Serdar Somuncu

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Serdar Somuncu bei einer Aufführung seines Programms „Bild Lesen“ – Serdar Somuncu liest und kommentiert die Bild-Zeitung im Gebäude der tageszeitung, anlässlich der Umbenennung der Kochstraße in Rudi-Dutschke-Straße.

Serdar Somuncu (* 3. Juni 1968 in Istanbul, Türkei) ist ein deutscher Musiker, Schriftsteller, Regisseur, Schauspieler, Synchronsprecher und Kabarettist türkischer Herkunft.[1]

Leben

Somuncu studierte Musik, Schauspielkunst und Regie in Maastricht und Wuppertal, hatte in diesem Genre allerdings schon seit 1985 gearbeitet. Er inszenierte mehr als 100 Theaterstücke und trat auch als Schauspieler auf, unter anderem an den Schauspielhäusern in Bochum, Bremen und Oberhausen. 2003 war er zuletzt als Bassa Selim an der Oper in Münster in Die Entführung aus dem Serail von Mozart zu sehen. Außerdem spielte Somuncu immer wieder kleine Rollen für Fernsehserien, wie beispielsweise in Schwarz greift ein mit Klaus Wennemann, der Lindenstraße, in Dr. Psycho mit Christian Ulmen und zuletzt als Taxifahrer in Broken Comedy mit Carolin Kebekus. Als Sprecher vertonte er mehrere Hörspiele, unter anderem für den WDR.

Bekannt wurde er nach 1996 mit einer szenischen Lesung von ausgewählten Textstellen aus dem Buch Mein Kampf von Adolf Hitler. Seine jahrelange Tournee unter dem Titel Nachlass eines Massenmörders wurde zu einem großen Publikumserfolg (1428 Auftritte vor mehr als 250.000 Zuschauern). Somuncu hat dabei die inneren Widersprüche des Buchs auf komische Weise aufgedeckt und kommentiert. Die taz zeichnete ihn in Folge als „Mann des Jahres 1996“ aus.

Im Jahr 2000 startete Somuncu eine weitere Lesung und präsentierte hierbei Ausschnitte aus der Sportpalastrede des Reichspropagandaministers Joseph Goebbels vom 18. Februar 1943. Dabei trat er unter anderem auch vor ehemaligen Häftlingen der Konzentrationslager in Buchenwald und Sachsenhausen auf.

Somuncu hatte während seiner Arbeit immer wieder Probleme mit Neonazis und las deshalb nicht selten mit kugelsicherer Weste und unter Polizeischutz. So stürmten zum Beispiel am 12. Oktober 2005 im sächsischen Dippoldiswalde etwa 25 teilweise vermummte Personen während des Zitierens von Hitlers Mein Kampf den Saal und entrollten auf der Bühne ein Transparent. Somuncu blieb ruhig, ging von der Bühne und versuchte später unter stehenden Ovationen des Publikums, die Protestierer zu einer Diskussion aufzurufen; die Störer verließen mit den in der Zwischenzeit erschienenen Polizeibeamten den Saal, die Veranstaltung konnte weiter fortgesetzt werden.[2][3]

Bis zum Dezember 2006 war Somuncu mit seinem Programm Hitler Kebab unterwegs. Er las dabei unter anderem einzelne Kurzgeschichten aus seinem Buch Getrennte Rechnungen und griff auch jeweils tagespolitische Situationen auf.

In seinem letzten Programm Der Hassprediger liest Bild rezitierte und kommentierte Somuncu jeweils die aktuelle Ausgabe der Bild-Zeitung. In Österreich hieß das Programm Kronenzeitung lesen und beschäftigte sich mit der Kronenzeitung.

Außerdem moderierte er von 2005 bis 2007 eine eigene Bühnentalkshow unter dem Titel Schöner Reden. Die Show fand abwechselnd im Bonner Pantheon, den Berliner Wühlmäusen, dem Düsseldorfer Zakk und dem Neusser Kulturkeller statt. Gäste waren Matto Barfuss, Hennes Bender, Johann König, Kurt Krömer, Martin Sonneborn, John Doyle, Georg Ringsgwandl, Dirk Bach, Claudia Roth und Vivian Schmitt.

Im Juni 2008 startete Serdar Somuncu eine Internet-Show mit dem Titel Hatenight[4], in der er wöchentlich aktuelle Themen kommentiert. Während die ersten 50 Folgen über Youtube verbreitet wurden, sperrte das Videoportal im Juni 2009 aus inhaltlichen Gründen Somuncus Kanal mit über 2000 Abonnenten ohne Vorwarnung und löschte alle Videos. Seither war Hatenight über Sevenload zu sehen. Am 5. März 2010 wurde bekannt gegeben, dass die Sendung aus rechtlicher Sicht eingestellt werden müsse, nach Verhandlungen durfte sie aber weiter produziert werden, allerdings sehr verkürzt und entschärft.

Ende Januar 2009 begann seine aktuelle Tour Der Hassprediger – Ein demagogischer Blindtest. Im Oktober 2010 veröffentlichte er sein neues Buch Karneval in Mio.

Am 6. Juli 2011 war er in der 72. Folge von Fernsehkritik-TV im Rahmen eines Interviews zum Thema Fernsehen zu sehen.

Im Rahmen der Late-Night-Show neoParadise hatte Somuncu bis zu deren Einstellung Anfang 2013 eine eigene, regelmäßig erscheinende Rubrik mit dem Titel „Aufzeichnungen aus dem Kellerloch“, in der er sich mit den Eigenarten und Kuriositäten der modernen Fernsehunterhaltung auseinandersetzt.

Am 25. November 2011 veröffentlichte Somuncu beim Label Groove Attack sein erstes Musikalbum mit dem Titel Dafür kommt man in den Knast. Das Album ist in Zusammenarbeit mit dem Kölner Produzenten und Musiker André Fuchs entstanden, der auf einem Song unter seinem Künstlernamen Onkel Zwieback als Gastrapper zu hören ist. Sämtliche Instrumente der 18 Songs des Albums wurden von Somuncu eingespielt und eingesungen.

Als Duo Zwieback & T veröffentlichten Somuncu und Fuchs am 19. September 2013 das Rap-Album Wir beide. Serdar Somuncu rappt hier neben Fuchs unter dem Pseudonym T, beziehungsweise Scheiß T in Anlehnung an den US-amerikanischen Rapper Ice-T. [5]

Serdar Somuncu ist Mitglied im P.E.N.-Zentrum deutschsprachiger Autoren im Ausland des Schriftstellerverbandes P.E.N.. Er ist Fan des Fussballvereins Borussia Mönchengladbach.

Auszeichnungen

Veröffentlichungen

Bücher

Deutsche Hörbücher

DVDs

  •  Der Hassprediger liest BILD. WortartBMG, 2009.
  •  Der Hassprediger/Hardcore live. Sony Music, 2011.

Filme

Weitere Veröffentlichungen

  •  Wollt ihr den totalen Beat. Sony BMG, 2005.
  •  Hitler Kebab. Sony BMG, 2006 (Hörbuch).
  •  Diary Of A Massmurderer, Serdar Somuncu reads „Mein Kampf“. Sony BMG, 2007 (Hörbuch engl.).
  •  Dafür kommt man in den Knast. Groove Attack, 2011 (Album).
  •  Wir beide. Groove Attack, 2013 (Album).

Einzelnachweise

  1. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatErol M. Boran: a History of Turkish-German Theater and Kabarett. The Ohio State University, 2004, S. 269, eig. 258, abgerufen am 4. August 2009 (pdf, englisch/deutsch).
  2. Fotoarchiv mit Bildern vom Auftritt in Dippoldiswalde
  3. Videoausschnitte bei Youtube
  4. http://www.hatenight.com/ Serdars Hatenight - Offizielle Website
  5. http://www.somuncu.de/?r=13 - Offizielle Website

Weblinks

 Commons: Serdar Somuncu – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien