Senesino

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Il Senesino

Senesino, eigentlich Francesco Bernardi (* 31. Oktober 1686 in Siena; † 27. November 1758)[1] war ein italienischer Kastrat in Mezzosopran-Lage und erfolgreicher Opernsänger in London. Der Umfang seiner Stimme reichte von g bis g2.

Leben[Bearbeiten]

Senesino leitete seinen Künstlernamen von seiner Geburtsstadt ab. Sein erster Auftritt ist für Venedig 1707 dokumentiert, danach reiste er durch verschiedene italienische Städte. Ab 1717 war er am Dresdner Hof angestellt. Hier hörte ihn der spätere Flötenlehrer Friedrichs II. und königliche Hofkapellmeister in Berlin Johann Joachim Quantz und schrieb über ihn in seiner Lebensbeschreibung:

„Senesino hatte eine durchdringende, helle, egale und angenehme tiefe Sopranstimme, (mezzo Soprano) eine reine Intonation, und schönen Trillo. In der Höhe überstieg er selten das zweygestrichene f. Seine Art zu singen war meisterhaft, und sein Vortrag vollständig. Das Adagio überhäufte er eben nicht zu viel mit willkührlichen Auszierungen: Dagegen brachte er die wesentlichen Manieren mit der größten Feinigkeit heraus. Das Allegro sang er mit vielem Feuer, und wußte er die laufenden Passagien, mit der Brust, in einer ziemlichen Geschwindigkeit, auf eine angenehme Art heraus zu stoßen. Seine Gestalt war für das Theater sehr vortheilhaft, und die Action natürlich. Die Rolle eines Helden kleidete ihn besser, als die von einem Liebhaber.“[2] [1]

Als Georg Friedrich Händel 1719 auf dem Kontinent nach Sängern für die neu gegründete Opernakademie suchte, versuchte er Senesino zusammen mit anderen Sängern in Dresden abzuwerben.

Senesino kam zur zweiten Saison im Dezember des nächsten Jahres nach London und war bis zur Auflösung der Akademie 1728 eine der Zugnummern. Mit den Heldenrollen in Opern wie Giulio Cesare und Riccardo Primo feierte er große Publikumserfolge. Nachdem Händel eine zweite Opernakademie aufgezogen hatte, stieß der zwischenzeitlich nach Italien zurückgekehrte Senesino 1730 wieder zu dem Ensemble, diesmal mit einem geringeren Gehalt. Das Verhältnis der beiden verschlechterte sich jedoch zusehends. 1733 führte er die Sänger an, die zur konkurrierenden Adelsoper überliefen, so dass diese manchmal als „Senesinos Oper“ bezeichnet wurde. Ab 1734 gehörte zu diesem Ensemble auch Farinelli, ein anderer berühmter Kastrat.

In der Rivalität der beiden Opernunternehmen gingen schließlich beide 1737 zugrunde, und Senesino kehrte nach Italien zurück. 1740 erwähnte Horace Walpole eine Begegnung mit Senesino in einem Brief und schrieb:

„we thought it a fat old woman; but it spoke in a shrill little pipe, and proved itself to be Senesini.“
(Übersetzung: Wir hielten es für eine dicke alte Frau; aber es sprach in einem schrillen leichten Piepsen und erwies sich als Senesini)

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Senesino – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Vickers, David und Vitali, Carlo: Senesino in: Landgraf, Annette und Vickers, David: The Cambridge Handel Encyclopedia, Cambridge University Press 2009, ISBN 978-0521881920, S. 581
  2. Quantz, Johann Joachim: Herrn Johann Joachim Quantzens Lebenslauf, von ihm selbst entworfen. in: Marpurg, Friedrich Wilhelm: Historisch-Kritische Beyträge zur Aufnahme der Musik, Bd. 1, St. 3, Verlag Schützens, Berlin 1754, S.213