Sertão

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Sukkulentensavanne im Sertão nordeste im brasilianischen Nordosten
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Sertão (Portugiesisch serˈtɐ̃w̃) bezeichnet die halbwüstenartigen Landschaften im Binnenland Brasiliens.

Im Zentrum und Süden des Landes ist sie mit Baumsavanne bewachsen, der Nordosten ist mit Laubbäumen durchsetzte Strauchsavanne. Die Region ist von sehr geringen Niederschlägen gekennzeichnet und häufig von Dürre betroffen, die Trockenzeit beträgt zehn bis elf Monate. Die Jahresniederschläge betragen meist unter 300 mm und erreichen ihr Minimum in Petrolina am Rio São Francisco mit 213 mm. Nur wenigen Tieren wie dem Ameisenbär oder dem Gürteltier genügen die Bedingungen dieser Region zum Leben. Zum Atlantik liegt zwischen dem Sertão und der Waldzone (Mata Atlântica) als Übergangsgebiet der agreste, im Westen wird die Übergangsregion zwischen Trockengebiet und den Regenwäldern des Amazonasbeckens meio norte genannt.

Extensive Rinderwirtschaft und Großgrundbesitz herrschen vor, wobei auf den trockenen Böden nur ein Rind pro 10 ha gehalten werden kann. Von März/April bis November/Dezember sind Herdenwanderungen in die feuchteren Hügel- und Berggebiete üblich. Ackerbau ist nur vereinzelt möglich. Einige Quellgebiete und feuchtigkeitssammelnde Talgebiete bilden relativ fruchtbare Inseln, die sogenannten brejos, in denen sich die kleinbäuerliche Bevölkerung konzentriert und die im Nordosten insgesamt etwa 18.000 km² ausmachen. Etwa 500.000 ha werden bewässert, möglich wären etwa 2,5 Millionen ha.

Die Grundeigentums- und Sozialstruktur ist, vor allem im Nordosten, von extremen Gegensätzen geprägt. Teilweise kann man noch von feudalen Strukturen oder sogar von moderner Sklaverei sprechen.

Vor allem der Nordosten Brasiliens wird mit dem Sertão verbunden. Er hat eine vielfältige Folklore hervorgebracht, die in der unterentwickelten Region lange von Modernisierungen unbehelligt überleben konnte. Zu den bedeutendsten brasilianischen Romanen zählen Os Sertões (1902, dt. „Krieg im Sertão“) von Euclides da Cunha, der die Ereignisse um die Vernichtung der Siedlung Canudos, dem Krieg von Canudos, erzählt, und Grande Sertão: Veredas von João Guimarães Rosa (1956). Die Música sertaneja (brasilianischer Country) ist ein Kulturprodukt des Sertão im südlichen Brasilien.

Die Cangaceiros[Bearbeiten]

Cangaceiros waren Mitglieder von marodierenden Banden im Sertão. Wichtigster und bekanntester Anführer war Virgulino Ferreira da Silva, genannt Lampião (Lampe, Laterne) während der 20/30er Jahre des 20. Jhd. Seine Person und seine Bande wurden im Laufe der Jahrzehnte glorifiziert und überhöht. Es wurden Vergleiche zu Robin Hood gezogen, die mit der Realität aber nicht zu vereinbaren waren.

Die Geschichte der Cangaceiros wurde filmisch aufgearbeitet ("O Cangaceiro").

Bekannt geworden ist auch die "Hymne" der Cangaceiros "Mulher Rendeira", die heute noch im Sertão gesungen wird.

Siehe auch[Bearbeiten]