Sephiroth

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Die 10 Sephiroth und 22 Pfade im kabbalistischen Lebensbaum nach Isaak Luria

Sephiroth, Sephirot, Sefirot oder Sefiroth (heb. sg. סְפִירָה səfīrā Sefira, pl. סְפִירוֹת səfīrōt) ist die hebräische Bezeichnung der zehn göttlichen Emanationen im kabbalistischen Lebensbaum. Sie bilden in der lurianischen Kabbala in ihrer Gesamtheit symbolisch den himmlischen Menschen, den Adam Qadmon. Die Rückseite (sitra achra) des Lebensbaumes bildet der Baum des Todes mit den Qlīpōt.

Der Terminus Sefirot lässt sich positiv als Merkmal zur Bestimmung eines Werkes als kabbalistisch heranziehen: Werke, die diesen Terminus verwenden, sind als kabbalistisch anzusehen. Einzige Ausnahme ist das Sefer Jetzira, das diesen Terminus zwar erstmals verwendet, das aber kein kabbalistisches Werk darstellt. Umgekehrt verwenden jedoch viele kabbalistische Werke aus verschiedenen Gründen den Terminus nicht. Das Sefer ha-Bahir beispielsweise bevorzugt die Termini midot (Merkmale, Eigenschaften) und ma'amarot (Äußerungen). Im Zohar wird der Terminus ebenfalls sehr selten verwendet. Abraham Abulafia, obwohl Kabbalist, lehnte die Vorstellung der Sefirot kategorisch ab. Mosche Chaim Luzzatto hingegen vermeidet ihn, um seine kabbalistische Weltanschauung zu verbergen.[1]

Systematik der Sephiroth[Bearbeiten]

Sephiroth ist der Plural des hebräischen Wortes Sephira, was Ziffer bedeutet. Die Kabbala sieht in diesem Begriff auch den mystischen Ursprung des griechischen Wortes Sphäre. Die Verwandtschaft der Begriffe geht vermutlich auf den gemeinsamen Ursprung des hebräischen und des griechischen Alphabets in der phönizischen Schrift zurück. Auch dem deutschen Begriff Ziffer ist die gleiche etymologische Herkunft über das Arabische noch anzumerken.

Die anthropomorphe Auffassung der Sefirot als Körperteile geht im Wesentlichen auf die Schrift Schi’ur Qoma zurück. Hierin wird gemäß der Beschreibung des Geliebten im Hohenlied der göttliche Leib des Schöpfers mit geheimen Namen und Maßangaben beschrieben. Die drei oberen Sefirot stehen für das göttliche Haupt, die nächsten beiden für die Arme, die sechste für Körper, Herz und Männlichkeit, die nächsten beiden für die Beine und die neunte für den Phallus. Die zehnte Sefira bezeichnet einen eigenständigen, weiblichen Körper: die Schechina. Diese Auffassung liegt auch dem lurianischen Konzept des Adam Qadmon zugrunde.

Eine andere Auffassung begreift die Sefirot als Phasen der göttlichen Emanation (vgl. Neuplatonismus), während wieder andere Kabbalisten die Sefirot als Personifikation ethischer Werte begreifen. Wiederum andere begreifen sie als Welten, von der Göttlichkeit bis hinab zur materiellen, physischen Sphäre.

Ein drittes Modell integriert die biblischen Gottesnamen in das System der Sefirot. So steht das Tetragramm JHWH für die Sefira Kether, das J darin für Chokmah, das erste H für Binah, das W für die folgenden sechs Sefirot und das zweite H für die Schechina.

Ein viertes Modell ordnet die Sphären den biblischen Helden zu.

Weitere Modelle identifizieren verschiedene paarweise vorkommenden Konzepte und Dinge (männlich/weiblich, Sonne/Mond, Himmel/Erde/ Tag/Nacht usw.) mit Sefirot. In der mittelalterlichen Kabbala können außerdem die Sefira verdoppelt, vervielfältigt und wiederholt werden, so dass zwanzig bis hundert Sefirot erörtert werden. In der lurianischen Kabbala schließlich ist die Zahl der Sefirot unendlich, da jede Wesenheit aus unterschiedlichen Kombinationen des Sefirot-Systems bestehe.

Hierbei gibt es je nach kabbalistischem Autor verschiedene Modelle und Kombinationen dieser Auffassungen, deren ausführlichste die Konzeption von Isaak Luria darstellt.

Der Lebensbaum oder Ez Chajim ist in der lurianischen Kabbala die Darstellung der zehn Sephiroth und der 22 sie verbindenden Pfade. Die Sephiroth werden mit Namen und Ziffern, die sie verbindenden Pfade mit den 22 Buchstaben des hebräischen Alphabets bezeichnet. Das System der Sephiroth wird grundlegend im Buch Sefer Jetzira (hebr.: „Buch der Formung“) dargestellt, einem der wichtigsten Vorläuferwerke der Kabbala, das vor dem 6. Jahrhundert n. Chr. entstand.

Die Namen der zehn Sephiroth sind dem Tanach entnommen. Im Vers 1 Chr 29,11 EU finden sich die meisten der entsprechenden Worte:

Tree of Life, Medieval.jpg

  1. Kether oder Kether Eljon[2] (Krone, erster aufleuchtender Punkt im En Sof)
  2. Chochmah (göttliche Weisheit, Klugheit, Geschicklichkeit, Schöpfungsplan)
  3. Binah (Wille, Einsicht, Verstand; Intelligenz)
  4. Chesed (Liebe, Barmherzigkeit, Gnade, Gunst, Treue), bisweilen auch bezeichnet als Gedulah (Größe, Langmut), Abraham
  5. Din, Gewurah oder Gebura[2] (Gesetz, Stärke, Macht, Sieg, Gerechtigkeit), Isaak
  6. Tiphereth (Aufrechterhaltung des Daseins, Pracht, Verherrlichung, Schönheit), Jakob
  7. Nezach (Ewigkeit, Beständigkeit, Sieg; Ruhm, Blut, Saft)
  8. Hod (Glanz, Majestät, Donner)
  9. Jesod (Gründung, Grund, Grundstein, Grundlage), Josef
  10. Malchuth oder Schechina[2] (Königreich, Herrschaft, königliche Würde, Regierung), David
  11. Da'at (das innere Wissen, Erkenntnis, Empfangen)

Sinn der Sephiroth[Bearbeiten]

Das Modell Lebensbaum spiegelt die göttliche Schöpfung zugleich im Mikrokosmos und Makrokosmos. Sein Strukturprinzip ist die Abfolge der Ziffern von 1 bis 10 (10 = Malchuth, 1 = Kether). Die Sephiroth ergeben in ihrer Folge ein dynamisches Modell der Begegnung von Gegensatzpaaren, die auf der mittleren Achse einen Ausgleich erfahren. Spekulative Kabbalisten (theoretische Kabbala) meditieren damit, Magier (praktische Kabbala) nutzen es als Modell für magische Operationen. Den zehn Sephiroth werden sämtliche Inhalte der irdischen und göttlichen Welt systematisch zugeordnet. Dazu gehören Deutungen der hebräischen Bibel, Farben, Formen, hebräische Buchstaben, Engel, Welten, Körperglieder. Der Kabbalist vereinigt alle möglichen Erfahrungen, Elemente und Ereignisse im Modell des Lebensbaums mit dem Ziel der Vertiefung von Geist und Seele (Vergeistigung).

Sephiroth im außerjüdischen Kontext[Bearbeiten]

Der Lebensbaum hat in esoterischen Traditionen auch im außerjüdischen Kontext erheblichen Einfluss erlangt. So bringt der Hermetic Order of the Golden Dawn die Karten des Tarot damit in Verbindung.

Die Illuminatus!-Trilogie von Robert Anton Wilson gliedert sich nach den Sephiroth, ebenso Umberto Ecos Roman Das Foucaultsche Pendel.

Literatur[Bearbeiten]

  • Heinrich Elijah Benedikt: Die Kabbala als jüdisch-christlicher Einweihungsweg. 2 Bände:
Band 1: Farbe, Ton, Zahl und Wort als Tore zu Seele und Geist. 12. Auflage, Ansata-Verlag, München 2003; ISBN 3-7626-0279-4
Band 2: Der Lebensbaum - Spiegel des Kosmos und des Menschen. 9. Auflage, Ansata-Verlag, München 2003; ISBN 3-7626-0280-8.
  • Joseph Dan: Die Kabbala: Eine kleine Einführung. 2. Auflage, Reclam, Stuttgart 2012, ISBN 978-3150189467.
  •  Karl R. H. Frick: Die Erleuchteten. Gnostisch-theosophische und alchemistisch-rosenkreuzerische Geheimgesellschaften bis zum Ende des 18.Jahrhunderts – ein Beitrag zur Geistesgeschichte der Neuzeit. Akademische Druck- und Verlagsanstalt, Graz 1973, ISBN 3-201-00834-6.
  • Z’ev ben Shimon Halevi: Lebensbaum und Kabbala. Heyne, München 1997; ISBN 3-453-11836-7.
  • Johann Maier: Die Kabbalah. Einführung – Klassische Texte – Erläuterungen. 2. Auflage, Beck, München 2004, ISBN 3-406-39659-3.
  • Gershom Scholem: Zur Kabbala und ihrer Symbolik. Suhrkamp, Frankfurt 1973; ISBN 3-518-27613-1.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Tree of life (Kabbalah) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Referenzen[Bearbeiten]

  1. Joseph Dan: Die Kabbala. Eine kleine Einführung. Reclam, Stuttgart 2012, S. 60f.
  2. a b c  Karl R. H. Frick: Die Erleuchteten. Gnostisch-theosophische und alchemistisch-rosenkreuzerische Geheimgesellschaften bis zum Ende des 18.Jahrhunderts – ein Beitrag zur Geistesgeschichte der Neuzeit. Akademische Druck- und Verlagsanstalt, Graz 1973, ISBN 3-201-00834-6, S. 98f.