Semiose

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Semiose bezeichnet den Prozess der Wirkungsentfaltung eines Zeichens und ist nach Charles Sanders Peirce der eigentliche Gegenstand der Semiotik.

Nach Peirce ist die Semiotik „die Lehre von der eigentlichen Natur und von den grundlegenden Variationen möglicher Semiose“. Als Semiose bezeichnet Peirce „eine Handlung oder einen Einfluss, welcher die Zusammenwirkung dreier Subjekte beinhaltet oder involviert, nämlich einem Zeichen, seinem Objekt und seinem Interpretanten“.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Grenzen des semiotischen Feldes

Bei Peirce ist das semiotische Feld unbegrenzt. Zeichen weisen entsprechend seinem Universalismus auf immer weitere Zeichen. Ein Großteil der Semiotik grenzt das semiotische Feld ein auf den umfangreichen Bereich der Signifikation und den engeren Bereich der Kommunikation. Weiter eingegrenzt ist der semiotische Prozess in linguozentristischen Ansätzen. Im Verfahren zur Analyse semiotischer Phänomen vor dem Hintergrund der Sprache bei Greimas (1917-1992) existiert keine Theorie der Zeichen mehr.

[Bearbeiten] Semiose nach Peirce

Peirce entwickelte seine Vorstellungen der Semiose entgegen der linguistisch orientierten Richtung der Semiotik, wie sie vor allem von Saussure bekannt ist, aus der Logik und der Erkenntnistheorie. Die Überlegungen von Peirce machte Charles Morris für die Zeichentheorie nutzbar. Peirce ging es dabei um erkenntnistheoretische Allgemeinheit und um metaphysische Universalität, während es Saussure um die Anwendung ging. Bei Peirce ist die Semiose Gegenstand von Ontologie und Phänomenologie, die auf drei universelle Kategorien aufbaut: der Erstheit, Zweitheit und Drittheit.

In der Erstheit ist eine Seinsweise, in der alles ohne Bezug zu einander "so ist, wie es ist" (Peirce). Die unvermittelte Möglichkeit, bloße Gefühle und Spontaneität gehören beispielsweise in diese Kategorie von Möglichkeiten. In der Zweitheit bilden sich Relationen zwischen Fakten und deren Gegenüber. Die Semiose ist die Kategorie der Drittheit, zu der unter anderem die Zeichen, Gesetzmäßigkeiten, Gewohnheiten und die Phänomene der Notwendigkeiten gehören.

Peirce verfolgt dabei ein pansemiotisches Konzept, das seine Sicht auf das Universum bestimmt. Da aus dieser Sicht auch Gedanken Zeichen sind, ist auch der Mensch ein Zeichen. Semiotische Studien sind somit für Peirce die Grundlage für alle Wissenschaft, denn ohne sie sei es keiner Wissenschaft gelungen, ihren Gegenstand zu betrachten.

Das Zeichen als Erscheinungsform der Drittheit erzeugt drei Korrelate die miteinander in Beziehung stehen:

  • den Repräsentanten (das Zeichen im engeren Sinne)
  • das Objekt (der Gegenstand, auf den das Zeichen sich bezieht)
  • der Interpretant (die Bedeutung des Zeichens)

[Bearbeiten] Moderne Theorien der Semiose

Der argentinische Semiologe Eliseo Verón entwickelte in seinem Werk La Semiosis Social (1987) eine Erweiterung der Semiose nach Peirce, die auch die soziale Komponente, also die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen, miteinbezieht. Mit diesem und anderen Betrachtungen wurde die sogenannte Soziosemiotik begründet, die die Auswirkungen gesellschaftlicher Phänomene auf die Zeichenverarbeitung durch den Menschen untersucht.

[Bearbeiten] Literatur

  • Eliseo Veron: La Semiosis Social. Gedisa Verlag, Buenos Aires. Mai 1999. ISBN 84-7432-502-1. (Spanisch.)
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