Serge Dassault

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Serge Dassault 2009 bei der Sommer Universität des Mouvement des entreprises de France.

Serge Dassault (* 4. April 1925 in Paris) ist ein französischer Multimilliardär, Rüstungsindustrieller, Politiker und Zeitungsbesitzer. Der Sohn des Flugzeugkonstrukteurs und Konzerngründers Marcel Bloch galt ab 2004 als der neue Herrscher über die französischen Presse.[1]

Dassault und seine Familie herrschen über ein diversifiziertes Imperium von Kampfdrohnen, Kampfflugzeuge, Zivilflugzeuge, Softwareentwicklung, Medien und Immobilien. Zur Groupe Dassault gehört der Luftfahrt- und Rüstungskonzern Dassault Aviation, vor allem bekannt für seine Kampfflugzeuge Jäger Rafale, Mirage und die Geschäftsreiseflugzeuge Falcon. Dassault Systèmes ist ein Software-Entwicklungsunternehmen für Product-Lifecycle-Management-Lösungen. Die Presse-Holding Socpresse erledigt mit fast 9000 Angestellten und geschätzten 70 Publikationen[2] einen großen Teil der Öffentlichkeitsarbeit des Konzerns. Außerdem hält die Familie Dassault unter anderem einen Anteil von 6,3 % an Veolia Environnement.[3]

Leben[Bearbeiten]

Maquette 1/1 des nEUROn (auch: Dassault Neuron) eine Tarnkappen-Kampfdrohne (UCAV), seit Ende 2012 in Flugerprobung

Im Jahr 1987 trat Serge Dassault das Erbe seines Vaters an und wurde Generaldirektor von Dassault Industries. Der unter der Präsidentschaft François Mitterrands in den 1980er Jahren teilnationalisierte Konzern Aviation wurde von dessen Nachfolger Jacques Chirac wieder privatisiert und ist heute zu 50,55 % in den Händen der Familie Dassault und zu 46,32 % in denen des zweiten französischen Luftfahrtkonzerns EADS France. Der Staat hält nur noch 3,13 % der Anteile. Serge Dassault war Klient der Anwaltskanzlei Nicolas Sarkozys, die den Nachlass seines Vater regelte.[4]

Neben anderen politischen Ämtern war er von 1995 bis 2009 Bürgermeister von Corbeil-Essonnes. In diesem Pariser Vorort, zu dem die Banlieue-Siedlung Les Tarterêts gehört, kam es 2006 immer wieder zu Unruhen und gewalttätigen Auseinandersetzungen mit den Spezialeinheiten BAC und CRS.[5] Jean-Pierre Bechter - Protegé und zu dieser Zeit engster Mitarbeiter Dassaults - wurde 2010 sein Nachfolger im Amt des Bürgermeisters.

Als er 2004 als Mitglied der rechtskonservativen Regierungspartei UMP in den Senat einziehen wollte, musste das französische Verfassungsgericht (Conseil constitutionnel) darüber entscheiden, denn Politiker, Gewerkschafter, Juristen wie Journalisten befürchteten eine politisch-mediale Machtkonzentration wie in Italien unter Silvio Berlusconi. Er ist der Vater von Olivier Dassault (* 1951), seit 2001 Mitglied der französischen Nationalversammlung.

Medien und NGO[Bearbeiten]

Als der Dassault 2004 Besitzer der „Figaro“-Gruppe mit dem Magazinen „L'Express“ und zahlreichen Regionalzeitungen und damit Arbeitgeber von 2700 Journalisten wurde, nahmen 270 Journalisten - darunter 54 Journalisten bei „Figaro“, dem konservative Leitmedium Frankreichs, mit Christine Clerc - die Gewissensklausel in Anspruch und verließen das Unternehmen trotz schwieriger Arbeitsmarktlage.[1] Er besitzt vier Fünftel der Anteile am Socpresse-Verlag in Paris und verdrängte den Konzern Lagardère Medias als Marktführer. Als neuer Medienzar Frankreichs hatte er das Sagen über 70 Zeitungstitel wie das konservative Flaggschiff Le Figaro und über florierende Zeitungen wie Le Progrès (Lyon) und La Voix du Nord (Lille), aber auch Le Soir in Belgien. Dazu kommen Fernseh- und Frauenzeitschriften.

Serge Dassault ist einer der Finanziers von Reporter ohne Grenzen.[6]

Stimmenkauf, Korruption, Geldwäsche und Veruntreuung[Bearbeiten]

Place Galignani und Rathaus in Corbeil

1998 wurde Dassault in Belgien im Rahmen des Agusta-Dassault-Skandals zu zwei Jahren Gefängnishaft auf Bewährung verurteilt. Dassault und der italienische Rüstungsbetrieb Agusta hatten – um an Aufträge für Kampfhubschrauber und Bordausrüstung zu kommen – mehr als 160 Millionen Francs (24 Millionen Euro) an die damals in Brüssel regierende Sozialistische Partei gezahlt. [7]

Als er 2008 mit äußerst knappem Vorsprung zum Bürgermeister von Corbeil-Essonnes wiedergewählt wurde, sah Frankreichs Oberstes Verwaltungsgericht einen Stimmenkauf als erwiesen an und annullierte die Wahl. Dassault verbrachte ein Jahr ohne passives Wahlrecht, konnte aber weiterhin im Senat bleiben. Das investigative Satireblatt Le Canard enchaîné berichtete im Dezember 2012 von rund 1,7 Millionen Euro, die über den Libanon an Mittelsmänner Dassaults gegangen sein sollen, die anschließend den Stimmenkauf in Corbeil-Essonnes organisierten. Zeugen sagten aus, Dassault habe Beträge zwischen 20 und 400 Euro pro Wählerstimme gezahlt.[8]

Zwei Mal war Dassault bereits einer Aufhebung seiner parlamentarischen Immunität im Senat entgangen, obwohl Untersuchungsrichter einen entsprechenden Antrag gestellt hatten. Als am 8. Januar 2013 das Präsidium des Senats erneut einen solchen Antrag mit 13 zu 12 Stimmen (bei einer Enthaltung) ablehnte und somit die beiden wegen Verdachts auf Stimmenkauf, Korruption, Geldwäsche und Veruntreuung ermittelnden Untersuchungsrichter blockiert wurden, rief das Votum vor allem im linken Lager Empörung hervor. Les Verts (Die Grünen) sprachen von einem Skandal, die Entscheidung sei „unverständlich und schockierend“. Thierry Mandon von der regierenden Sozialistischen Partei sagte, niemand dürfe über dem Gesetz stehen, die parlamentarische Immunität müsse ihre Grenzen haben.[9]

Am 12. Februar 2014 schließlich stimmten, laut dem Präsident des Senats Jean-Pierre Bel, die 14 Senatoren des linken Lagers für die Aufhebung der Immunität Dassaults.[10] Die Untersuchungsrichter können ihn nun verhören und Hausdurchsuchungen anordnen. Dassault drohte ein Prozess. In einer Anzeige wird ihm die Bildung einer kriminellen Vereinigung vorgeworfen. Die Ermittler gehen auch zwei Mordversuchen nach: Rachid Toumi wurde am 29. Januar 2013 angeschossen und auf den Ex-Boxer Fatah Hou wurde drei Wochen später ein Mordanschlag verübt. Hintergrund könnte ein Streit über die Verteilung von Dassaults Geldern gewesen sein.[11]

Vermögen[Bearbeiten]

Das Forbes Magazine schätzte Dassaults Vermögen im Jahr 2010 auf 7,6 Milliarden US-Dollar. Damit war er der drittreichste aktive Politiker der Welt.[12]

2014 stand Dassault auf der Milliardärsliste von "Bloomberg" mit einem Vermögen von 14,1 Milliarden Dollar auf Platz vier in Frankreich, weltweit auf Rang 70.[13]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b FAZ, 17. Dezember 2004: Gewissensklausel: Beim „Figaro“ kündigen 270 Journalisten
  2. http://lexpansion.lexpress.fr/entreprises/bruxelles-autorise-dassault-a-racheter-la-socpresse_1354056.html
  3. Nouvelle tentative de déstabilisation du PDG de Veolia, Le Monde, 14. März 2014
  4. Vgl. Andreas Wrobel-Leipold: Warum Gibt Es Die Bild-Zeitung Nicht Auf Französisch?: Zu Gegenwart und Geschichte der tagesaktuellen Medien in Frankreich. Springer, 2010. Seite 29.
  5. Brutalität und Zerstörungswut in Frankreichs Ghettos der Armen, 25. Oktober 2006
  6. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatJosé Manzaneda: Reporteros sin fronteras … morales. 10. Februar 2006, abgerufen am 19. Oktober 2008.
  7. http://www.liberation.fr/monde/1998/12/24/proces-agusta-dassault-et-claes-condamnes-prison-avec-sursis-pour-l-avionneur-francais-et-l-ancien-m_254244
  8. Macht und Machenschaften, In: Frankfurter Allgemeine 9. Januar 2014
  9. Handelsblatt: Dassault behält parlamentarische Immunität, In: Handelsblatt, 8. Januar 2014
  10. Immunität von Dassault aufgehoben, In: tageblatt.lu, 12. Februar 2014
  11. Affaire Serge Dassault: 5 questions pour comprendre, Le Monde, 6. Januar 2014
  12. Peter Muzik: Die allerreichsten Staatenlenker. In: Wiener Zeitung, 19. Juli 2010.
  13. Französischer Senat - Milliardär Dassault verliert Immunität, manager-magazin.de, 13. Februar 2014