Selfkant

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Dieser Artikel behandelt die Gemeinde Selfkant, zur gleichnamigen Landschaft siehe Selfkant (Landschaft).
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Selfkant
Selfkant
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Selfkant hervorgehoben
51.0166666666675.916666666666769Koordinaten: 51° 1′ N, 5° 55′ O
Basisdaten
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
Regierungsbezirk: Köln
Kreis: Heinsberg
Höhe: 69 m ü. NHN
Fläche: 42,09 km²
Einwohner: 9993 (31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 237 Einwohner je km²
Postleitzahl: 52538
Vorwahlen: 02456, Saeffelen 02455Vorlage:Infobox Gemeinde in Deutschland/Wartung/Vorwahl enthält Text
Kfz-Kennzeichen: HS, ERK, GK
Gemeindeschlüssel: 05 3 70 024
Gemeindegliederung: 16 Ortsteile
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Am Rathaus 13
52538 Selfkant
Webpräsenz: www.selfkant.de
Bürgermeister: Herbert Corsten (parteilos)
Lage der Gemeinde Selfkant im Kreis Heinsberg
Niederlande Kreis Düren Kreis Viersen Mönchengladbach Rhein-Erft-Kreis Rhein-Neuss-Kreis Städteregion Aachen Erkelenz Gangelt Geilenkirchen Heinsberg Hückelhoven Selfkant Übach-Palenberg Waldfeucht Wassenberg WegbergKarte
Über dieses Bild

Der Selfkant (niederländisch Zelfkant) ist die westlichste Gemeinde Deutschlands. Sie liegt bei 5° 55' östlicher Länge im nordrhein-westfälischen Kreis Heinsberg. Sie ist Mitglied im Zipfelbund, einer Vereinigung der vier in der jeweiligen Haupthimmelsrichtung am äußersten Rande Deutschlands gelegenen Kommunen.

Geografie[Bearbeiten]

Geografische Lage[Bearbeiten]

Die Gemeinde Selfkant liegt in der Landschaft Selfkant zwischen den Flüssen Wurm im Osten und Maas im Westen. Das Gemeindegebiet grenzt im Südwesten unmittelbar an die niederländische Stadt Sittard an.

In der nordwestlichen Ecke des Gebiets des Ortsteils Isenbruch befindet sich der westlichste Punkt[2] Deutschlands. Auch schon vor[3] den Grenzverschiebungen nach dem Ersten Weltkrieg bei Eupen und Malmedy galt Isenbruch als der westlichste Punkt der preußischen Rheinprovinz bzw. Deutschlands. Eine Informationstafel[4] an der Straße verweist auf den ca. 60 m entfernten Grenzstein 309B, der in einer Hecke[5] steht. Ab 1949 stand der Selfkant unter niederländischer Auftragsverwaltung, wurde aber 1963 gegen Zahlung von 280 Millionen D-Mark wieder an Deutschland zurückgegeben.

Die Gemeindegrenze zu den Niederlanden ist rund 27 km lang, die Grenzlinie zu anderen deutschen Gemeinden weist nur 6 km Länge auf. Die Westspitze der Gemeinde Selfkant reicht bis auf 4,75 km an die Maas heran, die hier die Grenze zwischen den Niederlanden und Belgien bildet.

Naturschutzgebiete[Bearbeiten]

  • Tüdderner Fenn
  • Eiländchen
  • Hohbruch
  • Höngener und Saeffeler Bruch

Nachbargemeinden[Bearbeiten]

Die nächstgelegenen Großstädte sind Aachen, Maastricht und Mönchengladbach. Die Entfernung zum südlich gelegenen Aachen beträgt etwa 33 km, zum südsüdwestlich gelegenen niederländischen Maastricht ungefähr 27 km und zum ostnordöstlich gelegenen Mönchengladbach rund 42 km.

Orte[Bearbeiten]

In der folgenden Tabelle wird die Gemeindegliederung mit den Einwohnerzahlen vom 30. Juni 2013 (Informationen des Einwohnermeldeamtes) angegeben:

Ortsteil Einwohner insgesamt
Dieck 9
Großwehrhagen 151
Havert 522
Heilder 261
Hillensberg 588
Höngen 1280
Isenbruch 325
Kleinwehrhagen 103
Millen 320
Millen-Bruch 57
Saeffelen 941
Schalbruch 955
Stein 182
Süsterseel 1640
Tüddern 2208
Wehr 775
Gemeinde Selfkant 10317

Geschichte[Bearbeiten]

Die wichtigste Herrschaft des Selfkants im Mittelalter war zunächst Millen, der Sitz des Geschlechts der Herren von Millen, das im Jahre 1282 in die Herrschaft Heinsberg eingegliedert wurde. Schließlich erwarb im Jahre 1499 der Herzog von Jülich die Herrschaft Heinsberg und Millen wurde zum Sitz eines Jülichschen Amtmannes. Die Orte Tüddern, Wehr, Süsterseel und Hillensberg gehörten zum Amt Born und ab 1709 zum Amt Sittard.

Von 1794 bis 1815 gehörte der Selfkant zum französischen Kanton Sittard. Nach dem Wiener Kongress 1815 kam der Selfkant an die preußische Rheinprovinz. Zu dieser Zeit wurde die Grenze zum benachbarten Königreich der Niederlande festgelegt und blieb bis kurz nach dem Zweiten Weltkrieg bestehen.

Die Niederlande forderten nach dem Zweiten Weltkrieg eine Entschädigung für die Kriegsschäden. Als Faustpfand sollte hierzu der besetzte Selfkant dienen. Hierzu wurde der Selfkant seit dem 23. April 1949 entsprechend der Schlusserklärung der Londoner Deutschland-Konferenz vom 23. Dezember 1948 unter niederländische Auftragsverwaltung gestellt. Dies bedeutete zugleich aber auch den Verlust der Anbindung des Selfkantes an das westdeutsche Eisenbahnnetz, da die Geilenkirchener Kreisbahnen ihren Betrieb im Selfkant einstellen mussten (vgl. hierzu Bahnhöfe im Selfkant).

In der folgenden Zeit wurde in den jetzt niederländischen Selfkant viel investiert, z. B. in den Bau von Wohnungen und Straßen. Im März 1957 begannen die offiziellen Verhandlungen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und den Niederlanden über die Rückgabe des Gebietes. Daraufhin wurde die den Selfkant durchquerende Straße N 274 mit Über- und Unterführungen kreuzungsfrei angelegt, um nach der Gebietsrückgabe eine schnelle Transitverbindung ohne Grenzabfertigung zwischen den niederländischen Städten Heerlen und Roermond zu ermöglichen.

Seit dem 1. August 1963 gehört das Gebiet nach Zahlung von 280 Mio. DM an das Königreich der Niederlande wieder uneingeschränkt zur Bundesrepublik. (Dieser Betrag entspricht für das Jahr 2013 inflationsbereinigt 554 Mio. Euro.) Aus dem bestehenden Amt Selfkant wurden die alten Gemeinden Havert, Hillensberg, Höngen, Millen, Süsterseel, Tüddern und Wehr gebildet. Zwei Monate später, am 21. Oktober 1963, wurden die ersten Wahlen der Gemeinderäte unter deutscher Verwaltung abgehalten.

Die einzelnen Gemeinden sowie die Gemeinde Saeffelen aus dem Amt Waldfeucht wurden am 1. Juli 1969 zur Gemeinde Selfkant zusammengeschlossen.[6]

1971 fand im Selfkant das jährliche Intercamp der Pfadfinder statt.

Der im Selfkant liegende Abschnitt der Straße zwischen Heerlen und Roermond wurde 2002 in deutsche Verwaltung übergeben, da die Transitregelung durch das Schengener Abkommen gegenstandslos geworden war. Die Straße wurde daraufhin, nach Herstellung einiger Kreuzungsanschlüsse, als L 410 in das deutsche Straßennetz einbezogen.

Politik[Bearbeiten]

Bürgermeister[Bearbeiten]

  • 1969–1984: Paul Heynen, CDU
  • 1984–2004: Willi Otten, CDU (ab 1. Januar 1996 hauptamtlich)
  • 2004–heute: Herbert Corsten, WGR 2

Gemeinderat[Bearbeiten]

Ab dem 25. Mai 2014 verteilen sich die Sitze des Gemeinderates wie folgt:

  • CDU 14 Sitze (+1)
  • SPD 5 Sitze (-1)
  • FW (PRO Selfkant) 4 Sitze (+-0)
  • FDP 3 Sitze (-2)
  • Grüne 2 Sitze (+2)

(Stand: Kommunalwahl am 25. Mai 2014)

Wappen und Banner[Bearbeiten]

Blasonierung:„Im silbernen Felde ein s-förmig geschwungener grüner Zweig mit acht roten Rosen, deren Kelchblätter und Butzen golden sind.“ Bedeutung: Das Wappen basiert auf einem alten Siegel der ehemaligen Gemeinde Millen, welches einen Rosenzweig zeigte. Die acht Blüten stehen für die ehemaligen Gemeinden.

Banner: "Das Banner der Gemeinde Selfkant ist geteilt von Rot nach Weiß im Verhältnis 2:1:2:1:2 mit dem Wappen ohne Schild im weißen Bannerhaupt."

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

Grenzübergang am westlichsten Punkt Deutschlands

Partnergemeinden der Gemeinde Selfkant sind die anderen Zipfelgemeinden der Bundesrepublik Deutschland, also die Gemeinden, die am weitesten nördlich, östlich und südlich liegen. Dabei handelt es sich um das schleswig-holsteinische List auf der Insel Sylt, um das sächsische Görlitz und um das bayerische Oberstdorf. Das erste Treffen aller Bürgermeister dieser Städtepartnerschaft am 9. und 10. Mai 1998 im Selfkant wurde von dem Journalisten Hartmut Urban initiiert und organisiert. Nach diesem Treffen wurde anlässlich der zentralen Feierlichkeiten zum Tag der Deutschen Einheit 1999 in Wiesbaden der Zipfelbund geschlossen.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Museen[Bearbeiten]

  • Bauernmuseum Selfkant in Tüddern

Musik[Bearbeiten]

Im Selfkant gibt es eine Vielzahl von Musikvereinen, unter den Spielmannszügen wird jährlich die Selfkantplakette ausgespielt. Seit der Erstausspielung der Selfkantplakette im Jahr 2006 wird zum Abschluss des Wettstreits und vor der Preisverleihung von allen Spielmannszügen gemeinsam der „Selfkantmarsch“ intoniert. Er wurde eigens für den Wettbewerb vom Komponisten P.H. Wolters aus Montfort als Auftragsarbeit komponiert. Den Gesang, der im Trio gesungen wird, textete Bürgermeister Herbert Corsten.[7]

  • Instrumentalverein St. Cäcilia Tüddern 1912 e.V.
  • Instrumentalverein Süsterseel e.V.
  • Musikverein „St. Gregorius“ Saeffelen e.V.
  • Musikverein „St. Martinus“ Schalbruch e.V.
  • Spielmannszug 1920 „Edelweiß“ Havert e.V.
  • Spielmannszug Saeffelen 1921 e.V.
  • Spielmannszug Wehr e.V.
  • Trommler-, Pfeifer- und Fanfarencorps Höngen e.V.
  • Trommler- und Pfeiferkorps „St. Martini“ Isenbruch e.V.
  • Trommler- und Pfeiferkorps Selfkant-Schalbruch e.V.
  • Trommler- und Pfeiferkorps Hillensberg e.V.
  • Trommler- und Pfeiferkorps „Selfkantia“ Süsterseel e.V.
  • Trommler- und Pfeiferkorps Millen e.V.
  • Jagdhornbläser St. Bavo Grenzland e.V.
  • Männergesangverein St. Josef Höngen


Bildung[Bearbeiten]

  • Realschule des Schulverbandes Selfkant in Gangelt
  • Mercator-Schule Selfkant-Gangelt-Geilenkirchen
  • Selfkantschule Höngen
  • Gesamtschule Gangelt-Selfkant
  • Astrid-Lindgren-Grundschule
  • Kath. Grundschule Selfkant II

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Jakob Cals: Geschichte des Kirchenspiels von Havert. Hrsg.: Schützenbruderschaft St. Johannes Havert. Geilenkirchen 1989.
  • Albert Baeumer und Alfred Bekker: Mercator, Mord und Möhren – Hetzjagd durch den Selfkant. Kriminalroman über den Selfkant als erster deutscher Tourismuskrimi. Hrsg: Selfkant-Verlag, 2007.
  • Albert Baeumer und Alfred Bekker: Kaffee, Kunst und Kaviar – Letzte Ausfahrt Selfkant. Kriminalroman über den Selfkant als erster deutscher Kunst-Tourismuskrimi. Hrsg: Selfkant-Verlag, 2008.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bevölkerungszahlen auf Basis des Zensus vom 9. Mai 2011. Landesbetrieb Information und Technik Nordrhein-Westfalen (IT.NRW), abgerufen am 3. September 2014. (Hilfe dazu)
  2. In openstreetmap: [1]
  3. … der westlichste Punkt ist Isenbruch im Kreise Heinsberg, in dem zur preußischen Rheinprovinz gehörigen Regierungsbezirk Aachen, unter 51° 6' n. Br. und 23° 40' ö. L. Nach Andern liegt der westlichste Punkt eine Meile südwestlich von der niederländisch-limburgischen Stadt Weert, am Süd-Wilhelms-Canal, unter 23° 15' ö. L.S. 4 in S. Steinhard: Deutschland und sein Volk: ein Lese- und Hausbuch für Jung und Alt zur Förderung und Belebung vaterländischen Sinnes und Wissens, Band 1, Friedrich Brandstetter, 1856
  4. http://web-toolbox.net/geilenkirchen/sights/21-geilenkirchen-grenzstein.htm
  5. http://www.mz-web.de/servlet/ContentServer?pagename=ksta/page&atype=ksArtikel&aid=1251697785345
  6.  Martin Bünermann: Die Gemeinden des ersten Neugliederungsprogramms in Nordrhein-Westfalen. Deutscher Gemeindeverlag, Köln 1970, S. 101.
  7. http://www.tpfc.telefonunddsl.de/verein/spielleutecorps/selfkantplakette/79-selfkantmarsch

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Selfkant – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikivoyage: Selfkant – Reiseführer