Senta Baldamus

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Brunnen der Jugend in Berlin-Neu-Hohenschönhausen mit Figuren von Senta Baldamus

Senta Baldamus (* 14. Oktober 1920 in Breslau (Provinz Oberschlesien); † 26. Januar 2001 in Berlin) war eine deutsche Bildhauerin mit dem überwiegenden Wirkungskreis in Berlin.

Leben[Bearbeiten]

Senta Baldamus, die aus der Berliner Familie Hildebrandt aus Schöneberg stammt, studierte Bildhauerei an den Kunstakademien in München und Berlin. Im Jahr 1950 siedelte sie nach Berlin-Pankow über und richtete hier ein Atelier ein.[1] Die Künstlerin schuf ab den 1950er-Jahren zahlreiche Porträtbüsten, Brunnenskulpturen und Bronzefiguren, sie illustrierte auch Bücher ihres Ehepartners, dem Mediziner Ulrich Baldamus[2]. Die meisten Werke befinden sich im öffentlichen Raum in Berlin wie dem Tierpark Berlin oder vor Kultur- oder Bildungseinrichtungen. Im Jahr 1991 erblindete Senta Baldamus infolge einer fortschreitenden Krankheit und musste ihre Tätigkeit aufgeben.[3]

Senta Baldamus war verheiratet und hatte zwei Töchter – Ulrike und Dietlind, beide inzwischen ebenfalls verheiratet – sowie einen Sohn Jürgen.[4]

Werksübersicht (Auswahl)[Bearbeiten]

Karl-Foerster-Denkmal im Tierpark Berlin
Jugend der Welt in Berlin-Karlshorst
  • Erich Weinert, Gipsmodell für Bronzebüste (1951)[5]
  • Knabenakt, Bronze (1956), Berlin-Biesdorf im Kulturpark[5]
  • Abstrakte Figur, Stein (1957)[5]
  • Bronzebüsten für Karl Foerster (1961–1974), Peter Joseph Lenné (1964), Charles Darwin und Carl von Linné – im Tierpark Berlin
  • Brunnen Frühling im Lenné-Tempel (1961–1964)
  • weibliche Akte – im Tierpark
  • Der Agitator, Bronze (1967), Anemonenstraße, vor dem Flatow Gymnasium in Berlin-Köpenick[6]
  • Lesende (Gruppenplastik), Bronze (1971) in Berlin-Altglienicke, Rudower Chaussee 81, im Besitz des Oberstufenzentrums Bau/Holz[6]
  • Staffelläufer, Bronze (1975), Leipzig, Friedrich-Ludwig-Jahn-Allee, Vorplatz der Sportwissenschaftlichen Fakultät der Universität Leipzig (ehem. Sportmedizinisches Institut der Deutschen Hochschule für Körperkultur)[7]
  • Jugend der Welt, auch Solidarität oder Völkerfreundschaft genannt, eine 3,38 Meter hohe Bronzegruppe (1978–1982), bestehend aus drei Männern und zwei jungen Frauen. Standort Berlin-Karlshorst, Römerweg / Ecke Treskowallee, vor dem Studentenwohnheim der ehemaligen Hochschule für Ökonomie. Die fünf jungen Menschen stehen symbolisch für die fünf (bewohnten) Kontinente der Erde, denn sie tragen typische Kleidung bzw. besitzen die entsprechende Physiognomie.[8][9]
  • Freizeit und Lebensfreude, (Gruppenplastik) Bronze/Beton (1988), in Berlin-Baumschulenweg, Neue Krugallee 142[6]
  • Lebensfreude, 4 Meter große Bronzeplastik eines nackten Tanzpaares, im Garten des Kronprinzenpalais (Berlin)Unter den Linden, Berlin-Mitte[5]
  • Sportlerin mit Reifen, 2,80 Meter großer Bronzeguss (ohne Reifen, in Sportschule Kienbaum)[5]
  • Handballspielerinnen, 2,30 Meter groß, Bronze, Kulturpark an der Stadthalle Neubrandenburg[5]
  • Arbeitergespräch, Bronze (1981), zunächst am Segelfliegerdamm in Berlin-Treptow, nach 1990 versetzt nach Berlin-Reinickendorf, Holzhauser Straße 165
  • Brunnen der Jugend (1975–1999) am Prerower Platz in Berlin-Neu-Hohenschönhausen
Geschichte des Brunnens der Jugend
Kinderfiguren am Brunnen der Jugend

Die Stadtverwaltung von Schwerin gab im Jahr 1975 bei Senta Baldamus einen Brunnen der Jugend in Auftrag, der auf dem Schweriner Marktplatz aufgestellt werden sollte. Die Künstlerin fertigte einen Entwurf des von ihr als krönender Abschluss ihres bisherigen künstlerischen Schaffens betrachteten Werkes: Eine Mutterfigur in fließenden Gewändern als Sockelskulptur wird von acht spielenden Kindern umgeben. Die an barocke Darstellungen erinnernde Figurengruppe sollte inmitten einer großen steinernen Wasserschale stehen. Bis einige Zeit nach der Wende entstanden die ersten vier Bronzeskulpturen, darunter auch die zentrale 2,00 m hohe Frauengestalt, und wurden in einem Schuppen in Schwerin zwischengelagert. Durch die neue Funktion der Stadt Schwerin als Hauptstadt des Landes Mecklenburg-Vorpommern wurde das Projekt Marktbrunnen zuerst stillgelegt und schließlich aufgegeben, weil das ursprünglich eingeplante Geld nun für andere Aufgaben benötigt wurde. Senta Baldamus wandte sich daraufhin an die Interessengemeinschaft Partner für Berlin, um sowohl neue Geldgeber als auch neue Interessenten für die Aufstellung des Brunnens zu gewinnen:

„Als Berlinerin wäre mir Berlin natürlich am liebsten. […] Ich kann mir als Standort den Platz vor einem öffentlichen Gebäude, einen Innenhof oder einen Park vorstellen. Aber auch gegen eine andere Stadt hätte ich nichts einzuwenden. Hauptsache, der Brunnen wird überhaupt fertig. […] Ich bin sehr zäh. Wenn ich an einer Sache hänge, kämpfe ich bis zum letzten.“[3]

Die Berliner Marketinggesellschaft gewann das Bezirksamt Lichtenberg-Hohenschönhausen als neuen Eigentümer des gesamten Brunnenprojektes. Im Einkaufszentrum Linden-Center in Berlin-Neu-Hohenschönhausen wurden im Februar 1998 die bis dahin fertigen Figuren und die Projektskizze ausgestellt. Eine gleichzeitige Ausstellung über Senta Baldamus, bei deren Eröffnung die Künstlerin selbst anwesend war, machte das Anliegen und das gesamte bisherige Schaffen einer breiten Öffentlichkeit bekannt.[3] Als Bauherr und Träger für den Brunnen konnten schließlich die Stiftung Sozialpädagogisches Institut Berlin gewonnen und rund 600.000 Euro aus dem Senats-Förderprogramm „Wohnumfeldverbesserung 99“ bereitgestellt werden.[10] Eine Metallwerkstatt führte den Guss der bisher nur als Gipsmodelle vorliegenden restlichen 1,20 m großen Kinderfiguren für rund 40.000 Euro aus und der Steinmetzbetrieb Buchholzer Naturstein fertigte die zwölf Tonnen schwere Brunnenschale aus Granit mit einem Durchmesser von drei Metern.[11] Im September 2002 waren alle Teile des Brunnens der Jugend fertig. Sie fanden auf dem neu angelegten Stadtplatz Wartenberger- / Wustrower Straße einen repräsentativen Standort.[12][13]

Literatur[Bearbeiten]

  • Zeitschrift Bildende Kunst 1/1975: Bezirkskunstausstellung Neubrandenburg/Schwerin/Rostock/Gera/Magdeburg/Dresden. Senta Baldamus. Karl Schmidt-Rottluff
  • Ursel Berger, Josephine Gabler, Marc Wellmann (Hrsg.): Bildhauerei in Berlin
  • Gerhard Lehmann u.a.: Deutsche Hochschule für Körperkultur Leipzig 1950–1990; Meyer & Meyer Verlag, 2007, ISBN 978-3-89899-286-2
  • Katalog Plastik und Blumen 1969. Ausstellung im Treptower Park. UdSSR - DDR. Hrsg. Verband Bildender Künstler Deutschlands, Bez. Berlin, Rat des Stadtbezirks Treptow; Berlin, 1969

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Senta Baldamus – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Studium in München und Berlin – Biografisches. Information in der Berliner Zeitung vom 18. Februar 1998; abgerufen am 7. November 2009
  2. Baldamus, Ulrich Dr.med.: „Wissen hilft Vorbeugen“, Illustrationen von Senta Baldamus-Hildebrandt. Berlin, Verlag Tribüne 1959; abgerufen am 7. November 2009
  3. a b c Birgit Kaulich: Blinde Bildhauerin sucht Käufer für einen Brunnen. Senta Baldamus arbeitet seit 23 Jahren an ihrem Lebenswerk / 1991 verlor sie das Augenlicht; Artikel in der Berliner Zeitung vom 18. Februar 1998; abgerufen am 7. November 2009
  4. Traueranzeige in der Berliner Zeitung vom 26. Januar 2001
  5. a b c d e f Verkaufslose von Kunstwerken – Angebote bei eArt; abgerufen am 7. November 2009
  6. a b c Übersicht der Kunstwerke im Bezirk Treptow-Köpenick; abgerufen am 6. November 2009
  7. Aus „Kunst am Wege“; abgerufen am 7. November 2009
  8. Sylvia Brösicke-Istok, Gabriele Ivan, Romy Köcher, Hans Schlegel: Plastiken, Denkmäler und Brunnen in Lichtenberg, Katalog 1993. Luisenstädt. Bildungsverein, Berlin; S. 40
  9. Aus „Kunst am Wege“; abgerufen am 7. November 2009
  10. Information der Senatsabteilung für Stadtentwicklung zum Baldamus-Brunnen mit technischen Details
  11. Marcel Gäding: Die Brunnenschale ist schon da; in: Berliner Zeitung vom 16. August 2002; abgerufen am 7. November 2009
  12. Homepage Bildhauerei in Berlin; abgerufen am 7. November 2009
  13. Homepage der Stadtentwicklungsgesellschaft mit Details zum Brunnen der Jugend, abgerufen am 7. November 2009