Senatus consultum ultimum

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Der lateinische Begriff senatus consultum ultimum (letzter Beschluss des Senats, kurz SCU) bezeichnet den Staatsnotstand in der späten römischen Republik, verhängt durch den Senat.

Der Beschluss bevollmächtigte die beiden Consuln, alles zu unternehmen, um Schaden vom Staat abzuwenden („Videant consules, ne quid res publica detrimenti capiat“; deutsch „Mögen die Konsuln zusehen, dass der Staat keinen Schaden nehme“). Die Vollmachten werden bei Sallust in De coniuratione Catilinae 29,3 beschrieben. Die Reichweite der Vollmacht entsprach nicht der des regulären Ausnahmeamtes, der Diktatur.

Zwar waren Gewaltanwendungen, Hinrichtungen römischer Bürger ohne Gerichtsurteil und Truppenaushebungen möglich, andererseits schützte das SCU nicht vor späterer Anklage, da die Popularen die Rechtmäßigkeit dieses eigens zu ihrer Bekämpfung eingerichteten Notstands nie anerkannten. So wurde Lucius Opimius, der sich als erster auf einen solchen Beschluss vom Jahre 121 v. Chr. hatte berufen können, als Mörder des Gaius Gracchus angeklagt, von diesem Vorwurf jedoch freigesprochen; weniger Glück hatte Marcus Tullius Cicero, der für die Hinrichtung der Anhänger von Lucius Sergius Catilina in die Verbannung geschickt wurde.

Überlieferte Anwendungsfälle[Bearbeiten]

Es gibt insgesamt 14 unumstritten überlieferte senatus consulta ultima, ein in der Fachwelt umstrittenes und zwei zwar überlieferte, aber nicht historische.

Die 14 gesicherten SCU:

Plutarch überliefert ein senatus consultum ultimum für das Jahr 133 v. Chr. gegen Tiberius Gracchus[4], das von der Forschung als nicht historisch angesehen wird. Für gänzlich fiktiv werden die bei Livius genannten senatus consulta ultima der Jahre 464 v. Chr. und 384 v. Chr. angesehen.

Literatur[Bearbeiten]

  • Jochen Bleicken: Die Verfassung der Römischen Republik. Grundlagen und Entwicklung (= UTB für Wissenschaft. Uni-Taschenbücher. Bd. 460). 6. Auflage. Schöningh, Paderborn u. a. 1993, ISBN 3-506-99405-0, S. 115ff.
  • Antonio Guarino: „Senatus consultum ultimum“. In: Walter G. Becker, Ludwig Schnorr von Carolsfeld (Hrsg.): Sein und Werden im Recht. Festgabe für Ulrich von Lübtow zum 70. Geburtstag am 21. August 1970. Duncker & Humblot, Berlin 1970, S. 281–294.
  • Andrew Lintott: Violence in Republican Rome. 2nd edition. Oxford University Press, Oxford 1999, ISBN 0-19-815282-5.
  • Siegfried Mendner: Videant consules. In: Philologus. Bd. 110, Nr. 3/4, 1966, S. 258–267.
  • Theodor Mommsen: Römisches Staatsrecht. Band 3, Teil 2. Hirzel, Tübingen 1888, S. 1240–1251.
  • Wilfried Nippel: Aufruhr und „Polizei“ in der römischen Republik. Klett-Cotta, Stuttgart 1988, ISBN 3-608-91434-X, S. 83–85 (Zugleich: München, Universität, Habilitations-Schrift, 1983).
  • Jürgen Baron Ungern-Sternberg von Pürkel: Untersuchungen zum spätrepublikanischen Notstandsrecht. Senatusconsultum ultimum und hostis-Erklärung (= Vestigia. Bd. 11). Beck, München 1970, ISBN 3-406-03094-7 (Zugleich: München, Universität, Dissertation, 1968).
  • Gerhard Plaumann: Das sogenannte Senatus consultum ultimum, die Quasidiktatur der späteren römischen Republik. In: Klio. Bd. 13, 1913, S. 321–386.
  • Kurt Raaflaub: Dignitatis contentio. Studien zur Motivation und politischen Taktik im Bürgerkrieg zwischen Caesar und Pompeius (= Vestigia. Bd. 20). Beck, München 1974, S. 72–99.
  • Bernd Rödl: Das Senatus Consultum Ultimum und der Tod der Gracchen. Bonn 1969 (Erlangen-Nürnberg, Universität, Dissertation, 1968)

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Plutarch, C. Gracchus, 14.1-2.
  2. De viris illustribus, 73.10.
  3. Plutarch, Cicero, 22.
  4. Plutarch, Ti. Gracchus. 19.3.