Sendeplatz

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Sendeplatz (oder „Sendezeit“) ist bei Hörfunk und Fernsehen das Datum und der Zeitpunkt, an dem eine regelmäßig ausgestrahlte Sendung oder Fernsehserie gesendet wird.

Allgemeines[Bearbeiten]

Ein bestimmter Sendeplatz (englisch „slot“) ist sowohl für das Radio- und Fernsehpublikum als auch für die Programmanbieter von Bedeutung. Er ist für die Orientierung des Radio- und Fernsehpublikums wichtig, weil es sich darauf verlassen können will, dass eine bestimmte Sendung an einem bestimmten Wochentag zu einer bestimmten Uhrzeit ausgestrahlt wird. Dann ist die Orientierung etwa an Programmhinweisen oder Programmzeitschriften nicht erforderlich. Die Festlegung eines Sendeplatzes ist auch Bestandteil des Programmkonzepts der Sender. Sie beruht auf den Hör- und Sehgewohnheiten sowie der hieraus resultierenden Radio- und Fernsehnutzung des Publikums. Dabei wird auf die soziodemografischen Zielgruppen (Alter, Familienstand, Bildung) Rücksicht genommen. Seifenopern wurden früher in den USA am Morgen gezeigt, da Hauptzielgruppe die Hausfrauen waren und deshalb mit Seifen- und Waschmittelwerbung penetriert wurden. Allgemeine Hauptzielgruppe (werberelevante Zielgruppe) sind heute die 14- bis 49-Jährigen und die Neigungen bestimmter Zielgruppen, bestimmte Radio- oder Fernsehsendungen zu hören oder anzuschauen. Eine „spitze“ Zielgruppe sind ausgesprochene Fans oder Experten einer Serie, größeres Publikumspotenzial besteht hier nicht.[1] Die Sender fokussieren dabei meist auf die Hauptsendezeit („prime time“), weil die Sendeplätze in dieser Zeit auf die höchste Fernsehnutzung mit größtem Zuschaueraufkommen treffen.

Kategorien[Bearbeiten]

Die Fernsehsender kategorisieren die Sendeplätze nach ihrer Bedeutung im Hinblick auf die mögliche Zahl der Zuschauer.[2]

Sendeplatz Sendezeit
Sendeplatz I zwischen 20.00 und 22.00 Uhr
Sendeplatz II zwischen 22.00 und 24.00 Uhr
Sendeplatz III zwischen 12.00 und 16:00 Uhr
Sendeplatz IV zwischen 16.00 und 20.00 Uhr
Sendeplatz V zwischen 10.00 und 12.00 Uhr

Sendeplatz I belegt die Zeit zwischen 20.00 und 22.00 Uhr und ist die Hauptsendezeit („prime time“), alle übrigen Sendeplätze weisen weniger Zuschauer auf. In Deutschland haben die öffentlichen Rundfunkanstalten nicht immer an allen Sendeplätzen ausgestrahlt. Im Radio gab es bis Juli 1959 eine nächtliche Versorgungslücke (Nachtprogramm (ARD-Hörfunk)). Frühstücksfernsehen wurde in Deutschland erst durch das Privatfernsehen im Oktober 1987 eingeführt, die öffentlich-rechtlichen zogen erst im Juli 1992 nach. In den USA unterscheidet man „prime time“ (20-22 Uhr), „late prime time“ (22-23 Uhr) und „late night“ (23 Uhr bis in die frühen Morgenstunden). Der Begriff „late night“ stammt aus den USA und hat sich mittlerweile auch in Deutschland für den Sendeplatz II eingebürgert.[3]

Zuordnung zu Sendeplätzen[Bearbeiten]

Sendeplatzbeschreibungen definieren für jeden Sendeplatz die geplanten Inhalte und die damit verfolgten Programmziele. Die Positionierung an einem bestimmten Sendeplatz ist insbesondere für die privaten Fernsehsender von Bedeutung, weil ihre Fernsehwerbung während der „prime time“ auf das größte Zuschaueraufkommen trifft und hier die höchsten Werbeeinnahmen zu erwarten sind. Deshalb sind die auf einem Sendeplatz erzielbaren Erlöse bei den privaten Stationen für die Programmplanung von Bedeutung.[4] Die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten hingegen müssen medienrechtlich während der Hauptsendezeit auf Werbung verzichten.

Der Einkauf von Filmrechten richtet sich nach den erwarteten Werbeeinnahmen innerhalb eines geplanten Sendeplatzes. Ein gekaufter Film fällt demnach durch, wenn er auf einem Sendeplatz einen geringeren als den durchschnittlichen Sendermarktanteil erzielt.[5] Mithin wird kein Fernsehsender bewusst einen Film an einem Sendeplatz zeigen, der deutlich unter dem für den vorgesehenen Sendeplatz typischen Zuschauerschnitt und Werbeerlös liegen würde.[6] Der Marktanteil ist der Anteil der auf einen Sender entfallenden Sehdauer an der gesamten Sehdauer aller Sender in einem bestimmten Zeitintervall. Er definiert die Akzeptanz des Programms im Verhältnis zu den Programmen anderer Sender. Die Messung des Marktanteils ermöglicht eine Einbeziehung des Rezipientenpotenzials eines Sendeplatzes.[7] Nutzungsschwache Sendeplätze sind eher prädestiniert für Spezialsendungen von geringem Interesse.

Interessant war die propagandistische Ausrichtung des DDR-Fernsehens auf den westdeutschen Zuschauer. Das Telestudio West sendete Samstagsnachmittags an einem Sendeplatz, wo das Westfernsehen Kinderfernsehen ausstrahlte.[8] Der schwarze Kanal aus Ost-Berlin wurde montags zur „prime time“ gesendet, wo das ZDF bevorzugt Filme dagegenstellte.

Gewohnheitseffekt[Bearbeiten]

Ziel des Programmkonzepts eines Radio- oder Fernsehsenders ist die Platzierung jeder Fernsehproduktion und jeder Fernsehserie auf dem jeweils optimalen Sendeplatz. Ein Sendeformat ist in der Regel – neben inhaltlichen und formalen Übereinstimmungen – auch durch einen gleichbleibenden Sendeplatz im Programm gekennzeichnet.[9] Es wird so geplant, dass etwa auf der Hälfte aller Spielfilm-Sendeplätze eines Jahres Erstausstrahlungen einkalkuliert werden, auf den restlichen Slots aber die Wiederholungen bereits gezeigter Filme laufen soll.[10] Wiederholungen sind notwendig, um die Lizenz ökonomisch auszunutzen, da Filme meist mit mehrfachen Ausstrahlungsrechten erworben werden. Für Fernsehserien gilt, einen Sendeplatz zu finden, der langfristig sowohl für das Format als auch für die Programmstruktur optimal ist. Der feste Sendeplatz führt beim Publikum zu einem Gewohnheitseffekt. Ein Serienformat muss Teil der Routine werden, wenn es sich behaupten will.[11] Andererseits sind programmliche Sonderereignisse (Sportübertragungen, royale Hochzeiten, Breaking News) mit besonderem Publikumsinteresse verbunden, so dass die Auswahl des Sendeplatzes meist nicht möglich ist und für das Publikum ohne Bedeutung ist.

Weblinks[Bearbeiten]

Wiktionary Wiktionary: Sendeplatz – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Eric Carstens/Jörg Schütte, Praxishandbuch Fernsehen: Wie Fernsehsender arbeiten, 2010, S. 350
  2. Kristian Seewald, Gründung und Aufbau des ZDF…, 2008, S. 121 f.
  3. Klaus Storm, America after Dark, 2004, S. 7
  4. Gerrit Brösel/Frank Keuper, Medienmanagent, 2003, S. 163
  5. Stefan Fuchs, Spielfilme im Fernsehen: Zuschauerprognose und monetäre Bewertung von Senderechten, 2009, S. 92, Fußnote137
  6. Stefan Fuchs, a.a.O., S. 150
  7. Gerrit Brösel/Frank Keuper, a.a.O., S. 162
  8. Claudio Dittmar, Feindliches Fernsehen, 2010, S. 86
  9. Martin Werle, Eingeschaltet oder abgemeldet?: Interessen Des Publikums, 2008, S. 142
  10. Eric Carstens/Jörg Schütte, a.a.O., S. 146
  11. Eric Carstens/Jörg Schütte, a.a.O., S. 142