Sempach

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Dieser Artikel behandelt die Gemeinde im Kanton Luzern. Zum Schwinger siehe Matthias Sempach.
Sempach
Wappen von Sempach
Staat: Schweiz
Kanton: Luzern (LU)
Wahlkreis: Sursee
BFS-Nr.: 1102i1f3f4
Postleitzahl: 6204
UN/LOCODE: CH SPA
Koordinaten: 657278 / 22050547.1330478.193613513Koordinaten: 47° 7′ 59″ N, 8° 11′ 37″ O; CH1903: 657278 / 220505
Höhe: 513 m ü. M.
Fläche: 11,68 km²
Einwohner: 4105 (31. Dezember 2012)[1]
Einwohnerdichte: 351 Einw. pro km²
Website: www.sempach.ch
Sempach

Sempach

Karte
Baldeggersee Hallwilersee Mauensee Rotsee Sempachersee Soppensee Tuetesee Vierwaldstättersee Kanton Aargau Wahlkreis Entlebuch Wahlkreis Hochdorf Wahlkreis Luzern-Land Wahlkreis Luzern-Stadt Wahlkreis Willisau Kanton Nidwalden Beromünster Büron Buttisholz Eich LU Geuensee Grosswangen Hildisrieden Knutwil Mauensee LU Neuenkirch Nottwil Oberkirch LU Rickenbach LU Ruswil Schenkon Schlierbach LU Sempach Sursee TriengenKarte von Sempach
Über dieses Bild
w

Sempach (mundartlich Sämpech) ist eine politische Gemeinde mit altem Stadtrecht im Wahlkreis Sursee des Kantons Luzern in der Schweiz.

Geographie[Bearbeiten]

Das Städtchen Sempach liegt am Südostende des Sempachersees. Die südliche und südöstliche Gemeindegrenze verläuft entlang der Grossen Aa und der Kleinen Aa. Sie wechselt beim Weiler Gottmännigen (Gemeinde Neuenkirch) in nördliche Richtung bis kurz vor Hildisrieden. Von dort geht die Grenze nordwestwärts den Südhang des Eichbergs hinauf bis in die Nähe der Quelle des Rotbachs und führt mitten durch den Golfplatz Sempachersee. Innerhalb der Anlage dreht die Gemeindegrenze nach Westen und erreicht im Morentalerwald mit 735 m ü. M. den höchsten Punkt der Gemeinde. Vom Wald an geht die Grenze in Südwestrichtung hinunter zum Sempachersee, welchen sie östlich von Eich erreicht.

In der Gemeinde gibt es mehrere grosse Waldgebiete. An der Kleinen Aa südöstlich des Städtchens liegt der Allmendwald. Nördlich von ihm der Schwarzlachen, der von der Autobahn A2 durchschnitten wird. Im Osten der Gemeinde liegt der Steinibühlwald, in dessen Westen der Steinibühlweiher liegt. Der Mussiwald wächst nordöstlich des Städtchens in die Höhe. Ausserdem ist ein ansehnlicher Teil des Ufers des Rotbachs bewaldet.

Die Gemeinde besteht aus dem Städtchen Sempach, dem Weiler Kirchbühl (573–581 m ü. M.) nördlich davon und zahlreichen Häusergruppen und Einzelgehöften.

Vom Gemeindeareal von 895 ha (ohne Seeanteil) ist 68,7 % landwirtschaftliches Nutzgebiet. 16,3 % sind Siedlungsfläche und nur 14,5 % von Wald und Gehölz bedeckt. Sempach grenzt an Eich, Hildisrieden, Beromünster und Neuenkirch.

Bevölkerung[Bearbeiten]

Bevölkerungsentwicklung
Jahr Einwohner
1798 700
1850 1086
1900 1028
1930 1248
1941 1229
1960 1345
1970 1619
1980 2237
1990 3096
2000 3483

Die Einwohnerzahl stieg zwischen 1798 und 1850 stark an (+55,1 %). Danach folgte bis 1960 ein Auf und Ab. Einem Wachstum zwischen 1860 und 1880 schlossen sich zwei Jahrzehnte Bevölkerungsabwanderung an - so dass die Zahl der Bewohner im Jahr 1900 niedriger lag als fünfzig Jahre früher (-5,3 %). Zwischen 1900 und 1930 gab es dann eine Wachstumsphase (+21,4 %), gefolgt von einem leichten Rückgang bis 1941 und einem leichten Bevölkerungsanstieg bis 1960. Seither wächst die Einwohnerzahl rasch an (1960-2004: +174,6 %).

Sprachen[Bearbeiten]

Die Bevölkerung benutzt als Alltagssprache eine hochalemannische Mundart. Bei der letzten Volkszählung im Jahr 2000 gaben 93,80 % Deutsch, 2,18 % Albanisch und 0,75 % Spanisch als Hauptsprache an.

Religionen - Konfessionen[Bearbeiten]

Mutterkirche St. Martin auf Kirchbühl

Früher waren alle Bewohner Mitglied der römisch-katholischen Kirche. Heute (Stand 2000) sieht die religiöse Zusammensetzung der Einwohnerschaft wie folgt aus: Es gibt 76,89 % römisch-katholische, 13,92 % evangelisch-reformierte und 0,32 % orthodoxe Christen. Daneben findet man 3,53 % Konfessionslose, 2,47 % Muslime und 0,43 % Anhänger anderer nichtchristlicher Religionen. Die Muslime sind albanischer Herkunft, die Anhänger anderer nichtchristlicher Religionen Hindus tamilischer Herkunft.

Herkunft - Nationalität[Bearbeiten]

Luzernertor

Von den 3810 Einwohnern (Ende 2006) waren 3558 Schweizer und 252 Ausländer. Anlässlich der letzten Volkszählung waren 87,80 % (einschliesslich Doppelbürger 91,79 %) Schweizer Staatsangehörige. Die grössten Einwanderergruppen kommen aus Serbien (meist Albaner), Deutschland, Italien, Spanien, Portugal und Grossbritannien.

Verkehr[Bearbeiten]

Die Gemeinde ist durch die Postautolinie Sursee–Eich-Sempach Station ans Netz des öffentlichen Verkehrs angeschlossen. Der politisch zur Nachbargemeinde Neuenkirch gehörende Ortsteil Sempach Station verfügt über einen Bahnhof an der Bahnlinie Luzern–Olten, der Bahnhof ist etwa 1,5 km vom Ortskern Sempach entfernt. Der Ort liegt an der Hauptstrasse Luzern–Sempach–Sursee und hat einen eigenen Autobahnanschluss an der A2.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Stadt Sempach auf einem Kupferstich von Matthäus Merian, 1654

Wie bei allen Ortschaften rund um den Sempachersee ist das Gemeindegebiet schon früh besiedelt worden. Dies belegen Ausgrabungen, bei welchen neolithische und bronzezeitliche Pfahlbauten zum Vorschein kamen. Auch zur Zeit der Römer und der alemannischen Landnahme war die Gegend bewohnt (römische Siedlungsreste und Alemannengräber beweisen dies). Historisch erstmals erwähnt wird der Ort im Jahr 1150 in den Besitzurkunden des Klosters Muri, der Acta Murensia. Bereits kurze Zeit später wurden die Habsburger die neuen Herren über die Gemeinde. Sie erhielt von diesen um 1220 das Stadtrecht. Die Habsburger gründeten damals entlang der so genannten Baslerstrasse etliche Städtchen, um sich den Weg von Basel nach Italien über Luzern und den Gotthardpass zu sichern.

Durch die Expansionspolitik der Stadt Luzern bedroht, schloss sich das Städtchen am 6. Januar 1386 dieser an. So entging sie im Gegensatz etwa zu Rothenburg oder Wolhusen der Zerstörung durch die Eidgenossen. Die Habsburger waren nach diesem Akt wütend und beschlossen, dem Städtchen und den Eidgenossen eine Lektion zu erteilen. Dies führte am 9. Juli 1386 zur Schlacht bei Sempach, die den Habsburgern eine empfindliche Niederlage eintrug. 1393 wurde hier der Sempacherbrief ausgehandelt. Die Zugehörigkeit von Sempach zu Luzern wurde von den Habsburgern allerdings erst 1415 anerkannt.

Hexenturm

Sempach bildete bis 1798 eine eigene Vogtei mit wesentlich mehr Rechten für die Bürgerschaft als in den Landgemeinden. Von 1798 bis 1803 war es Hauptort des Distrikts Sempach. Seither gehört es zum damals neu geschaffenen Amt Sursee. Bereits im 18. Jahrhundert verlor das Städtchen viel von seiner früheren Bedeutung, als am linken Ufer des Sempachersees eine neue grosse Strasse (Luzern-Neuenkirch-Sursee) erstellt wurde und es fortan abseits der Hauptverkehrsachse lag.

Stadtbild und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

  • Von der ehemaligen Stadtbefestigung existieren am südlichen Stadteingang noch das Luzerner Tor mit Turmuhr und Fresko von 1911 (Seraphin Weingartner) und, als östlicher Eckpfeiler, der Hexenturm aus dem 13. oder 14. Jahrhundert mit Zinnenkranz. Hingegen ist das Surseer Tor auf der Nordseite eine Rekonstruktion aus den Jahren 1985-1987.
  • Die Altstadt besteht nur aus einer Durchgangsstrasse (Stadtstrasse) und wenigen Gassen (Untergasse, Obergasse, Gerbergasse). Während die Untergasse mit ihren Gasthäusern einst dem gehobenen Bürgertum zuzurechnen war, ist die Obergasse eher ländlichen Charakters. In der Gerbergasse hat sich, inmitten zeitgenössischer Bausubstanz, ein (stark restauriertes) spätmittelalterliches Hochstudhaus mit Tätschdach (Nr. 3, um 1500) erhalten. Es gehört zu den ältesten Holzkonstruktionen seiner Art im Kanton Luzern.
  • Das Rathaus stammt in seiner wesentlichen Bausubstanz aus dem Ende des 15./Beginn des 16. Jahrhunderts; seine Fassade in Fachwerk wurde im ersten Geschoss jedoch erst im 17. Jahrhundert, im Obergeschoss mit Dacherker erst im 19. Jahrhundert angefügt. Die spätgotische Ratsstube diente zu Ratsversammlungen, Gerichtssitzungen, aber auch für Bankette und Feste. Sie enthält Kabinettsschreiben aus dem frühen 17. Jahrhundert. Ein kleines Museum in der "Tuchlaube" zeigt Dokumente zur Stadtgeschichte und zur Schlacht bei Sempach. Der Löwenbrunnen vor dem Rathaus stammt aus dem 16. Jahrhundert (Becken und Skulptur erneuert).
  • Vor der klassizistischen Pfarrkirche St. Stefan (1831; 2000 restauriert) befindet sich die spätbarocke Kaplanei (1797). Das Löwen-Denkmal auf dem Kirchenvorplatz wurde 1886 zur 500-Jahres-Feier der Schlacht bei Sempach zu Ehren von Petermann von Gundoldingen und Arnold Winkelried errichtet (Zürcher Bildhauer Urs Eggenschwiler).
  • An der "Alten Schiffslände" befand sich vor 1806, als der Seespiegel um 2 m abgesenkt wurde, der Hafen der Stadt. Hier gibt es einige Wohnhäuser mit verarbeiteter Bausubstanz der abgebrochenen Stadtmauer. Neben dem nicht mehr existierenden Seetor steht die "Sust" (18. Jahrhundert), wo die Waren vom Wasser für den Landtransport umgeladen, verzollt und zwischengelagert wurden. Später war das Gebäude Waschhaus, und heute ist es eine Galerie.
  • Unterhalb der Altstadt verläuft die Seepromenade und in ihrer Verlängerung die Wanderroute in den Weiler Kirchbühl (ca. 30 Minuten).

Die Wandgemälde in der ehemaligen Pfarrkirche St. Martin im Ortsteil Kirchbühl, darunter das Fragment einer der ältesten Darstellungen der Legende von der "Begegnung der drei Lebenden und der drei Toten", entstanden um 1310.[2] Sie zählen zu den umfangreichsten und ältesten Freskenzyklen in einer der ältesten Kirchen im Kanton Luzern.

An die Schlacht bei Sempach erinnert als Gedenkstätte die Schlachtkapelle Sempach an der Strasse nach Hildisrieden.

Sonstiges[Bearbeiten]

Mit der Schweizerischen Vogelwarte befindet sich auch das wichtigste Zentrum der Vogelkunde innerhalb der Schweiz in Sempach.

Literatur[Bearbeiten]

Rickenbach, Judith: Zeitspuren. Kulturhistorische Wanderungen im Kanton Luzern, Hitzkirch 2001

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Sempach – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistik Schweiz – STAT-TAB: Ständige und Nichtständige Wohnbevölkerung nach Region, Geschlecht, Nationalität und Alter (Ständige Wohnbevölkerung)
  2. Hans Georg Wehrens: Der Totentanz im alemannischen Sprachraum. "Muos ich doch dran – und weis nit wan". Schnell & Steiner, Regensburg 2012, S. 26, ISBN 978-3-7954-2563-0.