Serge Dassault

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Serge Dassault 2009 bei der Sommeruniversität des Mouvement des entreprises de France.

Serge Dassault (* 4. April 1925 in Paris) ist ein französischer Unternehmer und Politiker (UMP). Der Sohn des Flugzeugkonstrukteurs und Konzerngründers Marcel Bloch besitzt mit seiner Familie ein milliardenschweres Firmenimperium mit Schwerpunkten im Rüstungs- und Medienbereich.

Familie[Bearbeiten]

Seine Eltern, er und sein Bruder wurden von der Gestapo verhaftet und im Gefängnis und Montluc Drancy interniert. Sein Vater, Marcel Dassault, wurde ins Konzentrationslager Buchenwald deportiert.

Er ist verheiratet und Vater von vier Kindern, darunter Olivier Dassault (* 1951), seit 2001 Mitglied der französischen Nationalversammlung.

Unternehmer[Bearbeiten]

Im Jahr 1987 trat Dassault das Erbe seines Vaters an und wurde Generaldirektor von Dassault Industries. Der unter der Präsidentschaft François Mitterrands in den 1980er Jahren teilnationalisierte Konzern Aviation wurde von dessen Nachfolger Jacques Chirac wieder privatisiert und ist heute zu 50,55 % in den Händen der Familie Dassault und zu 46,32 % in denen des zweiten französischen Luftfahrtkonzerns EADS France. Der Staat hält nur noch 3,13 % der Anteile. Dassault war Mandant der Anwaltskanzlei Nicolas Sarkozys, die den Nachlass seines Vater regelte.[1]

Zur Groupe Dassault gehört der Luftfahrt- und Rüstungskonzern Dassault Aviation, vor allem bekannt für seine Kampfflugzeuge Rafale und Mirage sowie die Geschäftsreiseflugzeuge Falcon. Dassault Systèmes ist ein Software-Entwicklungsunternehmen für Product-Lifecycle-Management-Lösungen. Die Presse-Holding Socpresse erledigt mit fast 9000 Angestellten und geschätzten 70 Publikationen[2] einen großen Teil der Öffentlichkeitsarbeit des Konzerns. Außerdem hält die Familie Dassault unter anderem einen Anteil von 6,3 % an Veolia Environnement.[3]

Als der Dassault 2004 Besitzer der „Figaro“-Gruppe mit dem Magazinen „L'Express“ und zahlreichen Regionalzeitungen und damit Arbeitgeber von 2700 Journalisten wurde, nahmen 270 Journalisten - darunter 54 Journalisten bei „Figaro“, dem konservativen Leitmedium Frankreichs, mit Christine Clerc - die Gewissensklausel in Anspruch und verließen das Unternehmen trotz schwieriger Arbeitsmarktlage.[4] Er besitzt vier Fünftel der Anteile am Socpresse-Verlag in Paris und verdrängte den Konzern Lagardère Medias als Marktführer. Zum Konzern zählen über 70 Zeitungstitel wie das konservative Flaggschiff Le Figaro und über florierende Zeitungen wie Le Progrès (Lyon) und La Voix du Nord (Lille), aber auch Le Soir in Belgien. Dazu kommen Fernseh- und Frauenzeitschriften.

Das Forbes Magazine schätzte Dassaults Vermögen im Jahr 2010 auf 7,6 Milliarden US-Dollar. Damit war er der drittreichste aktive Politiker der Welt.[5]

2014 stand Dassault auf der Milliardärsliste von "Bloomberg" mit einem Vermögen von 14,1 Milliarden Dollar auf Platz vier in Frankreich, weltweit auf Rang 70.[6]

Politik[Bearbeiten]

Neben anderen politischen Ämtern war er von 1995 bis 2009 Bürgermeister von Corbeil-Essonnes.

Als er 2004 für die konservative damalige Regierungspartei UMP in den Senat einzog, befürchteten Politiker, Gewerkschafter, Juristen wie Journalisten eine politisch-mediale Machtkonzentration wie in Italien unter Silvio Berlusconi.

NGO[Bearbeiten]

Dassault spendet unter anderem für die Reporter ohne Grenzen.[7]

Verurteilungen[Bearbeiten]

Place Galignani und Rathaus in Corbeil

1998 wurde Dassault in Belgien im Rahmen des Agusta-Dassault-Skandals zu einer zweijährigen Bewährungsstrafe verurteilt. Dassault und der italienische Rüstungsbetrieb Agusta hatten – um an Aufträge für Kampfhubschrauber und Bordausrüstung zu kommen – mehr als 160 Millionen Francs (24 Millionen Euro) an die damals in Brüssel regierende Sozialistische Partei gezahlt. [8]

Als er 2008 mit äußerst knappem Vorsprung zum Bürgermeister von Corbeil-Essonnes wiedergewählt wurde, sah Frankreichs Oberstes Verwaltungsgericht einen Stimmenkauf als erwiesen an und annullierte die Wahl. Dassault verbrachte ein Jahr ohne passives Wahlrecht, konnte aber weiterhin im Senat bleiben. Das investigative Satireblatt Le Canard enchaîné berichtete im Dezember 2012 von rund 1,7 Millionen Euro, die über den Libanon an Mittelsmänner Dassaults gegangen sein sollen, die anschließend den Stimmenkauf in Corbeil-Essonnes organisierten. Zeugen sagten aus, Dassault habe Beträge zwischen 20 und 400 Euro pro Wählerstimme gezahlt.[9]

Weitere Ermittlungen[Bearbeiten]

Nachdem zuvor zwei Anträge auf Aufhebung von Dassaults parlamentarischer Immunität im Senat gescheitert waren, lehnte am 8. Januar 2013 das Präsidium des Senats mit 13 zu 12 Stimmen bei einer Enthaltung erneut einen wegen Verdachts auf Stimmenkauf, Korruption, Geldwäsche und Veruntreuung gestellten weiteren Antrag ab. Dies rief vor allem im linken Lager Empörung hervor: Les Verts (Die Grünen) sprachen von einem Skandal, die Entscheidung sei „unverständlich und schockierend“. Thierry Mandon von der regierenden Sozialistischen Partei sagte, niemand dürfe über dem Gesetz stehen, die parlamentarische Immunität müsse ihre Grenzen haben.[10] Am 12. Februar 2014 stimmte das Senatspräsidium schließlich für die Aufhebung der Immunität Dassaults.[11] In einer Anzeige wird ihm die Bildung einer kriminellen Vereinigung vorgeworfen.[12]

Weblinks[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Claude Carlier, Serge Dassault 50 ans de défis, Éditions Perrin, Paris 2002.
  • Anne-Marie Rocco, Serge Dassault. Armes, presse, politique, Flammarion, Paris 2006.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Vgl. Andreas Wrobel-Leipold: Warum gibt es die Bild-Zeitung nicht auf Französisch?: Zu Gegenwart und Geschichte der tagesaktuellen Medien in Frankreich. Springer, 2010. Seite 29.
  2. http://lexpansion.lexpress.fr/entreprises/bruxelles-autorise-dassault-a-racheter-la-socpresse_1354056.html
  3. Nouvelle tentative de déstabilisation du PDG de Veolia, Le Monde, 14. März 2014
  4. FAZ, 17. Dezember 2004: Gewissensklausel: Beim „Figaro“ kündigen 270 Journalisten
  5. Peter Muzik: Die allerreichsten Staatenlenker. In: Wiener Zeitung, 19. Juli 2010.
  6. Französischer Senat - Milliardär Dassault verliert Immunität, manager-magazin.de, 13. Februar 2014
  7. Daniela Heimerl Mediendemokratie auf Französisch, Bundeszentrale für politische Bildung
  8. http://www.liberation.fr/monde/1998/12/24/proces-agusta-dassault-et-claes-condamnes-prison-avec-sursis-pour-l-avionneur-francais-et-l-ancien-m_254244
  9. Macht und Machenschaften, In: Frankfurter Allgemeine 9. Januar 2014
  10. Handelsblatt: Dassault behält parlamentarische Immunität, In: Handelsblatt, 8. Januar 2014
  11. Immunität von Dassault aufgehoben, In: tageblatt.lu, 12. Februar 2014
  12. Affaire Serge Dassault: 5 questions pour comprendre, Le Monde, 6. Januar 2014