn dabei gehabt. Nach einer Woche erlag er seinen schweren Verbrennungen,
    • ein 48-jähriger Arbeitsloser auf einem Feld in Turin. Er hinterließ einen Abschiedsbrief, in dem er die Tat mit seiner Verzweiflung über seine finanzielle Lage begründete,
    • der 52-jährige Frediano Manzi vor dem RAI-Gebäude in Mailand. Er wollte so gegen Kredithaie protestieren. Er überlebte mit schweren Verbrennungen und
    • ein 64-jähriger Hausbesitzer vor seinem Haus in Vittoria. Er hatte eine Hypothek über 10.000 Euro nicht mehr bedient, weshalb die Bank sein Haus für 26.000 Euro zwangsversteigerte. Er zündete auch seine Frau an. Beide überlebten schwer verletzt.
  • Im Oktober 2012 zündeten sich die beiden albanischen ehemaligen politischen Gefangenen Lirak Bejko und Gjergj Ndreca in Tirana selbst an, um mit einem Hungerstreik zu erreichen, dass die Regierung unverzüglich alle Opfer des Hoxha-Regimes mit 2000 Lek (14 Euro) für jeden Tag in Haft entschädigt. Mit der Selbstverbrennung wollten sie ihren Forderungen Nachdruck verleihen. Bejko war 47 Jahre alt, das Alter Ndrecas ist unbekannt. Lirak Bejko starb, Gjergj Ndreca überlebte.
  • Am 13. Februar 2013 zündete sich ein 43-jähriger Franzose vor dem Arbeitsamt in Nantes an, um gegen die Entscheidung des Arbeitsamtes zu protestieren, das Arbeitslosengeld für ihn nicht zu verlängern. Er war als arbeitslos eingeschrieben und seine Bezüge sollten auslaufen. Er erlag seinen schweren Verbrennungen.
  • Zwei Tage später, am 15. Februar 2013, zündete sich ein 49-jähriger Franzose vor seinem Haus in Saint-Ouen an, um dagegen zu protestieren, dass ihm bald die Arbeitslosenhilfe gestrichen werde. Auch er war arbeitslos. Er überlebte mit Verbrennungen ersten und zweiten Grades an den Händen, im Gesicht und am Oberkörper.
  • Ebenfalls am 15. Februar 2013 kam es in Frankreich zu zwei ähnlichen Selbstverbrennungen: Ein 16-jähriger Schüler schüttete im Pausenhof seiner Schule in La Rochelle eine brennbare Flüssigkeit auf seine Brust und zündete sich an. Mitschüler löschten ihn und retteten ihn somit vor Verletzungen. Das Motiv war unklar. Ein Mann schüttete in einem Supermarkt in Beaune einen 5-Liter-Kanister Benzin über sich und drohte, sich in Brand zu setzen. Polizisten und Feuerwehrleute konnten den Mann überwältigen, bevor er sich anzündete. Auch hier war das Motiv unklar.
  • Mitte Februar 2013 ging eine Frau in eine Bank im Ort Almassora nahe Valencia, übergoss sich mit einer brennbaren Flüssigkeit und schrie: "Ihr habt mir alles genommen!". Danach steckte sie sich in Brand. Sie kam mit schweren Verletzungen in eine Klinik.
  • Am 14. Februar 2013 zündete sich ein Ivorer am Flughafen in Rom an, um gegen seine Abschiebung zu protestieren. Zuvor hatte er einem Zollbeamten seine Abschiebungsanordnung gezeigt, ehe er sich mit Treibstoff übergoss und anzüdete. Er überlebte mit schweren Verbrennungen.
  • Am 20. Februar 2013 zündete sich der 36-jährige Bulgare Plamen Goranow vor dem Rathaus in Warna an, um gegen die Politik von Rossen Plewneliew und Bojko Borissow sowie für ein neues Wahlgesetz zu protestieren. Er trug eine Banderole, auf der er den Rücktritt des Bürgermeisters von Warna Kiril Jordanow forderte. Am 4. März erlag er seinen Verletzungen.[29]
  • Am 18. März 2013 zündete sich ein 59-jähriger Minenarbeiter aus der bulgarischen Kleinstadt Bobow Doll mit Benzin an. Der Mann hatte kurz davor seine Arbeit verloren und wurde von seinem Sohn gelöscht.[30]
  • Am 20. März 2013 zündete sich ein arbeitsloser 40-jähriger Familienvater im Dorfstadion der bulgarischen Stadt Sitowo aus Protest gegen Armut und Korruption an. Die Ärzte im Marinekrankenhaus in Warna konnten das Leben des Mannes nicht retten.[31]
  • Im Juni 2013 zündete sich ein allein lebender 59-jähriger Mann im Hof seines Hauses im bulgarischen Charmanli an.[32]
  • Am 6. September 2013 zündete sich ein Mann vor dem Hauptgebäude der Vereinten Nationen in Genf an, um auf das Leiden der Tamilen seit dem Bürgerkrieg in Sri Lanka und auf das der Tibeter durch die chinesische Unterdrückung aufmerksam zu machen. In seiner Nähe befanden sich ein Gegenstand mit Bezug zur sri-lankischen Rebellenorganisation Liberation Tigers of Tamil Eelam und Dokumente, die über Selbstverbrennungen in Tibet berichteten. Später erlag er seinen erlittenen Verletzungen.[33]

Fälle in den USA[Bearbeiten]

  • Ab 1965 verbrannten sich vier Amerikaner zum Zeichen des Protestes gegen den Vietnamkrieg. Die 82-jährige deutsche Einwanderin Alice Herz tötete sich am 16. März 1965 vor der University of Michigan, Norman Morrison am 2. November 1965 vor dem Büro des US-Verteidigungsministers Robert McNamara am Pentagon nach der Verlesung eines Berichtes über die Zerstörung vietnamesischer Dörfer durch Napalm. Am 9. November 1965 verbrannte sich der 22-jährige Roger Allen LaPorte vor dem UNO-Gebäude in New York City. Am 10. Mai 1970 erlag der 23-jährige George Winne Jr. seinen Verbrennungen auf dem Campus der University of California, San Diego mit den Worten „In Gottes Namen, beendet den Krieg“.[21]
  • Im Februar 1991 verbrannte sich der Student der University of Massachusetts Amherst Greg Levey in Amherst im Protest gegen den Golfkrieg.[34]
  • Am 3. November 2006 verbrannte sich Malachi Ritscher in Chicago aus Protest gegen den Irakkrieg.[35]
  • Am 4. Oktober 2013 entzündete sich ein Mann in Washington, D.C. und starb noch am selben Tag an den Verletzungen. Er salutierte unmittelbar vor der Tat in Richtung des Kapitols.[36]

Fälle im übrigen Amerika[Bearbeiten]

Fälle im Nahen Osten und Nordafrika[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Hans von Hentig: Beitrag zur Lehre von der Selbstverbrennung. In: Deutsche Zeitschrift für die gesamte gerichtliche Medizin 56 (1965) 5, S. 324–333.
  • Dieter Herold: „Alle sollen sehen, wie ich sterbe“. In: STERN vom 20. April 1978, S. 50–54.
  • Christian Braune: Feuerzeichen. Warum Menschen sich anzünden. Verlag Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2005. ISBN 3-525-46224-7
  • Udo Grashoff: „In einem Anfall von Depression“ Selbsttötungen in der DDR, Ch.Links Verlag, Berlin 2006. ISBN 978-3-86153-420-4
  • Edmund Käbisch: Das Fanal von Falkenstein. Eine Studie über die Zersetzung der Kirche durch die Stasi nach der Selbstverbrennung des Pfarrers Rolf Günther. Ed. La Colombe, Bergisch Gladbach 2007. ISBN 3-929351-27-7
  • Lorenz Graitl: "Sterben als Spektakel. Zur kommunikativen Dimension des politisch motivierten Suizids". VS Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2012. ISBN 978-3531184616

Weblinks[Bearbeiten]

Anmerkungen und Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Biggs, Michael (2005). "Dying Without Killing: Self-Immolations, 1963–2002". In Diego Gambetta. Making Sense of Suicide Missions. Oxford University Press. ISBN 978-0-19-929797-9.
  2. Lorenz Graitl: "Sterben als Spektakel. Zur kommunikativen Dimension des politisch motivierten Suizids". VS Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2012.
  3. ebd., S. 43.
  4. Graitl (2012).
  5. Indian Express 12. November 2011, TN to install statue in memory of anti-Hindi activist, abgerufen am 13. August 2012
  6. http://www.nachrichten.t-online.de/protest-in-tibet-nonne-verbrennt-sich/id_51178954/index Selbstverbrennung in Tibet, T-Online, 4. November 2011
  7. Tibetan exile sets on fire phayul.com, 5. November 2011
  8. Graitl (2012), S. 48.
  9. Graitl (2012), S. 49-58
  10. Gewalt gegen Blogger in Vietnam: Mutter zündet sich selbst an, Berliner Zeitung, 31. Juli 2012
  11. http://www.philjohn.com/papers/pjkd_gh06t.html
  12. http://www.metafuture.org/Articles/IntroductoryChapterfromthebookSituatingSarkar.htm
  13. BStU, MfS, BV Karl-Marx-Stadt, Nr. 1209/79, Bd. I, Bl. 74f., Bd. II, Bl. 10–16
  14. http://www.migazin.de/2012/05/29/turkin-verbrennt-sich-auf-st-pauli
  15. Der Spiegel 12.Juli 1982 Für das Überleben verloren, abgerufen am 13. August 2012
  16. Die Zeit 1. April 1994 Hat das Verbot die PKK noch gestärkt?
  17. http://www.nadir.org/nadir/initiativ/isku/hintergrund/gefangene/hungerstreik2000/erklaerungen/026.htm
  18. Das Fanal, das keiner versteht Der Spiegel, 3. November 2006
  19. Berlin: Selbstverbrennung eines Mannes vor dem Reichstagsgebäude Spreadnews.de, 13. Oktober 2012
  20. Tübingen: Ein Aufschrei für mehr Rechte
  21. a b  Loren Coleman: The Copycat Effect: How the Media and Popular Culture Trigger the Mayhem in Tomorrow's Headlines. Paraview Pocket-Simon and Schuster, New York City 2004, ISBN 0-7434-8223-9.
  22. Graitl (2012), S. 38.
  23. Biggs (2005).
  24. zeit.de 6. April 2012: Macht die Krise Italien depressiv?
  25. derstandart.at 11. August 2012: Selbstverbrennung vor Parlament in Rom
  26. nachrichten.at 21. August 2012: Arbeitsloser Italiener zündete sich selbst an
  27. Euronews 6. Februar 2013: Proteste gegen Kredithaie: Selbstverbrennung in Mailand
  28. 02elf.net 17. Mai 2013: Selbstverbrennung wegen Zwangsräumung
  29. Euronews: Selbstverbrennung: Bulgare erliegt seinen Verletzungen abgerufen am 4. März 2013
  30. Erneut Selbstverbrennung in Bulgarien abgerufen am 17. Dezember 2013
  31. Protest gegen Armut: Vierter Bulgare stirbt nach Selbstverbrennung abgerufen am 11. September 2013
  32. Erneut tödliche Selbstverbrennung in Bulgarien zeit.de vom 17. Dezember 2013
  33. cash.ch: Mann setzt sich in Genf vor dem UNO-Hauptgebäude selber in Brand abgerufen am 11. September 2013
  34. http://www.greenfieldoptimist.com/content/view/366/52/
  35. http://www.msnbc.msn.com/id/15916765
  36. http://www.washingtonpost.com/local/man-who-set-himself-on-fire-on-mall-dies/2013/10/05/2fc2932e-2ddf-11e3-b139-029811dbb57f_story.html
  37. Al Jazeera English: Timeline: Tunisia's uprising abgerufen am 15. September 2011
  38. [1]