Senföl

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Allgemeine chemische Struktur von Senföl (R1, R2 und R3 sind langkettige Alkyl- oder Alkenylreste mit einer meist ungeraden Anzahl von Kohlenstoffatomen). Senföl ist – wie andere pflanzliche Öle – ein Gemisch von Triestern des Glycerins.

Als Senföl werden sowohl das fette als auch das ätherische Öl des Senfsamens bezeichnet, ebenso organische Isothiocyanate.

Fette Öle[Bearbeiten]

Schwarzer Senf (Brassica nigra)

In den Samenkörnern des Schwarzen Senfs ist bis zu etwa 30 Prozent Pflanzenöl enthalten. Dieses Öl ist – wie fast alle anderen Pflanzenöle – chemisch ein Triglycerid und hat einen hohen Anteil an ungesättigten Fettsäureresten. Seine Verwendung als Lebensmittel ist zwar typisch und weit verbreitet für die indische und bengalische Küche, jedoch nicht uneingeschränkt zu empfehlen, da im rohen oder ungenügend erhitzten Senföl Glyceride der Erucasäure enthalten sind, die auf Dauer zur Herzverfettung führen können. In Indien wird kaltgepresstes Senföl typischerweise beim Kochen kurz und sehr stark bis zum Rauchpunkt erhitzt, wodurch der durch die enthaltenen Isothiocyanate bedingte, stechende Geschmack abgemildert wird. In der EU und in den USA darf Senföl nur dann als Lebensmittel auf den Markt gebracht werden, wenn der Erucasäureanteil unter 5 Prozent liegt.

Ätherische Öle[Bearbeiten]

Senf enthält auch scharfe ätherische Öle, die für den scharfen Geschmack von Senf, Meerrettich, Wasabi, Rucola, Radieschen und Kresse verantwortlich sind. Bei Senfkörnern, die trocken geruchlos sind und wie das trockene Senfpulver kein Aroma besitzen, entwickelt der charakteristische scharf-brennende, meerrettich-ähnliche Geschmack sich erst durch Zufügen von Wasser – erst dann wird das ätherische Senföl frei.

Die ätherischen Senföle enthalten Senfölglykoside und die aus ihnen freigesetzten Isothiocyanate.

Beispiele:

Medizinischer Einsatz und Wirkungen[Bearbeiten]

Senföle können eine hemmende Wirkung auf Viren und Bakterien bei Harn- und Atemwegsinfektionen haben. So zeigten In-vitro-Untersuchungen von Senfölen, die Benzylisothiocyanat, 2-Phenylethylisocyanat und Allylisothiocyanat enthalten, dass diese das Viruswachstum in mit dem Influenza-A-Virus H1N1 infizierten Lungenepithelzellen um bis zu 90 % vermindern können.[1]

Senföl aktiviert über Cysteine die TRPA1 und TRPV1 Kanäle (Transient Receptor Potential Ankyrin Repeat 1 und Vanilloid 1), Ca2+ durchlässige Ionenkanäle, die akute und entzündliche Schmerzsignale wahrnehmen und auslösen können. Dieser Effekt ist vergleichbar mit der Wirkungsweise von Capsaicin und wird unter anderem mit Goldverbindungen (z.B. Auranofin, Natriumaurothiomalat) bei der Behandlung rheumatoider Arthritis genutzt und neuerdings als Versuchsmittel für die Tumorbehandlung verwendet. [2][3][4]

In Kombination mit Kaolin (Tonerde), Cayennepfeffer (Capsaicin bzw. Capsicinoide sind der Wirkstoff) und Wasser wird Senföl in Form von Munari-Packungen (Italienische Packung) als Wärmetherapie bei Schmerzen und Verspannungen am Bewegungsapparat einzeln oder in Kombination mit Massage eingesetzt.[5]

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Senföl – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Werner Stingl: Influenza-Viren mit Phytotherapie bekämpfen. Meldung in der Ärzte Zeitung vom 16. Dezember 2010.
  2. Gees M, Alpizar YA, Boonen B, Sanchez A, Everaerts W, Segal A, Xue F, Janssens A, Owsianik G, Nilius B, Voets T, Talavera K.: Mechanisms of transient receptor potential vanilloid 1 activation and sensitization by allyl isothiocyanate. Mol Pharmacol. 2013 Sep;84(3):325-34. doi: 10.1124/mol.113.085548. Epub 2013 Jun 11. PMID 23757176
  3. Andrew Hinman, Huai-hu Chuang, Diana M. Bautista, and David Julius: TRP channel activation by reversible covalent modification. Proc Natl Acad Sci U S A. 2006 Dec 19;103(51):19564-8. doi: 10.1073/pnas.0609598103. Epub 2006 Dec 12. PMID 17164327
  4. Hatano N1, Suzuki H, Muraki Y, Muraki K: Stimulation of human TRPA1 channels by clinical concentrations of the antirheumatic drug auranofin. Am J Physiol Cell Physiol. 2013 Feb 15;304(4):C354-61. doi: 10.1152/ajpcell.00096.2012. Epub 2012 Dec 5. PMID 23220116
  5. Gerda Vacariu, Othmar Schuhfried, Marta Korpan: Physikalische Therapie und Rehabilitation bei Schmerzsyndromen am Bewegungsapparat. In: Kompendium Physikalische Medizin und Rehabilitation. 3. Auflage , 2013, S. 357 ISBN 978-3-7091-0467-5.