Sendeschluss

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Sendeschluss nennt sich der Zeitpunkt, ab dem ein Radio- oder Fernsehsender sein Programm beendet.

Allgemeines[Bearbeiten]

Man unterscheidet den turnusgemäßen Sendeschluss (zum Beispiel über die Nachtstunden, jahreszeitlich oder wenn einem Sender im Rahmen des Frequenzsplitting ein Zeitfenster zugeteilt wurde) von einem vorübergehenden oder endgültigen Sendeschluss, nach dem der Betrieb eingestellt oder an einen anderen Betreiber übergeben wird.

Der turnusmäßige Sendeschluss war bei den meisten Hörfunk- und Fernsehsendern weltweit ritualisiert. Oft gab es zuvor noch eine letzte Nachrichtensendung,[1] gefolgt von Programmhinweisen für den nächsten Tag und oftmals auch der Nationalhymne. Beim Sendeschluss verzichteten die Hörfunk- und Fernsehstationen auf die Ausstrahlung eines Nachtprogramms, das die Nacht überbrückte und nahtlos in das Morgenprogramm (etwa das ARD-Morgenmagazin im Fernsehen) überging. Das Programmformat des Nachtprogramms begann am 2. November 1947 beim NWDR, dem im August 1948 Radio Frankfurt folgte.[2] Es handelte sich jedoch um regionale Programmformate mit kulturellem Inhalt, die teilweise die Nacht nicht vollständig überbrückten und damit den Sendeschluss nur hinauszögerten. Die ARD beendete 1959 bei den meisten Radiostationen ihre nächtliche Versorgungslücke und strahlte fast deutschlandweit das im wechselnden Turnus von einem Sender produzierte gemeinsame Nachtprogramm aus.

Nachtprogramm[Bearbeiten]

Der Soldatensender Belgrad hatte wohl den berühmtesten Sendeschluss der Rundfunkgeschichte. Wegen seiner enormen Reichweite konnte er im gesamten Mittelmeerraum bis Nordafrika empfangen werden und hatte etwa 6 Millionen Zuhörer. Berühmt wurde das von Lale Andersen gesungene Soldatenlied Lili Marleen insbesondere durch den Sender, weil er es täglich ab April 1941 zum Sendeschluss um 21:57 Uhr spielte.[3] Erst seit dem 1. Juli 1959 entstand mit der „Musik bis zum frühen Morgen“ das erste reguläre Gemeinschaftsangebot im ARD-Mittelwellenbereich[4] und schloss die nächtliche Programmlücke. Die ARD wollte damit nicht etwa ihre Versorgungslücken schließen, sondern hatte damit auf das Nachtprogramm des in der DDR stationierten Deutschlandsenders reagiert, der die Funkstille der ARD-Radiostationen mit seinem sendestarken Mittelwellensender ausglich und Schichtarbeiter der BRD mit seinem propagandistischen Nachtprogramm erreichen wollte. Bis 1968 hatten die Landesrundfunkanstalten ihr Radioprogramm zu einem 24-Stunden-Programm ausgebaut[5] und damit den Sendeschluss obsolet gemacht. Bis 1961 hatte AFN Berlin in Deutschland kein Nachtprogramm und machte gegen Mitternacht Sendeschluss. Das wurde in der DDR propagandistisch genutzt, indem man aus Ost-Berlin auf der ungenutzten AFN-Frequenz Informationen über den Kommunismus in englischer Sprache von Radio Moskau verbreitete.[6] Um die Frequenz zu belegen, wurde ab August 1961 nach dem Mauerbau rund um die Uhr gesendet - das erste 24 Stunden-Radioprogramm in Westdeutschland.

Der ORF sendete bei beiden Programmen ab Juli 1995 für 24 Stunden und beendete damit den Sendeschluss. Sendeschluss haben heute lediglich noch Spartenkanäle wie etwa KiKA (21:00 Uhr) oder Fernsehstationen, die sich im Rahmen des Frequenzsplitting einen Kanal mit einer anderen Station teilen. Sendeschluss über Nacht oder eine Pause am frühen Nachmittag ist in anderen Ländern (etwa in Skandinavien) weiterhin üblich.

Vollprogramm[Bearbeiten]

Umgangssprachlich handelt es sich bei den 24-Stunden sendenden Stationen um ein Vollprogramm, das keinen Sendeschluss mehr kennt. Der Begriff Vollprogramm ist medienrechtlich anders definiert, wird aber umgangssprachlich für ein 24-Stunden-Programmangebot verstanden. Fernsehen und Hörfunk gehören inzwischen auch zu den Medien, die zeitlich unbegrenzt verfügbar sind und keinen Sendeschluss mehr haben.[7] Ohne Sendeschluss gibt es einen fortdauernden, nicht endenden Fluss technisch vermittelter Kommunikation.[8] Heutige Generationen kennen nicht mehr nur drei Fernsehprogramme, Nationalhymne zum Sendeschluss und Testbild nach Mitternacht.[9]

Deutschland[Bearbeiten]

Bei privaten Fernsehsendern gab es lediglich in deren frühen Gründungsstadium ab Januar 1984 einen Sendeschluss. Ab September 1990 sendete RTLplus zunächst am Wochenende ohne Sendeschluss. Im Bereich des deutschen Fernsehens gab es einen Sendeschluss bis 1994. Dort endete das Programm am späten Abend oder am frühen Morgen durch Aufschaltung des Testbildes. Ausnahmen stellten beispielsweise Lang- und Mittelwellensender dar, die während der Nachtstunden infolge von Auflagen des Wellenplans nicht betrieben werden dürfen, da sie andere Sender durch Überreichweiten stören würden. Einer dieser Sender war bis 1989 der einstige Langwellensender Erching des Deutschlandfunks.

Beim Fernsehen wurden ursprünglich zum Programmschluss so genannte „letzte Nachrichten“ verlesen (vor allem bei den Dritten Programmen), gefolgt von Tafeln mit der Programmvorschau des folgenden Tages. Danach erschien entweder sofort aufgrund der Abschaltung oder manchmal nach einem kurzzeitig vorher noch eingeblendeten Testbild des Senders der so genannte „Schnee“ bzw. das „Rauschen“. In einer Übergangsphase überbrückte das ZDF die Nachtlücke mit Autofahrten durch Deutschland und dem Ton des Deutschlandradio Berlin.[10]

Ab April (ZDF) bzw. Mai (ARD) 1985 wurde die Nationalhymne gespielt. Im Bayerischen Fernsehen wird nach dem Sendeschluss und vor der Space Night die Bayernhymne, die Deutsche Nationalhymne sowie die Europahymne zu unkommentierten Bildern aus Bayern, Deutschland bzw. der EU gespielt. Im Hörfunk spielt Bayern 1 diese Hymnen vor der Aufschaltung des ARD-Nachtexpress nach den Nachrichten um Mitternacht.

Österreich[Bearbeiten]

In Österreich sendet der ORF erst seit Juli 1995 durchgehend. Zum Programmschluss wurde die Nationalhymne seit Beginn des Sendebetriebs gesendet. Danach folgte der sogenannte „Schnee“, zeitweise war zuvor noch kurzzeitig ein Testbild oder Schwarzbild zu sehen.

Schweiz[Bearbeiten]

Der Ende 2008 abgeschaltete Mittelwellensender Beromünster machte kurz nach 23 Uhr Sendeschluss.

Europäische Hörfunksender[Bearbeiten]

Manche Hörfunksender, die nicht 24 Stunden in Betrieb sind, spielen vor Sendeschluss eine Nationalhymne. So kann man kurz nach Mitternacht auf der von Radio Monte Carlo genutzten Langwellenfrequenz 216 kHz die Nationalhymne von Monaco hören. Dieser Brauch ist auch bei durchgehend betriebenen Sendern, also unabhängig vom Sendeschluss, zu beobachten. Häufig erfolgt auch eine Durchsage in der Form „Wir schalten nach den Nachrichten den Sender auf der Frequenz xy bis morgens um z Uhr ab“. Der Langwellensender von Europe 1 und der Mittelwellensender der Stimme Russlands machen auch jeden Abend Sendeschluss (ersterer um 1 Uhr, letzterer um Mitternacht). Bei Radiosendern wird nach Sendeschluss die Trägerfrequenz entweder abgeschaltet oder sie sendet ein dauerhaftes Pausenzeichen.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Jürgen Willke, Grundzüge der Medien- und Komunikationsgeschichte, 2008, S. 336
  2. Monika Boll, Nachtprogramm, 2004, S. 52
  3. Carmen Friedrich/Hans-Joachim Brustmann, Geschichten über's Radiohören, 2010, S. 38
  4. Der Spiegel 28/1959 vom 8. Juli 1959, Kleine Nachtmusik, S. 55
  5. Joachim-Félix Leonhard, Medienwissenschaft Band 2, 2001, S. 1440
  6. Carmen Friedrich/Hans-Joachim Brustmann, a.a.O., S. 71
  7. Maren Hartmann/Andreas Hepp, Die Mediatisierung der Alltagswelt, , S. 67
  8. Maren Hartmann/Andreas Hepp, a.a.O., S. 67
  9. Horst W. Opaschowski/Michael Pries/Ulrich Reinhardt, Freizeitwirtschaft: die Leitökonomie der Zukunft, 2006, S. 193
  10. Andreas Stuhlmann, Radio-Kultur und Hör-Kunst: Zwischen Avantgarde und Popularkultur 1923-2001, 2001, S. 17

Siehe auch[Bearbeiten]