Sergio Leone

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Sergio Leone

Sergio Leone (* 3. Januar 1929 in Rom, Italien; † 30. April 1989 ebenda) war ein italienischer Filmregisseur. Besondere Bekanntheit erlangte er durch seine Arbeiten im Bereich der Italo-Western. Mit den epischen Westernfilmen Zwei glorreiche Halunken und Spiel mir das Lied vom Tod konnte er in den späten 1960er Jahren seine größten Erfolge verbuchen.

Leben und Werk[Bearbeiten]

Kindheit und Jugend[Bearbeiten]

Sergio Leone wurde am 3. Januar 1929 als Sohn des Filmpioniers Vincenzo Leone („Roberto Roberti“) und der Schauspielerin Edvige Valcarenghi („Bice Walerian“) geboren. Sein Vater war seit 1911 im Filmgeschäft tätig und wurde in Italien vor allem durch seine Zusammenarbeit mit dem Stummfilmstar Francesca Bertini bekannt. Er sympathisierte mit den Kommunisten und zog sich unter dem Eindruck des Faschismus weitgehend von der Außenwelt zurück.[1]

Leone selbst wurde in seiner Jugend nicht nur durch die Herrschaft des Duce, sondern auch durch die Besetzung Roms sowie die letzten Kriegsjahre geprägt. In diese Zeit fällt auch sein erster Kontakt mit der US-amerikanischen Populärkultur, für die er sich begeisterte. Besonders das Kino Hollywoods faszinierte den jungen Leone:

„Unsere Welt war wahrhaftig die Straße und das Kino. Vornehmlich die Filme, die aus Hollywood kamen! Niemals die französischen Produktionen oder die italienischen ‚telefoni bianchi’.“

Sergio Leone[2]

Leones Vater begann ab 1939 damit, wieder Filme zu drehen.[3] Da Vincenzo Leone den kleinen Sergio regelmäßig zu seiner Arbeit mitnahm, war dieser bereits von Kindesbeinen an mit allen Aspekten der Filmherstellung vertraut.

Erste Schritte im Filmgeschäft[Bearbeiten]

Ab Mitte der 1940er Jahre arbeitete Leone in den unterschiedlichsten Positionen im italienischen Studiosystem. Als Statist, Regieassistent, Regisseur des zweiten Kamerateams oder Autor von Drehbüchern wirkte Leone bei einer Vielzahl von italienischen Filmen mit.[4] Meist handelte es sich um künstlerisch eher anspruchslose Filme im Stile des damals sehr populären Peplum.

Allerdings war Leone als Komparse und Regieassistent auch an dem Filmklassiker Fahrraddiebe (1948) beteiligt. Bei dem amerikanischen Monumentalfilm Quo Vadis (1951), der in Rom gedreht wurde, fungierte er als einer der Regisseure des zweiten Aufnahmeteams. Dieselbe Funktion hatte er 1959 auch bei Ben Hur inne, dem aufwändigsten Filmprojekt der 1950er Jahre. Auch dieses Hollywood-Epos wurde in Italien gedreht. Als Regisseur war Leone später stark vom amerikanischen Kino beeinflusst und vor allem an epischen, publikumswirksamen Filmen interessiert.

1959 war Sergio Leone als (ungenannter) Co-Regisseur bei Die letzten Tage von Pompeji tätig, einem von Mario Bonnard inszenierten, zeittypischen Sandalenfilm. Streifen dieser Art wurden damals in Italien in großer Zahl produziert. Leone hatte bei Die letzten Tage von Pompeji interessanterweise mehrere Mitarbeiter, die später zu den führenden Regisseuren des Italo-Western wurden: Duccio Tessari war Regieassistent, Sergio Corbucci und Enzo Barboni agierten als Regisseur bzw. Kameramann des zweiten Kamerateams. Auch wenn Die letzten Tage von Pompeji eine Billig-Produktion war, lernte Leone bei der Herstellung des Films viel über die Filmfinanzierung.

1961 absolvierte der 32-jährige Sergio Leone mit Der Koloß von Rhodos, einem weiteren Sandalenfilm italienischer Prägung, sein eigentliches Regiedebüt. Verglichen mit den späteren Werken des Regisseurs ist dieser Film nach allgemeinem Tenor von geringer Bedeutung. Leone selbst räumte ein, er habe den Film nur gedreht, um seine Hochzeitsreise zu finanzieren.[5] Dies führte dazu, dass dieser Film in Gesamtdarstellungen von Sergio Leones Werk nur rudimentär behandelt oder sogar ausgelassen wird.[6] Dennoch lassen sich bereits einige Charakteristika seines späteren Schaffens erkennen.[7]

Dollar-Trilogie[Bearbeiten]

Während in den frühen 1960er Jahren die Nachfrage nach Sandalenfilmen langsam verebbte, war Leone schon mit der Vorbereitung seines nächsten Filmes befasst. Er orientierte sich diesmal in einer völlig anderen Richtung und bereitete die Produktion eines Western vor. Leone war von diesem Genre begeistert und glaubte daran, dass auch europäische Westernfilme erfolgreich sein konnten, obwohl bis dato alle bedeutenden Western aus den USA gekommen waren. Seit 1962 liefen im deutschsprachigen Raum allerdings mit großem Erfolg die Filme der Karl-May-Reihe.

In Italien waren bereits vor Leone Western produziert worden (ungefähr 25), doch blieben diese in kommerzieller wie künstlerischer Hinsicht bedeutungslos. Es war Leone, der mit Für eine Handvoll Dollar (1964) das Genre des Italo-Western in der heute bekannten Form begründete. Bei der Ausarbeitung des Drehbuchs orientierten sich er und seine Co-Autoren an Akira Kurosawas Film Yojimbo – Der Leibwächter (1961). Die Hauptfigur von Kurosawas Film, einen Samurai-Krieger, transformierte Leone in einen Westernhelden. Kurosawa und sein Co-Autor strengten einen Copyright-Prozess an und erhielten unter anderem 15 % der weltweiten Einnahmen des Leone-Films.

Da Sergio Leone nur ein geringes Budget zur Verfügung stand (200.000 Dollar), konnte er keinen etablierten amerikanischen Star wie Henry Fonda oder James Coburn für die Hauptrolle von Für eine Handvoll Dollar engagieren. Auf der Suche nach einem bezahlbaren US-Schauspieler stieß Leone auf den relativ unbekannten TV-Darsteller Clint Eastwood, der schließlich für 15.000 Dollar verpflichtet wurde. Der 34-jährige Eastwood trat in der Rolle eines mysteriösen Revolvermannes auf, der in einem abgelegenen Dorf in New Mexico zwei verfeindete Clans gegeneinander ausspielt und sich dabei durch seine phänomenalen Schießkünste auszeichnet.

„Der ‚Fremde‘ ist eine Variation vertrauter Heldenfiguren, die Handlung eine Abwandlung vertrauter Konflikte […]. Leones Annäherung an den Westernmythos versieht die zum Klischee gewordenen Bestandteile des Genres mit einem mehr zynischen Blick auf die Figuren, auf ihre Taten und Motive. Der Held besitzt keine persönliche oder historische Identität mehr, sondern er ist ein anonymer einsamer Mann ohne Vergangenheit und ohne Zukunft, der seine Unverwechselbarkeit erst aus seinem Verhalten gewinnt.“

Franz Everschor[8]

Für eine Handvoll Dollar galt zunächst als obskur und wurde von den Kritikern entweder verrissen oder überhaupt nicht beachtet. Der Film entwickelte sich jedoch zu einem sensationellen Kassenerfolg. In der Rolle des zynischen „Fremden ohne Namen“ (tatsächlich trug er den Rollennamen „Joe“), der seinen Gegnern in einem Poncho mit aufreizender Lässigkeit gegenübertritt, wurde Clint Eastwood zu einem internationalen Star. Unzählige Westerndarsteller orientierten sich in den Folgejahren an dem von Eastwood und Leone geschaffenen Charaktertypus. Leone selbst hielt nicht allzu viel von den schauspielerischen Fähigkeiten seines Hauptdarstellers: „Er hat zwei Gesichtsausdrücke: einen mit und einen ohne Hut.“

Um den Eindruck zu erzeugen, Für eine Handvoll Dollar sei ein amerikanischer Film, hatten sich Leone und seine Mitarbeiter englische Pseudonyme zugelegt (Leone agierte beispielsweise als „Bob Robertson“). Bei Für ein paar Dollar mehr (1965) wurden im Vorspann dagegen die richtigen Namen der Filmemacher genannt. Für diesen zweiten Film seiner – später so genannten – „Dollar-Trilogie“ stand Leone ein sehr viel höheres Budget (600.000 Dollar) zur Verfügung. Lee Marvin, Charles Bronson oder Henry Fonda sollten die zweite Hauptrolle neben Clint Eastwood spielen, konnten aber nicht verpflichtet werden, weshalb Leone den 40-jährigen Lee van Cleef engagierte, der bis dahin in zahlreichen Hollywood-Western (Zwölf Uhr mittags) in kleineren Nebenrollen aufgetreten war.

Eastwood trat erneut als unrasierter Revolvermann in Erscheinung und spielte einen Kopfgeldjäger, der mit seinem „Kollegen“ (Van Cleef) eine Gaunerbande zur Strecke bringt. Wie schon der Vorgängerfilm wurde auch Für ein paar Dollar mehr hauptsächlich in der Gegend von Almeria in Spanien gedreht, und wie Für eine Handvoll Dollar wurde er zu einem großen Kassenerfolg.

Leone war als Regisseur nun so etabliert, dass ihm für den letzten Teil der „Dollar-Trilogie“ ein Budget von 1,2 Millionen Dollar bewilligt wurde, was die Produktion eines epischen Westernfilms mit aufwändigen Szenenaufbauten und einer großen Zahl an Statisten ermöglichte. (Alle Filme, die Leone ab da an drehte, hatten eine Überlänge von mindestens 2 ½ Stunden.) In Zwei glorreiche Halunken (1966) war Clint Eastwood erneut als Kopfgeldjäger im Poncho zu sehen und jagte neben Lee van Cleef (als sadistischem Bösewicht) und Eli Wallach (als mexikanischem Banditen) hinter einem Goldschatz her, der in den Wirren des Bürgerkriegs verlorenging. Leones dritter Western wurde zu einem riesigen Kassenerfolg und avancierte im Lauf der Jahrzehnte zu einem beliebten Kultfilm. In der Internet Movie Database rangiert er auf der Liste der besten Filme auf Platz 5 und gilt dort als bester Western aller Zeiten (August 2012).

Bedeutung der Dollar-Trilogie[Bearbeiten]

Der enorme finanzielle Erfolg der relativ günstig produzierten „Dollar“-Filme löste die Italowestern-Welle aus, die in der zweiten Hälfte der 1960er Jahre ihren Höhepunkt hatte und hunderte von Filmen unterschiedlichster Qualität hervorbrachte. Fast alle Italowestern waren Billigproduktionen, die sich an den Werken Leones orientierten, welcher das Genre stilistisch und thematisch nachhaltig prägte.

Typischerweise traten in den Italowestern zynische, unrasierte Revolvermänner in Erscheinung, die im amerikanisch/mexikanischen Grenzgebiet gegen sadistische Schurken kämpften. Explizite Gewaltdarstellungen und Folterszenen prägten das Genre, die Protagonisten wurden häufig (auch bei Leone) schwer misshandelt. Die gängigen Themen der amerikanischen Western (Landbesiedelung, Krieg gegen die Indianer etc.) wurden in den Italowestern kaum behandelt. Zahlreiche Filme waren, korrespondierend mit dem Zeitgeist der späten 1960er Jahre, als „Revolutions-Western“ konzipiert und zeigten den Kampf der mexikanischen Landbevölkerung gegen ihre Unterdrücker. Da viele der Filme in Spanien gedreht wurden, konnten die südländisch aussehenden spanischen Statisten leicht als Mexikaner ausgegeben werden.

Anfang der 1970er Jahre wurde durch die enorm erfolgreichen Klamauk-Western mit Bud Spencer und Terence Hill, in denen die Klischees dieses Sub-Genres persifliert wurden, das Ende des Italowesterns eingeläutet. Bis Mitte der 1970er Jahre entstanden noch einige ernsthafte Filme wie zum Beispiel Keoma – Das Lied des Todes (1976) mit Franco Nero, dem wohl profiliertesten italienischen Star dieses Genres. Obwohl sich Regisseure wie Sergio Corbucci (Django) oder Duccio Tessari (Eine Pistole für Ringo) ebenfalls im Italowestern profilieren konnten, blieb Sergio Leone in kommerzieller wie künstlerischer Hinsicht die bestimmende Figur.

Die ersten drei Western von Sergio Leone revolutionierten den Inszenierungsstil des gesamten Genres und wirkten stilbildend nicht nur für den Italowestern. Der amerikanische Westernfilm, der Mitte der 1960er Jahre in seinen Konventionen erstarrt war, orientierte sich ab der zweiten Hälfte der 1960er Jahre deutlich an den viel zeitgemäßeren italienischen Western. Filme wie Die gefürchteten Vier (1966), Hängt ihn höher (1968), Das Wiegenlied vom Totschlag (1970) oder Chatos Land (1971 – dies war eine englische Produktion) orientierten sich am harten, zynischen Grundton des Italowesterns.

Mitarbeiter und Darsteller[Bearbeiten]

Sergio Leone arbeitete ab Mitte der 1960er Jahre mit einem festen Mitarbeiterstab, der an den meisten seiner Filme beteiligt war. Kameramann Tonino Delli Colli (1922–2005) sorgte für den speziellen Look der Leone-Filme, der unter anderem durch den Wechsel zwischen opulenten Landschaftspanoramen und ungewöhnlichen Großaufnahmen der Darstellergesichter geprägt war. Delli Colli und Leone waren auch darauf spezialisiert, aufwändige Kamerabewegungen zu arrangieren (Kamerafahrt über das Dach des Bahnhofsgebäudes in Spiel mir das Lied vom Tod).

Cutter bei allen Leone-Filmen ab Zwei glorreiche Halunken war Nino Baragli (1925–2013), der zusammen mit Leone für die komplexen Szenenmontagen verantwortlich zeichnete („Triello“ am Schluss von Zwei glorreiche Halunken). Als Produktionsdesigner und Kostümbildner war Carlo Simi (1924–2000) für die Ausstattung der Leone-Filme zuständig, die meist durch eine besondere Opulenz geprägt war.

Von elementarer Bedeutung für Sergio Leones Filme war die Musik von Ennio Morricone (* 1928), einem Klassenkameraden des Regisseurs aus Kindertagen. Nachdem sich Leone und Morricone – der als Trompeter, Arrangeur, Komponist und Dirigent tätig war – jahrelang aus den Augen verloren hatten, trafen sie sich wieder, als Leone einen geeigneten Komponisten für Für eine Handvoll Dollar suchte. Morricone, der seit 1961 als Filmkomponist arbeitete, schuf für Leone Soundtracks, die sich fundamental von den traditionellen symphonischen Westernsoundtracks unterschieden und durch den Einsatz unkonventioneller Instrumente (Maultrommel) und Soundeffekte (Kojotengeheul) auffielen. Morricone stellte seine Musik in der Regel bereits vor den Dreharbeiten fertig, was Leone die Möglichkeit gab, Szenen oder Kamerabewegungen genau auf sie abzustimmen. Als Komponist zeichnete er ab 1964 für jeden Leone-Film für die Musik verantwortlich.

Ennio Morricone stieg zu einem der bekanntesten und international gefragtesten Filmkomponisten auf und schuf Melodien, die über das Kino hinaus zu einem Teil der Populärkultur wurden (Lied vom Tod, Nobody-Thema). Er zeichnet bis heute (Stand 2012) für mehr als 500 Soundtracks verantwortlich; seine Musik wurde so populär, dass er sie seit Jahren mit großer Orchesterbegleitung live aufführt. Zahlreiche Komponisten wie zum Beispiel Bruno Nicolai orientierten sich bei ihren Italo-Western-Soundtracks an Morricones Arbeiten.

Sergio Leone, der stark vom amerikanischen Kino geprägt war, verpflichtete für seine Filme vor allem US-Schauspieler. Eine Ausnahme war der Italiener Gian Maria Volonté (1933–1994), der in den ersten beiden Dollar-Filmen als Schurke auftrat. Hauptdarsteller der Dollar-Trilogie war Clint Eastwood (* 1930), der als Zigarillo rauchender Revolvermann zu einer Ikone der Popkultur wurde und es vom TV-Cowboy (Rawhide) zum internationalen Filmstar brachte. Als Darsteller, Regisseur und Produzent zählt Eastwood seit Jahrzehnten zu den führenden Hollywood-Persönlichkeiten. Lee van Cleef (1925–1989) avancierte durch die Leone-Filme zu einem der populärsten Stars des Italo-Westerns und spielte häufig abgeklärte Kopfgeldjäger und ähnliche Figuren. Charles Bronson (1921–2003) wurde 1968 durch Spiel mir das Lied vom Tod zum internationalen Action-Star.

Nachdem sich Sergio Leone mit seinen ersten Filmerfolgen einen guten Ruf erworben hatte und seine Budgets größer geworden waren, konnte er auch renommierte amerikanische Charakterdarsteller wie Eli Wallach (1915-2014), Henry Fonda (1905–1982), Jason Robards (1922–2000) oder Rod Steiger (1925–2002) verpflichten. In den 1980er Jahren arbeitete er mit Robert De Niro (* 1943) zusammen.

Amerika-Trilogie (oder auch „Once-upon-a-time-Trilogie")[Bearbeiten]

Nachdem Zwei glorreiche Halunken zu einem großen Erfolg geworden war, avancierte Leone endgültig zu einem internationalen Star-Regisseur und erhielt die Chance, in Hollywood zu arbeiten. Er wollte jedoch zunächst keine Western mehr drehen, sondern plante die Produktion eines epischen Gangsterfilms. Da die Studios dieses Genre für nicht mehr zeitgemäß hielten, erklärte sich Leone dazu bereit, einen weiteren Western zu inszenieren.

Mit seinen Drehbuchautoren Bernardo Bertolucci, Dario Argento (beide wurden später selbst als Regisseure bekannt) und Sergio Donati erarbeitete er die epische, opernhafte Geschichte von Spiel mir das Lied vom Tod (C’era una volta il West/Once Upon A Time In The West) (1968), einer Prestigeproduktion, für die ihm ein Budget von fünf Millionen Dollar bewilligt wurde. Es war die erste von nur zwei US-Produktionen Leones.

Spiel mir das Lied vom Tod entstand in Amerika, Spanien und Italien und war mit amerikanischen Darstellern wie Henry Fonda, Charles Bronson und Jason Robards besetzt. Die italienische Star-Schauspielerin Claudia Cardinale komplettierte das Hauptdarsteller-Quartett. Da der Film von der amerikanischen Gesellschaft Paramount produziert wurde und drei amerikanische Stars in den Hauptrollen zu sehen waren, kann dieser Film genau genommen kaum noch als Italo-Western bezeichnet werden. Allerdings waren alle kreativen Schlüsselpositionen (Drehbuch, Kamera, Ausstattung, Musik, Schnitt) mit Leones italienischem Team besetzt.

Spiel mir das Lied vom Tod zeigte Charles Bronson in der Rolle eines mundharmonikaspielenden Revolvermannes, der einen sadistischen Schurken (Henry Fonda) zur Strecke bringt, wurde zu einem riesigen Erfolg und ging als Klassiker und Kultfilm in die Filmgeschichte ein. In den USA lief der Film in einer stark gekürzten Fassung, durch die die künstlerische Vision Leones erheblich beeinträchtigt wurde, und fiel an den Kinokassen durch. (Auch mit seinen nächsten Filmen konnte sich Leone in den USA nicht mehr durchsetzen.)

Vor allem in Europa konnte der Regisseur mit Spiel mir das Lied vom Tod dagegen große Erfolge feiern, in Deutschland avancierte der Western mit 13 Millionen Zuschauern zu einem der erfolgreichsten Kinofilme und lief teils jahrelang in den Kinos. Ennio Morricone schrieb für Spiel mir das Lied vom Tod einen der wohl bekanntesten Soundtracks der Kinogeschichte.

Mit Spiel mir das Lied vom Tod hatte Sergio Leone seinen Karrierehöhepunkt erreicht. Bis zu seinem Tod im Jahr 1989 inszenierte er nur noch zwei Filme, die beide an den Kinokassen ohne große Resonanz blieben. Bei seinem Projekt Todesmelodie (Giù La Testa; Arbeitstitel des Drehbuchs war Es war einmal … die Revolution) (1971) wollte Leone zunächst nur als Produzent im Hintergrund agieren; als Regisseur vorgesehen waren Peter Bogdanovich oder Sam Peckinpah. Nachdem die Regie schließlich von seinem ehemaligen Assisten Gian Carlo Santi übernommen worden war, kam es bei den Dreharbeiten zu Differenzen mit den Darstellern, weshalb Leone selbst auf den Regiestuhl wechselte.

Todesmelodie stand in der Tradition zahlreicher „Revolutions-Western“, die in den späten 1960er Jahren entstanden waren. Rod Steiger (als mexikanischer Bandit) und James Coburn (als irischer Sprengstoffspezialist) führen hier einen Banküberfall durch und werden unfreiwillig zu Helden der mexikanischen Revolution. Verglichen mit den anderen Western Leones war dieser Film – der zweite Teil der sogenannten „Amerika-Trilogie“ – kommerziell nicht erfolgreich und geriet bald in Vergessenheit.

Nach Todesmelodie war Leone jahrelang nur noch als Filmproduzent tätig, so auch 1973 bei der Westernkomödie Mein Name ist Nobody, bei dem er außerdem als Ideenlieferant und Co-Autor fungierte. Terence Hill in der Titelrolle des Nobody spielte hier eine ganz ähnliche Figur wie in seinen erfolgreichen Spaß-Western mit Bud Spencer – den sympathischen Abenteurer, der schneller zieht als andere. Ihm zur Seite stand Henry Fonda in der Rolle von Jack Beauregard, einem legendären Revolvermann fortgeschrittenen Alters, den der namenlose Nobody als Fan bewundert. Obwohl Leones früherer Regie-Assistent Toninio Valerii offiziell als Regisseur des Films angegeben war, wurden offenbar zahlreiche Szenen von Sergio Leone inszeniert. Als Soundtrack-Komponist fungierte wie immer Ennio Morricone, der mit der Titelmelodie eines seiner wohl bekanntesten Musikstücke schuf.

Ab 1972 bereitete Sergio Leone sein Gangster-Epos Es war einmal in Amerika vor, das auf Harry Greys Buch The Hoods basierte und den dritten Teil seiner Amerika-Trilogie darstellte. Nach aufwändigen Vorbereitungsarbeiten kam die fast vierstündige Gangster-Saga 1984 schließlich ins Kino. Der Film erzählt auf drei Zeitebenen (1922/1932/1968) das Leben des jüdischen Gangsters Noodles (Robert De Niro), der während der Prohibitionszeit an der Seite seines Freundes Max (James Woods) Karriere macht, diesen dann aber an die Polizei verrät. Das hochbudgetierte Epos (30 Millionen Dollar) fand mit seiner komplexen Erzählstruktur im Kino kein Publikum und wurde erfolglos umgeschnitten und gekürzt.

Der Film wurde von der Kritik allerdings rehabilitiert und gilt seit langem als einer der großen Klassiker der 1980er Jahre. Sergio Leone konnte jedoch nie die von ihm geplante Schnittfassung des Films erstellen. Unter Leitung von Martin Scorsese wurde der Film restauriert und 2012, bei den Filmfestspielen von Cannes, in einer um 25 Minuten verlängerten Fassung präsentiert.

Sergio Leone starb 1989 im Alter von 60 Jahren an einem Herzinfarkt, als er gerade an einem Film über die Belagerung Leningrads im Zweiten Weltkrieg arbeitete. Der stark übergewichtige Regisseur hatte bereits zuvor Herzinfarkte erlitten.

Einfluss auf andere Filmemacher[Bearbeiten]

Noch heute beschreiben viele Regisseure Leone als ihr großes Idol. In einem Interview sagte James Woods, dass die Arbeit mit Sergio Leone der Höhepunkt seiner Filmkarriere gewesen sei.[9] Quentin Tarantino ist bekennender Liebhaber seiner Filme[10] und lässt auch viele für Sergio Leone typische Kameraeinstellungen in seine eigenen Filme einfließen.[11] Clint Eastwood widmete Leone seinen Oscar für die beste Regie von Erbarmungslos (Unforgiven, 1992), obwohl er einige Streitigkeiten mit ihm gehabt hatte.

Filme[Bearbeiten]

Regie[Bearbeiten]

Filme in den Top 250 der IMDb[12]
Platz Film
6 Zwei glorreiche Halunken
27 Spiel mir das Lied vom Tod
74 Es war einmal in Amerika
98 Für ein paar Dollar mehr
232 Für eine Handvoll Dollar

* Produktionen unter fremder Regie, Teilsequenzen unter Regie Leones

Drehbuch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Oreste De Fornari: Sergio Leone. Bahia Verlag, München 1984, ISBN 3-922699-26-X.
  • Christopher Frayling: Spaghetti Westerns. Cowboys and Europeans from Karl May to Sergio Leone. I.B.Tauris, London/New York 1998, ISBN 978-1-84511-207-3.
  • Christopher Frayling: Sergio Leone. Something To Do With Death. Faber & Faber, London/New York 2000, ISBN 978-0-571-16438-7.
  • Harald Steinwender: Sergio Leone. Es war einmal in Europa. Bertz + Fischer Verlag, Berlin 2009, ISBN 978-3-86505-308-4.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Sergio Leone – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Harald Steinwender: Sergio Leone. Es war einmal in Europa, Berlin: Bertz + Fischer Verlag 2009, S. 30.
  2. Steinwender: Sergio Leone, S. 29 [zitiert und übersetzt nach: Noël Simsolo: Conversations avec Sergio Leone, Paris: 1987, S. 22] Das „Kino der weißen Telefone“ verkörperte für viele Nachkriegsregisseure Italiens den wirklichkeitsfernen Stil des faschistischen Kinos. Näheres dazu siehe Morando Morandini: „Italien. Vom Faschismus zum Neo-Realismus“. In: Geoffrey Nowell-Smith (Hg.): Geschichte des internationalen Films. J. B. Metzler, Stuttgart/Weimar 2006, S. 321 f.
  3. Sergio Leone selbst spricht von einem „inoffiziellen Berufsverbot“ von 1929 bis 1939, Frayling hingegen deutet dies als „Familienlegende“. Frayling: Sergio Leone. S. 38 f.
  4. Die Angaben darüber weichen allerdings stark voneinander ab. Christopher Frayling spricht von der Beteiligung an 28 Produktionen vor Der Koloß von Rhodos im Jahr 1961, der Companion to Italian Cinema von 56 Arbeiten, andere Quellen von „über 50“ Filmen.
  5. Michael Carlson: Sergio Leone. Harpenden/Herts 2001, S. 31.
  6. Steinwender: Sergio Leone. S. 32.
  7. Filmkritik von Christoph Huber bei filmzentrale.com
  8. Der Letzte seiner Art – Clint Eastwood in Lexikon des internationalen Films, S. W 38.
  9. Gavin Smith: James Woods: The Actor as Terrorist. In: Film Comment. 33, 1–2/1997, S. 58 f.
  10. Michael Ciment/Hubert Niogret: Interview at Cannes. In: Gerald Peary (Hg.): Quentin Tarantino. Interviews. Jackson, Mississippi: 1998, S. 9–26.
  11. Steinwender: Sergio Leone. S. 347 ff.
  12. Die Top 250 der IMDb (Stand: 10. Dezember 2014)