Serife

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Typografische Begriffe
Serifenformen

Als Serife bezeichnet man die (mehr oder weniger) feinen Linien, die einen Buchstabenstrich am Ende, quer zu seiner Grundrichtung, abschließen. Der Duden nennt als Wortherkunft Niederländisch-Englisch, das Oxford English Dictionary bezeichnet die Wortherkunft als unbekannt.

Eine bekannte Serifen-Schrift ist Times; eine bekannte serifenlose Schrift ist Helvetica.

Geschichtliche Herkunft[Bearbeiten]

Ihren Ursprung haben die Serifen in der Griechischen Lapidarschrift.[1] Die anfangs in Stein geritzte Schrift wurde später gemeißelt. Da das Meißeln rechter Winkel schwierig ist, entstanden so die Serifen als Ausläufe.[2] Das Vorschreiben auf Stein mit breitem Schreibgerät hat die Entstehung der Serifen unterstützt und führte auch zu den variierenden Strichstärken.[3] Eine andere, weniger verbreitete, Theorie sieht den Ursprung der Serife nicht in der Meißeltechnik, sondern im Zeichnen von Buchstaben mit einem Pinsel. Das Ausholen des Pinsels brachte die Serife als zeichentechnisch bedingtes Element hervor, welches man später auf die gemeißelten Buchstaben übertrug.[4] Die ersten Serifen waren noch unscheinbar kurz und wurden bis zur römischen Kaiserzeit aber, vergleichbar mit den Serifen der heutigen Egyptienne, auch betont und als dekoratives Element eingesetzt.[1]

Schriftklassifikation[Bearbeiten]

In der Schriftklassifikation spielen Serifen eine wichtige Rolle. Durch Beurteilung von Stärke und Form der Serifen können Schriften in verschiedene Klassen eingeordnet werden.

Über Jahrhunderte hinweg hat sich das Aussehen der Serifen gewandelt. Während sie in der Französischen und der Venezianischen Renaissance-Antiqua noch kräftig und der Übergang zum Buchstabenstrich deutlich gerundet war, wurden die Strichstärkenkontraste in der Barock-Antiqua schon deutlich ausgeprägter, die Serifen dadurch gerader und feiner. Bei der Klassizistischen Antiqua waren die Serifen nur noch zarte, völlig waagerechte Striche ohne Übergang zum Hauptstrich.

Mit Aufkommen der Industrialisierung Anfang des 19. Jahrhunderts kehrte sich die Entwicklung um: Für Reklame und Plakate erfand man die Egyptienne oder Serifenbetonte Linear-Antiqua. Bei diesen Schriften gibt es (fast) keinen Strichstärkenkontrast mehr, dadurch wurden die Serifen ebenso stark ausgeprägt wie Grund- und Haarstriche. Diese Schriften waren die typischen Schreibmaschinen-Schriften.

Ebenfalls Anfang des 19. Jahrhunderts entwickelte man serifenlose Schriften, die sogenannte Grotesk oder serifenlose Linear-Antiqua. Die serifenlosen Schriften haben sich ab Anfang des 20. Jahrhunderts einen festen Platz in der Typografie erarbeitet.

Bei nichtproportionalen Schriftarten wie Courier kann mit Serifen der Leerraum, der um schmale Buchstaben wie „i“ und „l“ entsteht, gefüllt werden.

Abhängigkeit der Form von der Technik[Bearbeiten]

Kehlung

Zum Teil ist die Form der Serife technisch bedingt. Wenn bei der Herstellung eines Buchstabens das ihn umgebende Material vom Stempelschneider entfernt wird, entstehen abgerundete Ecken am Übergang von der Serife zum angrenzenden Strich. Diese Ecken sind durch die Form des Schneidewerkzeuges und die Art des Schnitts bedingt und werden Kehlung (oder „Serifenrundung“) genannt.

Wenn der Buchstabe herausgeschnitten, gestochen wird, entsteht zum Beispiel ein scharfer rechter Winkel. Auch feinere Linien sind möglich. Die Buchstaben sehen „wie gestochen“ aus. Beim Computerdruck ergeben sich wiederum andere Bedingungen. Jede beliebige Form ist prinzipiell möglich, aber es gibt Grenzen durch die begrenzte Auflösung zum Beispiel durch die Rasterung des Bildschirms oder durch den Druckraster. Längere Texte auf Bildschirmen (mit entsprechend kleinen Buchstaben) ermüden beim Lesen weniger, wenn eine serifenlose Schrift gewählt wird, als wenn versucht wird, unterhalb der eigentlichen Bildschirmauflösung verschwommene Serifen darzustellen.

Weitere Zier-Abschlüsse[Bearbeiten]

In einem weiteren Sinne werden unter dem Begriff Serife auch andere Zier-Abschlüsse zusammengefasst, etwa die Tröpfchen oder Flämmchen an hebräischen Buchstaben wie ש, die in den meisten hebräischen Schriften ausgeprägt werden, oder die Ringe in der thailändischen Schrift. Als vergleichbare Zier-Abschlüsse kann man auch die Würfelfüßchen vieler gebrochener Schriften ansehen, die in der Paläografie als Quadrangeln bezeichnet werden.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Max Bollwage: Buchstabengeschichte(n)
  2. Joep Polen: Letterfontäne
  3. Hans Eduard Meier: Die Schriftentwicklung
  4. Edward M. Catich: The origin of the serif

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Serife – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Wiktionary: Serifenschrift – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen